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Mit EC-Karte bitte!

Papier ist out - Plastik ist in. So zumindest beim Bezahlen. Für den Kunden ist das einfach. Doch wie werden der Hofladen, das Hofcafé oder der Urlaubshof dem Trend gerecht? Wie funktionieren bargeldlose Zahlverfahren, und welche Hardware ist erforderlich? Was kostet das? Gibt es Risiken und Nebenwirkungen? Und was bringt die Zukunft?

Im Schuhgeschäft, in der Apotheke oder beim Zahnarzt - das passende Lesegerät für Kartenzahlungen gehört inzwischen fast überall zur Grundausstattung. Dennoch: Nach wie vor hängen die Bundesbürger an Scheinen und Münzen. Doch die Liebe zum Bargeld verblasst, Plastikgeld ist auf dem Vormarsch. Mit Giro- und Kreditkarte kauften die Deutschen im vergangenen Jahr 48,6 Prozent der Waren. Der Bargeldanteil am Umsatz sank dagegen erstmals unter 50 Prozent. Das geht aus der Zahlungsstatistik der EHI Stiftung hervor, einem Forschungs- und Bildungsinstitut, das von den deutschen Handelsverbänden getragen wird. Die Nase vorn hat die Girocard mit PIN. Hiermit wird bereits fast jeder dritte Euro vom Konto des Kunden auf das Konto des Händlers übertragen.

Kartenzahlung – wie funktioniert´s?
57% der Deutschen nutzen laut einer Bundesbank-Studie ihre EC-Karte ein- bis mehrmals pro Woche. Für Kunden ist es praktisch – die Händler zahlen allerdings dafür. Für das Bezahlen mit Karte ist ein Lesegerät erforderlich, auch Terminal oder POS-Terminal genannt (POS = Point of Sale, deutsch: Verkaufsstelle). Die Aufstellung ist einfach. Meist übernimmt ein technischer Dienstleister die Konfiguration, so dass es schon programmiert in den Laden kommt. Hier wird es mit dem Telefonnetz verbunden und mit Strom versorgt. Für die Kommunikation wird eine Telefon-, DSL-, WLAN- bzw. GPRS - Verbindung benötigt. Ein alter, analoger, Telefonanschluss ist nicht empfehlenswert. Denn hier laufen zwei Geräte nicht parallel nicht. Es kann entweder Telefon oder Fax oder Alarmanlage oder Terminal genutzt werden.

Das Lesegerät ist in den meisten Fällen geleast. An Miete werden 7 bis 16 Euro pro Monat fällig. Hinzu kommt eine monatliche Grundgebühr, je nach Anbieter liegt sie zwischen 5 bis 10 Euro. Damit ist der gesamte Service rund um das Terminal gedeckt, die Hotline und der Versand eines Ersatzgerätes, falls es kaputtgeht. Unser Tipp: Erkundigen Sie sich bei Ihrer Hausbank oder Berufskollegen.

Vorsicht ist geboten bei Lockangeboten. Es gibt Angebote für Kartenlesegeräte, die nur 2 bis 3 Euro Miete pro Monat kosten. Hier gilt: Achten Sie auf das Kleingedruckte. In den AGB ist hier oft von versteckten Kosten die Rede, die nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Das können Gebühren für Software-Updates sein. Oder auf dem Display wird Werbung eingeblendet.

Für Hofcafés interessant sind mobile Terminals. Mit ihnen kann der Kunde auch auf der Terrasse bezahlen. Voraussetzung ist WLAN. Bei gutem Netz reicht auch ein Hotspot, also das mobile Internet vom Smartphone oder Tablet.

Der Klassiker: EC-Cash mit PIN
Die EC-Karte wird auch Girocard oder Debitcard genannt. Man unterscheidet bei der EC-Zahlung zwei Arten. EC-Cash ist die klassische Variante. Jedes Mal, wenn der Kunde seine Karte ins Terminal steckt, muss er seine PIN eingeben und bestätigen. Dann wird über eine Netzverbindung bei der Bank abgefragt, ob die PIN stimmt, die Karte nicht gesperrt ist und das Konto gedeckt ist. Vorteil für den Händler ist die Zahlungsgarantie. Das heißt, wenn er die Zahlung innerhalb von 8 Tagen bei der Bank einreicht, bekommt er auf jeden Fall sein Geld. Entscheidend ist hier der so genannte Kassenschnitt. Der Kassenschnitt leitet die im Terminal gespeicherten EC-Karten-Zahlungen an den Netzbetreiber weiter. Erst dann werden die Zahlungen dem Konto des Händlers gutgeschrieben. Das dauert zwei bis drei Werktage. Ohne Kassenschnitt erfolgt keine Umsatzgutschrift! Er sollte deshalb täglich durchgeführt werden. Deshalb: Nicht lange liegenlassen, es ist bares Geld.

Diese Zahlungsgarantie kostet allerdings: Pro Transaktion fallen Gebühren von 0,3 Prozent des Umsatzes an, bei ausländischen Karten sind es 0,95 Prozent. Die Höhe der Gebühr wird zwischen dem Händler und der Bank verhandelt. Bis 2014 lag die Gebühr bei mindestens 80 Cent des Kaufbetrages. Diese Regelung hat das Bundeskartellamt gekippt. In vielen Läden gibt es Mindestbeträge für Kartenzahlung. Das macht Sinn, denn Aufwand und Kosten sind gerade bei kleinen Beträgen hoch.

EC-Karte mit Unterschrift
Außerdem gibt es die Zahlung per Lastschrift. Der Kunde unterschreibt, bezahlt also mit seinem guten Namen. Bis zu 1.500 Euro gibt es eine Zahlungsgarantie. Wer größere Beträge per Karte kassieren möchte, fährt auf Risiko. Denn der Kunde könnte theoretisch das Geld wieder auf sein Konto zurückbuchen lassen. Das bringt ihm aber nichts, da ein Vertrag zwischen Kunde und Verkäufer besteht. Das heißt, der Verkäufer kann ein Inkasso-Unternehmen beauftragen.

Das Risiko für alle Beteiligten: Jemand bezahlt mit einer gestohlenen Karte und fälscht die Unterschrift. Hier hilft KUNO. Dahinter steckt die Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen. KUNO sorgt dafür, dass als verloren oder gestohlen gemeldete Karten in einer Datenbank landen, auf die der Handel Zugriff hat. Das funktioniert aber nur, wenn der Kunde den Verlust nicht nur seiner Bank mitteilt, sondern auch der Polizei.

Auch beim Lastschriftverfahren OLV® smart können Kunden ohne Geheimzahl mit Karte zahlen. Sie unterzeichnen auch dabei lediglich den Zahlbeleg. In diesem Verfahren werden die Karten mit der Händlerweisungsdatei® abgeglichen, in der polizeilich als gestohlen gemeldete Karten ebenso gesperrt werden wie Karten mit offenen Rücklastschriften. Für diese zusätzliche Sicherheit ist allerdings eine Gebühr fällig, die jeder Anbieter individuell festlegt.

Umfangreiche Verträge
Rund um die Kartenzahlung sind zahlreiche weitere Fragen mit der Bank zu klären. Wer Kartenzahlung anbieten möchte, muss einen Kartenakzeptanzvertrag abschließen. Darin werden die Bedingungen hinsichtlich der Zahlung und die Höhe der Gebühren geregelt. Der Vertragspartner zieht im Auftrag des Händlers vom Kunden den offenen Rechnungsbetrag ein.

Ein gewerbliches Konto muss freigeschaltet werden. Außerdem wird eine Vereinbarung über die Nutzung des electronic cash-Verfahren abgeschlossen. Bei der Deutschen muss eine Gläubiger-ID für elektronische Lastschriften beantragt werden. Das geht nur elektronisch. Sie muss beim Konto hinterlegt sein.

Informationen zur Zahlung mit Kreditkarten finden Sie hier.


Kontakt:
Anne Dirking
Allgemeine Weiterbildung, Agrarbüro und EDV, Urlaub auf dem Bauernhof
Telefon: 0581 8073-142
Telefax: 0581 8073-155
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Stand: 27.09.2019