Webcode: 01033912

Zum vierten Mal: Schleppertraining in Suhlendorf

Für 24 Frauen stand der 27. Juni ganz im Zeichen des Schlepperfahrens. Nach dem Motto „Not am Mann – Frau ist dran“ lernten sie mit Schleppern und Geräten umzugehen und nahmen Hydraulikschläuche, Oberlenker und Frontlader unter die Lupe.

Die Idee stammt von der Bezirksstelle Uelzen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Firma Eggers Landmaschinen in Suhlendorf. Sie holten sich die Firma Claas ins Boot, die mit drei Trainern aus Harsewinkel (dem Stammsitz) anreiste. Es ist bereits das dritte Fahrtraining dieser Art im Landkreis Uelzen. Das gute Konzept besiegte die anfängliche Skepsis. „Als sie in Harsewinkel sagten, in Suhlendorf machen sie eine Frauenschulung, haben wir alle gesagt, ja gut, macht mal“, berichtet Helmut Heppe von Claas, der von Anfang an dabei war. Jetzt sind alle mit Begeisterung dabei.

Die Motivation der Frauen war ganz unterschiedlich: Die Einen suchten einen besseren Einblick in die Technik. Andere wollten das Fahren nach einigen Jahren Pause wieder für sich entdecken. Manchmal waren aber auch andere Familienmitglieder die treibende Kraft. So wurde eine Teilnehmerin von ihrem Sohn angemeldet, worüber sie im Nachhinein aber ganz glücklich war. Denn oft heißt es im Erntebetrieb „Hol doch mal eben den Anhänger vom Feld“.

Dementsprechend hoch war auch die Erwartungshaltung der Frauen. Einige haben sogar im Vorfeld geübt. Und schon in der theoretischen Runde zu Beginn wurde über das Für und Wider aufklappbarer Frontscheiben und den Sound der Motoren diskutiert.

Viel Praxis in kleinen Gruppen

Danach ging es auf die Übungsstrecke. An fünf Stationen – jeweils fachkundig betreut von Trainern der Firmen Claas und Eggers – wurde intensiv trainiert. Ohne Hektik und Nervosität in kleinen Gruppen. Es ging vor allem um Dinge, die täglich in der Landwirtschaft anfallen: Geräte an- und abkuppeln, Anhänger rangieren und kippen, Hydraulik bedienen, mit dem Frontlader sicher umgehen, mit einem Teleskoplader Kartoffelkisten stapeln. Und genau diese Mischung machte den Tag aus, so eine Teilnehmerin. „Die Männer werden immer so ungeduldig, und der Sohn ist so altklug. Beides ist nicht das Wahre“

Bevor man losfährt: Sitz einstellen, damit man vernünftig an die Pedale kommt. Denn die meisten Unfälle passieren durch Leichtsinn oder „wenn man mal eben schnell was machen will“, so Claas-Mitarbeiter Helmut Heppe. Auch das Bremsen ist nicht ohne, besonders beim Fahren mit einem oder mehreren Anhängern. Denn die Last des Fahrzeugs schiebt von hinten. Versagt eine Bremse oder ist etwas nicht richtig eingestellt, hat der Schlepper keine Chance. Ein Tipp des Experten: Nicht dauernd auf der Bremse stehen. Besser sei es, den Zug laufen zu lassen und ab und zu kräftig zu bremsen.

Die Kunst des Kuppelns

Das An- und Abkuppeln von Geräten ging den Teilnehmern in Fleisch und Blut über, durften sie es doch immer wieder üben. „Wenn man den Kniff heraushat, ist es auch ganz einfach“, waren sie sich einig. Ein hydraulischer Oberlenker hat es nämlich in sich. Kein Kinderspiel ist das Kuppeln unter Druck. „Das machen auch viele Landwirte nach 20 Jahren Berufserfahrung noch falsch“, weiß Claas-Mitarbeiter Ulrich Gerling. Es erfordert Geschick, mit dem Trecker gerade vor das Gerät zu fahren. Hier macht Übung den Meister! Und: Je sorgfältiger die Geräte abgestellt werden, desto leichter ist das Ankuppeln.

Einen Anhänger zu kippen, sieht einfach aus. Doch es steckt System dahinter. Die meisten Anhänger haben einen Kippzylinder, der vom Schlepper aus bedient wird. Zu welcher Seite gekippt wird, steuert man über Bolzen, die entsprechend gesteckt werden. Dazu gibt es Vorrichtungen an den vier Ecken des Anhängers. Soll die Ladung hinten abgekippt werden, müssen die Bolzen hinten rechts und links gesteckt werden. Sollte dennoch mal etwas schiefgehen, empfiehlt Michael Fleischer von der Firma Eggers: „Wenn er kippt, kippen lassen und weglaufen!“ Dass etwas schiefgeht, das sei auch vielen gestandenen Landwirten schon passiert, gerade in hektischen Situationen.

Auch ein Frontlader hat so seine Geheimnisse. Die Kunst ist es, die Fanghaken und Ösen elegant an der Schaufel zu verriegeln. „Bisher bin ich immer so lange dagegen gefahren, bis es passte“, gab eine Teilnehmerin offen zu. Doch das Fahren nach Gehör hat nun ein Ende. Der Tipp des Experten Matthias Schöck von der Firma Eggers: Wenn man den Fanghaken ganz nach vorne kippt, hat man eine grade Linie und kann die Verriegelungstechnik sehen.

Constantin Thiemann weihte die Frauen in die Geheimnisse der Kurzhebelratsche ein. Sie dient als Spannglied bei der Ladungssicherung mit Zurrgurten. Wichtig: Die Zettel müssen dran sein, sonst sind sie nicht zugelassen. Hier findet man die Angaben, welche Masse gehalten werden kann. „Zur Not einen Gurt mehr“, sieht es Constantin Thiemann pragmatisch. „Denn sobald der Kram ins Rutschen kommt, wird’s gefährlich.“ Die Landungsflächen müssen sauber sein, zur Not helfen Antirutschmatten.

Im Laufe des Tages gab es so manches Aha-Erlebnis. Seitens der Teilnehmerinnen, aber auch seitens der Trainer. Die waren beeindruckt von dem Wissensdurst der Frauen. Und bescheinigten ihnen, dass sie deutlich mehr fragen als Männer. Und gerade das war für beide Seiten eine Bereicherung. Fazit: Ein intensiver und spannender Tag, eine Fortsetzung ist in Planung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kontakt:
Anne Dirking
Allgemeine Weiterbildung, Agrarbüro und EDV, Urlaub auf dem Bauernhof
Telefon: 0581 8073-142
Telefax: 0581 8073-155
E-Mail:


Stand: 28.06.2018