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Getreidemarkt: USDA-Bericht Juli 2021

Am 12. Juli 2021 hat das US-Agrarministerium seine aktuelle Einschätzung über die Angebots- und Nachfrage-Situation am Getreide- und Ölsaatenmarkt im USDA-Bericht veröffentlicht.

Weizen

Das globale Angebot sinkt

Das Angebot am globalen Markt sinkt nach Einschätzung der US-Analysten in 21/22 aufgrund geringerer Anfangsbestände und einer kleineren Produktion. Für Abwärtskorrekturen sorgten insbesondere die Senkung der erwarteten Sommerweizen-Ernte in den USA. Der Zustand ist mit einem Anteil von nur noch 16% gut/exzellent entwickelt deutlich unter dem Level des Vorjahres (70 %). Als Ursache wird die Hitzewelle in den nördlichen Plains genannt. Trotz einer höheren Winterweizen-Ernte wird sich demnach die US-Produktion auf nur noch 47,52 Mio. t belaufen nach 49,69 Mio. t im Vorjahr und 52,58 Mio. t in 19/20.

Weitere Abwärtskorrekturen, die das globale Ergebnis beeinflussen, wurden für Russland in Aussicht gestellt. Die russische Weizenernte wurde um 1 Mio. t auf 85 Mio. t reduziert. Ausschlaggebend dafür waren die frostigen Frühlings-Temperaturen in den Winterweizen-Gebieten. Und in Zentral-Russland litten die Sommerweizen-Bestände unter Trockenheit und Hitze. Ebenso für Kasachstan wurde die Ernteprognose um 1 Mio. t auf 13 Mio. t reduziert.

Gute Prognosen für die EU

Positiv entwickelten sich dagegen die Erwartungen für Australien um 1,5 Mio. t auf 28,5 Mio. t, denn wohltuende Niederschläge fördern dort die Pflanzenentwicklung. Höhere Schätzung aufgrund günstiger Witterungsbedingungen gab es auch für die EU und Großbritannien. Hier belaufen sich die Prognosen auf 138,2 Mio. t bzw. 14,8 Mio. t.

Obwohl auch der prognostizierte Verbrauch geringer ausfällt als im Vormonat, sinken dennoch die Endbestände deutlich ab. Sie erreichen nur noch 291,7 Mio. t nach erwarteten 295,41 Mio. t.

Reaktionen an der Börse: Die Aussicht auf eine geringere Produktion und sinkende Endbestände trieb die Kurse an der US-Börse nach der Veröffentlichung des Berichtes auf 640,75 ct/bu. Nach erfolgten Gewinnmitnahmen befinden sich die Kurse momentan wieder im Aufschwung. Nachdem der EU-Weizen vor dem Wochenende bereits unter die 200-Euro-Marke gerutscht war, ging es nach dem USDA-Bericht erneut bergauf. Mittlerweile wurde die 205-Euro-Marke wieder überschritten.

Mais

Globale Bilanz erholt sich

Während für das Wirtschaftsjahr 20/21 keine großen Veränderungen mehr vorgenommen wurden, belastete bei der Maisbilanz 21/22 eine um 5 Mio. t höhere globale Produktion. Demnach soll sich diese nun auf 1.194,80 Mio. t belaufen (20/21: 1.120,65 Mio. t). Im Vergleich zum Vormonat gab es dabei eine deutliche Aufwärtskorrektur für die USA. Die US-Produktion wird nach Einschätzung der Analysten auf 385,21 Mio. t ansteigen. Das sind knapp 5 Mio. t mehr als im Juni erwartet worden waren und überschreitet die Vorjahresmenge um ca. 25 Mio. t.

Die südamerikanische Produktion fällt in 21/22 mit 51 Mio. t für Argentinien und 118 Mio. t für Brasilien ebenfalls deutlich höher aus als im Vorjahr.

Weltendbestände werden nach oben korrigiert

Gleichzeitig steigt jedoch auch der Verbrauch drastisch an. Dieser wird auf globaler Ebene auf 1.183,47 Mio. t prognostiziert. Die Differenz zum Vorjahr beträgt demnach ca. 37 Mio. t. Unterm Strich ergibt sich eine Anhebung der globalen Endbestände auf 291,18 Mio. t und damit errechnet sich ein Plus von 11 Mio. t zum Vorjahr. Der Bedarf Chinas bleibt mit 26 Mio. t unverändert auf hohem Niveau und auch der Anteil Chinas an den Endbeständen stagniert bei 198,16 Mio. t (68 % der globalen Endbestände!). Wie bereits häufig erwähnt bleiben diese Zahlen ein Unsicherheitsfaktor in der Bilanz.

Reaktionen an der Börse: Nach der Veröffentlichung des USDA-Berichtes kletterte der September-Kontrakt an der CBoT unter dem Einfluss des sehr freundlichen Weizenmarktes auf 545,25 ct/bu und hielt sich auch an den folgenden Tagen auf diesem Niveau. An der Börse in Paris blieb die Kursentwicklung eher verhalten und der Schlusskurs am 12.7. landete bei 235 EUR/t.

Soja

Ölsaatenproduktion steigt

Am globalen Ölsaatenmarkt erhöht das US-Agrarministerium seine Prognosen für die Produktion in 21/22. Diese steigt um 2,5 Mio. t auf 635,4 Mio. t. In Russland wird aufgrund einer Flächenausweitung mit einer höheren Sonnenblumenernte um 2 Mio. t auf 16,5 Mio. t gerechnet. Ein Plus wurde auch für die australische Rapsernte in Aussicht gestellt, denn eine größere Anbaufläche und wohltuende Niederschläge sorgen für gute Voraussetzungen. Probleme bereitet dagegen die Hitze in Kanada. Die extrem hohen Temperaturen und Trockenheit bedrohen neben der Canola- auch die Soja-Produktion.

Höhere Anfangs- und Endbestände

Bei den Sojabohnen blieb die Schätzung bezüglich der globalen Produktion ebenso wie die der US-Produktion nahezu unverändert zum Vormonat. Der Anstieg der Endbestände für das Wirtschaftsjahr 21/22 um knapp 2 Mio. t ist die Folge von einer Erhöhung der Anfangsbestände. Diese kletterten um ca. 3,5 Mio. t auf 91,49 Mio. t. Ausschlaggebend dafür waren höhere Endbestände 20/21 in Südamerika, denn das hohe Preisniveau bremste die Exportwelle nach China etwas aus. Dementsprechend fielen die Sojaendbestände sowohl für 20/21 sowie für 21/22 im aktuellen Bericht höher aus als erwartet.

Reaktionen an der Börse: Die euphorische Stimmung beim Weizen sowie die feste Tendenz am Pflanzenölmarkt trieben auch die Sojabohnen am 12.7. wieder über die 14-Dollar-Marke. Danach blieb ein weiterer Aufschwung aus, dennoch hält sich momentan das Kurs-Niveau. Mehr Dynamik zeigte sich zuletzt beim Raps. Dieser erreichte mit 562,25 EUR/t sogar ein Kontrakt-Hoch. Diese freundliche Stimmung hängt zum Großteil von der Hitzewelle in Kanada ab, die die Entwicklung der Canola-Pflanzen bedroht. Gleichzeitig bleibt die Erwartung einer weiterhin großen Nachfrage Chinas und ein fest gestimmter Pflanzenölmarkt, die die Preise im Sojakomplex weiter antreiben könnten.

 

Globale Getreide- und Sojabestände (Quelle: USDA, Juli 2021)
 

USDA Juli 21

Erwartungen

USDA Juni 21

Weizen

Weltendbestände 21/22 (Mio. t)

291,70 (+) 295,41 296,80

US-Endbestände 21/22 (bn bu)

0,655 (-) 0,729 0,770

Mais

Weltendbestände 20/21 (Mio. t)

279,86  279,76 280,60

Weltendbestände 21/22 (Mio. t)

291,20 (+) 288,97 289,41

US-Endbestände 20/21 (bn bu)

1,082 1,088 1,107

US-Endbestände 21/22 (bn bu)

1,432 (+) 1,402 1,357

Soja

Weltendbestände 20/21 (Mio. t)

91,49 (+) 87,62 88,00

Weltendbestände 21/22 (Mio. t)

94,50 (+) 92,57 92,55

US-Endbestände 20/21 (bn bu)

0,135  0,134 0,135

US-Endbestände 21/22 (bn bu)

0,155  0,148 0,155

(-) unter Erwartungen

(+) Über Erwartungen

 

Quelle: USDA/BQCI


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Stand: 19.07.2021