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Ferkelaufzucht, das Fundament für gute Jungsauen und Mastschweine

Die Ferkelaufzucht ist ein sensibler Bereich. Viele Ferkelerzeuger fragen sich aus gutem Grund deshalb immer wieder: Wie kann der Übergang vom Säugen an der Sau zur Trockenfütterung aus dem Edelstahltrog am besten gelingen?

Die Ferkelaufzucht verlangt nach wie vor Fingerspitzengefühl. Durch leistungsstarke Genetiken und einem guten Management im Abferkelstall ist die Zahl der abgesetzten Ferkel gestiegen. Leider einhergehend mit einem geringeren Absetzgewicht. Neben den vielen Stressfaktoren wie, der neuen Umgebung ohne Mutter, den neuen Buchtenkameraden und der Umstellung von flüssiger warmer Milch auf feste Nahrung, wird häufig nicht daran gedacht, dass das Ferkel von heute auf morgen die Nahrung statt flüssig und warm, kalt und trocken aufnehmen soll. Es ist daher nach wie vor eine der größten Herausforderungen des Betriebsleiters die Ferkel nach dem Absetzen gut an das Trockenfutter zu bekommen. Wie diese besser gelingen kann, oder welche Maßnahmen hilfreich sein können, soll der folgende Beitrag aufzeigen.

Neben einem guten Absetzgewicht, dem richtigen Stallklima und der Wahl des richtigen Futters ist auch die Art der Futtervorlage von Bedeutung. Das Absetzgewicht hat einen starken Einfluss auf die weitere Entwicklung der Ferkel, aber nicht nur dieses, sondern auch die Heranführung der Ferkel an festes Futter schon vor dem Absetzen, ist von größter Bedeutung. Eine Steigerung des Absetzgewichtes eines Ferkels um nur 500g wirkt sich bis zu verdreifachend auf das Aufzuchtendgewicht aus. Hier können innerhalb der gleichen Aufzuchtzeit bis zu 1,5 kg mehr an Zunahmen erreicht werden. Daher wird der Grundstein einer erfolgreichen Aufzucht schon im Abferkelstall gelegt.

Enzymtraining unserer Kleinen
Um dem Ferkel den bestmöglichen Start in die Ferkelaufzucht zu geben ist es sinnvoll das Ferkel schon an der Sau zeitig an den Prestarter heran zu führen. Je besser die Trockensubstanzaufnahme der Ferkel an der Sau, umso eher wird das Enzymtraining angekurbelt und umso besser fressen die Ferkel weiter im Aufzuchtstall.  Am besten gelingt dieses, wenn der Prestarter flüssig und in Körpertemperatur angeboten wird. Hier gibt es mittlerweile Systeme die das automatisch über ein installiertes Leitungssystem im Abferkelstall erledigen können. Neben diesem System ist die manuelle Gabe vom Prestarter vorzugsweise in Breiform über Futterschalen weiterhin das Verfahren, um die Ferkel im Abferkelstall gut ans Fressen zu bekommen. Bei der breiförmigen Prestartergabe von Hand ist darauf zu achten, dass der Brei spätestens nach 5 Stunden gefressen wurde. Also in die Schalen nur so viel geben, so dass es in dieser Zeit aufgefressen wird und lieber frisch nachgeben. Hierbei kann vor allem immer noch mal ein Blick auf die Ferkel sowie die Sau geworfen werden.

Trocken bis Flüssig
Je nach Länge der Säugezeit ist der Anteil leichterer Ferkel größer oder geringer. Hat man es mit leichteren Ferkeln zu tun, so müssen diese intensiver unterstützt werden als schwerere Ferkel. Das bedeutet zunächst, dass der Prestarter bei leichteren Ferkeln länger gefüttert werden muss bzw. die Verschneidephasen später und länger sein müssen. Vorteilhaft ist das Bilden von Buchten mit nur kleinen Ferkeln, so können sie gezielter gefüttert werden.

Für die Ferkelfütterung im Flatdeck gibt es viele verschiedene Varianten die sich aber grundsätzlich in drei Gebiete der Futtervorlage zusammenfassen lassen.

  • Trockenfütterung
  • Breifütterung und
  • Flüssigfütterung kombiniert mit  Sensorfütterung

Doch welche Variante für welchen Betrieb die richtige ist, muss einzelbetrieblich ausgewählt werden.

Flüssig und warm in den Magen
In den meisten Fällen finden die Ferkel nach dem Absetzen zwar das Futter, aber die Tränkenippel müssen noch gefunden werden. Vor allem muss bedacht werden, dass die Ferkel erst einmal lernen müssen diese zu betätigen! Daher macht es Sinn in den ersten Tagen zum Beispiel Putentränken oder andere Beifütterungsschalen zusätzlich mit in die Buchten zu stellen. Das Bereitstellen von zusätzlichen Tränken in der ersten Absetzwoche verringert außerdem das Überfressen der Ferkel.

Wie schon angesprochen wäre für das Ferkel nach dem Absetzen der beste Übergang von der Milch zum festen Futter eine ständige frische und schmackhafte Flüssigfuttervorlage. Diese Vorlage könnte dann nach und nach immer dicker gemacht werden, bis hin zum Trockenfutter. In den meisten Fällen ist dieses aber nicht möglich. Zum einen ist die flüssige Futtervorlage in der Ferkelaufzucht technisch  aufwendig und im Vergleich zum einfachen Trockfutterautomaten wesentlich teurer. Aber eines der größten Probleme ist oftmals der Hygienestatus innerhalb des Troges. Durch die hohen Temperaturen im Stallabteil mit zum Teil über 30°C und dem Restfutter mit hochwertigen leicht verdaulichen Komponenten, das im Trog zurückbleibt, werden die idealen Brutstätten für Keime und Hefen geschaffen.

In den letzten Jahren wurde vor allen große Ferkelaufzuchtställe oft mit Flüssigfütterungen ausgestattet. Wie schon beschrieben ist diese vom Grundsatz der Ferkelversorgung optimal, doch durch mangelnde Hygiene kam es in der Praxis vereinzelt schon zu großen Schwierigkeiten. Nur wer hier als Betriebsleiter ein ideales Hygienemanagement gewährleisten kann und das wirklich dauerhaft, wird auf lange Zeit eine erfolgreiche Ferkelaufzucht mit der flüssigen Futtervorlage betreiben können. Hier muss jeder Betriebsleiter vor der Entscheidung über das Fütterungssystem ehrlich mit sich selbst sein. Nur weil der Berufskollege im Nachbarort gute Leistungen mit der Flüssigfütterung erreicht, heißt dieses nicht, dass es auf dem eigenen Betrieb in der Ferkelaufzucht auch so funktionieren muss.

Da die Rangordnung noch bestimmt werden muss und daher häufig Kämpfe stattfinden ist es ratsam bei nur einer vorhandenen Futterstelle das Tier Fressplatzverhältnissen von 4:1 oder niedriger anzubieten. Die Beifütterung bzw. das Bereitstellen zusätzliche Futterstellen kann über mobile Futtertröge geschehen. Diese werden die ersten 1-2 Wochen mit in die Bucht gestellt. Im Flatdeck ist es vor allem sinnvoll mit dem gleichen Futter weiter zu füttern wie schon im Abferkelstall begonnen wurde. Hier durch entsteht keine weitere Umstellung sowie kein weiterer Stressfaktor für die jungen Ferkel.

Als weitere Alternative neben der Flüssigfütterung stehen sensorgesteuerte Breiautomaten zur Verfügung. Diese Automaten bieten für die Versorgung der Ferkel sehr gute Eigenschaften. Insbesondere für kleinere oder rangniedrigere Ferkel. Durch die Sensorfütterung und das kleine Tier : Fressplatzverhältnis wird den Ferkeln immer frisches breiförmiges Futter zu jeder Zeit angeboten. Das besondere an den Sensorgesteuerten Automaten ist, dass in einem idealen Verhältnis Wasser und Futter zusammen ausdosiert wird. Dadurch wird verhindert, dass Breireste im Automaten zurückbleiben. Durch das ständige Abfragen der Sensoren könne alle Ferkel innerhalb der Bucht optimal Versorgt werden. Bei diesen Automaten ist es aber besonders wichtig die Einstellungen Buchtenweise und nach Futterbedarf anzupassen.

Zur Standardfutterversorgung in der heutigen Ferkelaufzucht zählt in der Praxis der normale Breiautomat. Gute Zunahmen, einfach Bedienung, wenig Technik und kostengünstig. Das ist die ideale Beschreibung sowie die größten Vorteile dieser bewährten Futtervorlage. Zum Management bzw. zur besseren Eingewöhnung der Ferkel kann es zum Teil sinnvoll sein, zum Beispiel die Wassernippel die ersten fünf Tage auszustellen. Hier wird ansonsten oft spielerisch durch die Ferkel ein Brei im Trog  hergestellt der in den meisten Fällen nicht aufgefressen wird.

Werden die Tränkestellen in den Automaten abgestellt muss selbstverständlich trotzdem unbedingt das Tier : Tränkeverhältnis eingehalten werden. Wasser ist auch in der Ferkelaufzucht das Futtermittel Nummer 1.  Wichtig ist, dass bei der Verwendung von Breiautomaten kein Brei im Futtertrog stehen bleibt. Dieser wird genauso wie bei der Flüssigfütterung sehr schnell schlecht und bietet ein wunderbares Keimmilieu.

Als letzte Variante ist für die Futterversorgung in der Ferkelaufzucht die einfachste und kostengünstigste Technik zu nennen. Der altbekannte Trockenfutterautomat. Ohne direkte Wasserversorgung im Bereich des Futters. Hierbei handelt es sich zwar aus Futtervorlagesicht um die schlechteste Versorgung aber aufgrund der geringen Investitionen und der simplen Handhabung sowie der einfachen Hygienebedingungen wird er vor allem in Altgebäuden oder Umbaulösungen noch vielfach verbaut.

Fazit
Der Grundstein für eine gute Jungsauenaufzucht bzw. erfolgreiche Schweinemast wird schon in der Abferkelbucht gelegt. Für den Bereich der Futterversorgung ist es zunächst wichtig die Futteraufnahme im Abferkelstall zu fördern. Breiförmiges Anfüttern, am besten mit warmen Wasser, erleichtert hier die Futteraufnahme enorm. Für die Ferkelaufzucht wäre die ideale Versorgung der Ferkel die Flüssigfütterung. Hierbei stehe aber hohe Investitionskosten und zum Teil je nach Management große Hygieneproblem im Vordergrund. Als Standard und sehr gute Alternative sind die altbekannten Breiautomaten zu nennen. Gute Versorgung der Tiere mit guter Futterhygiene und relativ günstige Technik bieten das ideale Fundament für eine erfolgreiche Ferkelaufzucht.

 


Kontakt:
Katrin Peperkorn
Bau- und Technikberatung
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Stand: 07.01.2019