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Wirtschaftsberaterinnen und Wirtschaftsberater tagten in Loccum

Am 27. und 28. August kamen 50  betriebswirtschaftliche Beraterinnen und Berater in der HVHS Loccum zusammen, um sich über aktuelle Themen im Bereich der landwirtschaftlichen Unternehmensberatung zu informieren und untereinander auszutauschen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ruth Beverborg.

Frau Beverborg berichtete zunächst über aktuelle Themen aus der Wirtschaftsberatung und hob hervor, dass das Team der Wirtschaftsberater jünger als der Altersdurchschnitt bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sei. Dies sei eine positive Entwicklung. Tobias Paul, Referendar im Bereich Betriebswirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gab einen Überblick über Neuigkeiten aus der Förderungsberatung. Das Wirtschaftsdüngerlagerstättenprogramm sei sehr gut angenommen worden und sogar überzeichnet, wodurch ein Ranking nach Großvieheinheiten/ha  (GV) greift. Betriebe mit über 1,87 GV/ha werden nach derzeitigem Stand nicht gefördert. Nur, wenn Mittel frei werden, besteht die Möglichkeit mit einem höheren GV-Besatz eine Förderung zu bekommen. Ebenfalls gut angenommen worden sei die AFP Förderung. Des Weiteren beschäftigt die Beraterinnen und Berater immer noch das Dürrehilfsprogramm. Bis Ende des Jahres müssen die Betriebe, die Jahresabschlüsse 2018/19 bei den Bezirks- und Außenstellen einreichen. Die Prüfung der Abschlüsse übernehmen dann wiederrum die Wirtschaftsberaterinnen und –berater. Das GAP Antragsverfahren mit der Umstellung auf die webbasierte Version ANDI-Web sei ohne größere Probleme verlaufen.

Im Anschluss ging es um die Märkte im Bereich der tierischen Erzeugung. Mathias Klahsen, Marktreferent der Landwirtschaftskammer Niedersachsen schätzt die Aussichten auf dem Schweinemarkt derzeit positiv ein, was sich im Erzeugerpreis darstellt. Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in China sind die weltweiten Schweinebestände deutlich zurückgegangen, wodurch auch mittelfristig mit guten Schweinepreisen zu rechnen ist. Herr Klahsen wies aber auch darauf hin, dass über Deutschland das Damoklesschwert ASP schwebt. Des Weiteren gibt es nach wie vor große Herausforderungen im Bereich des Tierwohls. Insbesondere steht hier die Sauenhaltung vor großen Herausforderungen. Der Bereich der Rindviehhaltung wird nach wie vor durch die Dürre in den Jahren 2018 und 2019 belastet. In vielen Regionen kommt es zu Futterknappheit. Am Rindfleischmarkt sind die Aussichten aufgrund der schlechten Verwertbarkeit des fünften Viertels eher unterdurchschnittlich. Am Milchmarkt werden bis Ende des Jahres stabile Preise erwartet, bedingt durch stabiler Erlöse am Weltmarkt. Für das neue Jahr 2020 sind die Aussichten nicht mehr ganz so positiv, da durch gute Wachstumsbedingungen in entscheidenden Produktionsländern steigende globale Milchmengen erwartet werden. Die Aussichten am Markt für Geflügelfleisch sind durch den gestiegenen Pro-Kopf-Verbrauch sowie eine hohe Nachfrage Chinas nach tierischen Proteinen gut.

Als nächstes stand das Thema „Die neue GAP – Was, wie und wann?“ im Mittelpunkt der Tagung. Herr Dr. Jürgen Wilhelm aus dem Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz stellt die neue Architektur der zukünftigen Direktzahlungen vor. Einen Schwerpunkt legte Herr Dr. Wilhelm auf das Thema Eco-Schemes. Diese freiwilligen Maßnahmen, die in der 1. Säule angesiedelt werden, sollen für Landwirte Anreize schaffen, mehr für den Klima- und Umweltschutz zu tun. Denkbar wäre zum Beispiel ein freiwilliger Flächen-Top-Up auf die nichtproduktive Mindest-Fläche laut Konditionalität oder auch die Förderung der Biodiversität durch die Anlage von Blüh- und Altgrasstreifen. Wenn alles nach Plan läuft, wäre eine Umsetzung der neuen GAP frühestens zum 01.01.2022 denkbar.

Um die Teilnehmer der Tagung nach der Mittagspause in Schwung zu bringen, wurde unter der Anleitung von Frau Wiegrefe von der Bezirksstelle Uelzen eine Auflockerungseinheit mit dem Titel „Der Whiskey – Mixer“ angeboten. Die Teilnehmer hatten sichtlich Spaß und das Mittagstief blieb somit aus.

Anschließend startete der Nachmittag mit Workshops, aus denen die Teilnehmer je nach Interesselage Themen wählen konnten. Innerhalb der Gruppen bestand die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen. Aus folgenden Themen konnten die Beraterinnen und Berater wählen:

  • Wechsel der Wirtschaftsweise im Ackerbau – Bio als Orientierung; Herr Rohlfing, Fachbereich ökologischer Landbau
  • Beratungsdienstleistungen erfolgreich verkaufen; Frau Arnsmann, Trainerin der AndreasHermes Akademie
  • Mitarbeiter finden und binden als Herausfoderung in landwirtschaftlichen Betrieben, Frau Padeken, Fachbereich Arbeitnehmerberatung, Weiterbildung
  • Ställe der Zukunft – neue Haltungskonzepte Schwein; Dr. Janssen Fachbereich Tierzucht, Tierhaltung
  • Ist der Mobilstall in der Geflügelhaltung noch zeitgemäß?; Henning Pieper, Bezirksstelle Hannover

Der zweite Tag startete mit den Inhalten der Düngeverordnung, die nach der Änderung in 2017 in 2020 erneut angepasst werden soll. Herr Tim Eiler von der Düngebehörde schilderte, welche Auswirkungen zum Beispiel der geplante pauschale Abschlag von 20 % bei der N – Düngung vom Düngebedarf auf die Betriebe in Niedersachsen hat. Erhebliche Einschnitte bei der N – Düngung gibt es auf Moor- Grünlandstandorten. Hierzu sind in Zukunft weitere Düngungsversuche bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geplant.

Marktexperte Dr. Herbert Funk gab ein Markt-Update zu den pflanzlichen Produkten. Dabei stellte er heraus, dass der Getreidemarkt weiterhin unter Druck steht und vielfach von der Futtergetreidenachfrage abhängt. Der Rapsanbau ist in Deutschland weiter rückläufig und wird es in Zukunft schwer haben. Bei Rapsöl sind die Preistendenzen steigend, bei Rapsschrot eher schwach.

Herr Rudolf Fuchs aus dem Fachbereich Marketing stellte Überlegungen zu einer Fachsoftware Betriebswirtschaft vor. Seine Vision sei, dass die Landwirtschaftskammer Niedersachsen ab Mitte 2021 mit nur noch einem Programm arbeitet.

Vor der Mittagspause stellte Herr Oliver Muziol von der NordLB in seinem Vortrag da, welche Beiträge die Bank im Fall einer Insolvenz landwirtschaftlicher Betriebe leisten kann. Hier stellte Herr Muziol dar, dass die Bank das Expertenwissen und den Fachverstand der Beraterinnen und Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sehr schätzt.

Zum Abschluss wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung ein außerlandwirtschaftlicher Abschluss geboten. Frau Lieselotte Kahle, ehemalige Küsterin, führte die Beraterinnen und Berater durch das Kloster Loccum und gab einen Überblick über die bewegte Geschichte des imposanten Bauwerks.


Für Fragen rund um die oben aufgeführten Themen stehen Ihnen unsere Wirtschaftsberater gerne zur Verfügung.


Kontakt:
Helmut Wahl
Fachreferent Betriebswirtschaft, Unternehmensberatung
Telefon: 0441 801-426
Telefax: 0441 801-313
E-Mail:
Ruth Beverborg
Leiterin Sachgebiet Betriebswirtschaft, Wirtschaftsberatung
Telefon: 0441 801-304
Telefax: 0441 801-313
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Stand: 11.09.2019