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Ostfriesische Absolventen in der Fisch-, Forst- und Landwirtschaft überzeugten landesweit – Ehrungen der Landesbesten

Die Begeisterung für eine Ausbildung in den Grünen Berufen ist ungebrochen. Auch die Prüfungsleistungen in den Abschlussprüfungen überzeugten vielfach. Die jeweils drei Landesbesten in jedem Beruf werden von der Landwirtschaftskammer gesondert ausgezeichnet, unter ihnen sind auch fünf Ostfriesen. Sie erhalten eine Urkunde und einen umfänglichen Bildungsgutschein der LWK, der für berufliche Weiterbildungen eingelöst werden kann. Der festliche Rahmen entfiel in diesem Jahr leider wegen der Pandemie, so dass nur der Postweg blieb.

Als bester Fischwirt Niedersachsens in der Fachrichtung Küstenfischerei und kleine Hochseefischerei hat Stefan Bohlen aus Esens sein Zeugnis erhalten. Platz 2 bei den Forstwirten belegt Sönke Henkel aus Aurich. Die beste Landwirtin Niedersachsens stammt aus Weener und heißt Ina Sanders. Und bei den Werkern in der Landwirtschaft konnte Andreas Harms aus Aurich den ersten und Florian de Witt aus Moormerland den dritten Platz belegen.

Wir gratulieren an dieser Stelle sehr herzlich zu den außerordentlich guten Leistungen, die sich die Vorgenannten in den Abschlussprüfungen erarbeitet haben. Maren Ziegler vom LHV in Sandhorst hat die ostfriesischen Landesbesten besucht und Ihre beruflichen Beweggründe und Motivationen in Bild und Text eingefangen. Vielen Dank hierfür, Maren:

 

Portraits der Landesbesten

Ina Sanders - Landwirtschaft im Blut

Ina Sanders aus Weener hat als niedersächsische Landesbeste ihre Prüfung zur Landwirtin abgeschlossen. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb war sie von klein an immer mit im Stall oder auf dem Feld. Sie denkt gern an ihre Kindheit zurück, ihre Eltern waren immer da, man hat gemeinsam gegessen, arbeitete zusammen. Das hat sie sehr geprägt. „Ich wollte nie einen anderen Beruf lernen.“ erzählt die 20-Jährige. „Unsere Arbeit ist so abwechslungsreich, wir sind viel draußen in der Natur, arbeiten mit ihr, nicht dagegen.“

Besondere Freude macht ihr die Arbeit mit den Tieren. „Unsere Milchkühe mögen keine Hektik und sie merken schnell, in welcher Stimmung ich zu ihnen komme.“ berichtet sie. Ina Sanders genießt das ruhige und systematische Arbeiten beim Melken bevor sie dann die Tiere füttert, gerade bei den Kälbern geht es dann oft sehr lebhaft zu, erzählt die junge Frau schmunzelnd.

Aber nicht nur die Tiere sind der Grund, weshalb Ina Sanders gerne Landwirtin ist. Sie sitzt ebenso gern auf dem Trecker. Für sie ist der richtige Umgang mit den Maschinen selbstverständlich, genauso wie der Einsatz moderner Technik. Das passgenaue Arbeiten mit GPS-gesteuerten Treckern oder der Umgang mit Brunsterkennungssystemen bei Kühen gehören zum Beispiel heutzutage zur Ausbildung dazu.

Einen Ausgleich zur Landwirtschaft findet Ina Sanders im Fußballspielen und bei den Unternehmungen mit Freunden, auch wenn das im Moment wegen der Corona-Pandemie ausfällt. So bleibt genügend Zeit für die Weiterbildung in der einjährigen Fachschule. Danach möchte sie dann gerne mit einem Meisterkurs oder der zweijährigen Fachschule weitermachen. Ihr Traum wäre es, wenn sie später einen Betrieb mit ihrer Familie führen könnte. "Aber erstmal eins nach dem anderen." meint Ina Sanders ostfriesisch gelassen.

 

 

 

Stefan Bohlen - Leben mit den Gezeiten

Als Fischwirt ist nicht nur Fachwissen über Fische, Muscheln und andere Meerestiere gefragt, auch Seefahrtskenntnisse gehören dazu, ebenso wie handwerkliches Geschick. Neben dem eigentlichen Fischen und der Verarbeitung des Fangs müssen Netze repariert oder kleinere Reparaturen am Schiff durchgeführt werden. Diese Vielseitigkeit macht für Stefan Bohlen (Bildmitte) den Reiz an seinem Beruf aus. Er hat seine Ausbildung mit der Fachrichtung „Kleine Hochsee- und Küstenfischerei“ mit Bravour abgeschlossen. Seine beruflichen Perspektiven sind gut, sein Ausbildungsbetrieb hat ihn gerne übernommen. Mit Kapitän Theo Süßmilch (links im Bild) bildet er jetzt die Crew auf dem Neuharlingersieler Kutter „Antares“. Der Schiffseigner Andreas Eden (rechts im Bild) hat den Fischwirt als Decksmann übernommen. Der junge Fischwirt bewegt sich sicher an Deck, jeder Handgriff sitzt beim Fang der Krabben. „Ein Bürojob ist nichts für mich.“ berichtet Stefan Bohlen, „ich bin gerne draußen, mag Wind und Wetter.“

 

 

 

 

 

Sönke Henkel - die Natur im Blick

Sönke Henkel ist ein „Draußen-Mensch“. Er ist ein aktiver Boßler, Jäger und er ist Forstwirt. Die Begeisterung für den Wald packte ihn während eines Schulpraktikums in der Revierförsterei Meerhusen. Nach einem Freiwilligen Ökologischen Jahr beim Naturschutzhof Wittmunder Wald begann er seine Ausbildung im Forstamt Neuenburg. „Der Alltag als Forstwirt ist unglaublich abwechslungsreich und vielseitig. Wir sind draußen in der Natur unterwegs und mit jeder Jahreszeit ändern sich auch die Aufgaben, sei es der Bau von Schutzzäunen oder das Pflanzen neuer Bäume. Kein Tag ist wie der andere, es wird nicht langweilig.“ beschreibt Sönke Henkel seinen Alltag und überträgt mit seinen Erzählungen die Freude an seinem Beruf auf den Zuhörer.

Neben dem praktischen Teil in den niedersächsischen Wäldern besteht die Ausbildung auch aus dem schulischen Teil in Form von Blockunterricht in der Forstlichen Bildungsstätte Münchehof im Harz. Der Zusammenhalt der Azubis untereinander beschreibt Henkel als sehr familiär. „Wenn einem die Arbeit Spaß macht, macht auch das Lernen Spaß.“ fasst der 21-Jährige seine Ausbildungszeit zusammen.

Nach dem Ausbildungsende ist er beim Forstamt Neuenburg übernommen worden und arbeitet nun im Bereich Naturdienstleistungen. Er ist z. B. im "Plaggenburger Moorwald" unterwegs. Die ersten Weiterbildungen hat er bereits absolviert. „Ein spannender Bereich“ erklärt Sönke Henkel, „es geht hier nicht mehr um das Produkt Holz, es ist also kein reines Forstwissen mehr gefragt, sondern es geht vorrangig um Naturschutz und Naturschutzentwicklung.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Harms und Florian de Witt - Chancen ergreifen

Anpacken, das können Andreas Harms (rechts im Bild) und Florian de Witt (links im Bild) und auf dem Bauernhof haben sie ihre Berufung gefunden. Ihr Aufgabenspektrum ist vielseitig: Melken, Tiere versorgen oder Feldarbeiten, sie sind überall dabei.

„Die Erntezeit ist mir am liebsten.“ berichtet Florian de Witt, „Immer in Bewegung, das Hantieren mit den Maschinen, das liegt mir.“ Seine Fähigkeiten schätzt auch sein Ausbildungsbetrieb und hat ihn nach der Ausbildung übernommen. „Ich arbeite lieber praktisch und die Weiterbildung kann ich auch später noch in Angriff nehmen.“ sieht der 22-Jährige seine Möglichkeiten entspannt.

Andreas Harms (25) sattelt hingegen die Ausbildung zum Landwirt gleich obendrauf. „Das Lernen ist schon anstrengend, aber ich habe einen Abschluss ja schon in der Tasche, das kann mir keiner mehr nehmen.“ erklärt er sehr pragmatisch. Sein ausgezeichnetes Prüfungsergebnis hat ihm Selbstvertrauen gegeben und die Freude an der vielseitigen Arbeit in der Landwirtschaft tut ihr Übriges. „Das selbstbestimmte Arbeiten, dass man sich die Zeit selbst einteilen muss, der Umgang mit dem Unerwarteten, wenn plötzlich eine Kuh kalbt oder eine Maschine kaputtgeht, macht die Arbeit spannend.“ beschreibt Andreas Harms die Herausforderungen seines Berufes.

 

 

 

 

Was genau verbirgt sich hinter dem Beruf „Werker in der Landwirtschaft“, wie läuft die Ausbildung in der Hauswirtschaft ab, wo findet man Informationen zu allen Grünen Berufen? Darauf gibt es Antworten:

 

Werkerausbildung - worum geht es da?

Die Werkerausbildung besteht noch nicht sehr lange. Ab 2005 als Pilotprojekt für ganz Niedersachsen, inzwischen regulär mit jährlichem Einstieg, findet diese theoriereduzierte Ausbildung statt. Die Ausbildung dauert 3 Jahre. Die praktische Ausbildung findet auf anerkannten Ausbildungsbetrieben der Landwirtschaft statt und ist stark praxisorientiert und den Inhalten der regulären landwirtschaftlichen Ausbildung angepasst. Der Berufsschulunterricht erfolgt an 2 Wochentagen in der Conerus-Schule (BBS Norden). Dort findet auch der begleitende Stütz- und Förderunterricht der KVHS statt. Darüber hinaus wird über die gesamte Ausbildungsdauer eine sozialpädagogische und fachliche Begleitung durch das erfahrene Team der KVHS Norden sichergestellt. Inzwischen haben mehr als 70 junge Menschen erfolgreich diese Ausbildung bewältigt und den Einstieg ins Berufsleben gefunden.

 

Hauswirtschaft - vielseitig und gefragt

Hauswirtschaft klingt im ersten Moment nach einem Berufsfeld, welches irgendwie altbacken daherkommt. Das Gegenteil ist der Fall. Aufgrund des demografischen Wandels steigt der Bedarf an hauswirtschaftlicher Dienstleistung und Pflege. In der Ausbildung zur Hauswirtschafter/in soll z. B. das Wissen in den Bereichen Ernährung, Alltagskompetenzen und Pflege gestärkt werden. Kaufmännische Angelegenheiten und Lebensmittelzubereitung stehen bei hauswirtschaftlichen Ausbildungsbetrieben, wie zum Beispiel Senioren- oder Bildungseinrichtungen, im Fokus. Hierbei wird unter anderem vermittelt auf die verschiedenen Bedürfnisse der einzelnen Menschen einzugehen, Reinigungsmittel spezifisch zu nutzen, welche Inhaltsstoffe für Allergiker geeignet sind und was eine Nährstofftabelle aussagt. Diese Ausbildung ist also etwas für Allrounder mit Interesse an Menschen.

 

Grüne Berufe - weitere Informationen

Wo und in welchen Berufen in Niedersachsen Ausbildungsplätze frei sind, können Interessierte auf der Seite www.talente-gesucht.de erfahren. Dort veröffentlicht die Landwirtschaftskammer Niedersachsen freie Ausbildungsplätze mit den jeweiligen Betriebsschwerpunkten.


Kontakt:
Helmut Harms
Ausbildungsberater Beruf Landwirt/in u. Werker/in in der Landwirtschaft, Arbeitnehmerberatung
Telefon: 04941 921-124
Telefax: 04941 921-116
E-Mail:


Stand: 17.12.2020