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Arbeitskreis Unternehmensführung - Ein Erfolgsmodell

Arbeitskreise sind seit vielen Jahren ein bewährtes Modell im Beratungsangebot der LWK Niedersachsen. Hajo Rothe begleitet den überregionalen Arbeitskreis Unternehmensführung seit 13 Jahren und gibt Antworten auf Fragen rund um dieses Erfolgsmodell.

Warum sollten Betriebsleiter/-innen in einem Arbeitskreis mitwirken?

Im überregionalen Arbeitskreis Unternehmensführung beschäftigen wir uns intensiv mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Teilnehmerbetriebe und haben auch das Ziel die Betriebsleiter in ihrer persönlichen Entwicklung, ihren Zielsetzungen und ihren Handlungsentscheidungen zu unterstützen. Der einzelne Landwirt hat sonst, im Gegensatz zum Berater, selten oder nie die Gelegenheit „seine Zahlen“ mit den wirtschaftlichen Ergebnissen von Berufskollegen zu vergleichen. Er schwimmt sozusagen „im eigenen Saft“ und weiß nicht, ob die Entscheidungen und Handlungen anderer Landwirte zu schlechteren oder besseren Ergebnissen geführt haben. Er läuft Gefahr „betriebsblind“ zu werden. In der Arbeitskreissitzung erörtern die Teilnehmer, streng vertraulich, die wirtschaftliche Entwicklung der Teilnehmerbetriebe im abgelaufenen Jahr und nehmen Stellung, welche Entscheidungen sie warum getroffen und wie sich ihre Entscheidungen ausgewirkt haben. Dazu gibt es Tipps und Hinweise aus dem Kreis der Berufskollegen für die Optimierung der eigenen Wirtschaftsweise. Ergänzt wird das Ganze durch ein jährlich thematisch wechselndes Programm mit Exkursionen, Vorträgen und Workshops. In jedem Jahr werden ein bis zwei Teilnehmerbetriebe besucht, von den Betriebsleitern vorgestellt und von der Gruppe mit Hilfe eines Coaching-Werkzeugs auf Stärken und Schwächen untersucht. So erhält die Betriebsleiterfamilie eine wertvolle Hilfestellung für die Betriebsführung.

 

Was zeichnet den überregionalen Arbeitskreis Unternehmensführung aus?

Ganz entscheidend ist die strenge Vertraulichkeit, mit der die vorgestellten Daten und Informationen von allen Teilnehmern behandelt werden. Sie bildet die Grundlage für die Offenheit, in der miteinander diskutiert wird. Besonders hervorheben möchte ich die Verbundenheit der Teilnehmer untereinander, die Ehrlichkeit und Fairness der Beteiligten im zwischenmenschlichen Umgang und die Fähigkeit der Gruppe neue Mitglieder schnell zu integrieren und ihnen das Gefühl zu vermitteln dazu zu gehören. Die dreitägige Arbeitskreistagung gibt den Betriebsleitern die Chance einmal Abstand vom normalen Betriebsablauf zu nehmen, um sich um die Betriebsführung, neue Zielsetzungen und wichtige Entscheidungen zu kümmern. Wichtig sind auch die zwischenmenschlichen Kontakte in den Pausen und an den Abenden. Die Betriebsbesichtigungen verschaffen den Besuchern die Möglichkeit einen intensiven Einblick in andere Betriebe zu bekommen, um sich neue Ideen und Anregungen für den eigenen Betrieb zu holen. Die gastgebende Familie hat die Chance durch die erfolgte Stärken-Schwächen-Analyse neue Ansatzpunkte für die Verbesserung des eigenen Handelns zu erhalten.

 

Wie haben sich die Betriebe der Teilnehmer entwickelt und welche Entwicklungen stachen dabei hervor?

Nach meinen Erfahrungen korrelieren betriebliche Entwicklungen immer mit den persönlichen Entwicklungen der Entscheidungsträger auf den Betrieben. Insofern ist es spannend zu verfolgen, wie sich die handelnden Akteure entwickeln. Es gibt, so meine ich, in vielen Fällen auch einen Zusammenhang zwischen dem Lebensalter der Entscheidungsträger und den betrieblichen Entwicklungsschritten. Da unser Arbeitskreis vom Altersaufbau her eine sehr gute Mischung hat, werden die Richtungen, die Geschwindigkeiten und der Umfang der Entwicklungsschritte des Öfteren kontrovers diskutiert. Im Ergebnis wirken diese Diskussionen oft ausgleichend, sodass allzu Vorsichtige ermutigt werden den nächsten Schritt zu gehen, während ganz Forsche ermahnt werden die betrieblichen Abläufe erst einmal zu optimieren, bevor der nächste Schritt getan wird. Neben einem, vor 13 Jahren sicherlich noch nicht absehbaren, enormen quantitativen Wachstum einiger Teilnehmerbetriebe gibt es auch qualitatives Wachstum, nicht nur im beruflichen Umfeld der Teilnehmer, sondern auch in anderen Lebensbereichen. Als Beispiele für solche Entwicklungsschritte möchte ich an dieser Stelle den Einstieg in neue Betriebszweige und die Änderung der Arbeitsstruktur zur Entlastung der Betriebsleiterfamilie nennen.

 

Welche Themenschwerpunkte spielten in den letzten 13 Jahren die wichtigste Rolle?

Den Schwerpunkt unserer dreitägigen Arbeitskreistagungen bilden die Analyse und Vorstellung der aktuellen Jahresabschlüsse. Dabei wird das von den Landwirten vorgestellte Zahlenwerk von den teilnehmenden Berufskollegen kritisch hinterfragt und es werden Hinweise bzw. Tipps zur Optimierung des Betriebes gegeben. Bei der Vorstellung der Analysen kann jeder Teilnehmer auch von den Erfolgen und Kenntnissen der Kollegen lernen und mit diesem Wissen für den eigenen Betrieb profitieren. Darüber hinaus werden einzelne Problemstellungen (z.B. Investitionsentscheidungen) der Teilnehmer mit Hilfe von Gruppencoachingmethoden bearbeitet, um Problemlösungen für den Fragesteller zu finden. Aufgelockert wird das Ganze durch jährlich wechselnde, aktuelle Themen, wie zum Beispiel Digitalisierung in der Landwirtschaft, papierloses Büro, Erben und Vererben, Mitarbeiterführung, usw..

 

Was spornt einen Berater an, in einem Arbeitskreis mitzuwirken?

Ein guter Arbeitskreis lebt vom Wissensaustausch, also vom Geben und Nehmen, das gilt auch für den moderierenden Berater. Ich kann meine Kenntnisse an die Teilnehmer weitergeben, profitiere aber auch in hohem Maße von dem praktischen Wissen der aktiven Betriebsleiter. Durch meine langjährige Tätigkeit im Arbeitskreis hatte ich die interessante Gelegenheit die Entwicklung der Teilnehmerbetriebe und die persönliche Entwicklung der Teilnehmer über viele Jahre zu begleiten. Man fragt sich: Wie geht es weiter? Dann freut man sich auf das nächste Treffen, um sich untereinander auszutauschen. Auch der intensive Wissenstransfer in den Pausen und an den Abenden der Arbeitskreistagungen mit den Teilnehmern und den anderen Moderatoren bedeutet mir sehr viel. Ab und zu kommen auch neue Teilnehmer in unsere Gruppe, mit interessanten Betrieben, neuem Wissen und eigenen Ansichten, die die Arbeitskreisarbeit bereichern.


Kontakt:
Hajo Rothe
Leiter Fachgruppe Betrieb / Tier
Telefon: 0441 34010-130
Telefax: 0441 34010-170
E-Mail:


Stand: 26.10.2020