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Rentenerhöhung zum 01. Juli 2018

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales teilt mit, dass für die gesetzlichen Renten zum 01.07.2018 eine Rentenanpassung erfolgt. Damit steigen die gesetzlichen Renten im Westen um 3,22% und im Osten um 3,37%. Das bedeutet, dass die Renten seit 2014 stärker gestiegen sind, als die Preissteigerung in diesem Zeitraum. Real steht den Rentnern damit mehr Geld zur Verfügung.

Maßgebend für die jährliche Rentenanpassung ist eine Rentenanpassungsformel, die mehrere Faktoren berücksichtigt. Ein wichtiges Kriterium sind die Bruttolöhne und Gehälter des letzten gegenüber dem vorletzten Jahr. Das bedeutet aber nicht, dass die Renten im gleichen Umfang wie die Löhne und Gehälter steigen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Löhne und Gehälter in Ost und West in unterschiedlicher Höhe steigen und damit auch die Renten.

Die Rentenanpassung Ost wird durch eine Gesetzesänderung in 2017 erstmalig anders berechnet als in den Jahren zuvor. Der aktuelle Rentenwert Ost wird als fester Prozentsatz im Verhältnis zum aktuellen Rentenwert West zu Grunde gelegt. Der feste Prozentsatz Ost beträgt somit zum 01. Juli 2018 95,8%. Dieser steigt bis zum Jahr 2024 stufenweise auf 100% (jährlich 0,7%). Damit durch diese Regelung keine Nachteile entstehen, erfolgt eine Vergleichsberechung zur alten bisherigen Formel. Entstehen beim Vergleich der beiden Berechnungen unterschiedliche Rentenwerte, wird in den neuen Bundesländern der günstigere zur Rentenanpassung herangezogen. Das trifft in diesem Jahr zu, da der aktuelle Rentenwert nach altem Recht mit der Lohnentwicklung um einen Cent höher ausfällt. Die für die Rentenanpassung 2018 relevante Lohn-und Gehaltssteigerung beträgt in den alten Bundesländern 2,93% und im Rahmen der Vergleichsberechnung 3,06% für die neuen Bundesländer.

Ein weiteres Kriterium für die Rentenanpassung ist der Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser dokumentiert die Veränderungen im zahlenmäßigen Verhältnis von Rentenbeziehern zu Beitragszahlern. Steigt die Anzahl der Beitragszahler gegenüber den Rentenbeziehern hat dieses eine positive Auswirkung auf die Rentenanpassung. Im Jahr 2018 erhöht der Nachhaltigkeitsfaktor die Rentenanpassung um 0,29 Prozentpunkte. Ferner ist der Beitragssatz vom vorvergangenen zum vergangenen Jahr zur Rentenversicherung ein wichtiger Faktor für die Rentenanpassung. Dieser betrug 2016 und 2017 18,7% und hat somit 2018 keine Auswirkung auf die Höhe der Rentenanpassung.

Auf Basis dieser Daten errechnet sich damit eine Anhebung des aktuellen Rentenwertes in den alten Bundesländern von 31,03 auf 32,03 Euro. Durch die Gesetzesänderung in den neuen Bundesländern erfolgt eine Vergleichsberechnung. Nach neuem Recht beträgt der aktuelle Rentenwert 95,8% vom Westwert. Das entspricht einem aktuellen Rentenwert von 30,68 Euro. Der mit der Lohnentwicklung ermittelte Rentenwert nach altem Recht beträgt jedoch 30,69 Euro und somit kommt dieser zum Tragen.

Die Rente eines Durchschnittsverdieners in den alten Bundesländern betrug 2017 gemäß Deutscher Rentenversicherung 1.396,35 Euro monatlich. Bei einer Rentenanpassung von 3,22% bedeutet das eine Rentenerhöhung monatlich von 44,96 Euro brutto.

In 2017 betrug die Rentenanpassung in den alten Bundesländern 1,9% und in den neuen Bundesländern 3,59%.

 

Rentenanpassung Landwirte

Auch in der landwirtschaftlichen Alterskasse erfolgt damit eine Rentenanpassung zum 01. Juli 2018.  Somit wird der allgemeine Rentenwert von 14,33 Euro in den alten Bundesländern um 3,22% auf 14,79 Euro angehoben. In den neuen Bundesländern steigt der allgemeine Rentenwert von 13,69 Euro um 3,37% auf 14,15 Euro, bzw. 95,8%= 14,16€.

Ein selbständiger Landwirt, der in den alten Bundesländern 5 Jahre als Mitarbeitender Familienangehöriger und 40 Jahre als selbständiger Landwirt Beiträge in die Landwirtschaftliche Alterskasse eingezahlt hat, erhält daraus 2017 eine Rente monatlich von rund 609 Euro brutto. Bei einer Rentenanpassung von 3,22% resultiert daraus eine Rentenerhöhung von monatlich 19,61    Euro brutto. Voraussetzung für eine Rente aus der landwirtschaftlichen Alterskasse ist aber, dass der Betrieb abgegeben, verpachtet oder anderweitig aus der Bewirtschaftung des Rentenbeziehers herausgenommen wird. Um den Lebensunterhalt bestreiten zu können, ist der Landwirt als Rentner auf Rücklagen, private Altersvorsorge, Pachteinnahmen, Altenteil, oder auch andere Einkünfte aus Photovoltaik usw. angewiesen.

Die Rentenanpassung von 3,22% in den alten Bundesländern und 3,37% bzw. 95,8% vom Westwert in den neuen Bundesländern gilt jeweils auch für Rentenbezieher der landwirtwirtschaftlichen Unfallversicherung.

 

Besteuerung der Rente

Ferner ist zu bedenken, dass der Besteuerungsanteil der Rente auf 76% steigt. Wer 2018 in Rente geht, hat somit einen Rentenfreibetrag von 24%, der lebenslänglich festgeschrieben wird. Im ersten Jahr werden die Renten überwiegend für weniger als 12 Monate gezahlt. Der endgültige Rentenfreibetrag wird deshalb aus der vollen Jahresbruttorente des zweiten Rentenbezugsjahres ermittelt. Die Besteuerung der Rente nach dem Alterseinkünftegesetz gilt auch für Landwirte.

Rentenanpassungen erhöhen das individuelle steuerpflichtige Renteneinkommen und sind somit voll steuerpflichtig. Auch bei Rentnern kommt der steuerliche Grundfreibetrag zum Tragen. Er beträgt für Ledige im Jahr 2018 9.000 € und für Verheiratete 18.000 €.  Der Grundfreibetrag kann von der steuerpflichtigen Rente abgezogen werden. Ferner können die vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge bis zur Höhe von 1.900 € in Ansatz gebracht werden. Zudem können Rentner eine Werbungskostenpauschale von 102 € und einen Sonderausgabenpauschalbetrag von 36 € bzw. 72 € für Verheiratete geltend machen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind zusätzlich je nach individueller Einkommenssituation weitere Versicherungsbeiträge, Werbungskosten und Sonderausgaben absetzbar. 

Haben Rentner zusätzlich zur Rente Einnahmen aus selbständiger Tätigkeit, Vermietung und Verpachtung, Photovoltaikanlagen, Kapitalerträge oder Betriebsrenten, dann werden diese zum Einkommen hinzugerechnet und unterliegen der Steuerpflicht.

Auch Rentner sind unter bestimmten Voraussetzungen verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Das trifft in erster Linie zu, wenn sie Einkünfte über den Grundsteuerfreibetrag haben, oder vom Finanzamt dazu aufgefordert werden.

Autor: Hermann Brengelmann


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Stand: 27.06.2018