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Sauer und gesund - Rhabarber

Jetzt haben sie wieder Saison, die herb-sauren Stangen des Rhabarbers. Es ist das erste Gemüse, das hierzulande im Freiland wächst und geerntet werden kann. Wegen des langen Winters fing die Saison in diesem Jahr später an als gewöhnlich. Ernteschluss ist (wie beim Spargel) der 24. Juni, der Johannistag. 

In Deutschland kennt man Rhabarber seit etwa 150 Jahren. Zu verdanken haben wir ihm den Engländern, die die ersten Stauden hierher brachten. Rhabarber hat viel zu bieten: Die Blätter sind giftig - essbar sind die Stiele - die Wurzel wirkt heilend. Jedes Jahr treffen sich Pflanzeneinkäufer aus aller Welt in China, um für Abführmittel Wurzeln und Extrakte aus Rhabarber zu kaufen.

 Gesund und kalorienarm
Mit 20 Kalorien je 100 Gramm sind die Stangen extrem kalorienarm. Sie bestehen nämlich zu 95 Prozent aus Wasser. Punkten kann der Rhabarber außerdem mit Pektin, das als Ballaststoff dem Darm guttut. Außerdem gesund: Apfel- und Zitronensäure, Glykoside, Gerbstoffe und ätherische Öle. Sie sorgen für den erfrischenden, appetitanregenden Geschmack. Reine Medizin sind die „Anthrachinone“. Das sind Wirkstoffe, die auch in Aloe stecken und das Gewebe des Leber-Galle-Systems und die Darmschleimhaut reizen. Dadurch bringt Rhabarber den Darm auf Trab. Außerdem entwässert er, was am hohen Kaliumgehalt liegt.

Vorsicht: Oxalsäure
Typisch für Rhabarber ist Oxalsäure. Das Gemüse ist mit Vorsicht zu genießen, roh ist es tabu. Da die meiste Oxalsäure in der Haut der Stängel steckt, muss man sie vor dem Kochen schälen. Tendenziell gilt: Grüner Rhabarber enthält mehr Oxalsäure als der rote und der späte mehr als der frühe. Den Effekt der Oxalsäure hat jeder schon mal gespürt, der Rhabarber gegessen hat: Die Zähne werden stumpf. Denn die Oxalsäure setzt sich auf den Zähnen fest und greift den Zahnschmelz an. Das raue Gefühl verschwindet mit der Zeit wieder. Zusammen mit Milch oder Vanillesauce ist die Gefahr für die Zähne nicht mehr ganz so hoch. Allerdings droht dann Gefahr von anderer Seite: Der Oxalsäure hat der Rhabarber den Ruf als Calciumräuber zu verdanken. Denn sie bildet zusammen mit Calcium unlösliche Kristalle. Mit der Folge, dass der Körper das Calcium nicht mehr nutzen kann. Für gesunde Menschen ist das meist kein Problem, vorausgesetzt, man isst ihn in Maßen. Wer jedoch zu Rheuma, Gicht, Arthritis und Nierensteinen neigt oder einen empfindlichen Magen hat, sollte Rhabarber aus dem Weg gehen.

Tipps für den Einkauf
Beim Einkauf sollte man darauf achten, dass die Stangen knackig und die Schnittstellen saftig sind. Frische Stangen lassen sich kaum biegen. In ein feuchtes Tuch gewickelt halten sie im Kühlschrank drei Tage. Auf keinen Fall dürfen sie in Alufolie eingewickelt werden. Denn die reagiert mit der Oxalsäure. Rhabarber ist beliebt als Kuchenbelag, Kompott oder Zutat für Konfitüren.

Hauptanbaugebiet NRW
In Niedersachsen wächst Rhabarber auf 65 Hektar - die privaten Gärten außer Acht gelassen. Die gesamte Anbaufläche in Deutschland liegt bei 868 Hektar. Der größte Teil davon in Nordrhein-Westfalen, speziell im Rheinland. Allein hier sind es 300 Hektar.


Kontakt:
Anne Dirking
Allgemeine Weiterbildung, Agrarbüro und EDV
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Stand: 15.11.2017