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Kartoffellagerung 2019

Für Kartoffelerzeuger lief es zuletzt ganz gut. Dem wirtschaftlichen Tiefschlag in 2014 folgten zunächst zwei auskömmliche Jahre und selbst in 2017 konnte trotz relativ hoher Erntemengen von den meisten Erzeugern noch ein akzeptables ökonomisches Ergebnis erzielt werden. Und wer dann in 2018 auch nennenswerte Mengen und Qualitäten zum Vermarkten hatte, konnte von den sehr guten Preisen profitieren. Doch was wird 2019? Wird es so erfreulich wie 2013 oder folgt nach 4 Jahren wieder einmal die große Ernüchterung? Hilft eine eigene Lagerung, wirtschaftliche Täler besser zu überstehen oder ist sie nur notwendiges Übel, um die in kurzer Zeit unterzubringenden Erntemengen logistisch überhaupt bewältigen zu können? Dr. Mathias Schindler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen beschreibt und analysiert die Vergangenheit, aber: Die Entscheidungen für die Zukunft treffen Sie.

Die Marktlage im Rückblick

Der Verbrauch an Kartoffeln ist relativ konstant, passt sich aber natürlich immer „irgendwie“ an die vorhandenen Mengen an, die sich aus der aktuellen Erzeugung und den vorhandenen Vorräten abzüglich der neuen Vorräte in Form von Roh- und Verarbeitungsprodukten ergeben. Dies passiert im Wesentlichen durch angepasste Verkaufspreise. In der Übersicht 1 sind für die Jahre 2018 und 2010 neben den Anbauflächen für Kartoffeln auch die Hektarerträge und die gesamten Erntemengen nach Bundesländern ausgewiesen.

Die Kartoffelanbaufläche war in 2018 durchschnittlich und nur 1,6% geringer als 2010, nachdem sie zwischenzeitlich schon mal deutlich niedriger lag. Dies ist sicher ein „Rest“-Effekt der zuletzt häufig und fast überall mengenmäßig guten Kartoffelernten und zeitweise auch der guten wirtschaftlichen Alternativen, denn bei Getreide und Raps lief es nur 2014 und 2015 einigermaßen gut. Die geerntete Kartoffelmenge lag in 2018 aufgrund der Witterung aber deutlich (-13,8%) unter dem Ergebnis aus 2010 und sogar 17,7% unter dem längerfristigen Mittelwert von 10,6 Mio t. Die „Marktentlastung 2018“ wurde von den Witterungsbedingungen verursacht, eine Katastrophe für die Betroffenen, ein Segen für die anderen.

Hauptverantwortlich für die gesunkene bundesdeutsche Erntemenge war die Entwicklung in allen nördlichen Bundesländern, in Bayern und Baden-Württemberg fielen die Ertragseinbrüche geringer aus. In Niedersachsen, wuchs dank leicht überdurchschnittlicher Erträge (364 dt/ha) inzwischen mit einem Anteil von 47% an der Gesamterzeugung fast jede Zweite der „deutschen“ Kartoffeln. Da in Bayern in 2018 auch leicht überdurchschnittliche Erträge erreicht wurden, erzeugten „die großen Zwei“ auf 60,6% der Anbaufläche fast 64% der Gesamternte.

Das Leben könnte so einfach sein: Eine Gesamtmenge von bis zu 10,5 Mio. t führte in der Rückschau eigentlich immer zu „gut auskömmlichen“ Preisen. Auf diesem Niveau könnte man sich komfortabel einrichten. Im Nachgang zu solchen Jahren (z. B. 2015 und 2016) führen einzelbetriebliche Entscheidungen auf der Basis der festgestellten Anbauattraktivität aber leider immer zur Anbauflächenausdehnung, weil es sich zuletzt „so gut gerechnet hat“. Mehr Anbaufläche zusammen mit überdurchschnittlichen Ernten (z. B. 2017) bringen dann schnell deutlich mehr Ware auf den Markt als dieser verkraften kann. Die Anpassung des Verbrauchs an die schwankende Gesamterzeugung erfolgt hingegen nur sehr schwerfällig (im Ökonomendeutsch: unelastisch): Es sind große Preisschwankungen erforderlich, um verhältnismäßig geringe Mengenänderungen im „Nachfrageverhalten“ zu erreichen, damit sich das neue „Marktgleichgewicht“ einstellt. Sind Kartoffeln mal „knapp“ (wie 1983, 1994, 2006, 2010, 2013 und 2018) springt der Preis schnell und deutlich nach oben. Sind sie zudem auch nur bedingt lagerfähig (1983, 1994, 2010 und 2018), steigt der Preis nach der Ernte schnell und immer weiter an. Gibt es „zu viele“ Kartoffeln (wie 1984, 1985, 1993, 1996, 1999, 2000, 2004, 2009, 2011 und 2014), so fällt der Preis auf den „Futterwert“ (früher den in der Tierhaltung, jetzt den in den Biogasanlagen) und steigt im weiteren Verlauf des Jahres oft nicht mal um die (noch zu ermittelnden) Lagerkosten an. Diese extremen Effekte lassen sich schon bei Erntemengenschwankungen von etwa 10% feststellen.

Für die Analyse der Speisekartoffelpreise aus den letzten 36 Jahren werden ausgewählte Jahre und verschiedene langfristige Durchschnitte in der Übersicht 2 dargestellt. An Effekten war schon (fast) alles dabei:

  • hohe Startpreise und hohe Anstiege (1983, 2006, 2010 und 2018)
  • hohe Startpreise und deutliche Einbrüche (1995 und 2003)
  • niedrige Startpreise mit Abwärtstrend (1987, 1996 und 1999)
  • niedrige Startpreise und kaum Änderung (1997)
  • niedrige Startpreise mit leichtem Anstieg (2009 und 2011)
  • mittlere Startpreise und kaum Änderung (2007)
  • mittlere Startpreise mit starkem Anstieg (1998, 2012, 2015 und 2016)
    Sie vermissen ein normales durchschnittliches Jahr? Ich auch!
     
     
    Bei der Analyse der Durchschnittswerte über 36 Jahre zeigt sich eine Preisdifferenz von ca. 1,70 €/dt zwischen den Preisen von Anfang September und der Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober. Diese Differenz war vor 1993 mit bis zu 3,10 €/dt wesentlich ausgeprägter, in den neunziger Jahren und bis 2009 mit ca. 1 €/dt aber deutlich geringer. Für den letzten 10-Jahresdurchschnitt liegt der Preisrückgang während der Ernte bei 1,22 €/dt, betrachtet man nur die letzten 5 Jahre, so hat sich der Preisrückgang in der Ernte auf 0,88 €/dt reduziert. Ob dies aus dem verstärkten Bau von Kartoffellagern der Anbauer resultiert?
    Für den wirtschaftlichen Erfolg der Kartoffellagerung ist aber entscheidend, welcher Preisanstieg durch die Kartoffellagerung auf der Preisbasis „Ende September/Anfang Oktober“ (Ernte 2018 für Optierer (netto): 25,40 €/dt, vgl. Spalte „Ø Ernte“ in Übersicht 2) im Laufe des Jahres bis zur nächsten Frühkartoffelsaison erreicht werden kann. In der Vermarktung der Ernte 2018 zeichnete sich bislang nach dem sehr erfreulichen Start ein noch erfreulicherer starker Anstieg des Preises um etwa 12,50 €/dt ab, so dass sich mit etwa 38 €/dt die Situation von 4/1984 und 4/1995 wiederholte. 2013/14 war die Ausgangslage zwar ähnlich, der erhoffte Preisschub während der Lagerung blieb aber damals komplett aus.
    Die diesjährige Entwicklung war zu erwarten, da die Erntemengen nicht nur in Deutschland, sondern auch in fast allen Nachbarstaaten deutlich unter dem Mittelwert lagen. Damit konnte ein schneller Ausgleich für das unbefriedigende Jahr 2017 erreicht werden, zumindest von denen, die auch Ware zu verkaufen hatten. Ob es dann am Ende doch noch zu einem Preisanstieg kommen kann, hängt immer wesentlich davon ab, welche Qualität bei der erwarteten Lagerfähigkeit am Ende aus dem Lager auf den Markt kommt.
    Wer beim Verkauf die Nerven behält und weiterlagert, könnte dafür – wie zuletzt in den Jahren 2012, 2015, 2016 und 2018 – belohnt werden. In den Jahren 1991, 1995, 1998, 2013 und 2017 war das leider anders. Für die letzten zehn Jahre (Ernten 2009 bis 2018) wird mit 14,82 €/dt inzwischen ein um +3,62 €/dt höherer Durchschnittspreis gegenüber dem Mittelwert aus 36 Jahren (11,20 €/dt) errechnet. Bis Januar war im zehnjährigen Mittel zuletzt ein Preisanstieg von etwa +2,22 €/dt, bei längerer Lagerung (bis April) von bis zu +5,05 €/dt drin. Im fünfjährigen Mittel ergaben sich dank drei Jahren mit geringeren Ernten (2015,2016 und 2018) mit 15,33 €/dt für Anfang Oktober umso bessere Ausgangspreise, allerdings verbunden mit etwas geringeren Preisanstiegen bis Januar von +2,12 €/dt. Da Ware aber bis April dann wohl doch noch richtig knapp wurde, legte der Preis stärker zu (+5,85 €/dt). Fazit: Die letzten 10 Jahre weisen einen deutlich angenehmeren Preisverlauf auf als der längere Durchschnitt, denn in sechs der letzten zehn Jahre kam es zu deutlichen nacherntigen Preisanstiegen, nur 2011, 2013, 2014 und 2017 nicht. Diese Häufung „guter Lagerjahre“ war früher so nicht zu beobachten.
    Aus dem Vergleich der zehnjährigen Durchschnittswerte (unterer Teil der Übersicht 2) ist langfristig eine deutliche Aufwärtsbewegung bei den Kartoffelpreisen erkennbar. Wurde in der ersten Zehnjahresperiode von 1983 bis 1992 ein Preisniveau von 8,97 €/dt ermittelt, so stieg der Durchschnittspreis bis auf 14,82 €/dt in der Periode von 2009 bis 2018 an. Der beobachtete Anstieg beträgt inzwischen +65%. Dies ist auf den ersten Blick beachtlich, hat allerdings aber auch 30 Jahre gedauert, so dass sich (nach Zinseszinsrechnung) eine durchschnittliche Preissteigerung von ca. +1,5%/Jahr ergibt. Da dies deutlich unter der langfristigen allgemeinen Inflationsrate liegt, sind die Kartoffelpreise langfristig eher als stabilisierend denn als inflationstreibend anzusehen.
    Als Zwischenfazit bleibt festzuhalten, dass der Preisanstieg, der bei Lagerung realisierbar war, zuletzt im zehnjährigen Mittel der Jahre 2009/10 bis 2018/19 bis zu 5,05 €/dt betrug, während sich im fünfjährigen Schnitt (14/15-18/19, Übersicht 2) bis März 4,50 €/dt und bis April sogar 5,85 €/dt an Preisdifferenz gegenüber Anfang Oktober ergeben.
    Aus dem Gefühl heraus ist damit die Frage, ob mit der Kartoffellagerung in den letzten Jahren Geld verdient werden konnte, vermutlich zu bejahen. Offen ist aber noch, was die Lagerung tatsächlich kostet.


Kartoffellagerung – ein wirtschaftliches Muss

Die Entscheidung für den Anbau von Kartoffeln darf nicht ohne Beantwortung der Frage, wie gelagert werden kann, getroffen werden. Zwar sind die logistischen Anforderungen im Kartoffelanbau (noch) nicht ganz so hoch wie bei Getreide und Zuckerrüben, wo Abfuhrmengen von 50 bis 150 t pro Stunde bewältigt werden müssen, dafür sind aber an das Handling der Lagerung deutlich höhere Anforderungen zu stellen. Die Probleme, die während der Ernte bei der direkten Anlieferung an die aufnehmende Hand entstehen würden, machen es für den größeren Anbauumfang unverzichtbar, mit eigener Schlagkraft selbst einzulagern, da (meistens) die Ladezeiten, Anfahrtswege und Wartezeiten sonst unverhältnismäßig viel Transport- und Arbeitskapazität binden würden.

So ist zum einen die eigene Lagerung quasi unverzichtbar, andererseits sollte sie aber auch einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg liefern. Für die Beurteilung, ob sich die Lagerung lohnt, muss ein Vergleich des durch die Lagerung erzielbaren Preisaufschlages mit den Vollkosten der Lagerung durchgeführt werden.

Bei der Ermittlung der durch die Lagerung entstehenden Kosten kann eine Strukturierung in die verschiedenen Kostenbereiche helfen. Dabei können in zwei Kostengruppen fünf verschiedene Kostenbereiche abgegrenzt werden.


Dem „Kartoffellager“ (1. Kostengruppe) sind folgende Kostenpositionen zuzuordnen:

-  Die Kosten des Kartoffellagers (Abschreibung, Zinsanspruch und Unterhaltung)     
-  Die Betriebskosten des Lagers während der Lagerung  

Dem Produkt „Kartoffel“ (2. Kostengruppe) können folgende Kostenpositionen zugeordnet werden:

-  Die Kosten für das Produkthandling (Transport, Ein- und Auslagerung)                     
-  Zinsverluste aufgrund späterer Verkaufs- und Zahlungstermine und  
-  Kosten durch Substanzverluste (Schwund und Absortierung)   


Diese Unterteilung ist sinnvoll, weil bestimmte Kosten wie Abschreibung, Zinsanspruch und Teile der Unterhaltung immer anfallen, wenn das Lager erst einmal geschaffen wurde („sind eh da“), unabhängig davon, ob überhaupt gelagert wird.

Andere Kosten fallen erst an, wenn das Lager genutzt wird, wie z. B. durch Reparaturen und aufgrund der Betriebskosten (z. B. Strom). Mit den Reparaturen ist das so eine Sache: Wer das Lager nie mehr zur Kartoffellagerung nutzen will, kann darauf verzichten und sollte es anderweitig nutzen oder verkaufen. Wer später eventuell wieder eine Nutzung plant, sollte das Lager in Stand halten, würde also Reparaturen unabhängig von der aktuellen Nutzung durchführen. Deshalb werden diese zur ersten Kostengruppe zugeordnet.

Die Positionen der zweiten Kostengruppe sind stark an das Produkt „Kartoffel“ gekoppelt und würden bei anderen Produkten anders ausfallen. Während die Kosten des Handlings “nur“ von den kartoffelspezifischen Ansprüchen beeinflusst werden, besteht bei den Zinsverlusten für das länger gebundene Kapital und bei den Kosten durch die Substanzverluste eine zusätzliche Abhängigkeit vom Kartoffelpreis. Ist der hoch, sind die für diese Positionen anzusetzenden Beträge auch höher und umgekehrt.

Bei sehr spitzfindiger Betrachtungsweise ergäbe sich sogar noch ein weiterer zu berücksichtigender Bereich: Sofern die Lagerung die Qualität der Kartoffeln beeinflusst, könnten die eventuell daraus resultierenden

-  Preisänderungen aufgrund von lagerbedingten Qualitätsänderungen

als sechste Kostenposition berücksichtigt werden. Da diese aber dann auch in der am Markt im Jahresverlauf beobachtbaren Preisentwicklung enthalten wäre, sind derartige eventuell auftretenden Effekte bereits in der Kartoffelpreisentwicklung berücksichtigt.


Kosten verschiedener Kartoffellager

Beispielhaft sollen im Folgenden die Kosten für zwei verschieden große Kartoffellager ermittelt werden. Dabei soll ein Lager für die Lagerung lediglich der betriebseigenen Kartoffelmenge gebaut werden, das andere Kartoffellager wird als Gemeinschaftslager so dimensioniert, dass dort die Kartoffelmenge von drei Betrieben gemeinsam gelagert werden kann.

Das Einzellager (vgl. Übersicht 3, Variante 1) soll ein Lagervolumen von ca. 1.800 t aufweisen, so dass es bei einem angenommenen Ertrag von 45 t/ha die Kartoffeln von ca. 40 ha Anbaufläche in Kisten aufnehmen könnte. Aus dem Investitionsvolumens von 549.100 € ergibt sich ein spezifischer Investitionsbedarf von 305 €/t Lagerraum. Da Nutzungsdauern von 40 Jahren für die Gebäudehülle, 20 Jahre für die technische Ausstattung und 10 Jahre für die Kisten unterstellt werden, betragen die jährlichen Kosten des Lagers 1 dank der deutlich gesunkenen Zinsen (hier 2,3%) insgesamt 43.713 € bzw. 24,29 €/t/Jahr (= 7,96% der Investitionssumme). Davon entfallen mit 14,78 €/t/Jahr wegen des derzeit sehr niedrigen Zinsniveaus ca. 60,85% auf die Abschreibung. Etwa 16,3% der Gesamtkosten (3,96 €/t/Jahr) entstehen durch die durchschnittlichen Zinskosten der Annuitätenfinanzierung (Darlehen über 20 Jahre Laufzeit mit zehn Jahren Zinsbindung zu 2,30%) und 22,85% (5,55 €/t/Jahr) werden durch Unterhaltung und Versicherung verursacht. Wird nach Gruppen aufgeschlüsselt, verursacht das Gebäude jährliche Kosten von 6,78 €/t (27,9%), während die gesamte Ausstattung mit 17,51 €/t (72,1%) zu Buche schlägt.

Sofern eine AFP-Förderung (die Bedingungen sind in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich!) mit einem durchschnittlichen Förderanteil von 20% der Investitionssumme in Anspruch genommen werden kann, reduziert sich der Eigenanteil am Investitionsbetrag auf ca. 439.280 €. Der kapitalisierte Zinszuschuss verringert nicht nur die Investitionssumme, sondern auch die Abschreibung und den Zinsaufwand um jeweils 20%, so dass eine jährliche Gesamtbelastung von ca. 36.968 € bzw. 20,54 €/t Lagerkapazität verbleibt. Da die sonstigen Kosten (Unterhaltung, Versicherung, etc.) identisch bleiben, während sich Abschreibung und Zinsaufwand ändern, verschieben sich die Anteile auf ca. 57,6% für die AfA, 15,4% für den Zinsaufwand und ca. 27,0% für Unterhaltung und Versicherung. Durch die „20%“-Förderung würden die Kosten des Lagers 1 also um ca. 15,44% sinken.

Alternativ könnte im Rahmen einer „großen“ Lösung (Variante 2) ein gemeinschaftliches Kistenlager für ca. 6.900 t gebaut werden, in dem bei einem Investitionsvolumen von 2.617.800 € die Ernte von ca. 150 ha Kartoffelfläche (Ertrag 45 t/ha) gelagert werden kann. Der spezifische Investitionsbedarf liegt mit 234 EUR/t um ca. 23,3% unter dem der Individuallösung.

Aufgrund der unterschiedlichen Anteile für Gebäude und Technik fallen die jährlichen Kosten des größeren Lagers mit 18,88 €/t/Jahr um 22,3% niedriger aus als im Einzellager und liegen sogar um 8,1% unter denen des AFP-geförderten Einzellagers. Dabei hat die AfA einen Anteil von 57,9%, während 15,2% auf die Zinsen und 26,8% auf Unterhaltung und Versicherung entfallen.

Noch günstiger würde es, wenn alle Partner des größeren Lagers für ihre Anteile auch die AFP-Förderung in Anspruch nehmen könnten. Dann ließen sich der Eigenanteil am Investitionsbedarf auf 1.294.240 € reduzieren. Die jährlichen Kosten könnten so von 130.286 € um 15,46% auf 110.140 € sinken (= 15,96 €/t).

Für die spezifischen Betriebskosten der Lager (= Kosten pro t Kartoffeln) sind zwischen den zwei Varianten allerdings nur relativ geringe Unterschiede zu erwarten. Deswegen werden hier Pauschalwerte angesetzt, die für den ersten Lagerungsmonat 5,50 €/t (3,70 €/t für Lagerung überhaupt und 1,80 €/t für den 1. Monat) und jeden weiteren Monat weitere ca. 1 €/t betragen (vgl. Übersicht 4, Spalte 5). Bei sechs Monaten Lagerungsdauer entstehen somit „Betriebs“-Kosten von 11 €/t.

 

Produktgebundene Kosten der Lagerung

Hier sind zunächst die Kosten für die Ein- und Auslagerung der Kartoffeln zu nennen. Diese hängen im Wesentlichen von der Art der Lagerung (lose oder in Kisten) und dem eventuell erforderlichen Aufwand an „Hand“-Arbeit (Versetzen von Trennwänden, Förderbändern, etc.) ab. Da in den zwei Varianten das gleiche Lagerverfahren (Kistenlagerung, aber mit unterschiedlicher Leistung) zum Einsatz kommt und deshalb die gleichen Arbeitsschritte erforderlich sind, werden hier Pauschalwerte für die variablen Kosten des Ein- und Auslagern mit zusammen 5,35 €/t angesetzt (Fußnoten der Übersicht 4).

Wer aus der Ernte heraus verkauft, hat in der Regel meistens etwa drei Wochen später sein Geld und verfügt dann über notwendige Liquidität, um Verbindlichkeiten und aktuell entstehende Kosten zu begleichen oder kurzfristige Geldanlagen zu tätigen. In Zeiten geringster Anlagezinsen (Bundesanleihen zu etwa 0%) spielt der alternative Anlagezins praktisch keine Rolle mehr, wer aber den Kontokorrentkredit reduzieren kann, spart bei den Zinsen erheblich. Durch die eigene Lagerung verschiebt sich der Zeitpunkt für den Zufluss an Liquidität durch die Verkaufserlöse allerdings oft um mehrere Monate. Da die Erlöse erst später zufließen, muss je nach Finanzlage des Betriebes innerhalb dieses Zeitraumes entstehender Liquiditätsbedarf anderweitig gedeckt werden oder auf die Zinseinkünfte aus der Anlage überschüssiger Liquidität verzichtet werden. Die Ausgangsbasis für die Kalkulation dieser Kostenposition bildet in diesem Fall der durchschnittliche Erzeugerpreis der letzten fünf Jahre (2014-2018) von 153,33 €/dt (Basis: Mitte September/Mitte Oktober). Da sich dieser aber auf sortierte Ware bezieht, sind die entsprechenden Sortierkosten, die bei einem Verzicht auf ein eigenes Lager und Verkauf als unsortierte Ware aus der Ernte heraus üblicherweise im Lohn erfolgt, vom Erzeugerpreis abzuziehen.

Bei einem Ansatz von 18,20 €/t für die Lohnsortierung ist also ein „Netto“-Wert der Kartoffeln von 135,13 €/t über die geplante Dauer der Lagerung mit einem marktüblichen Zinssatz (hier 3,22% aus Mischkalkulation) zu bewerten. Deshalb ist mit einem Zinsanspruch von ca. 0,45 €/t und Lagerungsmonat zu rechnen.

Darüber hinaus entspricht die nach der Auslagerung vermarktungsfähige Ware nicht mehr der ursprünglich eingelagerten Menge. Ursächlich dafür sind der Schwund, der aufgrund des Eigenlebens der Kartoffeln durch Veratmung und Verdunstung entsteht und die unter Umständen entstehenden Verluste durch Verderb. Haupteinfluss auf diese Größen haben neben dem Lagerungsklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung) auch die Einlagerungsbedingungen (Knollenbeschä­d­i­gungen, -temperatur und –feuchte, anhaftende Verunreinigungen, Steinbesatz und Fäulnis). Zusammen mit den Verlusten bei der Ein- (1,6%) und Auslagerung (1,2%) werden für die Gesamtverluste bei „normalen“ Bedingungen je nach Lagerungsdauer zwischen 5,8 und 7,2% angesetzt.

Der Wert dieser nach der Lagerung nicht mehr verkauften Mengen setzt sich zusammen aus deren „Netto“-Preis zuzüglich der bereits entstandenen Kosten (Zinsanspruch, Einlagerungskosten, Kosten des anfänglich beanspruchten Lagerraumes) und ist den verbleibenden Kartoffeln, also den tatsächlich verkauften, in Form einer zusätzlichen Kostenkomponente anzulasten. Dazu kommen dann auch noch die Kosten für das Handling und die Lagerung der „Sortierverluste“, die ebenfalls von der am Schluss verkauften Ware mitgetragen werden müssen.

Der daraus resultierende Preisaufschlag beträgt bei einem Monat Lagerungsdauer 12,75 €/t und steigt bis auf 16,40 €/t bei sechs Monaten Lagerung an.

Als letzte der oben genannten Positionen sind die variablen Kosten der Eigensortierung zu berücksichtigen. Diese gehen ebenfalls mit einem Pauschalwert von 7,00 €/t in die Kostenermittlung ein.

Somit ergibt sich eine Vollkostenbelastung im Einzellager (abzüglich der Kosten einer Lohnsortierung) zwischen 27,93 €/t bei einem Monat Lagerungsdauer und 39,34 €/t bei sechs Monaten Lagerung (siehe Übersicht 4). Mit AFP ist es im Einzellager aufgrund der bei den Festkosten niedrigeren Ansätze für AfA und Zinsanspruch um ca. 3,75 €/t günstiger.

Ein ungefördertes Gemeinschaftslager ist um weitere 1,65 €/t preiswerter als die geförderte Einzellösung und wenn die Gemeinschaftslagerung gefördert werden kann, dann kostet die Lagerung dort noch einmal 2,92 €/t weniger. Die Nutzung aller Vorteile (großes gefördertes Lager) könnte die Gesamtkosten um 8,32 €/t auf dann 31,02 €/t senken.


Fazit

Nach dem Jahr 2017 („geht gerade noch“ bzw. „eher weniger erfolgreich“) wird 2018 selbst bei ca. 30% Minderertrag aufgrund des mehr als verdoppelten Preises als „bei Kartoffeln doch noch ziemlich gut gelaufen“ in die Annalen eingehen. Dank der deutlichen Mindererträge waren der späte Erntepreis und seine anschließende Entwicklung sehr erfreulich. Die alte Regel „knappe Ernte bringt gute Preise“ hat sich wieder bewahrheitet und wer seine Kartoffeln gut durch Winter und Frühjahr brachte, konnte im April auch an der Lagerung richtig Geld verdienen.

Für die Lagerung sind in einer Vollkostenbetrachtung Kosten von rund 34,32 €/t bei etwa vier und 36,44 €/t bei fünf Monaten Lagerungsdauer im nicht geförderten Einzellager anzusetzen. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre wurde die Kosten dank Preisanstiegen um 30,09 €/t bei 4 Monaten und 42,22 €/t bei fünf Monaten nur bei längerer Lagerung voll gedeckt. Weil der Fehlbetrag bzw. der Überschuss aber so gering sind, erscheint die Nutzung aller Kostensenkungspotenziale (Bau eines Gemeinschaftslagers mit Fördermitteln) dringend geboten. Die Kosten viermonatiger Lagerung könnten durch ein Gemeinschaftslager um ca. 5,41 €/t auf rund 28,91 €/t reduziert werden. Wenn dann noch AFP genutzt werden kann, lassen sich weitere 2,92 €/t einsparen und die Kosten auf 25,99 €/t senken.

Grundsätzlich gilt: Bei vorhandenem Lager ist das Verfahren „Lagerung“ weiter zu betreiben, solange zumindest die variablen Kosten gedeckt sind, weil dies die „verlustminimierende“ Handlungsstrategie darstellt, denn so können die aktuell unbeeinflussbaren Festkosten wenigstens zum Teil gedeckt werden.

In den letzten zehn Jahren waren bei einer späteren Vermarktung Erlösanstiege von bis zu 50,50 €/t feststellbar. Damit hat sich die Situation für die Lagerung gegenüber früheren Jahren so deutlich gebessert, dass inzwischen im Durchschnitt sogar die Vollkostendeckung erreicht wird. Die in Einzeljahren feststellbaren deutlich höheren Anstiege wurden von anderen Jahren, in denen es schlecht lief, deutlich gedämpft. Allerdings braucht es Nerven und Durchhaltevermögen. Wer sein Lager immer schon im Januar oder Februar komplett räumt, hat, wenn der Preis dann doch am Ende noch deutlich steigt, leider keine Verkaufsware mehr und durchs verschenkte Preispotenzial keine Vollkostendeckung erzielt.

Die Lagerung stellte somit nicht mehr nur einen „notwendigen“ Kostenfaktor des Kartoffelanbaus dar, der sich nur von einem insgesamt rentablen Verfahren finanzieren lässt, wenn aus arbeitswirtschaftlichen und/oder anbautechnischen Gründen nicht auf ein Lager verzichtet werden kann, sondern trägt bei geschickter Vermarktungsstrategie auch wieder zum Betriebsgewinn bei. Bleibt zu hoffen, dass sich diese erfreuliche Entwicklung noch fortsetzt oder zumindest weiter anhält.

Der Blick weiter zurück zeigt aber, dass um die Jahrtausendwende bei durchschnittlichen Preisanstiegen von weniger als 12 €/t (1998/99 bis 2007/08) über längere Zeit Lagerung nicht kostendeckend war. Aufgrund des ohnehin geringen Ausgangspreises war es um die Wirtschaftlichkeit des Kartoffelanbaus sowieso nicht gut bestellt.

Allerdings waren von 1988/89 bis 1997/98 (also in den 10 Jahren davor) durchschnittlich bis zu 37 €/t an Preisanstieg durch Lagerung feststellbar. Doch heißt das jetzt wirklich, dass den zehn letzten Lagerungsjahren, die sich die Bezeichnung „gut“ verdient haben wieder zehn „schlechte“ folgen werden? Denken Sie bitte auch daran, dass sich Prognosen meistens nicht erfüllen, weil diese sich durch das daran ausgerichtete Handeln der Marktpartner von selbst obsolet machen.

Und was macht der „Experte“ dann, wenn sich seine frühere Prognose nicht erfüllt hat?

Nun, der wird Ihnen im Nachgang ganz genau erklären können, warum die Prognose so nicht eingetreten konnte – falls es sich daran überhaupt noch erinnert.

Ausblick: Gute Zeiten kommen und schlechte leider auch. Deshalb sind langer Atem und kostenbewusstes Handeln für erfolgreichen Kartoffelanbau unerlässlich.

Hoffnung gibt, dass in den letzten Jahren sowohl durch den Kartoffelanbau an sich als auch durch die längere Lagerung (mindestens bis März) in nicht geförderten Einzellagern Geld (bis zu 10 €/t) verdient werden konnte. Durch Optimierung der Lagerungskosten war dieser Betrag sogar noch um bis zu 8,32 €/t bei AFP-geförderten Gemeinschaftslagern steigerbar.

 


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Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
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Stand: 07.08.2019