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Agrarexport: Brexit wird niedersächsischen Agrarhandel treffen

Anhörung macht Folgen des Ausscheidens Großbritanniens aus der EU deutlich

Hannover – Das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, auch Brexit genannt, hätte gravierende Folgen für die niedersächsische Land- und Agrarwirtschaft. „Aus niedersächsischer Sicht ist das Vereinigte Königreich der zweitwichtigste innereuropäische Absatzmarkt“, sagte Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, heute (3. Mai) auf einer Anhörung im Niedersächsischen Landtag.

Niedersachsen liefere vor allem Schweinefleisch, Geflügelfleisch sowie Milch und Milchprodukte über den Kanal. Exportschlager seien Frühstücksspeck und Schinken sowie Rohwaren für die Herstellung von Fleischerzeugnissen. Stark nachgefragt seien ebenfalls hochveredelte Convenience-Produkte. „Damit erwirtschaftet die niedersächsische Agrarwirtschaft einen Handelsbilanzüberschuss von gut 560 Millionen Euro“, so Hortmann-Scholten, der bei einem Brexit Konsequenzen für niedersächsische Arbeitsplätze im Agrarbereich nicht ausschließt.

Auch bundesweit befürchtet der Marktexperte eine Beeinträchtigung des Agrarhandels. Es seien vor allem neue britische Anforderungen an Nachweise zur Tier- und Pflanzengesundheit zu befürchten, die den Handel behindern und neue Unsicherheiten schaffen könnten. Nach einer Untersuchung des in Braunschweig ansässigen Thünen-Instituts wäre die Schweine- und Geflügelfleischerzeugung am stärksten betroffen. Das gilt sowohl für einen harten Brexit (klarer Bruch mit der EU) wie für einen weichen Brexit (weiterhin enge Anbindung an die EU). „Bei der harten Variante würde der Produktionswert um über 2,7 Prozent sinken, bei der weichen um 0,9 Prozent“, nennt Hortmann-Scholten Zahlen aus der Untersuchung.

Da Großbritannien bei einem Brexit als Nettozahler ausfalle, würden im EU-Haushalt elf Milliarden Euro fehlen, die durch höhere Beiträge der verbleibenden 27 EU-Mitglieder und Einsparungen im Haushalt kompensiert werden müssten. In diesem Zusammenhang warnte Hortmann-Scholten vor den Folgen von Kürzungen im Agraretat. „Nur mit einem stabilen Budget können die Herausforderungen der gemeinsamen Agrarpolitik gemeistert werden“, sagte der Kammerexperte. Dazu gehörten neben der Einkommenssicherung der landwirtschaftlichen Unternehmen auch die Sicherstellung von Agrarumweltleistungen und Maßnahmen gegen den Klimawandel.


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Stand: 03.05.2018