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Symposium: Deutsche und Niederländer diskutieren Bekämpfung der Nutria

Rasante Zunahme und massive Schäden zwingen zur gemeinsamen Strategie - Mit Vorträgen zum Herunterladen

Oldenburg – Die Nutria, ein aus Südamerika stammendes und in Wassernähe lebendes Nagetier, macht an Ufern, Dämmen und Deichen, aber auch an landwirtschaftlichen Kulturen immer größere Probleme. Das nahm die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zum Anlass, Fachleute aus Deutschland und den Niederlanden zu einem grenzüberschreitenden Symposium einzuladen, um über Strategien zur Eindämmung der Nutria-Population zu diskutieren.

Am Ende der Tagung, die heute (14. Februar) in Oldenburg stattfand, standen drei konkrete Ergebnisse: In Niedersachsen soll künftig ein zwischen dem Landwirtschafts- und Umweltministerium abgestimmter Nutria-Erlass die Bekämpfung des Nagetiers regeln. Außerdem soll eine Arbeitsgruppe bestehend aus deutschen und niederländischen Fachleuten ins Leben gerufen werden, die Strategien zur weiteren Eindämmung der Nutria-Population entwickeln soll. Die Wirksamkeit dieser Strategien soll dann in einem grenznahen Versuchsgebiet, das noch zu finden sein wird, überprüft werden.

Bei der Eröffnung der Veranstaltung skizzierte Kammerpräsident Gerhard Schwetje die „dramatische Zunahme“ der Nutria anhand von Zahlen: „Wurden im Jagdjahr 2010/11 in Niedersachsen rund 4.500 Tiere erlegt, war es sechs Jahre später mit knapp 22.000 Tieren bereits das Vierfache.“ Bis zu dreimal bekommen Nutria, die früher als Pelztier gehalten, später dann in die freie Natur freigelassen wurden, Nachwuchs. Da das Nagetier in Niedersachsen zum jagdbaren Wild gehöre, könne es nicht wie etwa der Bisam als Schädling bekämpft werden.

Seit 2016 hat die EU die Nutria in die Liste der „invasiven gebietsfremden Arten“ aufgenommen. „Damit wurde die Grundlage für konkretes Handeln geschaffen“, so Schwetje. Die EU-Mitgliedsstaaten seien nun gefordert, gegen die massive Ausbreitung der Art vorzugehen. Auch die neue Landesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag die Bekämpfung der Nutria als einen Schwerpunkt des Küstenschutzes und der Deichsicherheit benannt.

„Ein geeignetes Bekämpfungsmanagement setzt länderübergreifende Strategien voraus, denn die Nutria macht vor Grenzen nicht halt“, so der Kammerpräsident. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Niederlande, denen es gelungen sei, die Nutria aus dem Binnenland zu verdrängen. Beide Seiten hätten ein großes Interesse, mit einer gemeinsamen Strategie den Schädling einzudämmen.

An dem Treffen nahmen rund 40 Vertreter des niedersächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums, der Landesjägerschaft, des Niedersächsischen Landkreistages, des Wasserverbandstages, des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden, der Tierärztlichen Hochschule sowie Vertreter der niederländischen Wasserunterhaltungsverbände und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen teil.

Ausführliche Bildunterschrift:
Rund 40 Fachleute aus Deutschland und den Niederlanden diskutierten in Oldenburg über gemeinsame Strategien zur Bekämpfung der Nutria. Mit dabei waren (von links): Organisator und Moderator Dr. Eckhard Asche, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Heiko Albers, Präsident des Wasserverbandstages Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Geert-Jan ten Brink, Deichgraf der Waterschap Hunze en Aa’s, Kammerdirektor Hans-Joachim Harms, Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Prof. Dr. Stefan Kuks, Wassergraf der Waterschap Vechtstromen.


Zur Information:
Die Nutria ist eine aus Südamerika stammende, am Wasser lebende Nagetierart. Sie wurde in der Vergangenheit in Pelztierfarmen gezüchtet. Durch Freilassung konnte sie sich in der Natur etablieren und stabile Populationen aufbauen. Mit Ausnahme des Südens kommen Nutria in Niedersachsens inzwischen fast flächendeckend vor. Zurzeit wird eine verstärkte Ausbreitung in den Marschgebieten beobachtet.

Schäden entstehen durch Wühltätigkeit des Tieres an Ufern, Dämmen und Deichen sowie den Kahlfraß an Kulturfrüchten. Auch Pflanzen der Wasservegetation werden stark geschädigt. Somit beeinträchtigen die Tiere die heimische Tier- und Pflanzenwelt, da wertvolle Biotope vernichtet werden. Außerdem besteht die Gefahr der Übertragung von Krankheiten auf Menschen und Nutztiere.


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Stand: 26.02.2018



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