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Streit um Strafzölle auf Fleisch: Kammerfachmann warnt vor zu optimistischen Prognosen für hiesigen Markt

China und die USA streiten um Strafzölle auf US-Schweinefleisch. Welche Auswirkungen dieser Konflikt auf den europäischen und damit auch auf den nordwestdeutschen Schweinemarkt hat, ist noch unklar. „Unsere Schweinehalter werden nicht unbedingt von dieser Entwicklung profitieren“, warnt Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Oldenburg – Der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA bringt auch die Märkte für Schweinefleisch in Bewegung. Nachdem die Chinesen ihre Entscheidung, Strafzölle auf amerikanisches Fleisch zu verhängen, bekannt gegeben hatten, stürzte der Schweinepreis in den USA auf derzeit 92 Cent pro Kilo Schlachtgewicht ab. Bei uns sind es heute (13. April) 1,45 Euro.

Die Auswirkungen des Handelskonfliktes auf den europäischen und damit auch auf den nordwestdeutschen Schweinemarkt sind noch unklar. „Unsere Schweinehalter werden nicht unbedingt von dieser Entwicklung profitieren“, warnt Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, vor überzogenen Erwartungen. „Mit zu optimistischen Prognosen sollten wir vorsichtig sein.“

Als Begründung nennt Hortmann-Scholten das Bestreben amerikanischer Vermarkter, das Schweinefleisch auf anderen Märkten wie Korea oder Japan zu verkaufen. Dort treten sie in direkte Konkurrenz zu den Europäern. Eine Konfrontation auf dem europäischen Markt werde es dagegen nicht geben. „Hier besteht Zollschutz, da das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) nicht zustande gekommen ist“, so der Fachmann der Kammer.

Anders sieht es dagegen für Fleisch aus Kanada aus. Als Folge der Turbulenzen zwischen China und den USA seien auch die kanadischen Schweinehalter betroffen. Die dortigen Vermarkter könnten – anders als die USA – als Netto-Exporteure für Schweinefleisch auch auf den europäischen Markt drängen. Grundlage dafür sei das Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA), das erst kürzlich zwischen der EU und Kanada abgeschlossen wurde.

Der Marktdruck, dem sich die amerikanischen Schweinehalter ausgesetzt sehen, hat nach Aussage Hortmann-Scholtens noch zwei weitere Ursachen: Zum einen droht auch Mexiko den USA wegen der politischen Spannungen mit Strafzöllen auf Fleisch. Zum anderen können auch die Amerikaner wie die Europäer den russischen Markt nicht beliefern.

Nach der Annexion der Krim und aufgrund der Ukrainekrise verhängte die EU Mitte 2014 ein Handelsembargo, das unter anderem den Handel mit Schweinefleisch untersagt. Seit dieser Zeit ist China für Deutschland das wichtigste Exportland außerhalb der EU für Schweinefleisch. Dort können Teilstücke, die hierzulande nicht gefragt sind, zum Beispiel Ohren oder Füße, zu guten Preisen abgesetzt werden. In der chinesischen Küche sind diese Teilstücke sehr beliebt. So lässt sich zum Beispiel mit den bei uns geschätzten und teuren Filets in China nur ein Drittel des Preises von Schweineohren erzielen.


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Stand: 23.04.2018