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Beim Strohverkauf den Service mit einpreisen

Die Perspektiven beim Getreide sind derzeit mal wieder eher verhalten. Weil besonders dann alle Produktionsbereiche auf den Prüfstand gehören um konsequent Einkommensreserven aufzudecken und eventuell zu heben, beschreibt Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, wie Sie den Strohverkauf auf Wirtschaftlichkeit prüfen können.

Wenn Sie den Strohpreis anhand des zu berücksichtigenden Aufwands ermitteln, hängt das Ergebnis von der gewählten Vermarktungsstufe ab. Wenn der Kaufinteressent statt „Stroh vom Feld zur Selbstbergung“ lieber „gelagerte Strohballen just in time frei Haus“ wünscht, bietet sich ein modular aufgebautes Kalkulationsschema an. Folgende Kostenpositionen sollten berücksichtigt werden:       
- der pflanzenbauliche Wertverlust         
- die Bergekosten und       
- ggf. die Lager- und Anlieferungskosten

Nährstoffentzug sinnvoll bewerten

Beim Strohverkauf werden sowohl Nährstoffe entzogen als auch die Humusbilanz beeinflusst. Für Betriebe in Regionen mit sehr hohem Viehbesatz verbessert sich durch eine Strohabgabe die Wirtschaftlichkeit der Flächennutzung quasi automatisch, weil sie dann durch den höheren Entzug entweder weniger betriebseigene Wirtschaftsdünger abgeben müssen oder sich die (dann höhere) Wirtschaftsdüngeraufnahme bezahlen lassen können. In reinen Ackerbaubetrieben hingegen verursacht der Verkauf von Stroh zusätzliche Kosten für die „Ausgleichsdüngung“ zum Ersatz der entzogenen Nährstoffe (Nährstoffwert + ggfs. Ausbringungskosten) und eventuell sogar noch für andere Aktivitäten zum Humuserhalt. Die folgende Kalkulation erfolgt deshalb zunächst für Ackerbaubetriebe, danach werden die besonderen Bedingungen für Betriebe in intensiven Viehhaltungsgebieten in der Kalkulation berücksichtigt.

Im oberen Teil der Übersicht 1 wird der Nährstoffentzug durch Strohverkauf auf Basis der durchschnittlichen Nährstoffgehalte und –preise bewertet. Diese durchschnittliche Betrachtung ergibt für das Stroh bei derzeitigen Düngerpreisen der preiswertesten Düngemittel (z. B. Harnstoff) einen reinen Nährstoffwert von etwa 13,84 €/t (netto), der sich um anteilig umgelegte Maschinen- und Lohnkosten von 2,33 €/t eines zusätzlichen Arbeitsganges für die ersatzweise Mineraldüngerausbringung pro Jahr auf 16,17 €/t erhöht. Wurde bislang das Strohhäckseln durch den Mähdrescher extra berechnet, könnte sich der Wert um den eventuell nun entfallenden Betrag von anteiligen ca. 10 €/ha (= 2 €/t Stroh) verringern. Zusammen mit einem Risikoaufschlag von mindestens 20 besser 25%, der geboten erscheint, weil nicht alle Käufer/Kaufinteressenten als 100% zuverlässig gelten, sind also 20,21 €/t bzw. 100,75 €/ha als Minimum für den Nettopreis des „Umsatzsteuer-Optierers“ angemessen. Da ein „Pauschalierer“ sowohl den Nährstoffersatz als auch die reinen Maschinenkosten mit 19% Mehrwertsteuer einkauft, muss er entsprechend höhere Kosten zugrunde legen, weshalb sich ein Bruttopreis von etwa 19 €/t ohne und 24 €/t bzw. 119 €/ha mit Risikozuschlag errechnet.

Drohen zwischendurch Niederschläge oder kann/möchte der Käufer das Stroh erst in einigen Tagen abholen, ist (zur Minderung des Totalverderbs) der Verkauf „ab Feld gepresst“ sinnvoll. Je nach Art der Presse und Mechanisierung (Motorleistung der Schlepper und Investitionsbedarf siehe mittlerer Teil der Übersicht 1) sowie Auslastung der Technik entstehen dadurch Kosten von 11,90 €/t bei sehr gut ausgelasteten Rundballenpressen und bis zu 25,86 €/t für Kleinballenpressen mit mäßiger Auslastung. Quaderballenpressen sind kostenmäßig etwa den Rundballenpressen gleich zu setzen. Hier erscheint es sinnvoll, den Risikoaufschlag mit 30% etwas höher anzusetzen, weil das monetäre Risiko bei längerer „Überlegensfrist“ des Käufers, höheren Kosten und ebenfalls höheren Zusatzkosten im „Käuferausfall“-Fall überproportional größer erscheint. Der „Optierer“ sollte deshalb für „Stroh in größeren Ballen“ zwischen 36,50 und 38,60 €/t als Abholpreis ansetzen. Weil das Pressen der HD-Hallen deutlich länger dauert, kosten diese dann auch mit 51 bis 54,60 €/t deutlich mehr.  Ein „Pauschalierer“ sollte an dieser Stelle eine Bruttomindestpreis zwischen 43 und 63,50 €/t veranschlagen.

Damit sind die kleineren Ballen, obwohl sie AK-sparend mit Ballenschleuder quasi „automatisch“ geladen werden, aufgrund der höheren Lohn- und Schlepperkosten (wegen des höheren Zeitbedarfs), schon deutlich teurer als die Rundballen. Quaderballen sind bis zu dieser Position ebenfalls (noch) teurer als Rundballen; sie werden ihre Handling-Vorteile erst beim Auf-/Abladen, beim platzsparenden Transport und vor allem beim kompakteren Lagern ausspielen.

Nicht zum Nulltarif „bringen“

Soll das Stroh auch noch angeliefert werden („Ist doch gleich um die Ecke!“), wird die Preiskalkulation schon deutlich aufwändiger. Beim Aufladen hat man die Wahl: Entweder werden alle Ballen erst einmal (einzeln oder in Kleinstgruppen) „quer“ übers Feld zu einem zentralen Ladeplatz gebracht oder der Transportwagen fährt parallel zum Lader nebenher, was meist deutlich schneller geht (hier unterstellt), aber natürlich Kosten für zwei Schlepper und zwei Fahrer verursacht oder der Transportanhänger wird auf dem Stoppelacker jeweils so abgestellt, dass die umliegenden Ballen effizient zusammengefahren werden können. Und auch beim Laden kann man dann oft sehr unterschiedliche Techniken beobachten, die vom stumpfen Transport der Einzelballen bis hin zu akrobatischen Jonglierversuchen (3 Quaderballen gestapelt oder 3 Rundballen mit/auf 2 Frontladerzinken) reichen

In der Übersicht 2 sind wieder zunächst die Eckdaten genannt, dann das Ergebnis, wobei die reinen Arbeitserledigungskosten (Maschinenkosten+Lohn) für das Laden (1.: Teleskoplader mit Ballenzange; 2.: Schlepper mit Frontlader-Spießen; 3.: Ballenschleuder an der Kleinballenpresse) zwischen 4,55 (3,37) und 5,89 (4,36) €/t (mit 35% Risikozuschlag; Werte in Klammern ohne Risikoaufschlag) liegen. Beim Transport wird für Quader- und Rundballen das gleiche System verwendet, allerdings bringen die Rundballen wegen des geringeren Raumgewichtes (Annahme: 90%) und der ungünstigeren Raumausnutzung (Annahme: 80%) deutlich weniger Transportgewicht zustande. Dann kostet das Laden inkl. Transport über 2 km (ist ja nur „gleich um die Ecke“) zwischen 7,52 (+2,13) und 8,96 (+3,95) €/t (in Klammern: reine Transportkosten mit 35% Risikozuschlag) zusätzlich. Obwohl bei den kleinen HD-Ballen wegen des Nicht-Stapelns das Transportgewicht deutlich niedriger ausfällt, ist der Transport durch das „angehängte Laden“ mit 7,55 bis 8,41 €/t (inkl. 35% Risikoaufschlag) zunächst scheinbar günstig. Da dies aber die reinen Transportkosten ungestapelter Ballen sind, müssen diese Beträge eigentlich mit den vorher dargestellten eingeklammerten Werten, also 2,13 bis 3,95 €/t verglichen werden.

Der Transportweg ist weiter? Jeder zusätzliche Entfernungskilometer ist zunächst für den 3. bis 10. km mit weiteren 0,55 bis 1,35 €/t/km zu veranschlagen; ist es noch weiter, sind ab dem 11. km mit 0,32 bis 0,88 €/t/km etwas niedrigere Aufschläge angemessen (beide Varianten ebenfalls inkl. +35% Risikozuschlag).

Beim HD-Ballentransport ist statt der Aufladezeit nur der Zeitbedarf für das Umhängen anzusetzen. Die Aufschläge für weitere Kilometer fallen aber trotz der „einfachen“ Mechanisierung wesentlich höher aus, weil die etwas geringeren Kosten pro Fahrt nur auf deutlich weniger transportiertes Gewicht verteilt werden können.

Und richtig teuer wird dann das Abladen der HD-Ballen: Hier fordert die Handarbeit neben der Ballenbahn nicht nur Kraft, sondern auch noch Ausdauer. Das Programm „Fitness für Zwei“ dauert mindestens fünfmal so lange wie das Abladen des fast dreimal so hohen Strohgewichts durch 1 AK mit Technik. Reichen bei Quaderballen 3,62 bis 4,54 €/t fürs Abladen (Rundballen: 5,28 bis 5,80 €/t), kostet es bei HD-Ballen zwischen 17,51 und 21,70 €/t (alles inkl. 40% Risikozuschlag).

Mal war ein Arbeitsschritt bei den Quaderballen etwas günstiger und mal bei den Rundballen. In der Summe wird Stroh in Quaderballen mit „Netto“-Preisen zwischen 55 und 60 €/t (Pauschalierer: 65 bis 70 €/t) aber doch etwas günstiger als in Rundballen, für die 56 bis 61 €/t (Pauschalierer: 66 bis 72 €/t) veranschlagt werden müssen, wenn das Stroh über kurze Strecken (hier 2 km) angeliefert werden soll.

Die HD-Ballen sind zwar viel „handlicher“, aber das hat leider seinen Preis. Für diese Ballenart ist der Verkauf mit Lieferung und Abladen nur dann akzeptabel, wenn sie zwischen 80 und 89 €/t (netto; Bruttopreise: 94 bis 104 €/t) und damit mindestens 25 €/t bzw. ca. 45% (brutto: 28 bis 35 €/t) über den Preisen der Großballen liegen. Handarbeit hat bei uns eben inzwischen ihren Preis.

Lagerkosten nicht vergessen!

Wer gutes, (in der Halle) abgelagertes Stroh verkaufen will, muss dafür auf die oben ermittelten Kosten noch einmal etwa 52 €/t aufschlagen, um die Kosten der Hallenlagerung abzudecken. Die Strohmiete am Feldrand verursacht zwar fast keinen Investitionsbedarf, dafür sind aber deutlich höhere Verluste zu berücksichtigen. Der hier erforderliche Aufschlag beträgt ca. 36 €/t (inkl. 45% Zuschlag). Beide Zuschläge gelten ab Lagerstätte.

Soll‘s nach der Lagerung auch noch gebracht werden?

Gerne, aber das kostet extra: Den zusätzlichen Aufschlag dafür können Sie selbst ermitteln: 2 x die Kosten des Abladens (was eigentlich ja dem hier relevanten Umstapeln entspricht) und dann noch das „Fahren“; die Werte für beide Arbeitsgänge können Sie aus der Übersicht 2 entnehmen.

Was in viehstarken Regionen zusätzlich gilt

Da in viehstarken Regionen durch Strohverkauf die Nährstoffabfuhr von der Fläche steigt, kann mehr Wirtschaftsdünger ausgebracht werden. Begrenzend wirkt (besonders bei schweinehaltenden Betrieben) meist die P2O5-Zufuhr. Wenn dabei nicht die Gesamtmenge von 170 kg N/ha überschritten wird, steigern 5 t Strohabfuhr pro Hektar (= -15 kg P2O5/ha) die zulässige Gabe von Schweinegülle um etwa 5 m3/ha (je nach Inhaltsstoffen; hier 3 kg P2O5/m3), was bei dort oft gezahlten 2 €/m3 an „Aufnahme“-Erlös für betriebsfremde Gülle ca. 10 €/ha an zusätzlichem Vorteil ergibt. Wer ganz genau rechnet, muss nach der Gülleaufnahme noch etwa 4 kg N/ha und 67 kg K2O/ha des Nährstoffentzuges durch die Strohabfuhr ausgleichen. Dieser Ausgleichsbedarf kostet etwa 30 €/ha, so dass die Nährstoffentzüge dann nur noch mit einem saldierten Betrag von ca. 20 €/ha bzw. ca. 4 €/t Stroh zu Buche schlagen. Hier bringt also der Strohverkauf einen Vorteil von ca. 12,17 €/t Stroh (16,17 – 4) bzw. etwa 61 €/ha.

Können aufgrund der eigenen Tierhaltung zusätzlich etwa 5 m3/ha eigene Gülle auf der eigenen Fläche untergebracht werden, wird die Abgabegebühr (Annahme: Ø 10 €/m3) gespart. Nach Abzug von 3,50 €/m3 für die Ausbringung der zusätzlichen Wirtschaftsdüngermengen verbleibt ein Vorteil 6,50 €/m3 (bzw. 32,50 €/ha). Dies verbessert die Wirtschaftlichkeit um weitere 22,50 €/ha, so dass sich dieser Betrieb insgesamt um knapp 84 €/ha besserstellt.

Zusammengefasst:

Beim Strohverkauf sollten je nach „gebuchtem Dienstleistungspaket“ mindestens „Netto“-Preise zwischen 20 €/t bzw. 101 €/ha beim Verkauf „lose ab Feld“ und bis zu 90 €/t bzw. 445 €/ha, wenn kleine HD-Ballen direkt ab Feld gebracht werden sollen, berechnet werden.

Wer aufmerksam die Preisnotierungen in der „Grünen Zeitung“ verfolgt, wird feststellen, dass die dort verzeichneten Beträge oft etwa den errechneten Kostensätzen (inklusive der Risikozuschläge) entsprechen. Dies bedeutet leider, dass in den meisten Regionen (von lokalen Ausnahmen abgesehen) in der Regel die Nachfrager am Markt die Oberhand haben und diese zudem die Kostensituation der Verkäufer gut einschätzen können. Im Regelfall lässt sich durch Strohverkauf außer den Risikozuschlägen von 4,04 €/t (20,21-16,17 €/t für ungepresstes Stroh ab Feld, also etwa 20 €/ha) bis 14,50 €/t (Risikozuschläge in den ca. 60 €/t bei „Voll“-Service mit den größeren Ballen; also maximal 72,50 €/ha) nur wenig dazu verdienen. Allerdings bleibt abzuwarten, wie sich Strohnachfrage und –angebot aufgrund des saisonalen Witterungsverlaufes entwickeln. Dabei beeinflussen sowohl Trockenheit (wie in 2018) als auch Nässe während der Ernte den Markt zugunsten der Anbieter.

Wenn gelagertes Stroh „on time“ gewünscht wird und auch noch gebracht werden soll, reichen die im Jahresverlauf fast immer beinahe konstanten Preisnotierungen allenfalls für die reine Kostendeckung aus. Ob Sie dann mit der Strategie, nur bei Kosten- und Risikoabdeckung zu liefern Erfolg haben können, hängt von der Zahl der alternativen Lieferanten und deren rechnerischen Fähigkeiten ab. Manchmal entsteht der Eindruck, dass es davon viele gibt, die sich aber des angemessenen Preises nicht so richtig bewusst sind.

Die Betriebe in viehstarken Regionen haben durch Strohabgabe weitere Vorteile von bis zu 84 €/ha, weil sie dann ca. 5 m3 Gülle pro Hektar mehr ausbringen können und damit weniger abgeben müssen. Angesichts der dort gezahlten Pachten ist aber zu vermuten, dass auch dieser Vorteil genauso wie der (steuerliche) Vorteil aus den Vieheinheiten durch zusätzliche Flächenpacht bereits jetzt schon zu großen Teilen an den Verpächter durchgereicht wird, um die Fläche überhaupt zu bekommen.


Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0511 3665-1350
Telefax: 0511 3665-1509
E-Mail:


Stand: 26.06.2019



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