Webcode: 01036676

Corona: Vorsicht bei vorschneller Aufnahme günstiger Liquiditätskredite

Viele Betriebe stehen vor erheblichen Schwierigkeiten und in der Presse wird immer wieder von umfassenden Hilfsprogrammen auch für die Landwirtschaft geworben. Nun stellt sich die Frage: Welche Fördermaßnahmen sollten sinnvoller Weise in Anspruch genommen werden und welche eher nicht?

Die Bundes- und Landesregierung hat jeweils umfassende Hilfsprogramme ins Leben gerufen, um die Folgen der Corona-Krise für die Betriebe abzufangen:
•    direkte Zuschüsse wie Liquiditätszuschüsse oder Kurzarbeitergeld
•    Kredite zu relativ günstigen Konditionen, um die Liquidität zu sichern.
Für den oder die Betriebsleiter*in stellt sich nun die Frage, ob sie eines oder mehrere der Fördermaßnahmen in Anspruch nehmen sollten.
 Direkte Zuschüsse
Die direkten Zuschüsse sind an die Größe der Unternehmen nach Mitarbeiter*innenzahl gekoppelt. Da Teilzeit- und Saison-AK nur anteilig angerechnet werden, fallen viele Betriebe trotz erheblichem Jahresumsatz und/oder Kapitaleinsatz eher in die kleineren Kategorien der direkten Zuschüsse. Ob sich der Aufwand einer Beantragung für den Betrieb lohnt, muss jeder selbst prüfen 
Informationen zu den Zuschüssen:
NBank: Zuschüsse der NBank ab 25.03.2020


Mit dem Freischalten der Bundesmittel führt die NBank die Antragsverfahren für die Landesmittel und die Bundesmittel in einem Verfahren zusammen. Haben Sie bereits einen Antrag auf Landesmittel gestellt, können Sie unabhängig von dessen Bewilligung noch einen Antrag auf Bundesmittel stellen. Bereits erhaltene Zuschussförderungen aus dem vorausgegangenen Landesprogramm werden in voller Höhe angerechnet.

Ziel der Förderung: Die wirtschaftliche Existenz der Antragsteller soll gesichert werden und aktuelle Liquiditätsengpässe wegen laufender Betriebskosten überbrückt werden. Zu den Betriebskosten zählen z. B. Mieten und Pachten, Kredite für Betriebsräume und Leasingraten. Lebenshaltungskosten zählen nicht zu den Betriebskosten.


Höhe der Förderung: Die Förderung besteht aus einer Einmalzahlung in Höhe von:
•    bis zu 9.000 Euro bei bis zu fünf Beschäftigten
•    bis zu 15.000 Euro bei bis zu zehn Beschäftigten
•    bis zu 20.000 Euro bei bis zu 30 Beschäftigten
•    bis zu 25.000 Euro bei bis zu 49 Beschäftigten

 

Die Anzahl der Beschäftigten werden in Vollzeitäquivalenten erfasst (VZÄ), Teilzeitkräfte und Saisonarbeiter*innen werden demnach anteilig angerechnet.
Wer wird gefördert? Kleine Unternehmen, Soloselbstständige und Angehörige der freien Berufe (bis 49 Beschäftigte), (einschließlich Unternehmen mit landwirtschaftlicher Urproduktion!), die:
•    wirtschaftlich und damit dauerhaft am Markt als Unternehmen oder im Haupterwerb als Freiberufler tätig sind und in beiden Fällen
•    ihre Tätigkeit von einer niedersächsischen Betriebsstätte oder einen niedersächsischen Sitz der Geschäftsführung aus ausführen und
•    bei einem deutschen Finanzamt angemeldet sind
Nähere Informationen zur Antragstellung entnehmen Sie bitte folgenden Seiten der NBank:
https://www.nbank.de/Blickpunkt/Covid-19-–-Beratung-für-unsere-Kunden.jsp
Zur Beantragung jeglicher Finanzierungshilfen können weitere Unterlagen wie z. B. Angaben zu Unternehmensdaten, Eigenbeiträgen oder anderer in Anspruch genommener Programme notwendig sein. Bitte stellen Sie sich darauf ein, dass Sie für die Bewilligung der Liquiditätshilfen aktuelle Unternehmensdaten in Form einer Betriebszweigabrechnung (BZA), Einnahmen-Überschussrechnung oder Jahresabschluss bereithalten sollten.
Liquiditätskredite
Vor allem aber bei der Aufnahme von Liquiditätskrediten sollten Unternehmer*innen einmal innehalten und in Ruhe die eigenen Bilanzen betrachten. Auch Fremdkapital zu besonders günstigen Konditionen bleibt Fremdkapital. Ausschlaggebend für eine Entscheidung für oder gegen Liquiditätskredite sollte der Grund sein, weshalb man sie beantragt: Ist der Betrieb gesund aufgestellt und man braucht den Kredit nur, um ein ganz konkretes, durch die Krise verursachtes „Loch“ in der diesjährigen Liquiditätsplanung zu überbrücken, kann man über eine solche Kreditaufnahme nachdenken, sofern sie nicht zur Überschuldung führt. 
Hat ein Betrieb aber schon viel Fremdkapital in der Bilanz stehen und braucht die Kredite, um z. B. seine laufenden Verpflichtungen noch bedienen zu können, ist Vorsicht geboten. Hier kann günstiges Kapital im Zweifel dazu führen, dass ein nicht profitabler Betrieb künstlich am Leben gehalten wird, oder auch an sich profitable Betriebe ihre Kapitaldienstgrenze überschreiten. Dies ist hochproblematisch, wenn dann bei später einkehrender Zahlungsunfähigkeit noch mehr Schulden aufgehäuft wurden – vor allem wenn die Betriebsleiter*innen selbst dafür haften. Stattdessen bietet sich in solchen Fällen an, mit der Hausbank in Kontakt zu treten und über Alternativen wie Tilgungsaussetzung oder Umfinanzierungen zu sprechen. 
Proaktiv der Krise begegnen
Nutzen Sie als Betriebsleiter*in daher diese Krisenzeit, um sich und Ihr Unternehmen zukunftsfest aufzustellen, bestehende Prozesse zu hinterfragen und einen soliden Finanzierungsplan zu erstellen. Ihre betriebswirtschaftliche Beratung hilft Ihnen gerne bei allen Fragen dazu und steht Ihnen bei den notwendigen Entscheidungen zur Seite.
 


Kontakt:
Iris Flentje
Beraterin Sozioökonomische Beratung
Telefon: 05021 9740-141
Telefax: 05021 9740-129
E-Mail:
Anne Dirksen
Leiterin Sachgebiet Familie und Betrieb, Sozioökonomische Beratung
Telefon: 0441 801-329
Telefax: 0441 801-819
E-Mail:


Stand: 20.04.2020