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Getreidemarkt: Ernte und Preise

Die Gerstenernte ist in Niedersachsen weitgehend abgeschlossen und die Enttäuschung ist groß. Nachdem im Vorfeld doch eher eine mittlere bis gute Ernte erwartet worden war, sieht die Realität nun anders aus – eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten:

Hauptthema: Hektolitergewicht

Noch vor wenigen Wochen wurden zumeist optimistische Einschätzungen zur erwarteten Gerstenernte abgegeben. Die Pflanzen waren gut gewachsen und die Bestände sahen demnach vielversprechend aus. Doch die Enttäuschung folgte, nachdem die ersten Ernte-Ergebnisse auf dem Tisch lagen. Das Hektolitergewicht scheint ein Hauptthema der diesjährigen Gerstenernte zu sein. Auch wenn viele Körner von den Feldern geholt werden konnten, so lassen die Qualitäten sprich die Gewichte der Gerstenkörner doch häufig zu wünschen übrig. Die vom Handel geforderten 62 kg/hl konnten dabei oftmals nicht erreicht werden. Sogar Werte unterhalb von 50 kg/hl sind keine Seltenheit. Was sind die Gründe? Unsere Pflanzenbau-Experten vermuten, dass die Ursache in der Witterung zu finden ist. Die Kältewelle im März hat die Entwicklung der Gerstenbestände stark verzögert, frostige Temperaturen im Mai hielt die Feuchtigkeit im Boden. Das hatte einen gewissen Verdünnungseffekt der im Boden gelösten Nährstoffe zur Folge. Darüber hinaus nahmen die Pflanzen aufgrund der geringen Transpiration weniger Nährstoffe auf. Die Hitzewelle im Juni sorgte dann noch für eine schnelle Abreife und der Einlagerungsprozess wurde vorzeitig abgebrochen. 

Preisentwicklung zuletzt wieder positiv

Von den Preisen gab es zuletzt dagegen leicht positive Meldungen. Die Preisentwicklung hat sich im Verlauf des vergangenen Jahres stetig nach oben bewegt und erreichte im Juni sogar die 225-Euro-Marke (frei Lager). Zu diesem Zeitpunkt bewegte noch die Sorge um eine knappe Versorgungslage die Entscheidung der Marktteilnehmer. Der Bruch zur neuen Ernte war entsprechend groß. Vorkontrakte für neuerntige Ware lagen zum gleiche Zeitpunkt ca. 40 EUR/t unter dem Preis für die alte Ware. Für die Ernte 21 gaben die Preise dann weiter nach und fielen, den Erwartungen einer guten Ernte folgend, sogar unter die 170 EUR/t. Mit Einordnung der Ernteergebnisse und Unterstützung vom Weltmarkt drehte sich dann wieder die Tendenz zum Positiven. Die Weizenkurse an den Warenterminbörsen hangelten sich weiter nach oben. Insbesondere der sehr schlechte Zustand der US-Sommerweizenbestände, aber auch die Sorge vor Ertragseinschränkungen im Süden Russlands boten den Kursen Unterstützung. Das beeinflusste auch die Stimmung am Kassamarkt. Am Großmarkt in Hamburg stiegen die Preise für Futterweizen auf 209 EUR/t, für Gerste auf 192 EUR/t. Zuletzt lagen die Gebote der Erfasser frei Lager dementsprechend in einer Spanne von 172,5 – 187,5 EUR/t. Als Folge der schlechten Qualitäten könnten auf die Erzeuger jedoch noch Abschläge für ein geringes Hektolitergewicht zukommen. Nach den Bedingungen vieler Getreidehändler liegt die Grenze bei der Gerste normalerweise bei 62/63 kg/hl.

Trotz Unwetter Gerstenernte über Vorjahresniveau

Für Gesamt-Deutschland geht der Deutsche Bauernverband trotzt der Ernteunterbrechungen und Überschwemmungen in einigen Anbauregionen weiterhin von einer im Vergleich zum Vorjahr guten Erntemenge aus. Laut der aktuellen Erhebung werden insgesamt 9,3 Mio. t erwartet (Vorjahr 8,7 Mio. t). Die geschätzten Erträge belaufen sich auf 6,5 – 8,5 t/ha. Die Erntearbeiten sind in weiten Teilen Deutschlands gut vorangekommen und wurden teilweise bereits abgeschlossen. Allerdings gibt es auch Regionen wie z. B. in Sachsen oder Bayern, wo die Landwirte den Hauptteil der Ernte noch vor sich haben.

Quelle: LWK Niedersachsen, DBV


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Stephanie Stöver-Cordes
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Stand: 26.07.2021