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Landwirtschaft und die ländlichen Räume brauchen Kreativität

Jeder Betrieb braucht eine individuelle Strategie

Peine – Kreativität wurde auf dem Weltwirtschaftsforum 2016 in Davos als drittwichtigste Kompetenz in Wirtschaftsunternehmen definiert, um heute konkurrenzfähig zu bleiben, so Hermann Hermeling, stellvertretender Präsident der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen, am 19.November auf der Tagung „Europa und seine ländlichen Räume: Lebensräume gestalten, kreative Ideen entwickeln!“ Veranstalter waren das Europäische Informations-Zentrum (EIZ) Niedersachsen und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer diskutierten im Woltorfer Krug in Peine mit Fachleuten über die Stärkung des ländlichen Raumes durch Kreativität der Landwirtschaftlichen Betriebe sowie Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern in den ländlichen Räumen.

„Vorsorge und Entwicklung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land mit den Schwerpunkten Digitalisierung und Bekämpfung des Fachkräftemangels als gemeinsames Ziel, müssen wir in den nächsten Jahren erreichen“, forderte Kammervizepräsident Hermeling.

Der ländliche Raum sei nicht homogen, merkte Karin Beckmann, Referatsleiterin – im Niedersächsischen Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung in ihrem Einführungsvortrag an. Die Land- und Forstwirtschaft sei wichtig, auch sehr landschaftsprägend, jedoch Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe und in Dienstleistungsbereichen seien das wirtschaftliche Rückgrat der ländlichen Räume. Für die neue Förderperiode der europäischen Programme ab 2021 würden neben den Arbeitsplätzen in den ländlichen Räumen die Lebensbedingungen der Menschen stark im Fokus der Regionalpolitik und –förderung stehen. Der Zuzug von Menschen in diese Gebiete und die Lebensbedingungen im Alter würden an Bedeutung gewinnen, so Beckmann weiter. Die großen Herausforderungen seien der Nachwuchs- und Fachkräftebedarf, der Klimawandel, die Umweltbelastungen, die Digitalisierung und die Vielfalt der regionalen Bedarfe.

Zwei Diskussionspanel befassten sich anschließend mit Beispielen der heute schon gelebten Kreativität im ländlichen Raum. Eindrucksvoll erläuterte Sabine Adam, Betriebsleiterin auf dem biologisch-dynamisch betriebenen Gut Adolphshof in Lehrte – Hämelerwald, die Entwicklung und Betriebsstruktur der Solidarischen Landwirtschaft und der regionalen Vermarktung der Lebensmittel.

Michael Fuder von MerkWatt stellte Mobilitätsmodell im ländlichen Raum vor und forderte mehr praxisnahe angewandte Forschung, um Mobilität ohne eigenes Auto zu erleichtern.

Andrea Beerli vom „Niedersachsenbüro Neues Wohnen im Alter“ berichtete von Wohngemeinschaften sowie gemeinschaftliche Wohnmodellen, Green Care, Senioren auf Bauernhöfen und anderen noch nicht so etablierten neuen Wohnformen im Alter.

Die Leiterin Familie und Betrieb, sozioökonomische Beratung sowie Sorgentelefon bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Anne Dirksen, beschrieb, dass Hofübergaben nicht nur der notarielle Unterschriftstermin beinhalten würden, sondern nur erfolgreich sein könnten, wenn lebenswerte Konzepte von Jung und Alt dabei eine Rolle spielten. Leider nähmen die Anrufe auf dem landwirtschaftlichen Sorgentelefon stark zu und die finanziellen Sorgen seien dabei nicht am bedeutendsten.

Als Besonderheit bei der Landvolkshochschule Oesede bei Osnabrück stellte Hermann Hermeling die Arbeit in den sogenannten Winterkursen vor. Hier erlangen junge Landwirte und Frauen seit Jahrzehnten in drei Monaten mehr Selbstbewusstsein und Reflexion ihres Unternehmens und sich selbst. Viele Landfrauen und Dorfbewohner kämen auch in die Landvolkshochschule, um sich in sozialen Themen und der ehrenamtlicher Arbeit weiterzubilden.

Die Geschäftsführerin der Ellernhof Natur & Business Akademie aus Ellringen, Christine Hamester-Koch, gab den Teilnehmenden mit, nach den Schätzen in sich und auf dem Betrieb zu suchen. In den Seminaren zu Erlebnis- und Bauernhofpädagogik zusammen mit verschiedenen Landwirtschaftskammern und den sogenannten Gockel-Seminaren für Führungskräfte gibt sie Teilnehmern direkte Unternehmenshilfen. Neue Einkommensquellen zu erschließen und zu erarbeiten sei das Ziel ihres Unternehmens, um das Leben in den ländlichen Räumen lebenswert zu halten.


Kontakt:
Lydia Vaske
Willkommenslotsin, Förderprogramme (INTERREG, HORIZONT2020 u.a.), Ländliche Entwicklung
Telefon: 0441 801-239
Telefax: 0441 801-506
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Stand: 29.11.2019