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Alternaria Dürr- und Sprühflecken (Alternaria spp.)

Bekämpfung der Alternaria Dürr- und Sprühflecken (Alternaria spp.)

Durch Alternaria kann es im Kartoffelanbau zu erheblichen Ertragseinbußen kommen, nur leider ist es kaum vorhersehbar, ob oder wie stark der Erreger die Kartoffeln beeinträchtigt. Besonders in geschwächten Beständen kann Alternaria stark schädigen und zu einem früheren Absterben der Kartoffeln führen. Stehen die Kartoffeln durch hohe Temperaturen, länger anhaltende Trockenheit und damit häufig verbundenen Nährstoffmangel unter Stress, haben die Pflanzen weniger Widerstandskraft gegen Alternaria. Auch der Wechsel von längeren Trockenphasen und stärkeren Niederschlägen fördert das Auftreten der Alternariaarten. Ein stärkerer Besatz mit Blattläusen kann die Kartoffelpflanzen derart schwächen, dass es in der Folge zu einem stärkeren Auftreten der Alternaria Blattflecken kommen kann. Eine intensive Kontrolle des Blattlausbefalls und eine effektive Bekämpfung, wenn der Bekämpfungsrichtwert von 500 Blattläusen auf 100 Fiederblätter überschritten wurde, ist empfehlenswert.

An Kartoffeln sind zwei Alternaria-Erreger von Bedeutung: Zum einen Alternaria solani, der die Dürrfleckenkrankheit verursacht. Die Dürrfleckenkrankheit entwickelt sich in der Regel zunächst auf den unteren, abreifenden Blattetagen und führt hier zu größeren Blattflecken mit konzentrischen Ringen (bis 2 cm). Die Blattflecken können bei fortschreitender Entwicklung ineinanderfließen. Alternaria alternata verursacht dagegen die Sprühfleckenkrankheit, diese kann auf den meist noch grünen Blättern kleine Blattflecken (bis 0,5 cm) hervorrufen. Wobei Alternaria alternata die höheren Temperaturansprüche hat. Die zwei Alternaria-Arten treten oft etwas zeitlich versetzt auf. Die Sprühfleckenkrankheit Alternaria alternata ist oft relativ früh anzutreffen, erste Sprühflecken sind oft schon Ende Mai/Anfang Juni zu finden, eine deutliche Befallsentwicklung ist häufig im Juli zu beobachten. Während die größeren Blattflecken von Alternaria solani oft erst Ende Juli/Anfang August auftreten.

Den wesentlichen Einfluss auf mögliche Mindererträge hat dabei Alternaria solani.

 

Alternaria spp. führen im Krankheitsverlauf zu einem verfrühten Absterben des Blattapparates. Durch eine vorzeitige Abreife kann es zu einem verminderten Auswachsen der Knollen und einer verminderten Stärkeeinlagerung kommen. Eine gezielte Bekämpfung dieser Erreger ist daher insbesondere in Stärke-Kartoffeln, Industrie-Kartoffeln und Speise-Kartoffeln der späteren Reife­gruppen sinnvoll.

 

In den letzten Jahren hatte der Erreger in Norddeutschland eher eine geringe Bedeutung. Besonders 2018 begrenzte die extreme Trockenheit auch Alternariainfektionen. Auch Alternaria spp. benötigt für eine erfolgreiche Infektion Feuchtigkeit: nur, wenn mindestens 8 Stunden Blattnässe gegeben sind, können wesentliche Alternariainfektionen gesetzt werden. Im letzten Jahr war ein relativ später Aufbau von Alternariaarten zu beobachten. In einigen Regionen kann dies die Abreife der Kartoffelpflanzen noch beschleunigt haben. Auf Flächen mit intensiver Beregnung und dadurch ohne trockenheitsbedingter früher Abreife könnte sich dies noch ertraglich ausgewirkt haben. Versuche an der Bezirksstelle Uezlen in der Sorte Amado zeigen z.B., dass im Wesentlichen nur die sehr intensiven Spritzfolgen, mit wöchentlichen Alternaria - wirksamen Fungiziden signifikante Ertragseffekte aufwiesen. In anderen Regionen, wie z.B. dem mittleren und westlichen Niedersachsen waren die Effekte geringer. So waren auf dem Versuchsstandort in Goldenstedt bis Ende August kaum Alternaria spp. Symptome zu bonitieren, erst im September in den abreifenden Kartoffelpflanzen bereitete sich der Erreger stärker aus. Die Ertragseffekte der Alternaria – wirksamen Maßnahmen waren in diesen Regionen relativ gering.

 

Bekämpfung

Zur Bekämpfung steht eine Auswahl an Fungiziden mit verschiedenen Wirkungsmechanismen zur Verfügung. Die stärksten Bekämpfungserfolge wurden bisher mit Fungiziden erreicht, die den Wirkstoff Difenoconazol enthalten (Revus Top, Narita, Dagonis). Bereits seit 2019 steht das Fungizid Dagonis zur Alternariabekämpfung zur Verfügung. Dagonis besteht aus dem bekannten Wirkstoff Difenconazol (z.B. enthalten in Narita, Revus Top) und dem Wirkstoff Fluxapyroxad aus der Gruppe der Carboxamide. In den letztjährigen Versuchen fiel Dagonis besonders auf den Standorten mit höherem Alternariaaufkommen positiv auf. Die diesjährigen Versuche werden zeigen, ob sich dieser Trend fortsetzt.

Die Wirkung der „Spezialfungizide“ Ortiva und Signum hat in den letzten Jahren in allen niedersäschischen Versuchsstandorten massiv abgenommen. Die Ursache ist eine nachgewiesene Resistenzentwicklung gegenüber der Wirkstoffgruppe der Strobilurine.

Aufgrund der aufgetretenen Resistenzen wurde die Fungizid-Strategie zur Bekämpfung der Alternaria-Blattflecken angepasst. Das Spezialfungizid Ortiva (Azoxystrobin) wird in Regionen mit aufgetretenen Resistenzen zur Alternariabekämpfung nicht mehr empfohlen. Minderwirkungen von Signum oder Tanos sind regional zu beachten. Die Produkte sollten deshalb nur zu einzelnen Terminen und im Wechsel mit Alternativ-Präparaten zum Einsatz kommen.

Bekämpfungsempfehlungen:

Allgemein sollten, neben einer gezielten Behandlung, Stressfaktoren, wie z. B. Nährstoff-/Wassermangel, Läuse, Viren, Nematoden usw. minimiert werden (Alter­naria ist auch ein Schwächeparasit). Darüber hinaus sind regelmäßige Bestandeskontrollen (Befallsbeginn erkennen) angeraten.

Ein Fungizideinsatz gegen Alternaria-Arten kann insbesondere in relativ spät abreifenden Kartoffeln wirtschaftlich sinnvoll sein. Durch eine Bekämpfung dieses Schaderregers wird ein vorzeitiges Absterben der Kartoffeln vermieden, so dass auch ein später Zuwachs in Ertrag umgesetzt werden kann. Eine Alternariabekämpfung ist daher insbesondere in Stärke-Kartoffeln, Industrie-Kartoffeln und Speise-Kartoffeln späteren Reifegruppen bzw. später Beerntung oder später Krautabtötung.

 

Für Fungizid­behandlungen ist die erste Alternaria-Spritzung ab 6 - 8 Wochen nach Aufgang (Ende Juni/Anfang Juli) bzw. zu Befallsbeginn einzuplanen. Der Abstand zwischen den alternariawirksamen Fungizidanwendungen sollte bei ca. 12 – 14 Tagen liegen. Als Fungizide mit sicherer Wirkung gegen Alternariaarten sind Dagonis, Revus Top, Narita, Tanos + Electis,Tanos + Shirlan zu sehen. Ortiva und Signum sind aufgrund der Gefahr der Resistenzentwicklung regional eingeschränkt wirksam und sollten im Wechsel mit weniger resistenzgefährdeten Fungiziden eingebaut werden. Das Kontakt-Fungizid Mancozeb kann die Epidemie verzögern und unterstützt die Wirkung der übrigen Maßnahmen. In einigen Versuchen wurde gerade im letzten Jahr der vitalisierende Effekt von Mancozeb erkennbar.

Der Fungizidschutz sollte bei Späternten bis Anfang September, sonst etwa bis 1 Woche vor Krautabtötung bestehen. Letzte Alternariamaßnahme sollte daher 2 bis 3 Wochen vor Krautabtötung erfolgen.

 

Fazit:

Fungizideinsatz gegen Alternaria-Arten kann wirtschaftlich sinnvoll sein in …

  •   Stärke-Kartoffeln
  •   Industrie-Kartoffeln
  •   Speise-Kartoffeln späteren Reifegruppen bzw. später Beerntung oder Krautabtötung

Fungizidbehandlungen

  • Erste Alternaria-Spritzung 6 bis 8 Wochen nach Aufgang (Ende Juni/Anfang Juli) bzw. zu Befallsbeginn
  • Wirksame Mittel: Dagonis, Revus Top, Narita, Tanos + Electis,Tanos + Shirlan
  • Ortiva und Signum sind aufgrund der Gefahr der Resistenzentwicklung regional eingeschränkt wirksam und sollten im Wechsel mit weniger resistenzgefährdeten Fungiziden eingebaut werden.
  • Mancozeb zur Unterstützung der Wirkung verwenden

Behandlungsdauer:

Fungizidschutz sollte bei Späternten bis Anfang September, sonst bis 1 Woche vor Krautabtötung bestehen


Kontakt:
Lüder Cordes
Berater Pflanzenbau und Pflanzenschutz
Telefon: 05021 9740-132
Telefax: 05021 9740-138
E-Mail:


Stand: 23.06.2020



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