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Folgen für die Vermarktung von Hühnereiern in Zeiten von Geflügelpest

In vielen Bundesländern und Landkreisen gilt inzwischen aufgrund des Ausbruchs der Geflügelpest eine ununterbrochene Stallpflicht für Geflügel. Dies hat erhebliche Konsequenzen für die Freilandhaltung insgesamt und speziell für die Vermarktung von „Eiern aus Freilandhaltung“.

Um Eier als „Eier aus Freilandhaltung“ vermarkten zu dürfen, ist es unter anderem erforderlich, dass die Legehennen tagsüber uneingeschränkten Zugang zu einem Auslauf im Freien haben. Aufgrund der angeordneten Stallpflicht können die Geflügelhalter ihren Tieren jedoch keinen Auslauf mehr gewähren.
Für diesen Fall, in dem die angeordnete Stallpflicht den Zugang der Legehennen zu einem Auslauf im Freien beschränkt, gilt eine Übergangsregelung. Obwohl die Hennen tatsächlich keinen Zugang zum Freiland mehr haben, dürfen ihre Eier hiernach für die Dauer der Beschränkung, in keinem Fall aber länger als 16 Wochen, weiterhin als „Eier aus Freilandhaltung“ vermarktet werden. Anschließend gelten sie als „Eier aus Bodenhaltung“.
Dies wirkt sich unter anderem auf die Kennzeichnung der Eier und ihrer Verpackungen aus. Anstelle der „1“ als Codierung für Freilandhaltung sind die Eier nun mit einer „2“ für Bodenhaltung zu kennzeichnen. Auch auf der Verpackung ist auf die Haltungsform „Bodenhaltung“ hinzuweisen. Legehennenhalter müssten in diesen Fällen also einen neuen Erzeugercode beantragen.
Gemäß Art. 12 Abs. 2 Satz 1 der Eiervermarktungs-DVO tragen Eier der Klasse A auf der Außenseite deutlich sichtbar und leicht lesbar die Angabe der Haltungsart. Zulässig ist lediglich die Angabe einer Haltungsart, mithin die Kennzeichnung entweder als „Eier aus Freilandhaltung“ oder als „Eier aus Bodenhaltung“. Die Angabe mehrerer Haltungsarten wird als irreführend für den Verbraucher bewertet.
Um eine Weiternutzung bereits bedruckter Verpackungen zu ermöglichen, ist es möglich diese mit einem Zusatzetikett zu überkleben. Als zulässig wird vom Niedersächsischen Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (LAVES) beispielsweise folgender Text erachtet:
“Vorübergehend zum Schutz unserer Freilandlegehennen Eier aus Bodenhaltung (mit Wintergartenauslauf) aufgrund der angeordneten Stallpflicht“
Auf diese Weise kann an die Kunden appelliert werden, die besondere Situation anzuerkennen und den vielen regionalen Eier-Erzeugern trotzdem weiter treu zu bleiben.
Eierlieferanten aus Geflügelpestgebieten werden ihre Kunden mit Hinweisen vertrösten müssen, dass es wegen der Aufstallungspflicht keine echten Freilandeier mehr gibt. Auch Mobilstallbetreiber, die über einen überdachten Auslauf verfügen erfüllen i.d.R. nicht die Vermarktungsnorm für Freilandhaltung von 4 m2/Henne.
Die Verpflichtung, aufgrund des Aufstallungsgebotes die Eier nur noch über eine Packstelle zu vermarkten, gibt es nicht.
Anders sieht es für Eier aus Sperr- oder Beobachtungsgebieten der Geflügelpest aus:
Für die Eiervermarkter aus Sperrgebieten (1-3 km-Radius um einen Geflügelpestfund), gilt absolutes Verbringungsverbot der Eier.
Im Beobachtungsgebiet (bis 10 km um einen Fund) dürfen die Eier nur mit Sondergenehmigung (auf Antrag beim Landkreis) über eine eigene oder externe Packstelle vermarktet werden, die von der zuständigen Behörde benannt wird. Diese Pakstelle darf keinen angeschlossenen Legehennenbetrieb haben. Ziel ist es, keine Keime in einen anderen Legehennenbetrieb zu verbringen. Diese Notwendigkeit der Sondergenehmigung gilt auch für die Verbringung der Eier in eine Nudelei, Brüterei etc.
Direktvermarkter ohne Packstelle können somit in diesen Fällen ihre Eier offiziell nicht vermarkten.
Bisher ist kein Fall bekannt, wo der Erreger durch Eier weitergegeben wurde. Bei der Abgabe von Eiern direkt an den Verbraucher besteht somit keine Gefahr.
Es wird geraten, in jedem Fall Kontakt mit dem örtlichen Veterinäramt aufzunehmen und die persönliche Situation vor Ort zu schildern. Vieles bei den Entscheidungen ist Ermessensspielraum.


Kontakt:
Sandra Raupers-Greune
Beraterin Garten, Hof- und Dorfgrün, Direktvermarktung, Landfrauenverband
Telefon: 0531 28997-127
Telefax: 0531 28997-111
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Stand: 07.04.2021