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Handyparkplatz statt Schlafzimmer

Das Smartphone ist überall. 85 Prozent aller Nutzer haben es immer griffbereit. Ein Viertel trägt es ständig am Körper, sogar nachts - so eine Studie der Uni München. Ein neuer Trend setzt sich durch: die digitale Entgiftung.

Youtube, WhatsApp… immer erreichbar zu sein, das kann stressen. Und hat einen Namen: FOMO. Das steht für fire of missing you, dahinter steht die Angst, etwas zu verpassen. Statistiken haben ergeben, dass wir täglich etwa 88 Mal zum Handy greifen. Das Patentrezept dagegen lautet Digital Detox. Ist dieser Trend der neuste Schrei im Internet? Oder ist da was dran? Digitalisierung ist nicht per se schlecht, so der Ansatz. Auf das Maßhalten kommt es an. Detox ist in, nicht nur digital: So stapeln sich in den Verkaufsregalen Detox-Tees, -Säfte oder -Cremes. Übersetzt man Digital Detox ins Deutsche, heißt es digitale Entgiftung.

Die Detox-Apps
Detox-Apps zeigen, wie lange und wo man am Smartphone online war. Sie messen den Smartphone-Konsum ihrer Nutzer und helfen bei der Entwöhnung. Es gibt Apps, die dabei helfen, digital-Detox-Ziele zu setzen und einzuhalten. Einer der Tricks: Bei zu langer Nutzung wird der Bildschirm immer dunkler – bis nichts mehr zu sehen ist. Mit anderen Apps züchtet der Nutzer Bäume auf seinem Bildschirm, die bei zu langer Nutzung wieder eingehen. Wieder andere sperren das Smartphone für bestimmte Zeiträume.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt
Bin ich bereits süchtig nach meinem Smartphone? Experten nennen hier ein ganz einfaches Alarmzeichen: Bei wem das vollgeladene Handy nicht einmal den ganzen Tag durchhält, sondern zwischendurch zum Nachtanken an die Steckdose muss – der schaut zu oft auf den Bildschirm. Bei normaler Nutzung (und fittem Akku) sollte ein einigermaßen aktuelles Smartphone bis zum Abend nicht schlappmachen. Wer es genauer wissen will, findet im Internet etliche Tests zum Thema Smartphone-Sucht.

Das Smartphone hat im Schlafzimmer nichts zu suchen!
Und das gilt für die ganze Familie. Die bessere Alternative ist ein gemeinsamer "Handyparkplatz", auf dem die Geräte nachts liegen und geladen werden. Zwei Fliegen mit einer Klappe, denn das tut auch dem Familienfrieden gut. Wer entgiften will, sollte sich einen Wecker oder eine Armbanduhr zulegen – und hat nachts einen Grund weniger, aufs Smartphone zu schauen. Wer sein Handy trotzdem auf den Nachttisch legt, sollte es zumindest ausschalten oder den Flugmodus aktivieren. Denn: Nur ein Notarzt muss rund um die Uhr erreichbar sein. Wenn Sie keiner sind: Smartphone nachts ausschalten!

Einfache Lösung
Wer statt seines Notebooks nur noch das Smartphone nutzt, sollte den PC entstauben und in Betrieb nehmen. Denn: Während es am Handy einfach ist, "eben mal schnell" bei Facebook oder Instagram vorbeizuschauen, ist das am Rechner umständlicher und kostet mehr Zeit. Einschalten, hochfahren, Browser öffnen – das dauert und schreckt ab.

Smartphone wegsperren
Wenn die Sucht ganz schlimm ist, helfen womöglich nur härtere Maßnahmen wie das Wegsperren des Geräts. In den USA wird bei vielen Konzerten am Eingang bereits die Handyhülle Yondr ausgegeben. Dort müssen die Besucher ihr Smartphone hineinlegen und nehmen es dann gut verpackt mit in den Saal. Der Verschluss funktioniert ähnlich wie die Diebstahlsicherung im Kleidungsgeschäft. Am Ausgang stehen Stationen zum Öffnen des Yondr. Künstler sind begeistert, dass sie bei ihren Auftritten nicht mehr in ein Meer von Handys schauen müssen.
Von Samsung kommt die Offline Box, eine Art Brotdose mit zeitgesteuertem Schloss. Der Nutzer legt sein Handy für einen selbst gewählten Zeitraum in die Box und hat keinen Zugriff mehr. Im Notfall lässt sich das Schloss zwar knacken, wird dabei aber unwiderruflich zerstört. Alternative, für rund 60 Euro, ist der Kitchen Safe mit Zeitschloss, den es zum Beispiel bei Amazon gibt.

Das Zurückerobern von analogen Räumen
Wer meint, man könnte einmal eine Woche offline sein und damit wären die ganzen Probleme gelöst, der ist auf dem Holzweg. Digital Detox funktioniert nicht von heute auf morgen. Doch schon kleine Schritte bringen Erfolg: Wenn Sie mit dem Hund Gassi gehen, kommt nur das alte Notfall-Handy mit. Beim Essen stellen Sie den Anrufbeantworter an. Und die Mail-Benachrichtigungen am Smartphone werden abgestellt.

Gibt es noch Räume, die analog sind?
Wagen Sie den Selbstversuch, zum Beispiel im Wartezimmer beim Arzt. Das wird sehr absurd sein, wenn alle anderen „daddeln“. Aber nach einer Zeit geht es gut, denn das Gehirn freut sich über die Entlastung. Schon Astrid Lindgren (die Erfinderin von Pippi Langstrumpf) wusste: Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen.

Ab in´s Camp?
In den ersten Ländern gibt es bereits Digital Detox Camps. Wer hier Urlaub macht, der macht Urlaub von der „vernetzten“ Welt. Hier gibt es keinen Internetzugang, und es herrscht striktes Handyverbot. Wer hat schon einmal etwas von den „Grenadinen“ gehört? Das ist eine Inselgruppe in der Karibik. Ein Ort, an dem Digital Detox gelebt wird. Selbst an einigen Stränden auf den Inseln sind Handys verboten. In Kanada, den schottischen Highlands und irgendwo in Schweden soll es die ersten Digital-Detox-Camps geben.


Kontakt:
Anne Dirking
Allgemeine Weiterbildung, Agrarbüro und EDV, Urlaub auf dem Bauernhof
Telefon: 0581 8073-142
Telefax: 0581 8073-155
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Stand: 17.05.2019