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Fungizideinsatz im Winterweizen – Strategien für die Küstenregion 2020

Die Handlungsmöglichkeiten im Pflanzenschutz werden durch die Entwicklungen im Bereich der Wirkstoffgenehmigung auf EU-Ebene und einhergehend mit dem Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel in Deutschland deutlich eingeschränkt.

Im Bereich der Bekämpfung von pilzlichen Schaderregern im Winterweizen steht uns jedoch noch eine vergleichsweise hohe Anzahl an Wirkstoffen zur Verfügung, obwohl wir mit Chlorthalonil ab Juni dieses Jahres einen wichtigen Baustein im Resistenzmanagement endgültig verlieren. Alternativ ist neben dem bereits bekannten Wirkstoff Mancozeb nun auch der Wirkstoff Folpet als Kontaktmittel einsetzbar. Ein Lichtblick ist die Zulassung des neuen Azolwirkstoffs Mefentrifluconazol (Revysol), welcher nach unseren Ergebnissen hinsichtlich der Bekämpfung von Blattseptoria als ein weiterer wichtiger neuer Baustein zu sehen ist. Darüber hinaus wird der zukünftige Wegfall weiterer Wirkstoffe aus der Gruppe der Triazole, wie u.a. Epoxiconazol, etwas abgefedert. Für Epoxiconazol steht seit kurzem fest, dass der Antrag auf Erneuerung der EU-Wirkstoffgenehmigung zurückgezogen wurde und somit die Wirkstoffgenehmigung zum 30.04.2020 ausläuft. Die nationalen Zulassungen epoxiconazolhaltiger Präparate werden zu diesem Termin zurückgezogen und wahrscheinlich ein Abverkauf bis 31.10.2020 sowie ein Aufbrauch bis 31.10.2021 möglich sein.

Da die Triazole die Basis der Pilzbekämpfung im Getreide bilden, müssen die wenigen verbliebenen Wirkstoffe, insbesondere in den Marschgebieten mit höherem Befallsdruck bei Septoria (Zymoseptoria tritici), bereits jetzt in eine umfassende Strategie zur Krankheitsbekämpfung, die alle integrierten Möglichkeiten so gut wie möglich ausschöpft, eigebettet werden. Zunächst können pflanzenbauliche Maßnahmen wie Bodenbearbeitung, Fruchtfolge, Aussatttermin und vor allem die Sortenwahl den Infektionsdruck möglichst gering halten. Beim Fungizideinsatz gegen Septoria ist ein zukunftsgerichtetes Wirkstoffmanagement nötig, um mit den zur Verfügung stehenden Wirkstoffen eine dauerhaft sichere Krankheitsbekämpfung zu ermöglichen.

Die Winterweizenbestände präsentieren sich sehr heterogen, die Herbstniederschläge haben für sehr schwierige Aussaatbedingungen gesorgt, regional konnte in den Marschen nur ca. die Hälfte der Winterweizenfläche bestellt werden. Die Wintermonate waren zudem deutlich niederschlagsreicher als im langjährigen Durchschnitt, insbesondere der Februar brachte erhebliche Niederschlagsmengen, regional bis zu 200 mm. Wo unter ungünstigen Bedingungen bestellt wurde oder auf staunassen, sehr tonhaltigen Standorten längere Zeit Sauerstoffmangel auftrat, sind die Bestände aktuell noch deutlich in der Entwicklung gehemmt. Bei besserer Wasserführung haben sich die Bestände aufgrund des milden Winters dagegen oft relativ gut entwickelt. Durch die fehlende Vegetationsruhe konnte sich auch bei späteren Saatterminen teilweise stärkerer Ausgangsbesatz mit Septoria aufbauen.

Die über die Jahre wirtschaftlich bedeutsamste Krankheit im Winterweizen bleibt, neben einzelnen Gelbrostjahren, die Blattseptoria. Mehltau hat in den Küstenregionen nur selten eine Bedeutung. Für die erfolgreiche Septoriabekämpfung ist das Zusammenspiel von Pflanzenentwicklung (Beginn erster Maßnahmen ab BBCH 31/32 – Schieben von F-2 als erste ertragsrelevante Blattetage), Ausgangsbefall auf der Pflanze und der Witterung entscheidend. Für die Verbreitung im Bestand sind längere Perioden niederschlagsreicher Witterung notwendig. Die von Septoria gebildeten Pyknosporen können nur über Regentropfenspritzer auf höher gelegene Blattetagen gelangen und benötigen danach für eine Infektion eine Mindestblattnässedauer von 36 Stunden, bei kühleren Temperaturen bis zu 48 Stunden. Die Tücke des Erregers besteht in seiner langen Latenzzeit von 3-4 Wochen, d.h. beim Auftreten erster Blattflecken hat sich der Pilz bereits im Pflanzengewebe ausgebreitet und neues Sporenmaterial vorbereitet. Eine erfolgreiche Bekämpfung muss sich daher am Infektionstermin orientieren, da bei Sichtbarwerden der Symptome keine Bekämpfung mehr über kurativ (heilend) eingesetzte Fungizide erfolgen kann. Darüber hinaus hat die kurative Leistung der Fungizide in den letzten Jahren deutlich nachgelassen (Azolshifting), so dass bei erfolgten Infektionsereignissen spätestens nach 2-3 Tagen (Azole) bzw. 5-7 Tagen (Azol-Carboxamidkombinationen) behandelt werden muss. Neben der Erfassung von Infektionsereignissen über Septoria-Timer im Bestand, können mittlerweile auch Prognosemodelle, z.B. über ISIP, als Unterstützung dienen. Über das relativ einfach anwendbare Modell „SIG-Getreide“ (Schaderreger-Infektions-Gefahr) werden auf der Basis regionaler Wetterdaten die täglichen Infektionsbedingungen für die wichtigsten Blattkrankheiten in Wintergetreide berechnet und angezeigt. Darüber hinaus gibt es zur speziellen Prognose und Befallsentwicklung von Septoria tritici in Winterweizen das Modell „SEPTRI“. Es berechnet, ob die Wetterbedingungen (Temperatur, Niederschlag, relative Luftfeuchtigkeit, Blattnässe) für Neuinfektionen durch Septoria günstig waren und ob eine Erstinfektion auf den oberen drei Blattetagen (F-0 bis F-2) stattgefunden hat. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.isip.de. Diese Entscheidungshilfen stehen allen Beziehern des Hinweisdienstes der Bezirksstellen kostenlos zur Verfügung.

Die Ergebnisse aktueller Resistenzuntersuchungen belegen neben dem Shifting der Azolwirkstoffe, welches zu einem schleichenden Wirkungsverlust führt, auch das Auftreten einzelner, resistenter Septoria-Stämme im Hinblick auf die Wirkstoffgruppe der Carboxamide im Feld. Bisher ist noch keine nennenswerte Verbreitung in Praxisflächen bekannt, so dass in unserer Region noch kein wahrnehmbarer Wirkungsverlust in der Fläche beobachtet werden konnte. Dennoch müssen diese Ergebnisse zu einem Resistenzmanagement bei der Septoriabekämpfung führen:


Grundsätze des Resistenzmanagements bei der Septoriabekämpfung

  • Carboxamide und Strobilurine maximal einmalig in der Vegetation ab BBCH 39 anwenden
  • Wirkstoffwechsel bei Azolen in Spritzfolgen
  • Nutzung von Kontaktfungiziden
  • Einsatz von Prochloraz gegen spezialisierte Septoriarassen
  • Einsatz sich unterstützender Wirkstoffkombinationen
  • Kurativleistung der Wirkstoffe nicht überfordern
  • Verteilung und Benetzung optimieren (Wasseraufwandmenge > 200 l/ha)

Bei den Kontaktwirkstoffen Mancozeb und Folpet sind bisher keine Resistenzen aufgetreten und auch nicht zu erwarten. Der Grund dafür sind die vielen unspezifischen Wirkorte dieser Mittel im Pilzorganismus (Multisite-Inhibitoren), die dem Pilz eine Anpassung erschweren. Der Einsatz dieser Wirkstoffe hat in den letzten Jahren zu guten Bekämpfungserfolgen geführt, so dass bei Vorhersage wechselhafter Witterung ein Einsatz sinnvoll ist, um den Befallsdruck niedrig zu halten und die übrigen Wirkstoffgruppen zu entlasten. Dabei war in unseren Versuchen ein geringeres Wirkungsniveau der Alternativwirkstoffe im Vergleich zu Chlorthalonil festzustellen, was aber mangels Wahlmöglichkeiten akzeptiert werden muss. Im weiteren Vegetationsverlauf ist insbesondere auf den einmaligen Einsatz der Carboxamide ab dem Fahnenblattstadium zu achten. Diese hoch und lang anhaltend wirksamen, aber auch sehr resistenzgefährdeten Wirkstoffe können ihr Wirkpotential nur bei abgeschlossenem Wachstum des Blattapparates voll ausschöpfen. In Fällen einer Dreifachbehandlung sichert die Abschlussbehandlung mit einem weiteren Azol die Wirkung des Carboxamids ab und verhindert zusätzlich die Auslese resistenter Pilzstämme. Dabei sollte in den Spritzfolgen ein Wirkstoff-Wechsel zwischen den verfügbaren Azolen – Prochloraz – Prothioconazol – Revysol – Difenoconazol vollzogen werden.

Neben Gelbrost und Septoria ist je nach Witterungsgeschehen und Fruchtfolgegestaltung auch Halmbruch von Bedeutung. Begünstigende Faktoren sind Getreidevorfrucht, ein früher Saattermin, langsame Strohrotte, eine anfällige Sorte, langsam abtrocknende Böden und längere Feuchte- und Regenperioden zwischen BBCH 23 und 32. Die Sortenanfälligkeit ist ebenfalls zu beachten. Viele aktuell stärker im Anbau befindliche Sorten zeichnen sich nämlich durch eine höhere Anfälligkeit aus, z.B. Kashmir, Porthus, KWS Talent. Weitere wichtige Einflüsse gehen vom Befall der Vorjahre und der Vorfruchtkombination der beiden Vorjahre aus. Aufgrund des späteren Abreifetermins besteht für den Winterweizen ein höheres Schadpotential als für Triticale und Winterroggen. Eine optimale Bestandesführung mit kräftig entwickelten Trieben wirkt einer Schädigung durch vorzeitige Weißährigkeit oder Lager entgegen. In der Regel ist die Nebenwirkung einer frühen Blattbehandlung in BBCH 31-37 ausreichend. Aufgrund der mild-feuchten Herbst- und Winterwitterung könnte das Risiko in diesem Frühjahr erhöht sein. Falls erforderlich, können halmbruchorientierte Maßnahmen in BBCH 31/32 mit den Wirkstoffen Cyprodinil (Unix) oder Prothioconazol (Proline) mit 80% der zugelassenen Aufwandmenge erfolgen.

Neue Präparate 2020

Wie eingangs beschrieben, steht ein neuer Azolwirkstoff zur Verfügung, welcher in den Präparaten Revystar (100 g/l Mefentrifluconazol=Revysol) und Revytrex (67 g/l Revysol, 67 g/l Fluxapyroxad) enthalten ist. Hervorragende Wirkungen wurden in unseren Versuchen gegen Septoria tritici erzielt, die Rostwirkung ist allgemein schwächer, wobei Gelbrost etwas besser bekämpft wird als Braunrost. Revystar ist mit 1,5 l/ha in Weizen, Gerste und Triticale zugelassen und wird im Pack mit Flexity (1,0+0,5 l/ha) vermarktet. Mit Revytrex wird durch das zusätzlich enthaltene Carboxamid die Rostwirkung abgesichert und zudem die Dauerwirkung auf Septoria tritici verbessert. Es wird im Pack mit Comet (200 g/l Pyraclostrobin) vermarktet, die volle Aufwandmenge beträgt 1,5 + 0,5 l/ha. Comet bringt in dieser Kombination zusätzliche Dauerwirkung auf Roste mit. Mit Elatus Plus (100 g/l Solatenol), zugelassen in Winterweizen mit 0,75 l/ha, ist das aus dem Elatus Era bekannte Carboxamid nun auch als Präparat mit länderspezifischem Gewässermindestabstand erhältlich. Das Produkt darf aus Gründen der Resistenzvorsorge niemals solo eingesetzt werden, da kein zusätzlicher Azolwirkstoff enthalten ist. Eine Vermarktung findet daher im Pack mit Mirage 45 EC statt (0,7+1,0 l/ha). Von der Positionierung ist eine Aufteilung des Packs denkbar: Mirage 45 EC wird in der Blattbildungsphase mit weiteren Partnern eingesetzt und Elatus Plus kann dann ab BBCH 39, z.B. mit Proline kombiniert werden. Folpan 500 SC (500g/l Folpet) ist mit 1,5 l/ha in Weizen gegen Septoria tritici zugelassen, die biologische Wirksamkeit gegenüber der Blattdürre liegt auf dem Niveau von Dithane Neo Tec, das Wirkniveau von Bravo 500 wird von beiden Präparaten nicht erreicht. Im Markt wird es solo und im Pack mit Elatus Era angeboten. Elatus Era wird 2020 erstmals solo verfügbar sein. Das neue Fungizid Input Triple (40 g/l Proquinazid, 160 g/l Prothioconazol, 200 g/l Spiroxamine) wird Input Classic mit gleichen Aufwandmengen und Indikationen sukzessive ersetzten, es besitzt aufgrund des reduzierten Spiroxamingehalts eine günstige Gewässerabstandsauflage und durch den zusätzlichen Wirkstoff Proquinazid (aus Talius bekannt) eine gute Mehltauwirkung. Allerdings wird der durch Resistenz gefährdete Spezialwirkstoff durch die neue Kombination auch in vielen Situationen mit appliziert, in denen wenig oder kein Mehltau auftritt.

Das in Abb.1 (Fungizidvergleich Abschlussbehandlung, Bremervörde 2019) dargestellte Versuchsergebnis aus dem Vorjahr bestätigt die gute Wirkung der Kombination Revytrex + Comet. Die für Septoria anfällige Sorte LG Imposanto zeigte hohen Ausgangsbefall, über lediglich drei Infektionsereignisse baute sich in der Kontrolle Befall bis auf das Fahnenblatt auf. Die T1-Behandlung erfolgte einheitlich am 30.04.2019 auf das F-2-Blatt. Die Abschlussbehandlung erfolgte dann zum Ährenschieben am 29.05.2019 in einer Kurativsituation 8 Tage nach einer angezeigten Infektion. Alle Behandlungen erreichten nahezu Befallsfreiheit auf dem Fahnenblatt, was zu den dargestellten, vergleichbaren Ertragsergebnissen führte.

Fungizidempfehlung Marsch 2020

Es ist davon auszugehen, dass in gering bis mittel anfälligen Sorten eine kurative Leistung der Azolfungizide von maximal 5 Tagen gegen Septoria besteht. Daher muss die Behandlung mit in Abbildung 3 aufgeführten Mitteln ab dem Schieben von F-2 (BBCH 31/32 = T1) jeweils spätestens fünf Tage nach einer 36 stündigen Blattnässedauer erfolgen. Bei Sorten mit hoher Anfälligkeit gegen Septoria verkürzt sich die oben genannte Behandlungszeitspanne auf maximal 3 Tage nach nur einer 24 stündigen Blattnässedauer. Bei hohem Infektionsdruck mit Gelbrost sollte in anfälligen Sorten die Rostwirkung mit Teilmengen tebuconazol- oder epoxiconazolhaltiger Präparate verstärkt werden. Eine Zugabe von Dithane NeoTec 1,5-2,0 kg/ha oder Folpan 500 SC 1,2-1,5 l/ha sichert bei unbeständiger Witterung die protektive Wirkung gegen weitere Infektionen ab. Der in den Versuchen der letzten Jahre deutlich gewordene Wirkungsnachteil von Dithane NeoTec und Folpan gegenüber dem Bravo 500 muss leider durch eine hohe Aufwandmenge ausgeglichen werden. Bei hohem Ausgangsbefall in einer anfälligen Sorte und angekündigten langanhaltenden Niederschlägen, sollte neben den Kontaktwirkstoffen Mancozeb / Folpet das Revysol zum Einsatz kommen (mind. 1,0 l/ha Revystar), eine Zumischung von Mirage 45 EC ist darüber hinaus denkbar, um Septoria ausreichend zu bekämpfen und einem Shiften des neuen Azolwirkstoffes zu begegnen.

Der Zeitraum der Blattbildungsphase der letzten drei ertragsrelevanten Blätter (BBCH 31/32 bis 39) kann je nach Aussaatdatum, Herbst- und Frühjahreswitterung von 10 bis über 30 Tage variieren, so dass bei einer Wirkungsdauer der Fungizide von 10 bis maximal 14 Tagen eine Lücke entstehen kann. Daher sollte die erste Behandlung, sofern das Infektionsgeschehen in Verbindung mit der Sortenanfälligkeit es zulässt, nicht zu früh platziert werden. Möglicher Befall auf dem dritten Blatt ist weitaus weniger ertragswirksam als auf dem Fahnenblatt.


Sorteneinfluss auf die Fungizidstrategie

Welchen Einfluss die Sortenanfälligkeit auf die Fungizidstrategie haben kann, zeigt das Ergebnis eines zweifaktoriellen Versuches, wobei über die drei Winterweizensorten Kamerad (septoriagesund), KWS Talent (mittel anfällig) und LG Imposanto (anfällig) ein Fungizidintensitätsversuch gelegt wurde (Abb. 2: Fungizidintensität über unterschiedlich septoriaanfällige Sorten, Bremervörde 2019). Die Sorten wurden in 3 m breiten Streifen mit jeweils zwei Wiederholungen nebeneinander ausgedrillt. Die Parzellenanlage erfolgte randomisiert mit jeweils zwei Wiederholungen in jedem Sortenstreifen. Ziel der Versuche war es, die notwendige Fungizidintensität in den unterschiedlich anfälligen Sorten über die Anzahl der Behandlungen und den Einsatz von unterschiedlichen Wirkstoffen (Azole und Carboxamide) auf Septoria aufzeigen. Der Ausgangsbesatz mit Septoria war sortenabhängig mittel bis hoch, es gab nach dem Prognosensystem „SIG-Getreide“ (ISIP) nur 3 Infektionsmöglichkeiten, die in der anfälligen Sorte LG Imposanto aber zu starken Befall auf dem zweiten und dritten Blatt führten. Hier reichte der zweimalige Einsatz von Azolen zur Ertragsabsicherung nicht aus. Diese Ergebnisse unterstreichen wiederholt die Bedeutung der Sortenwahl als einen wichtigen Schlüssel zur Umsetzung des Integrierten Pflanzenschutzes und dieses umso mehr vor dem Hintergrund wegfallender Wirkstoffe und zunehmender Resistenzen bei pilzlichen Schaderregern.


Sobald der Blattapparat vollständig ausgebildet ist, kann mit verschiedenen Kombinationen aus Carboxamiden und Azolen gearbeitet werden. Sofern das Risiko für eine Fusariuminfektion in der Blüte durch pflanzenbauliche Voraussetzungen gering ist (resistente Sorte, Rapsvorfrucht, angepasste Bodenbearbeitung), kann diese Behandlung bereits als Abschlussmaßnahme erfolgen. In diesem Falle müssen hohe Aufwandmengen gewählt werden, um einen ausreichenden Dauerschutz gewährleisten zu können.

Bei anhaltendem Befallsdruck und unbeständiger Witterung ab dem Fahnenblattstadium besteht letztmalig bis 20.05.2020 die Möglichkeit, die bewährte Wirkung von Chlorthalonil über den Zusatz von Amistar Opti 1,25 l/ha zu den Azol-Carboxamid-Kombinationen zu nutzen.

Ist das Risiko einer Fusariuminfektion zur Weizenblüte gegeben (mittel anfällige Sorte, Mais- oder Getreidevorfrucht, reduzierte Bodenbearbeitung), muss eine Abschlussbehandlung in diesem Zeitraum eingeplant werden. Bewährt hat sich dabei ein Applikationstermin zur beginnenden Vollblüte ab BBCH 63. Der optimale Zeitpunkt wäre jeweils nahe am Infektionstermin. Dies gestaltet sich in den Marschen häufig als schwierig, da sich die potentiellen Infektionstermine hier über 14 Tage erstrecken können. Die sicherste Möglichkeit, die Fusariuminfektionsgefahr zu minimieren, liegt daher weiterhin in der pflanzenbaulichen Vorsorge über die Art der Bodenbearbeitung (Pflug), die Vorfrucht (kein Mais) und die Sortenwahl (gering anfällige Sorten).

 

Die in Abbildung 3 (Fungizidstrategie Winterweizen 2020, Küste; Zweifachbehandlung: mittlerer Befallsdruck Septoria, Roste) und Abbildung 4 (Fungizidstrategie im Winterweizen 2020, Küste; Dreifachbehandlung: hoher Befallsdruck Septoria, Roste) aufgeführten Präparate sind bis auf Dithane NeoTec, Elatus Era und Zakeo/Amistar Opti (jeweils 5 m) bei Einsatz einer Düse, die eine Abdriftminderung von 90% erreicht, bis auf den länderspezifischen Gewässermindestabstand einzusetzen (Länderregelung Niedersachsen 1,0 m). Denken Sie bitte daran, am Gewässer zur Erreichung der Abdriftminderung von 90% den für Ihre Düse erforderlichen Druck einzustellen und die Fahrgeschwindigkeit anzupassen (vgl. jeweilige Düsentabelle). Auf diese Weise ist am Gewässerrandbereich auf einer Mindestbreite von 20 m zu arbeiten, anschließend kann wieder der Normdruck eingestellt werden.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Krankheitsbekämpfung im Winterweizen weiterhin vor Herausforderungen steht, das Befallsrisiko durch pflanzenbauliche Maßnahmen bereits im Vorfeld jedoch deutlich reduziert werden kann. Der Ausgangsbefall ist in diesem Frühjahr relativ hoch, das Witterungsgeschehen der kommenden Wochen wird jedoch über den weiteren Krankheitsverlauf entscheiden. Der Hinweisdienst gibt dabei Informationen zum Infektionsgeschehen und den jeweiligen Infektionsverläufen der Erreger, ersetzt aber nicht die eigenen Beobachtungen im Feld. Vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen ist bei den einzelnen Maßnahmen bestmöglich zwischen den Wirkstoffgruppen und auch innerhalb einer Gruppe zu variieren.

 

Neben den im Artikel bzw. den Tabellen genannten Präparaten mit einer deutschen Zulassung gibt es so genannte parallel gehandelte Pflanzenschutzmittel. Diese sind in einem Mitgliedstaat der EU oder des EWR zugelassen, stimmen mit einem in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel überein und sind als parallel gehandelte Pflanzenschutzmittel von der Zulassungsbehörde genehmigt. Eine Liste der verkehrsfähigen Parallelimporte ist im Internetangebot des BVL verfügbar.


Kontakt:
Lüder Bornemann
Leiter Fachgruppe Pflanze
Telefon: 04761 9942-161
Telefax: 04761 9942-169
E-Mail:


Stand: 08.04.2020