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Stroh einarbeiten oder verkaufen?

Die Perspektiven im Ackerbau waren zuletzt außer bei Kartoffeln eher verhalten. Wann der Strohverkauf unter monetärer Bewertung der wichtigsten Vor- und Nachteile auch eine Effizienzreserve darstellt, beschreibt Dr. Mathias Schindler.

Jeder Eingriff in einen natürlichen Kreislauf löst Anpassungsreaktionen aus. Bei der Abfuhr von Erzeugnissen ist plausibel: Entzogene Nährstoffe sollten wieder zurückgeführt werden, um das „Gleichgewicht“ möglichst wenig zu stören und das Ertragspotenzial nachhaltig zu sichern. Dies gilt auch für den Strohverkauf. Doch welche Effekte werden durch die Strohabfuhr noch bewirkt?

Übersicht 1 im Anhang zeigt die wichtigsten Effekte der Strohabfuhr. Im Ackerbau ist der Nährstoffersatz ein Kostenfaktor, weil er mineralisch oder durch bezahlte Wirtschaftsdünger (z. B. HTK) erfolgt; bei einem hohen Viehbesatz/ha bietet Strohabfuhr die Möglichkeit, mehr Wirtschaftsdünger auszubringen und dessen Abgabekosten einzusparen – vorausgesetzt, der durch Strohabgabe steigende Nährstoffentzug ist der düngungsbegrenzende Faktor.

Das Strohhäckseln wird eingespart, die Stoppelbearbeitung kann flachgründiger erfolgen, vielleicht gibt es etwas weniger Ausfallgetreide und nachfolgende Kulturen (insb. Raps) haben es leichter, weil fehlendes Stroh im Herbst keinen Stickstoff bindet. Bei Weizen nach Weizen verringert sich vielleicht der Fungizidaufwand (Aufwandmenge oder eine Maßnahme reduziert).

Die Humusbilanz ist in Getreide-Raps-Körnermais-Fruchtfolgen unproblematisch, weil sie bei mäßiger Strohabfuhr annähernd ausgeglichen bleibt. In Fruchtfolgen mit als humuszehrend eingestuften Kulturen (Kartoffeln, Silomais und Zuckerrüben) könnte die Strohabfuhr ohne kompensierende Maßnahmen wie Untersaaten oder Zwischenfruchtanbau aber langfristig zur Verminderung der Bodenfruchtbarkeit führen. Strohverkauf ist kritischer zu sehen, wenn Flächen eine geringe Bodenstrukturstabilität aufweisen und zum Verschlämmen neigen. Hier wird jeder positive Struktureffekt gebraucht. Wird deshalb Stroh gegen Mist (oder Gülle) „getauscht“, ist ein kurzer Check sinnvoll, ob dadurch Unkrautsamen kostenlos mitgeliefert werden, die man bisher noch nicht hatte.

Der „gute Nachbar“ will das Stroh unbedingt haben und nun holt er es nicht ab? Wer Stroh verkauft, geht arbeits- und produktionstechnisch doppelt ins Risiko; die weitere Bearbeitung „steht“, bis das Stroh endlich weg ist oder – viel schlimmer – es wird nicht abgeholt, weil der Nachbar es sich anders überlegt hat oder es schon zweimal in den Schwad geregnet hat und muss dann ungehäckselt eingearbeitet werden. Da sind die früher gefürchteten Strohmatten schon vorprogrammiert.

Ist der Strohpreis kostendeckend?

Die „Grüne“ enthält im Marktbericht regelmäßig Strohpreise, die für die eigene Preisfestlegung genauso hilfreich sind wie der Anruf beim Händler. Soll der Verkauf aber wirtschaftlich sein, muss dies mit einer Kostenanalyse geprüft werden und dabei spielen einzelbetriebliche Verhältnisse eine ganz entscheidende Rolle. Jeder muss für sich selbst prüfen, wie sich die in der Übersicht 1 gelisteten Effekte in seinem Betrieb auswirken.

Die Bewertung des Nährstoffentzuges mit Preisen qualitativ vergleichbarer Mineraldünger ist einfach und sachgerecht. Im oberen Teil der Übersicht 2 (im Anhang zum Artikel) wird dies mit einem durchschnittlichen Nährstoffgehalt (gemittelt aus wissenschaftlichen Ergebnisse und über die Getreidearten hinweg) berechnet. Genauer, aber praxisfremd, sind mittels individueller Analysen bestimmte Nährstoffgehalte oder Literaturwerte zu den einzelnen Getreidearten, selbst wenn diese immer noch um etwa 50% variieren können.

Die pauschale Kalkulation ergibt einen Nährstoffwert von 16,50 €/t. Können 5 t Stroh pro Hektar abgefahren werden und ist eine zusätzliche Mineraldüngungsmaßnahme zum Ausgleich erforderlich, ergeben sich inklusive der Kosten für einen Arbeitsgang „Mineraldüngerausbringung“ 94,32 €/ha für „ungepresst ab Feld“ verkauftes Stroh. Diese Kalkulation ist „netto“, ein „Pauschalierer“ zahlt auf alles 19% Umsatzsteuer, die er nicht wiederbekommt und müsste deshalb 112,24 €/ha dafür nehmen. Die Pauschalabsprache „Für einen Hunderter kannst Du Dir das Stroh nach der Ernte wegholen“ würde dann zum Verlustgeschäft, der „Optierer“ deckt knapp seine Kosten – mehr nicht.

Oft ist hier Schluss; Wer es genauer wissen will, muss deutlich mehr Rechenaufwand in Kauf nehmen. Häcksler „aus“ spart 9,24 €/ha; einfachere Stoppelbearbeitung macht es 6,40 €/ha (-20% von 32 €/ha pro Arbeitsgang) günstiger. Ist die Humusbilanz teilweise auszugleichen, kostet dies 19,81 €/ha (50% des Humuseffektes ausgeglichen über mehr einfachsten Zwischenfruchtanbau) macht im Saldo für den „Normalfall“ 98,49 €/ha (+4,17 €/ha). Fazit: Theoretisch zwar sinnvoll, im Ergebnis die Mühe kaum wert.

Wenn Sie allerdings am Verkauf wenigstens ein bisschen verdienen wollen, wären +25% Risikozuschlag sinnvoll; dann sind 123,11 €/ha ein angemessener Mindestpreis. Das ist wieder „netto“, also liegt der Mindestpreis für die Pauschalierer eher bei 146,50 €/ha (inkl. der auf die Kosten angefallenen 19% USt; die Rechnung dafür würde über 132,34 €/ha (netto) zuzüglich 14,16 €/ha Umsatzsteuer (10,7%) erstellt).

Weitere Besonderheiten ergeben andere Preise

In der Fruchtfolge der sehr guten Standorte senkt der Verkauf des Weizenstrohs den Pilzdruck (sofern vorhanden, vielleicht erledigen das die heißen Sommer bald) im nachfolgenden „Stoppel“-Weizen und reduziert den Fungizidbedarf. Wird dafür 20% des Fungizidaufwands angenommen, entsteht ein Vorteil von 16,60 €/ha. Der Strohpreis (netto) liegt dann bei 81,89 €/ha ohne und 102,36 €/ha mit 25% Risikoaufschlag. Die entsprechenden Bruttobeträge belaufen sich dann auf 97,45 bzw. 121,81 €/ha.

Würden Kulturen mit deutlichem Wachstum und N-Bedarf im Herbst angebaut (z. B. Raps), kann durch verbleibendes Stroh eine starke Nutzungskonkurrenz um die nach dem Drusch verfügbaren Stickstoffmengen im Boden entstehen, da eine N-Düngung im Herbst kaum noch möglich ist. Die Strohabfuhr reduziert diese „N-Sperre“ deutlich. Wird wegen der besseren Entwicklung im Herbst auch nur 1 dt/ha Mehrertrag für Raps á 36,59 €/dt angenommen, sind die Kosten bereits bei 61,90 €/ha ohne bzw. 77,38 €/ha mit 25% Aufschlag gedeckt. „Brutto“ ergeben sich 76,67 (ohne) bzw. 95,84 €/ha (mit Risikozuschlag); so ist mit dem berühmten „Hunderter“ schon eine gute Rechnung drin.

Was in viehstarken Regionen zusätzlich gilt

In schweinehaltenden Betrieben begrenzt meist der P2O5-Bedarf die Wirtschaftsdüngermenge. Der Strohverkauf erhöht die Nährstoffabfuhr von der Fläche und – vorbehaltlich der Übertragbarkeit der Annahmen – kann als Faustzahl mit zusätzlich etwa 1,05 m3 Mastschweinegülle je 10 dt abgefahrenes Stroh kalkuliert werden.

Drei Kostenpositionen ändern sich:       
Zunächst einmal fallen zusätzliche Ausbringungskosten für diese Güllemengen an, bei 4,00 €/m3 Gülle sind dies 21,05 €/ha.           
Die Nährstoffentzüge sind mit den in der Gülle enthaltenen Mengen zu saldieren. Durch die zusätzlichen 5,25 m3/ha Schweinegülle wird ein Nährstoffwert von 39,58 €/ha zugeführt und der ist abzuziehen. Da ein „Rest“ an Düngebedarf verbleibt (insbesondere K20), werden die Kosten der Mineraldüngerausbringung (zunächst noch) nicht gestrichen.         
Zusätzlich ausgebrachte Gülle muss nicht mehr abgegeben werden, bei 13,50 €/m3 Abgabekosten werden so 71,05 €/ha eingespart.          
Im Saldo liegen die Strohabgabekosten bei 8,90 €/ha ohne bzw. 11,13 €/ha mit 25% Risikoaufschlag. Auch die Umrechnung auf „brutto“ ändert mit Werten von 10,59 bzw. 13,24 €/ha das Niveau kaum. Würden jetzt noch die Ausbringkosten für die mineralische Ergänzungsdüngung entfallen, ergäbe sich eine glatte Nullnummer, anders ausgedrückt: „Stroh zur kostenlosen Abholung“.

Wer aufgepasst hat, hinterfragt natürlich sofort den Sinn des pauschalen prozentualen Risikoaufschlages. In Situationen wie dieser, wo relativ große Beträge gegeneinander saldiert werden und das Ergebnis viel kleiner ist als die saldierten Beträge, macht eine Risikobewertung über einen pauschalen Aufschlag auf das Ergebnis keinen Sinn mehr; besser wäre es, den Aufschlag am „Umsatz“ zu orientieren.

Service? Gerne, kostet aber extra

Möchte der Kaufinteressent fertige Ballen am Feldrand, sollte Ihnen das nur recht sein. Sie haben den Presstermin, das Räumen des Schlages und die Reduzierung des Wetterrisikos selbst in der Hand und die tatsächliche Strohmenge kann besser geschätzt oder sogar gewogen werden. Beim Verkauf von Rundballen ab Feldrand sollten fürs Pressen 13,97 €/t Stroh (ca. 4 Ballen) bzw. 69,84 €/ha zusätzlich abgerechnet werden. Der (Einzel)-Transport der Ballen zum Feldrand schlägt noch einmal mit 5,58 €/t bzw. 27,89 €/ha zu Buche. Wer geschickter ist und mit Doppelzinkenspiess 2 (oder gar 3) Ballen pro Tour mitnehmen kann, kommt schneller und kostengünstiger hin. Insgesamt kostet das Stroh in Rundballen ab Feldrand dann im Standardfall 196,21 €/ha ohne und 255,07 €/ha mit jetzt 30% Risikozuschlag. Die Bruttobeträge liegen entsprechend bei 233,49 bzw. 303,53 €/ha.

 

Zusammengefasst:

Beim Strohverkauf sollten die Preise je nach Konditionen zwischen 100 €/ha („lose ab Feld“, netto, ohne Risikozuschlag) und 303,53 €/ha („gepresst ab Feldrand“, brutto, mit 30% Risikozuschlag) betragen. Je nach individueller Ausgangssituation kann der „angemessene“ Preis aber auch um bis zu 100 €/ha variieren.

Wer aufmerksam die Preisnotierungen in der „Grünen“ verfolgt, wird feststellen, dass die dort verzeichneten Beträge oft nur den errechneten Kostensätzen entsprechen. Dies bedeutet leider, dass in den meisten Regionen die Nachfrager am Markt die Oberhand haben und diese zudem die Kostensituation der Verkäufer gut einschätzen können.

Manche Käufer gehen dann sogar soweit, dass sie das Stroh nicht vor der Haustür, sondern einige 100 km entfernt kaufen und sich das für sie trotz Berücksichtigung der nicht unerheblichen Transportkosten für ein sehr voluminöses Produkt mit geringem Volumenwert (und deshalb eigentlich kaum transportwürdiges Gut) immer noch rechnet.


Mit unserem Strohpreisrechner können Sie auch eigene Kalkulationen vornehmen. Für Rückfragen stehen Ihnen unsere Wirtschaftsberater*innen gerne zur Verfügung!


Kontakt:
Dr. Mathias Schindler
Unternehmensberatung, Betriebswirtschaft
Telefon: 0511 3665-1350
Telefax: 0511 3665-991350, 0511 3665-1509
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Stand: 18.08.2020