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Ernte 2018: Dürre ließ Erträge massiv schrumpfen

Landwirtschaftskammer zieht Bilanz eines extrem trockenen und heißen Sommers

Hannover – Der zweittrockenste und zweitheißeste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881 liegt hinter den niedersächsischen Landwirten. Die langanhaltende Dürre hatte massive Auswirkungen auf die Erträge von Ackerkulturen und Grünland. „Diese Ernte fiel zu einem großen Teil sehr enttäuschend aus“, resümierte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, das Jahr 2018. Auf der heutigen (8. Oktober) Pressekonferenz in Hannover fasste er ein „außergewöhnliches“, regional sehr unterschiedliches Erntejahr in Zahlen zusammen.

Danach verzeichneten Betriebe auf Sandböden, die nur wenig Wasser speichern können, besonders drastische Ertragseinbußen. Auf den besseren lehmigen Böden mit höherer Wasserspeicherfähigkeit schlug das Minus nicht so stark zu Buche. Am besten stehen Betriebe mit Beregnungstechnik da. „Sie griffen auf Regen aus der Düse zurück, konnten aber auch dieses Jahr ein Ertragsdefizit nicht komplett verhindern“, erläuterte Schwetje.

Bei Getreide belief sich das Minus im Einzelfall auf bis zu 70 Prozent. Der durchschnittliche Hektarertrag nahm um 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab. Da auch der Anbauumfang aufgrund schwieriger Aussaatbedingungen im Herbst letzten Jahres schrumpfte, fiel die Getreideernte insgesamt um knapp ein Viertel geringer aus als 2017. Am Ende wurde ein Gesamtertrag von knapp 4,7 Millionen Tonnen Getreide gedroschen. „Eine so geringe Ernte wurde zuletzt 1976 eingefahren“, blickte der Kammerpräsident weit zurück.

Erfreulich reagierte der Markt auf das auch global knappere Angebot. Die Preise legten in Niedersachsen zwischen sechs und 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. „Das kompensiert die Mindererträge bisher aber nicht“, relativiert Schwetje die Zahlen. Denn insgesamt errechnet sich im Vergleich zu 2017 ein um 4,7 Prozent geringerer Erlös je Hektar.

Die Hektarerträge von Winterraps verfehlten das Fünf-Jahres-Mittel um ein knappes Viertel. Damit fiel der durchschnittliche Ertrag zum vierten Mal in Folge. Da auch der Rapspreis um etwa zwei Prozent unter Vorjahresniveau lag, ergibt sich damit ein Erlösrückgang je Hektar von zehn Prozent. „Nach einem Minus von 13 Prozent im vergangenen Jahr und von acht Prozent in 2016 ist das der dritte Rückgang in Folge“, so Schwetje.

Bei Kartoffeln sind die Erträge gegenüber dem Vorjahr auch bei intensiver Beregnung gefallen. In Niedersachsen werden dieses Jahr knapp 4,1 Millionen Tonnen Kartoffeln geerntet. Das entspricht einem Rückgang um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln haben sich gegenüber dem niedrigen Niveau von 2017 fast verdoppelt. „Da aber der überwiegende Teil der Knollen auf Vertragsbasis erzeugt wird, die Preise also vorab festgelegt werden, kommen diese besseren Preise nur zu einem kleinen Teil auf den Höfen an“, erklärte Schwetje.

Da die Zuckerrübenernte noch läuft, wollte der Kammerpräsident hier noch keine abschließenden Aussagen treffen, auch weil sich die Pflanzen noch im Wachstum befinden. „Die Landwirte stellen sich auf unterdurchschnittliche Rübenerträge, allerdings mit sehr süßen Rüben ein“, lautet sein Zwischenergebnis.

Für das Grünland berichtete Schwetje von „besonders gravierenden“ Auswirkungen der Trockenheit. Vielerorts hatten die ersten beiden Aufwüchse zusammengerechnet nur den Ertrag eines normalen ersten Schnitts Mitte Mai erzielt. Auch die Herbstaufwüchse werden nach bisherigen Erkenntnissen nicht die gewohnten Ertragsleistungen bringen. Unter dem Strich erwartet er beim Grünland Ertragsausfälle von 30 bis 50 Prozent.

Die Konsequenzen bekommen insbesondere die Milchbauern zu spüren. Durch die geringen Erträge, aber auch durch die Verfütterung von Futterreserven im Sommer entstand auf vielen Betrieben eine große Futterlücke. Die Landwirte reagierten darauf, in dem sie die Rationen umstellten. „Auch die Maisernte half nicht, die Futterlücke zu schließen“, so Schwetje. Beim Silomais rechnet er im Durchschnitt mit etwa 30 Prozent Ertragsausfall, beim Körnermais sogar mit 40 Prozent. Am Ende blieb vielen Landwirten nur der Ausweg, ihre Rinderbestände zu verkleinern und vorzeitig Kühe und Jungvieh zu verkaufen.

Angesichts der Erfahrungen aus dem Sommer 2018 appellierte Schwetje an die Milchbauern, bei der Futtergewinnung den Fokus auf einen Sorten- und Kulturenmix zu richten. So wird das Wetterrisiko auf mehrere Pflanzenarten verteilt. Die sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten erntereif und reagieren auf Wetterextreme ganz verschieden. „Angesichts des Klimawandels sind solche Überlegungen bei allen künftigen betrieblichen Anbauplanungen und für alle Kulturen auf dem Acker anzustellen“, sagte Schwetje.

Beregnungsbetriebe können die trockenheitsbedingten Ertragseinbußen auch technisch abmildern. „In normalen Jahren sichern die Anlagen Mehrerträge zwischen zwölf und 33 Prozent. In diesem Jahr lag das Plus gegenüber nicht beregneten Flächen sogar zwischen 40 und 60 Prozent“, nannte der Kammerpräsident Zahlen aus kammereigenen Versuchen.

Das sichert nicht nur die Einkommen der Betriebe, sondern macht sie auch zu verlässlichen Marktpartnern, denn Lieferverträge, in denen Liefermengen verpflichtend vorgegeben sind, können erfüllt werden. Das trägt auch zur Wertschöpfung in den ländlichen Regionen und zum Erhalt der Arbeitsplätze in den vor- und nachgelagerten Bereichen der Landwirtschaft bei.

„Allerdings ist die Beregnung ein sehr arbeitsintensives und teures Betriebsmittel“, gab Schwetje zu bedenken. Ein Millimeter künstlicher Regen kostet etwa drei bis fünf Euro je Hektar. Bei Regengaben von insgesamt 200 Millimetern (200 Liter pro Quadratmeter), wie sie in diesem Jahr zum Beispiel zu Kartoffeln häufig vorgekommen sind, fallen dann zusätzliche Hektarkosten von 600 bis 1.000 Euro an. „Das schmälert den Gewinn erheblich und macht eine Beregnung unter Umständen sogar unwirtschaftlich“, so Schwetje.

Außerdem steht Wasser nicht unbegrenzt zur Verfügung. Die Menge wird durch die Wasserbehörden streng limitiert und orientiert sich am Potenzial eines jeden Grundwasserkörpers. „In diesem Jahr dürften in vielen Fällen die begrenzten wasserrechtlichen Erlaubnisse überschritten worden sein“, weiß der Kammerpräsident, bezeichnete das aber als „unumgänglich, um die Erzeugung unserer Nahrungsmittel sicherzustellen“. Und auch für den Klimaschutz ist die Beregnung vorteilhaft, denn die Klimaeffizienz, also der Energieverbrauch je erzeugter Produkteinheit, wird verbessert.


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Stand: 08.10.2018