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Direktvermarktung von Rohmilch über Milchautomaten

Einen weiteren Betriebszweig aufzubauen und damit eine höhere Wertschöpfung für das eigene Qualitätsprodukt zu erreichen, das überlegen landwirtschaftliche BetriebsleiterInnen immer häufiger. Viele Milchviehbetriebe in ganz Deutschland sind in den letzten Jahren in die Vermarktung von Rohmilch über Milchautomaten eingestiegen. Diese Art der Direktvermarktung stellt eine der Möglichkeiten dar, Rohmilch an Verbraucher abzugeben.

Der KTBL nahm dies zum Anlass den Gründen für den Einstieg sowie den damit zusammenhängenden Investitionskosten und den Arbeitszeitbedarf näher zu analysieren. Die Datenerhebungen wurden von der Fachberaterin für Direktvermarktung Heike Willms der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Rahmen des vom Bund und den Ländern geförderten KTBL-Arbeitsprogramm „Kalkulationsunterlagen“ für den KTBL durchgeführt. Das Projekt umfasste mehrere Betriebsbefragungen, Messungen und Recherchen. Die Ergebnisse wurden jetzt in einem Fachartikel zusammengefasst und auf der Homepage des KTBL veröffentlicht.

 

Der Einstieg in die Vermarktung der Rohmilch ab Hof erfolgte nach Aussage der BetriebsleiterInnen aus Überzeugung, Freude an Öffentlichkeitsarbeit und nicht zuletzt aus dem Wunsch heraus, einen höheren Preis für die Milch zu erzielen. Der größte Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe hat auf seinem Hof in einer kleinen Hütte, geschützt vor den Witterungseinflüssen, einen sogenannten Standautomaten aufgestellt. Dieser wird täglich gereinigt und mit frischer Rohmilch befüllt. Verbraucher können hier selbstständig Rohmilch in Flaschen „zapfen“. Die Recherchen ergaben, dass für den Bau der kleinen Verkaufshütte und die Anschaffung eines Rohmilchausgabeautomaten mit Investitionskosten zwischen von 16.000 Euro und 25.000 Euro (netto) zu rechnen ist. Je nach Ausstattung und Größe der Verkaufshütten können die Kosten variieren. Der tägliche Arbeitszeitbedarf für u.a. Reinigungsarbeiten liegt im Mittel bei 81 Minuten. Die Erfahrungen der Betriebe zeigen, dass die tägliche Verkaufsmenge häufig abhängig ist von der Lage des Betriebes (z.B. ortsnah oder an einer viel befahrenen Straße) sowie der Akquise der Kunden durch Werbung und persönliche Ansprache. Die Verkaufsmengen pro Tag können deshalb erheblich variieren. Eine von den beiden Autorinnen durchgeführte Beispielkalkulation ergibt eine Mindestverkaufsmenge von 61 Liter Rohmilch am Tag, um alle Kosten zu decken.

 

Da bei der Abgabe von Rohmilch zahlreiche lebensmittel- und hygienerechtliche Aspekte zu beachten sind, sollten Betriebe, die überlegen diesen Betriebszweig aufzubauen, frühzeitig Kontakt zu Beratungsinstitutionen und u.a. dem Veterinäramt aufnehmen.

 

Der Fachartikel kann unter folgendem Link auf der Homepage des KTBL eingesehen werden: KTBL - Rohmilchvermarktung über Milchautomaten

 


Kontakt:
Heike Willms
Direktvermarktung, Urlaub auf dem Bauernhof, Landfrauenarbeit
Telefon: 04941 921-130
Telefax: 04941 921-116
E-Mail:


Stand: 26.07.2019