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Schweinekrise: Liquidität erhalten ist oberstes Ziel

Für Schweinehalter kommt es momentan knüppeldick. Das gilt für Ferkelerzeuger und Mäster. An den Erlösen kann der Einzelbetrieb kurzfristig nichts ändern. Liquidität und Kosten müssen auf den Prüfstand. 

Sowohl die Ferkelerzeugung als auch die Schweinemast werden seit Jahrzehnten durch stark volatile Märkte mit immer wiederkehrenden Niedrigpreisphasen geprägt. Darauf sind die Erzeuger eingestellt. Doch aktuell kommt alles zusammen: Der Ferkel- und Schlachtschweinepreis ist so gering wie noch nie. Das wurde nicht zuletzt auch durch die im September 2020 erstmals an der Ostgrenze Deutschlands zu Polen aufgetretene ASP ausgelöst. Ebenso ist die Corona-Pandemie mitverantwortlich. Gleichzeitig sind die Futterpreise erheblich gestiegen. Hinzu kommt die wachsende Kritik von Verbrauchern, die die Haltungsbedingungen der Schweineproduktion in Frage stellen. Die Ketten des Lebensmitteleinzelhandels reagieren hierauf und versprechen den Verbrauchern zeitnah günstiges Fleisch aus Haltungen mit mehr Tierwohl. Die Finanzierung der dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten auf Seiten der Landwirte werden jedoch bislang nicht berücksichtigt. Die Politik verhindert durch das Vertagen von Entscheidungen gerade jüngst im Vorfeld der Bundestagswahlen Perspektiven für die Tierhalter.

Auf die Ferkelerzeugungsbetriebe kommen allein  aufgrund der geänderten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erhebliche Investitionen zu. Für viele schweinehaltende Betriebe wird die aktuelle Situation so mehr und mehr zur Existenzbedrohung. Gerade in diesen schwierigen Zeiten müssen Betriebsleiter oder Betriebsleiterin die Liquidität des Unternehmens im Blick behalten, um weiterhin zahlungsfähig zu bleiben.

Liquiditätsplan erstellen

Der erste Schritt, sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Betriebes zu verschaffen, ist die Liquiditätsanalyse. Hierdurch werden Zeitpunkte, Höhen und Zwecke der zukünftigen Einnahmen und Ausgaben aufgelistet. So bekommen der Landwirt einen umfassenden Überblick über bevorstehende Zahlungsströme im Unternehmen. Dabei wird sowohl der betriebliche als auch der private Bereich analysiert. Vorab sollte ermittelt werden, wie viele unbezahlte Rechnungen noch ausstehen und wie hoch die Verbindlichkeiten im Betrieb sind. So kann der anfallende Kapitaldienst kalkuliert werden.

Ziel ist es, durch eine regelmäßige Liquiditätsplanung möglichst konkrete Aussagen darüber treffen zu können, was in den weiteren Monaten finanziell auf das Unternehmen zukommt. Außerdem können dadurch Monate, in denen es zu Liquiditätsengpässen kommen kann, frühzeitig erkannt und gesteuert werden. Die Erstellung einer Liquiditätsanalyse ist jedem Unternehmen als Steuerungsinstrument zu empfehlen, unabhängig davon, wie sich die aktuelle wirtschaftliche Lage darstellt. Unterstützung erhalten landwirtschaftliche Betriebe dabei von den Wirtschaftsberatern und Wirtschaftsberaterinnen der LWK Niedersachsen (Webcode: KA3011002000005).

Offene Forderungen einholen

Sind noch Forderungen bei Geschäftspartnern offen, ist es  ratsam, diese Beträge zeitnah einzufordern. So kann die eigene betriebliche Liquidität verbessert werden. Ebenso ist nach vollbrachten Lieferungen und Leistungen auf eine unverzügliche Rechnungstellung zu achten und gleichzeitig auf eine pünktliche Bezahlung zu drängen. Für jeden Tag, an dem das Betriebskonto im Minus steht, werden teure Kontokorrentzinsen fällig.

Zahlungsziele erweitern

Um die Liquidität nicht weiter durch ausstehende Rechnungen zu strapazieren, können Absprachen über einen Aufschub des Zahlungsziels mit Handelspartnern vorgenommen werden. Das verschafft erst einmal Zeit. Mit Hilfe der Liquiditätsanalyse kann dann abgeschätzt werden, wann eine Zahlung der fälligen Rechnungsbeträge für den Betrieb sinnvoll ist.

Rücksprache mit dem Steuerberater

Die Jahresabschlüsse sowie Steuererklärungen für ein landwirtschaftliches Unternehmen werden zeitversetzt, das heißt bis zu einem Jahr nach Ablauf des Wirtschaftsjahres, erstellt. Dadurch können zusätzlich zu den fehlenden Erlösen Steuerzahlungen aus Vorjahren anfallen. Außerdem geht die Finanzverwaltung davon aus, dass im Folgejahr der gleiche Gewinn wie im Vorjahr erzielt wird. Das führt dazu, dass Steuervorauszahlungen in gleicher Höhe eingefordert werden, wie sie im Vorjahr entrichtet wurden. Sollte der Gewinn schlussendlich geringer sein, wird mit der Einreichung der Steuererklärung der entsprechende Betrag natürlich erstattet. Das dauert aber noch. Um die Liquidität zu erhalten, sollten Betriebsleiter mit ihrem Steuerberater besprechen, ob eine Stundung der fälligen Steuern oder eine Beantragung zur Herabsetzung der Steuervorauszahlungen sinnvoll ist.

Austausch mit der Hausbank pflegen

Ein vertrauensvolles Verhältnis zur Hausbank zu pflegen, ist in guten wie in weniger guten Zeiten wichtig für den landwirtschaftlichen Unternehmer oder die Unternehmerin. Eine offene Kommunikation und Vertrauen spielen nicht zuletzt auch für das Ranking eine wichtige Rolle. Regelmäßige Gespräche über die wirtschaftliche Lage sind empfehlenswert. In liquiditätsschwachen Phasen, wie aktuell im Schweinebereich, kann die Möglichkeit einer Tilgungsaussetzung oder einer Umfinanzierung eine Lösung für den Betrieb sein.
Bei einer Tilgungsaussetzung von zum Beispiel einem Jahr kann der fällige Kapitaldienst stark reduziert werden, da dann ausschließlich Zinsen auf die Restschuld zu leisten sind. Je nach Vereinbarung kann die Tilgung nach diesem Zeitraum wieder in gleicher Höhe bei dann verlängerter Laufzeit aufgenommen werden. Oder die andere Variante ist, dass bei gleichbleibender Laufzeit des Darlehens die Tilgung in angepasster/höherer Höhe wieder aufgenommen wird.
 Zur Überbrückung von Niedrigpreisphasen werden schnell kurzfristige Betriebsmittelkredite aufgenommen, die dann nicht planmäßig zurückgezahlt werden können. Oder es  werden in solchen Zeiten die  Kontokorrentkonten deutlich überzogen. In solchen Fällen sollte eine Umfinanzierung hin zu einem langfristigen Darlehen mit planbarer Tilgung vorgenommen werden. So kann die Zinsbelastung kurzfristig gesenkt werden. Ebenso können Laufzeitverlängerungen von bestehenden Darlehen die Liquidität im Betrieb entlasten, da die Höhe des Kapitaldienstes sinkt.

Investitionen verschieben

Geplante Investitionen, die nicht zwingend notwendig sind, sollten momentan verschoben werden, bis die Marktlage bzw. die eigene Liquidität es wieder erlauben. Gerade die Finanzierung von Maschinen durch Hersteller, die oftmals Laufzeiten von nur vier bis fünf Jahren haben, können in schwierigen Zeiten zu Liquiditätsproblemen führen.

Entbehrliches Betriebsvermögen veräußern

Als kurzfristige Maßnahme zur Steigerung der Liquidität ist auch der Verkauf von nicht zwingend benötigtem Betriebsvermögen möglich.
Der Verkauf von Fläche zur Liquiditätssteigerung sollte aber gründlich mit dem Steuerberater besprochen werden. Unnötige Steuerzahlungen sollten dabei nämlich möglichst vermieden werden.

Corona-Überbrückungshilfe beantragen

Corona-Überbrückungshilfe kann auch von landwirtschaftlichen Unternehmen beantragt werden, wenn ein coronabedingter Umsatzrückgang nachweisbar ist. Gefördert werden die Festkosten eines Betriebes.. Die Antragstellung erfolgt über den Steuerberater. Weitere Informationen gibt es unter www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de.

Optimierung der Produktion

Gerade in schwierigen Zeiten sollte betriebsindividuell analysiert werden, welche Optimierungspotenziale noch in der eigenen Produktionsweise stecken. Eine verbesserte Rentabilität schafft Liquidität! Kann durch die Anpassung von Arbeitsabläufen noch effizienter gewirtschaftet werden? Gibt es Möglichkeiten zur Kosteneinsparung? Oder kann ich durch den Einstieg in ein Labelprogramm oder Ähnliches mehr Umsatz generieren? Letzteres sollte nicht als „Kurzschlussreaktion“ erfolgen, vor allem, wenn dadurch Investitionen im Betrieb nötig sind. Eine Beratung von neutraler Seite ist ratsam.  

Privatentnahmen kritisch prüfen

Entnahmen wirken sich direkt auf die Liquidität und das Eigenkapital eines Unternehmens aus. Privatentnahmen setzen sich aus vielen verschiedenen Positionen zusammen, wie zum Beispiel privaten Versicherungen, PKW-Kosten, Lebenshaltungskosten, Altenteiler, usw.. Bei dem ein oder anderen Posten kann es durchaus kurzfristiges Einsparpotenzial geben. Dieses sollte man dann ggf. nutzen.

Da jedes landwirtschaftliche Unternehmen anders aufgestellt ist, ist eine betriebsindividuelle Analyse zur Liquiditätslage unabdingbar. Die vorab dargestellten Maßnahmen zur kurzfristigen Steigerung der Liquidität können als Orientierung und Übersicht dienen.


Kontakt:
Laura Jans-Wenstrup
Fachreferentin Betriebswirtschaft
Telefon: 0441 801-426
Telefax: 0441 801-313
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Stand: 01.10.2021