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Pflanzenschutztagungen 2020

Sieben Nachmittage geballtes Fachwissen: Inhaber des Sachkundenachweises aus dem Elbe-Weser-Bereich frischten ihre Pflanzenschutzkenntnisse entsprechend des gesetzlich geforderten 3-Jahres-Turnus auf. Darüber hinaus besuchen viele Landwirte aus Interesse jährlich die Pflanzenschutztagungen. Berater der Landwirtschaftskammer brachten die Besucher in Helvesiek, Wollingst, Selsingen, Cadenberge, Ahlerstedt, Verden und Osterholz-Scharmbeck auf den neuesten Wissensstand. Die Vorträge fassen wir Ihnen hier zusammen.

Aktuelle Entwicklungen im Pflanzenschutz und integriertes Management von Schädlingen (Lüder Bornemann)

Im Fokus stehen in diesem Jahr neben Fachthemen auch die vielen rechtlichen Änderungen im Bereich Düngung und Pflanzenschutz sowie der Blick auf zukünftige Produktionsverfahren, die mit den gesellschaftlichen Forderungen an die Pflanzenproduktion im Einklang stehen. Im ersten Vortrag werden die zukünftigen Herausforderungen im Management von Schädlingen im Pflanzenbau erläutert: Immer weniger zugelassene Wirkstoffe stehen zunehmenden Resistenzentwicklungen bei den Schädlingen gegenüber. Zukünftig müssen noch stärkere Anstrengungen unternommen werden, um pflanzenbauliche Grundsätze, wie z.B. Fruchtfolge, Sortenwahl oder Saattermin zu nutzen, um die Kulturen ausreichend vor Schädlingsbefall zu schützen. Sehr wichtige Schädlinge sind z.B. Blattläuse, die starken Saugschäden verursachen und auch Pflanzenviren übertragen können. Darüber hinaus werden neue Regelungen im Anwenderschutz erläutert.

Aktuelle Themen zur Düngung (Holger Oest)

Im Düngerecht hat sich seit den vergangenen Jahren einiges verändert. Jetzt müssen Landwirte ihre Düngebedarfsermittlung (= Düngermenge, die tatsächlich gedüngt werden darf) und ihren Nährstoffvergleich (= Düngermenge, die tatsächlich gedüngt wurde) melden. Die Kontrollbehörde / Prüfdienst wird nach Meldung Betriebe mit erhöhtem Risiko prüfen. Zusätzlich gibt es weitere Vorgaben für die so genannten „Roten und Grauen Gebiete“, denen vermutlich ab Mitte 2020 zusätzliche neue Vorgaben folgen werden. Die Herbstdüngung und der Düngebedarf der Kulturpflanzen soll stark eingeschränkt werden, was zu Problemen bei der Pflanzenentwicklung führen kann. Landwirte können und müssen reagieren, indem sie die organischen Dünger noch effizienter ausbringen und Mineraldünger einsparen. Demzufolge müssen Landwirte ihre Ackerflächen in allen Bereichen fit halten, um die Herausforderungen lösen zu können.

Sortenwahl als Basis der Krankheitsbekämpfung im Getreide und zur Befallssituation mit Mäusen und Wiesenschnaken im Grünland (Heinrich Steinhoff)

Die Bekämpfung von Blattkrankheiten im Wintergetreide ist in der Regel eine wirtschaftliche Maßnahme. Das Auftreten der verschiedenen Krankheiten wechselt aber in Abhängigkeit vom Standort und der Jahreswitterung erheblich. Daher sind für eine Bekämpfungsentscheidung regelmäßige Bestandskontrollen im Frühjahr notwendig. Ob sich ein im Bestand vorhandener Pilz ausbreiten kann, ist aber von der Witterung abhängig. Generell sind feuchte Witterungsphasen für die Entwicklung von Pilzkrankheiten förderlich. Zur Abschätzung der Infektionsgefahr stehen dem Landwirt internetbasierte Informationssysteme zur Verfügung, die anhand der Witterung vor Ort und der Entwicklung der Getreide die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Krankheiten berechnen. Basis der Krankheitsbekämpfung ist die Sortenwahl, da Sorten unterschiedlich von Pilzen befallen werden. Diese Resistenzen werden vor dem Hintergrund der nachlassenden Wirkung bei einigen fungiziden Wirkstoffen zunehmend wichtiger.

Nach zwei trockenen und warmen Jahren ohne Winter konnten sich Feldmäuse insbesondere im Grünland teilweise explosionsartig vermehren. Das hat in Moorregionen teilweise zur völligen Zerstörung der Grasnarbe geführt, was für einen Futterbaubetrieb einen hohen wirtschaftlichen Schaden darstellt. Eine natürliche Reduktion der hohen Mäusebesätze ist bisher nicht absehbar, ihre Bekämpfung über eine Bodenbearbeitung die praktikabelste Maßnahme. Gleichzeitig konnte sich die Wiesenschnake im vergangenen Spätsommer stark ausbreiten. Ihre Larven zerstören bei dem im Herbst ermittelten hohen Befallswerten ebenfalls die Grasnarbe. Ein natürliches Absterben dieser Tiere über Winter ist unwahrscheinlich. Eine chemische Bekämpfung im Frühjahr ist jedoch nur bei Genehmigung der Sonderzulassung eines Insektizids möglich. Geschieht dies nicht, ist zu erwarten, dass im Frühjahr in den Moorregionen die bisher von Mäusen verschonten Grünlandflächen starke Narbenschäden durch die Wiesenschnake zeigen werden.

Herbizidmanagement und Wachstumsreglermaßnahmen in den Kulturen – Neuerungen, Resistenzen, Empfehlungen (Paul Steingroever)

Neben den Pilzkrankheiten stellen die Unkräuter die wichtigsten Schaderreger in den Kulturen dar. In Abhängigkeit der Fruchtfolge dominieren unterschiedliche Ungräser und Unkräuter. Wird vermehrt Mais angebaut, wie z.B. in Rotenburg, überwiegen die Hirsen. Bei den Hirsearten hat sich in den letzten Jahren die Borstenhirse zu Lasten der Hühnerhirse immer stärker ausgebreitet. Seit 2 Jahren werden weitere Arten, wie z.B. die Haarstielhirse, in der Region beobachtet. Über Bekämpfungsmöglichkeiten wurde ausführlich berichtet. Die Unkrautbekämpfung wird bis heute fast ausschließlich chemisch mit Herbiziden durchgeführt. Parallel sind in den letzten Jahren Grundwasseruntersuchungen auf Pflanzenschutzmittelrückstände intensiviert worden. In einigen Regionen sind vereinzelt nicht relevante Metabolite (=Abbauprodukte) einiger Bodenherbizide nachgewiesen worden. Im Mais ist ein langjährig eingesetztes Bodenherbizid betroffen. Um das Risiko weiterer Funde zu minimieren, sind Gegenmaßnahmen zu treffen. So wird in Zukunft eine Wirkstoffrotation innerhalb einer Fruchtfolge immer wichtiger. Darüber hinaus sollte die mechanische Unkrautbekämpfung integriert werden. Hier ist die technische Entwicklung weiter fortgeschritten, es stehen mittlerweile gute Hackgeräte zur Verfügung. Bewährt hat sich die kombinierte Bekämpfung: Zu Beginn erfolgt ein reduzierter Herbizideinsatz, um früh auflaufende Unkräuter zu bekämpfen. Nachlaufende Unkräuter werden dann in einem 2. Arbeitsgang durch eine gezielte Hackmaßnahme ausgeschaltet.

Weiterhin muss verstärkt auf die Wirkungssicherheit der eingesetzten Herbizide geachtet werden. Wirkstoffwechsel, Wirkstoffkombinationen und optimale Anwendungstermine sind hier vorrangig zu nennen. Den größten Einfluss hat aber die Erweiterung der Fruchtfolge. Ein Wechsel von Winter- und Sommerfrüchten beugt der Ausbreitung schwer bekämpfbarer Unkräuter vor.

Maisanbau – künftige Perspektiven (Heinrich Romundt)

Der Maisanbau hat in unserer Region einen hohen Stellenwert. Er ist die Futtergrundlage für die Rinderhaltung bzw. Substrat für die Biogasanlagen. Die extreme Trockenheit und Hitzeperioden im Juni und Juli haben z.T. zu erheblichen Trockenschäden geführt. Die Maiskolben wurden häufig nur mangelhaft ausgebildet. Das Saatgut wird gegen pilzliche und tierische Schaderreger gebeizt. Geänderte Zulassungsbedingungen grenzen diese Möglichkeit der Saatgutbehandlung ein. Die Fritfliege, ein typischer Maisschädling, lässt sich künftig nicht mehr bekämpfen. Ein neuer Maisschädling, der Maiszünsler, breitet sich weiterhin stetig in der Region aus. Trotz der Trockenheit kam es zu einer deutlichen Befallszunahme. Durch die mechanische Zerkleinerung der Maisstoppeln nach der Ernte kann der Entwicklungszyklus des Schädlings unterbrochen werden. Im Rahmen des integrierten Pflanzenschutzes ist diese Maßnahme eine vorbeugende Schaderregerbekämpfung. Insektizide können so eingespart werden. Als neues Anbausystem wurde der Mischanbau Mais und Bohnen vorgestellt. Beide Kulturen werden in einer Saatreihe ausgedrillt. Vorteile sind für den Landwirt eine bessere Futterqualität des Erntegutes und zusätzlich mehr Blühpflanzen in der Region. Ein verlängertes Blühfenster fördert viele Insekten. Die Völkerzahl der Honigbiene hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Dagegen ist das Vorkommen der Wildbienen gefährdet. Sie sind häufig auf spezielle Pflanzenarten und Nistmöglichkeiten angewiesen, die vielfach in der Natur kaum noch vorkommen. Durch die Anlage von Brachen oder Blühstreifen soll der Anteil von Blühpflanzen erhöht werden. Hier bieten sich zusätzlich auch die Wegränder an, die gleichzeitig zu einer günstigen Biotopvernetzung beitragen. In abgeplackten Teilflächen werden heimische Wildblumen gesät. Hier können sich viele konkurrenzschwache Pflanzenarten optimal entwickeln. Alle Bürger sind aufgerufen mitzumachen. Nicht nur Landwirte, sondern auch Gärtner und Hausbesitzer – jede Blüte zählt!

Bei Fragen zu den einzelnen Vorträgen wenden Sie sich gerne an die jeweils verlinken Berater.


Kontakt:
Lüder Bornemann
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 04761 9942-161
Telefax: 04761 9942-169
E-Mail:


Stand: 06.02.2020