Webcode: 01033818

Trockenheit: Leider noch keine Entspannung in Sicht

Ausmaß der Schäden bei Raps, Getreide und auf Grünland regional sehr unterschiedlich und kaum zu beziffern

Oldenburg – Die lang andauernde Trockenheit macht den niedersächsischen Ackerbauern große Sorgen. Die Situation auf den Feldern und auf dem Grünland spitzt sich mehr und mehr zu. Ein Berater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fasst die derzeitige Gemütslage der Landwirte so zusammen: „Die Stimmung ist mies. Unsere Pflanzenbauberatung besteht zurzeit mehr aus Trösten und Mut machen.“

Seit Anfang April fehlen – regional unterschiedlich – bis zu 200 Liter Regen auf einem Quadratmeter. Die zahlreichen, oft auch sehr ergiebigen Gewitterniederschläge der vergangenen Woche beschränkten sich im Wesentlichen auf die südlichen Regionen Niedersachsens. Dort nahmen die Wolkenbrüche zum Teil verheerende Ausmaße an. Der Regen lieferte kaum das herbeigesehnte Nass, sondern führte vielmehr zu Verschlämmungen und Bodenerosionen. Im Norden trat extremer Regen seltener und nur kleinräumig auf.

Einheitliche Aussagen zu den Niederschlägen größerer zusammenhängender Regionen sind kaum zu treffen, da die Regenmengen schon bei geringem räumlichen Abstand stark variierten. Der räumliche Abstand von Orten mit 70 Litern Regen in kurzer Zeit und fünf Litern im gleichen Zeitraum betrug manchmal nur wenige Kilometer.

Wieviel Flächen niedersachsenweit von der Trockenheit massiv betroffen sind, lässt sich bisher nicht genau sagen. Auch das Ausmaß der Ernteeinbußen bei den verschiedenen Kulturen ist derzeit noch nicht zu beziffern. Insbesondere bei Getreide und Raps sagen die Fachleute der Landwirtschaftskammer bereits heute für große Teile Niedersachsens eine schlechte Ernte voraus.

Ackerbau

Leichte Standorte Nordhannover:

Vor allem nördlich von Hannover hat es links und rechts der A 7 auch am zurückliegenden Wochenende praktisch keinen Niederschlag gegeben. Hier ist auf Flächen ohne Beregnungsmöglichkeit von sehr starken Schädigungen im Getreide auszugehen. In Einzelfällen wird darüber nachgedacht, die Bestände nicht zu dreschen, sondern als Notmaßnahme vorzeitig als Ganz-Pflanzen-Silage zu ernten.

Die Blattfrüchte, vornehmlich Kartoffeln und Rüben, werden regelmäßig beregnet. Diese arbeits- und kostenintensiven Maßnahmen müssen bei weiter ausbleibenden Niederschlägen regelmäßig fortgesetzt werden. Mais wird die nächste Kultur sein, die zusätzliches Wasser benötigt. In der Folge wird Getreide zunehmend weniger intensiv beregnet, da die Technikkapazitäten vielerorts begrenzt sind. Eine häufige Ausnahme ist die Sommerbraugerste.

Bereich Südhannover und Region Braunschweig:

Punktuell hat es in den zurückliegenden Tagen starke Niederschläge, teils mit Hagel, gegeben. Trotzdem ist zum Beispiel im Bereich Northeim-Eichsfeld/südliches Göttingen die Wasserversorgung für die Pflanzen weiter sehr angespannt und absolut unbefriedigend. Die Wintergerste wird auf den „schlechten Ecken“ des Ackers schon gelb, also langsam reif. Der Winterweizen ist auf tonigen-flachgründigen Teilflächen bereits verbrannt, also irreversibel geschädigt.

Westlicher bis mittlerer Bereich Niedersachsens:

Hier sieht es auf den leichten Geestböden sehr schlecht aus. Nicht viel besser zeigt sich die Situation in der Wesermarsch (im Binnenland), wo es besonders bei späteren Saaten und auf Standorten mit Bodenverdichtungen und Strukturschäden zu Trockenstress kommt. Noch relativ gut stehen die Bestände auf den milden Lehmböden zwischen Syke, Twistringen, Asendorf und Bruchhausen-Vilsen.

Küstenmarsch:

In dieser Region spielen Trockenschäden vielfach noch keine Rolle, zumal auch großräumig passable Niederschlagsmengen gefallen sind. Allerdings zeigen die Bestände dort erste Anzeichen von Trockenstress, wo die Böden im nassen Herbst nur unter Schwierigkeiten bearbeitet werden konnten und die Bodenstruktur litt.

Grünland

Nachdem der erste Grasschnitt unter guten Bedingungen und mit guten Erträgen geborgen werden konnte, leidet der zweite Aufwuchs massiv unter den fehlenden Niederschlägen. Die aktuell zur Ernte anstehenden Bestände sind überwiegend nur dürftig entwickelt. Da der Regen örtlich sehr unterschiedlich fiel, werden auch die Erntemengen regional stark differieren. Wie sich die folgenden Aufwüchse entwickeln werden, ist noch nicht absehbar.

Hinweis: Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch unsere Pressemeldung von vergangenen Freitag zum Thema „Beregnung“.


Nutzungserlaubnis für Pressemitteilungen


 


Kontakt:
Walter Hollweg
Pressesprecher
Telefon: 0441 801-200
Telefax: 0441 801-174
E-Mail:


Stand: 06.06.2018