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Artenschutz geht jeden etwas an

Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg macht sich mit dem Segelboot auf den Weg zur Weltklimakonferenz, um sich dort für die Umwelt einzusetzen. Doch was kann hier vor Ort getan werden? Der Rat der Gemeinde Sandbostel wollte mehr erfahren und lud am 15.08.2019 Biodiversitätsberater Holger Westerwarp, Landwirtschaftskammer Bremervörde, zu einem Vortrag über die Möglichkeiten zum Artenschutz vor Ort ein.

Information - Motivation - Aktion: in den Augen Westerwarps die drei Schwerpunkte sinnvoller Naturschutzprojekte. Und so informierte er an diesem Abend neben den 9 Ratsmitgliedern 20 weitere Gäste aus der Region. Er machte deutlich, dass Biotop- und Artenschutz sowohl an Nutzflächen gebunden als auch auf Hofstellen und in privaten Gärten stattfinden kann. Schon kleine Dinge, wie die Auswahl von Pflanzen mit offenen Blüten oder die Pflanzung standortheimischer Gehölze können etwas bewirken. Überdies kann sich jeder einzelne im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und z.B. der Naturbildung von Kindern und Jugendlichen einbringen.

Ökologisch wertvoll gestaltete Wegeseitenränder und Gärten müssen dabei nicht aufwändig sein. Eine überlegte Planung im Voraus berücksichtigt, welchen Platzbedarf Büsche in Zukunft haben werden. Bienen- und Vogelnährgehölze, wie z.B. Eberesche, Weißdorn und Pfaffenhütchen, stellen gute Futterquellen dar. Etwa ein Viertel der heimischen Singvögel wie Rotkehlchen und Zaunkönig sind Strauchbrüter, die ohne Sträucher keinen Ort zum Brüten haben. Breite Heckensäume bieten Lebensraum für verschiedene Falterarten. Und auch bei der Pflege gibt es etwas zu beachten: sie sollte immer mindestens an die gesetzliche Brut- und Setzzeit vom 1.4. bis 15.7. eines jeden Jahres angepasst sein oder noch später einsetzen.

Was kann konkret getan werden? Einige Landwirte nutzen bereits die Möglichkeit, auf ihren Flächen Blühflächen oder –streifen anzulegen. Teilweise können dafür Förderprogramme genutzt werden. Kommunen und öffentliche Einrichtungen können ebenso – wie beispielsweise Landwirtschaftskammer und Landvolk im Grünen Zentrum Bremervörde – Insektenfreundliche Blühmischungen aussähen und mit Infotafel Öffentlichkeitsarbeit betreiben. In verschiedenen Kommunen wurden mit Unterstützung der Bingo Umweltstiftung Kleingewässer angelegt. Kommunen können sogar Kosten sparen, wenn sie Wegeseitenränder dort wo es möglich ist nicht Mulchen, sondern Pflanzen wie den Rainfarn auch nach der Blüte stehen lassen. Die Zusammensetzung verschiedener Pflanzen ist es, was Wildtiere wie z.B. Hasen als „Hasenapotheke“ brauchen. Da alle Akteure auf gutes Miteinander in Umfeld angewiesen sind, machte Holger Westerwarp deutlich: „Kommunikation ist wichtig, wenn Maßnahmen funktionieren sollen“.

Und im privaten Garten? Jeder kann Vögel und Insekten durch das Aufhängen von Nisthilfen unterstützen. Singvögel haben ein positives Image und in einigen Fällen ist sogar eine finanzielle Förderung durch den Landkreis möglich. Wie erwähnt, sind offene Blüten wie beispielsweise bei der Stockrose, für viele Insekten wichtig um an den Nektar zu kommen. Anregungen zur Gartengestaltung kann man sich auch beispielsweise in der Landschaftspflegeschule Geestenseth holen. Wer gerne sinnvolles in Gemeinschaft tut, kann sich mit anderen zusammenschließen – so wie die Tierfreunde Langenhausen, die jährlich generationsübergreifend bei der Kitzrettung aktiv sind.

Viele Maßnahmen können gefördert werden. Einen guten Überblick im Förderdschungel haben die Biodiversitätsberater der Landwirtschaftskammer. Arten- und Biotopschutzmaßnahmen und Nistkästen werden mit insgesamt ca.100.000€ im Jahr vom Landkreis Rotenburg unterstützt. Ansprechpartner sind hier auch die örtlichen Jäger. Auf der Homepage der Bingo Umweltstiftung werden viele umgesetzte Projekte vorgestellt und inspirieren. Ebenso bei der Stiftung Kulturlandpflege und der Landesjägerschaft Niedersachen. Landwirte können darüber hinaus über die einzelbetriebliche Förderung die Biodiversitätsberatung gefördert bekommen.

Einzelne Akteure zusammenbringen und gemeinsam gestalten: dadurch lassen sich schneller Ziele erreichen. In jeder Kommune liegen andere Schwerpunkt, aber überall kann etwas getan werden. Positive Nebeneffekte wie beispielsweise die Förderung des Tourismus im Bereich der Nordpfade wirken sich auch auf das Miteinander in der Gemeinde und die Wirtschaft aus. Holger Westerwarp zitierte abschließend den Farvener Bürgermeister Ulrich Mehrkens mit den Worten „mit ein bisschen mehr reden wird vieles möglich“. Und während Greta Thunberg den Ozean überquert, konnte er sich sicher sein, in den Köpfen der Besucher der Ratssitzung mit seinen Impulsen einige Steine ins Rollen gebracht zu haben.

Hier geht es zu den im Vortrag genannten Infomaterialien:

Flyer des  NLWKNs

https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/service/veroffentlichungen_webshop/schriften_zum_downloaden/downloads_bluhende_raine/veroeffentlichungen-zum-thema-bluehende-raine-natuerlich-voller-leben-zum-downloaden-44766.html

https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/service/veroffentlichungen_webshop/schriften_zum_downloaden/downloads_biotopschutz/veroeffentlichungen-zum-thema-biotopschutz-zum-downloaden-44833.html

BUND-Heft: Gefährdete Wildbienen

http://rotenburg.bund.net/


Kontakt:
Holger Westerwarp
Regionalentwicklung
Telefon: 04761 9942-134
Telefax: 04761 9942-159
E-Mail:


Stand: 19.08.2019