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Getreide: Gerstenernte beginnt ungewöhnlich früh

Landwirtschaftskammer: Trockenheit und Hitze sorgen für niedrige Erträge und leichte Körner - Qualität der Wintergerste fällt eher schlecht aus

Oldenburg – Fast zwei Wochen früher als sonst haben die Mähdrescher in Niedersachsen ihre Arbeit aufgenommen und mit der Ernte der Wintergerste begonnen. Wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Mittwoch (27. Juni) mitteilte, haben Hitze und Trockenheit der zurückliegenden Wochen die Bestände schnell abreifen lassen.

Unter dem Einfluss der trocken-heißen Monate April und Mai werden die Gerstenerträge weit unter dem Durchschnitt liegen. Besonders betroffen davon sind Getreidebestände auf sandigen Standorten, die kaum Wasser speichern können. Mancherorts wurde die Entwicklung der Pflanzen so sehr beeinträchtigt, dass ein Mähdrusch gar nicht mehr lohnt. Diese Flächen werden und wurden zum Teil bereits gehäckselt und als Viehfutter oder in Biogasanlagen verwertet.

Etwas weniger dramatisch ist die Situation auf den besseren Böden mit höheren Anteilen an Lehm, Ton und Humus, die das Wasser besser einlagern können. Aber auch dort wird mit einer unterdurchschnittlichen Gerstenernte gerechnet.

Betriebe, die ihre Flächen beregnen konnten, werden gute Ernten einfahren. Dabei hängt der Ertrag von der Beregnungsintensität ab, da die Anlagen, die auf den meisten Betrieben nur begrenzt zur Verfügung stehen, vorwiegend in Kartoffeln, Zuckerrüben und Braugerste eingesetzt werden.

Zeitlich und räumlich eng begrenzter Starkregen hatte kaum positive Auswirkungen auf den Ertrag der Wintergerste. Eher das Gegenteil war der Fall: Massive Regengüsse in kurzer Zeit können weder vom Boden noch von den Pflanzen aufgenommen werden. Sie führen eher zum oberflächlichen Abfluss und Abtrag der Bodenkrume.

Nicht nur die Erträge, auch die Qualität der Wintergerste fällt eher schlecht aus. Es sind besonders die kleinen Körner, die dabei auffallen. Das 1000-Korn-Gewicht, ein Kriterium für die Qualität, fällt wohl ungewöhnlich niedrig aus. Positiv zu Buche schlägt aller Voraussicht nach, dass das Erntegut trocken und ohne unerwünschten Pilzbefall an den Körnern eingefahren werden kann.

Für ganz Niedersachsen geltende Aussagen zu den Erträgen und Qualitäten der Wintergerste lassen sich derzeit nicht treffen. Zu unterschiedlich waren die regionalen Wetterereignisse, zu unterschiedlich sind die Böden und die Ausstattung der Betriebe mit Beregnungstechnik.

Auch für die sich anschließende Ernte von Raps, Weizen und andere Getreidearten werden weit unterdurchschnittliche Erträge vorausgesagt. Ob und wie weit die Blattfrüchte Kartoffeln und Zuckerrüben, aber auch der Mais ertraglichen Tribut an die Trockenheit zollen müssen, ist derzeit noch nicht abzusehen. Bisher haben die Bestände die trocken-heiße Phase ganz gut überstanden.

Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen auf rund 190.000 Hektar (ha) etwa 1,3 Millionen Tonnen (t) Gerste geerntet. Während die Wintergerste (144.000 ha) vor allem als Tierfutter dient, wird die Sommergerste (46.000 ha) etwa zur Hälfte als Braugerste angebaut und fungiert als ein Rohstoff für die Bierproduktion. Der Braugerstenanbau findet vorwiegend in den Landkreisen Gifhorn, Peine, Celle und Uelzen statt.

Weizen stand auf knapp 420.000 ha (Ertrag 3,4 Millionen Tonnen), Roggen auf knapp 120.000 ha (Ertrag 750.000 t) und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, auf 78.000 ha (Ertrag 490.000 t). Raps, eine Kohlart, wurde auf gut 120.000 ha (Ertrag 380.000 t) angebaut. Hieraus wird in erster Linie Rapsöl, Biokraftstoff und Tierfutter hergestellt. Die letztjährige Ernte lag bei den Getreidearten leicht unter dem Durchschnitt, bei Raps weit unter dem Durchschnitt.

Mit dem Start der Wintergerstenernte beginnt normalerweise der erfolgreiche Abschluss der Vegetationsperiode bei den Mähdruschfrüchten. Aus Sicht der Pflanzenbaufachleute der Landwirtschaftskammer bleibt zu hoffen, dass die befürchteten Ertragseinbußen sich bei den anderen Getreidearten nicht noch weiter verschlimmern.

Die Betroffenheit einzelner Betriebe kann je nach Lage und Standort von durchschnittlichen Ertragsverlusten jeweils deutlich abweichen und die wirtschaftliche Lage der Betriebe stark beeinflussen. Nicht zu verkennen ist, dass aber auch die Beregnungsbetriebe die Ertragserhaltung der Feldfrüchte mit jeder zusätzlichen Beregnungsgabe teuer erkaufen müssen.


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Stand: 27.06.2018