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Getreidemarkt: USDA-Bericht Mai 2021

Am 12. Mai war es wieder soweit und alle Augen der Marktbeteiligten richteten sich auf den monatlichen Bericht des US-Agrarministeriums. In diesem Bericht veröffentlichen die US-Analysten ihre Angebots- und Nachfrageprognosen für die verschiedenen Länder. Die besondere Bedeutung des Berichtes lässt sich insbesondere an den Börsenkursen ablesen, die bereits im Vorfeld zumeist deutlich auf die Erwartungen reagieren und das lässt auch die Erzeugerpreise vor Ort nicht unberührt. Hier nun eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

Weizen: Gute Produktionsaussichten für die kommende Saison, dennoch bleiben die globalen Endbestände knapp unverändert zum Vorjahr

Saison 20/21: Die globalen Weizen-Endbestände wurden im Vergleich zum Vormonat von 295,52 Mio. t auf 294,67 Mio. t reduziert (Vorjahr: 299,44 Mio. t). Deutliche Abwärtskorrekturen zum Vorjahr gab es mit 9,17 Mio. t für die EU-27, ebenso wie für die Exporteure USA und Kanada. Für die Importländer China und Nordafrika fallen die Endbestände im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls deutlich geringer aus. Andererseits gab es bei einigen Hauptanbauländern auch eine Erhöhung der Endbestände wie z. B. Australien, Russland oder Indien.

Saison 21/22: Für das kommende Wirtschaftsjahr gehen die Analysten von zum Teil guten Aussichten für die Weizenproduktion aus. Weltweit könnte sogar eine Rekordernte in Höhe von 789 Mio. t eingefahren werden. Hier fallen zum Beispiel die Erntemengen für die EU-27 mit 134 Mio. t, die Ukraine mit 29 Mio. t, Argentinien mit 20,5 Mio. t und Russland mit optimistischen 85 Mio. t auf. Aus den Reihen der Importländer werden China und Nordafrika über größere Erntemengen verfügen können, so die Prognosen. Dennoch wird kaum mit einer nennenswerten Aufstockung der Endbestände zu rechnen sein, denn der Verbrauch steigt ebenfalls. Auf globaler Ebene beläuft sich dieser auf 788,68 Mio. t und liegt damit nur knapp unter der globalen Produktion. Lediglich für Russland wird ein deutlicher Bestandsaufbau in Höhe von 3 Mio. t erwartet.

Reaktion an den Börsen: Die positiven Produktionsprognosen sorgten für schwächere Tendenzen an den Börsen. An der Matif fiel der neue Frontmonat zuletzt auf 216 EUR/t und in Chicago gab der Juli-Kontrakt auf 701,50 ct/bu nach. Bei den genannten Prognosen wird es zumindest zu keiner Verschlechterung der Versorgungslage kommen. Dennoch ist trotz steigender Produktionsmengen aufgrund des ebenfalls steigenden Verbrauchs mit einem Aufbau der Vorräte kaum zu rechnen. Zudem bleibt bei diesen langfristigen Prognosen das Wetter ein Unsicherheitsfaktor. Sollte es hierbei noch zu Ertragseinschränkungen kommen, könnte sich die Versorgungslage doch noch weiter verknappen, denn so dick ist das Polster nicht. Diese Befürchtungen bleiben zunächst jedoch reine Spekulation.

Mais: Deutlich höhere Ernten in den Hauptexportländern in 21/22 erwartet, Chinas Importe bleiben unverändert auf hohem Niveau

Saison 20/21: Beim Mais war die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer hauptsächlich auf die Angaben zur brasilianischen Maisproduktion gerichtet. Im Vorfeld hatten pessimistische Analysten aufgrund der sehr trockenen Witterungsverhältnisse von einem Abrutschen auf ca. 100 Mio. t gesprochen. Diese Erwartungen wurden jedoch nicht ganz erfüllt. Das US-Agrarministerium korrigierte die Maisernte in Brasilien um „nur“ 7 Mio. t auf 102 Mio. t. nach unten. Deutliche Veränderungen gab es im Vorjahresvergleich für die USA. Die Importe haben sich von 45,17 Mio. t auf 70,49 Mio. t drastisch erhöht. Damit rutschen die US-Endbestände für die laufende Saison auf 31,93 Mio. t nach 48,76 Mio. t in 19/20. Bemerkenswert bleibt zudem die Anhebung der Importmenge Chinas. Diese wurde im Vergleich zum Vormonatsbericht noch einmal um 2 Mio. t auf 26 Mio. t erhöht (Vorjahr: 7,6 Mio. t!)

Saison 21/22: Für die kommende Saison wird ein Produktionsplus von knapp 60 Mio. t auf rekordverdächtige 1,189 Mrd. t erwartet. Deutliche Erhöhungen werden dabei für die USA, Brasilien, die Ukraine und Argentinien genannt. Für die EU erhöht sich ebenfalls die Erntemenge auf 66,7 Mio. t, dennoch steigt gleichzeitig der Importbedarf um weitere 4 Mio. t auf 16 Mio. t, denn der Verbrauch wächst ebenfalls auf 77,9 Mio. t, hauptsächlich im Bereich der Futtermittelverwendung. Der Importbedarf Chinas wird nach Einschätzung der Analysten auf hohem Niveau bei 26 Mio. t stagnieren. Die weltweiten Endbestände steigen in der kommenden Saison wieder an. Deutlich höhere Mengen im Vergleich zum Vorjahr werden in den USA und in Brasilien zu erwarten sein.

Reaktion an den Börsen: Die guten Produktionsaussichten für die kommende Saison schickte die Kurse auf Talfahrt. An der Matif rutschte der Frontmonat auf 250,25 EUR/t und in Chicago gab der Juli-Kontrakt auf 674,75 ct/bu nach.

Sojabohnen: US-Endbestände erhöhen sich auch im kommenden Wirtschaftsjahr nur leicht, gleichzeitig steigt der Importbedarf Chinas

Saison 20/21: Im Vergleich zum Vorjahr mussten die globalen Endbestände ordentlich Federn lassen. Sie reduzierten sich um 10 Mio. t auf 86,55 Mio. t. Ein deutliches Minus wurde dabei für die USA vermerkt. Dort schrumpften die Endbestände von 14,28 Mio. t auf 3,25 Mio. t zusammen. Ausschlaggebend für diese Senkung waren hauptsächlich die US-Exporte, die auf 62,05 Mio. t zulegten nach 45,78 Mio. t im Vorjahr. Die Exporte Brasiliens sanken dagegen von 92,14 Mio. t auf 86 Mio. t. Die brasilianische Produktion wurde jedoch mit 136 Mio. t weiterhin auf ein Rekordniveau geschätzt.

Saison 21/22: Für die kommende Saison erwarten die Analysten eine Erhöhung der weltweiten Produktion von 362,95 Mio. t auf 385,53 Mio. t. Gleichzeitig steigt jedoch auch der Verbrauch. Dennoch können sich die Bestände um ca. 4,5 Mio. t erhöhen. Einen deutlichen Anstieg verzeichnen dabei Brasilien und China. Der Importbedarf Chinas wird noch einmal um 3 Mio. t auf 103 Mio. t ansteigen. Als Hauptexporteure treten erneut die USA und Brasilien auf. Während die Exportmenge der USA jedoch auf 56,47 Mio. t abnimmt, steigt sie für Brasilien um 7 Mio. t auf 93 Mio. t. Die erwartete brasilianische Produktionsmenge wird vermutlich das Rekordniveau aus dieser Saison mit 144 Mio. t sogar noch übersteigen. Voraussichtlich das Wetter spielt mit.

Reaktion an den Börsen: Kurz nach der Veröffentlichung des Berichtes sorgten die Aussichten auf eine weiterhin knappe Versorgungslage der USA, die sich mit Endbeständen von 3,85 Mio. t in der kommenden Saison nicht deutlich verbessern wird, für einen erneuten Aufschwung an der Börse. Ebenso wird der erhöhte Importbedarf Chinas bei der angespannten Versorgungslage als kritisch gesehen. Auf der anderen Seite erhöhen sich die globalen Endbestände und neue Rekordernten werden avisiert. Zumindest wenn die Witterungsbedingungen keine Überraschungen bereithalten. In Zusammenhang mit dem sehr schwachen Umfeld verbuchten sowohl die Raps- als auch die Sojakurse am Tag nach der Veröffentlichung des Berichtes ein deutliches Minus.

Quelle: www.usda.gov


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Stand: 14.05.2021