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Hofübergabe – was kommt danach?

Geschafft, denkt sich Jan Meyer, der Hofübergabevertrag ist unterschrieben. Jahrelange Verhandlungen über Vertragsbestandteile und steuerliche Auswirkungen sind vorbei. Jetzt kann er richtig loslegen… oder? Hoppla, was kommt da noch alles auf ihn zu?

Das Genehmigungsverfahren vor dem Landwirtschaftsgericht ist anberaumt. Da taucht eine Stellungnahme auf, die einzelne Bestandteile des Vertrags in Frage stellt. Jan ist gut beraten, sich die Bedenken erklären zu lassen und den Vertrag in den fraglichen Punkten noch einmal anzupassen. Auch wenn dazu die Familie wieder an einen Verhandlungstisch muss und sich die Genehmigung noch Wochen hinzieht.

Der neue Lehrling kehrt vom Weizenabliefern zurück und berichtet von Diskussionen, weil es in der EDV des Landhandels keinen Betrieb Jan Meyer gibt. In dem Moment fällt Jan erschrocken ein, dass er nur die Banken über den Wechsel informiert hat und noch keine weiteren Geschäftspartner. Zwischen Weizenernte und Kartoffelroden stellt er eine Liste mit Geschäftspartnern zusammen. Dazu bedient er sich des Gedächtnisses seiner Eltern und der Buchführungsunterlagen des letzten Jahres. Mit einem Brief setzt er den Landhandel, den Energieversorger, die Versicherungen, die Zuckerfabrik, seine Berater, den Maschinenring und die Verpächter in Kenntnis.

Einige Wochen später kommt ein Schreiben von den Sozialversicherungen, in dem Vater Meyer aufgefordert wird, die Abgabe der Flächen nachzuweisen. Und wieder setzt Jan ein Schreiben auf, um die SVLFG von der Übernahme zu informieren.

Nachdem im September ein Prüfer den Zwischenfruchtanbau geprüft hat, fährt Jan zur Landwirtschaftskammer um die Übergabe auch dort anzuzeigen. In diesem Zusammenhang beantragt er eine neue EU-Registriernummer, meldet dem Veterinäramt und den VIT, dass ihm jetzt die 20 Hühner gehören und lässt sich beim LAVES (Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) registrieren. Oh und für die Übertragung der Zahlungsansprüche und der Umweltprogramme wird auch noch schnell ein Formular ausgefüllt.

Jans Berater denkt zum Glück daran, dass beim Antrag auf die Agrardieselvergütung das umfangreiche Formular ausgefüllt werden muss und alle Belege mit eingereicht werden müssen.

Allmählich hat Jan Meyer den Übergabevertrag schon gefühlte 20mal kopiert. Doch er telefoniert immer wieder mit der Bitte, die Rechnung auf seinen Namen noch einmal neu zu schreiben.

Ein langfristiger Verpächter kündigt Ende September noch schnell einen auslaufenden Pachtvertrag zum nächsten Termin.

Im Oktober, immer noch Kartoffelernte, meldet sich der Versicherungsvertreter des Vaters an, um turnusgemäß die Versicherungen durchzusprechen. Dabei erfährt Jan, dass es ein Sonderkündigungsrecht gibt. Man kann nach der Übergabe innerhalb von 3 Monaten die Verträge kündigen. Da ist Jan zu spät. Dennoch sollten die Verträge dringend einmal angepasst werden. In dem Gespräch ihm ein, dass er noch mit der Bank sprechen muss. Den alten Kredit für die Halle möchte er umstellen und die Auszahlung der Abfindung der Geschwister planen.

An Silvester kommt Jan mit seinem Kumpel Paul ins Gespräch, der den Übergabemarathon schon im letzten Jahr absolviert hatte. Im Laufe des Gesprächs kommen sie auf das Thema Bau und Förderung. Paul erinnert Jan an die Förderung des Hallenbaus vor 10 Jahren. Auch für diese Förderung muss die Übernahme noch gemeldet werden.

Jan beginnt das neue Jahr mit einem rauchenden Hofübergabekopf - immer noch.

Was hätte Jan Meyer anders machen können?

Schon im Jahr vor der Übergabe hätte Jan eine Liste der üblichen Geschäftspartner führen können. Eine Tabelle, in der von jeder eingehenden Rechnung oder Abrechnung die Ansprechpartner, Adresse und Telefonnummer hinterlegt werden, hätte geholfen. Bei der Antragstellung im Mai vor der Übergabe hätte Jan mit dem Berater schon einmal den Ablauf der Meldungen nach der Übernahme besprechen können. Er hätte frühzeitig alle Berater des Betriebes in die Übergabe mit einbeziehen und informieren können. Jeder Berater (Betriebswirtschaft, Antragswesen, Steuern, Sozialrecht, Versicherungen, Geld, Ackerbau, Viehhaltung, …) hat unterschiedliche Schwerpunkte und kann in seinem Bereich für den Betriebsleiter mitdenken.

Empfehlenswert ist es, vor der Übergabe, spätestens mit der Übergabe, ein zukünftiges Betriebskonzept zu erarbeiten. Zu dem Konzept gehört neben der betrieblichen Ausrichtung auch die soziale Absicherung, wie Vorsorgevollmacht, Testament, Altersvorsorge, Berufsunfähigkeit und Todesfallabsicherung. Dabei sollte ebenso der momentane Lebenspartner berücksichtigt werden, wie auch die Kinder (vorhandene oder zukünftige).

Persönliche Gespräche mit Verpächtern sichern Vertrauen für die Zukunft. Hierbei können Pachtverträge angepasst und verlängert werden. Die Anzeige der Pachtverträge beim Landkreis nicht vergessen!

Ein großes Fest setzt Zeichen bei Nachbarn, Geschäftspartnern, Verwandten, Arbeitnehmern und anderen Interessierten. Die Änderung des Eigentümers und damit des neuen Chefs wird allen deutlich und präsent. Ein Fest sorgt für Offenheit und Interesse bei allen nachrangig Beteiligten.

Checkliste für die Betriebsübernahme:

  • Landwirtschaftskammer: EU-Registriernummer; Meldung Tierseuchenkasse, VIT, Veterinäramt; Übernahme von Agrarumweltmaßnahmen; Übertragung von Zahlungsansprüchen; Wirtschaftsdüngerdatenbank; Agrarinvestitionsförderung;
  • LAVES: Übergabe-Änderungsanzeige als Lebensmittel- und Futtermittelhersteller, Ökobetrieb
  • Steuerberater: Anmeldung beim Finanzamt, Vergabe Steuernummer
  • Banken und Versicherungen: Information, Sonderkündigungsrecht, Umschreibung von Verträgen, ggf. Anpassung von Verträgen
  • Verpächter: Information, Verlängerung, Anpassung, Meldung beim Landkreis
  • Sozialversicherungsträger: Berufsgenossenschaft, Alterskasse, Krankenkasse, Pflegeversicherung, Arbeitsgeberstatus
  • Zertifizierungsstellen: QS oder Ökokontrolle
  • Handelspartner: Landhandel, Genossenschaften, Handwerker, Fabriken (Milch, Zucker, Stärke), Energieversorger, …
  • Beratungsinstitutionen: Landvolk, Landberatung, Maschinenring, Wasserschutz, …

Kontakt:
Anneken Kruse
Sozioökonomie, Mediation, Cross Compliance, Förderung
Telefon: 04181 9304-14
Telefax: 04181 9304-24
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Stand: 09.10.2019