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Sommer 2018: Zwischen dramatischer Dürre und guter Obsternte

Extreme Trockenheit, wochenlange Hitze: Das Jahr 2018 ist für die landwirtschaftlichen Betriebe in Niedersachsen eine sehr große Herausforderung. Nur im Obstbau sieht es derzeit noch relativ gut aus. Unsere Fachleute befassen sich intensiv damit, wie Ackerkulturen, Nutztiere und damit auch die Betriebe diese schwierige Zeit möglichst gut überstehen können. Lesen Sie dazu unseren  Überblick:

Oldenburg -  „Die aktuelle Situation ist fast überall angespannt“, beschreibt Kammerpräsident Gerhard Schwetje die Folgen der seit dem Frühjahr herrschenden, Trockenheit. "Wenn zu diesem extremen Wetter noch weitere betriebliche, zum Beispiel wirtschaftliche Probleme kämen, könnten die Folgen der Trockenheit existenzbedrohend sein."

"Unsere Pflanzenbauberatung besteht zurzeit mehr aus Trösten und Mut machen“, berichtet ein Berater der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen Anfang Juni, als sich die negativen Folgen des fehlenden Regens immer deutlicher zeigen. Mittlerweile fehlen laut des Fachverbands Feldberegnung vielerorts zwischen 220 und 500 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Die Gerstenernte beginnt ungewöhnlich früh Ende Juni.

Ersten Analysen zufolge ist das Getreide dieses Jahr nicht nur deutlich trockener, sondern auch proteinreicher und stärkeärmer als im Vorjahr. Das Landesamt für Statistik rechnet mit der schlechtesten Getreideernte seit 1976. Die Ernteausfälle haben überdies Auswirkungen auf die Düngebedarfsermittlung im Frühjahr 2019.

Nur wer künstlich beregnen kann und konnte, hat eine gewisse Ertragsgarantie - aber auch viel Arbeit und hohe Kosten, die es mit dem voraussichtlichen Erlös zu vergleichen gilt. Ihren Mais zu beregnen, ist vielen Betrieben in Niedersachsen nicht möglich. Daher zeigt auch diese widerstandsfähige Kultur an manchen Standorten mittlerweile Schäden. Es ist aber nach wie vor gut zu überlegen, ob und ab wann eine Noternte durchgeführt werden sollte, um den entstandenen Schaden nicht noch größer zu machen. Bei weiterhin guten Wetteraussichten rechnen die Fachleute der LWK  damit, dass die Maisernte drei bis vier Wochen früher als üblich stattfinden wird.

Auch den Tieren macht die Hitze zu schaffen. Durch Lüftung und Kühlung sorgen Landwirte für Linderung. Das ist dank moderner Stalltechnik schnell umzusetzen. Viele Tierhalter haben derweil ein weitaus größeres Problem: Ihnen droht allmählich das Futter auszugehen. Zwar hat das Land Brachen als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) für Futterzwecke freigegeben. Auch die bundesrechtlichen Vorgaben zum Zwischenfruchtanbau auf ÖVF für eine Futternutzung sollen verändert werden. Außerdem wurden die Nutzungsverbote in Agrarumweltmaßnahmen gelockert. Doch das löst das Nachschub-Problem zahlreicher Betriebe nicht. Den Versorgungsengpass beseitigen helfen soll eine Grundfutterbörse, die die Landwirtschaftskammer zusammen mit anderen Beratungsorganisationen ins Leben gerufen hat.

Krisen-Strategien für die Futterplanung

Erfahrungen auf früheren Dürrejahren können bei der Planung des Grobfutterbedarfs helfen. Wer sein kümmerlich gewachsenes Getreide als Ganzpflanzensilage geerntet hat, kann damit Futterlücken auffüllen. Das geht auch mit Ackerbohnen. Mit dem Anbau von Ackergras und Gräsern im Zweit- und Zwischenfruchtanbau kann gegebenenfalls noch in diesem Jahr Futter produziert werden, was aktuell in den Silos fehlt.

Nach großen Erntemengen, aber zugleich moderaten Preisen und Qualitätsproblemen beim Spargel wird immerhin die Obsternte in Niedersachsen wohl vergleichsweise gut ausfallen: Neben den Kirschen ist auch die Prognose für die Pflaumenernte sehr gut. Die Apfelbäume im Alten Land beginnen gleichwohl unter der Trockenheit zu leiden. Das Obstbauzentrum Esteburg rechnet daher zwar mit Ernteeinbußen, wegen der sonnenreichen Witterung aber mit einer sehr guten Qualität.

Ackerbau- und Futterbaubetriebe wird das wenig trösten. Allein die Lagerung von Weizen bis zu den Wintermonaten könnte sich mehr lohnen als in den Vorjahren. Was eine Unterstützung durch den Staat angeht, hat Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast zunächst angekündigt, dass möglicherweise die Direktzahlungen so früh wie möglich ausgezahlt werden sollen. Ökobetriebe dürfen ohne vorherigen Antrag Raufutter zukaufen, das aus konventioneller Erzeugung stammt. Über weitere Maßnahmen wollen Bund und Länder nach Vorlage des Ernteberichtes entscheiden.


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Stand: 17.08.2018