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Landwirtschaft: Große Herausforderungen sind zu meistern

Kammer bringt Forderungen von Praxisbetrieben und Gesellschaft zusammen

Oldenburg – Die Landwirtschaft steht heute und in Zukunft vor großen Herausforderungen. Eine davon ist die gesellschaftliche Diskussion um die Art und Weise, wie Tiere künftig gehalten und Ackerflächen bewirtschaftet werden sollen. „Ohne die Akzeptanz in der breiten Bevölkerung kann eine Landwirtschaft der Zukunft nicht funktionieren“, sagte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, am Rande der Kammerversammlung, die heute (29. November) in Oldenburg stattfand.

Zum Selbstverständnis der Kammer gehört es nach Ansicht ihres Präsidenten, die gesellschaftlichen Erwartungen und die Erfordernisse der landwirtschaftlichen Praxis in Einklang zu bringen. Dabei gehe es unter anderem darum, die Umwelt, also Boden, Wasser, Luft und Biodiversität zu schützen. „Die Landwirtschaft ist dazu bereit, diesen Weg zu gehen“, so Schwetje. Sie fordere aber mit Recht realistische Vorgaben, die auch in die Praxis umgesetzt werden könnten.

Dafür sei eine praxisorientierte Forschung unabdingbar. „Nur die Wissenschaft stellt Ergebnisse sicher, die einer rationalen Betrachtung standhalten und nicht von einer emotionalen Diskussion bestimmt sind“, begründete der Kammerpräsident. Die abgesicherten Ergebnisse seien dann auf die Höfe zu übertragen und dort in der täglichen Arbeit umzusetzen“. Für den Wissenstransfer sei die Landwirtschaftskammer mit ihrem Beratungsteam, ihren Versuchsstationen und Ausbildungsstandorten prädestiniert.

Wie gut vernetzt die Landwirtschaftskammer mit vielen Akteuren im landwirtschaftlichen Bereich ist, machte Schwetje an einigen Beispielen deutlich. So habe man im Zentralausschuss der deutschen Landwirtschaft* eine Ackerbaustrategie entwickelt, die die Ansprüche von Gesellschaft und landwirtschaftlichen Unternehmen vereine. „Produktqualität, -vielfalt und -menge stehen nicht im Widerspruch zu einem ressourcenschonenden Ackerbau“, betonte Schwetje. Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit ließen sich in Einklang bringen.

Diese Prämisse gelte auch für eine Reihe anderer Projekte, an denen die Kammer mit weiteren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft arbeite. Eines davon habe das Ziel, die Insektenvielfalt zu fördern, ein anderes untersuche alternative Haltungsverfahren für Sauen ohne Ferkelschutzkorb. Diese wie andere Untersuchungen brauchen nach Meinung des Kammerpräsidenten Zeit, bis umsetzbarer Lösungen vorliegen. „Einfache und schnelle Antworten auf komplexe Fragestellungen gibt es nicht“, so Schwetje.

Er appellierte an seine Berufskollegen, sich als „Botschafter der Landwirtschaft“ zu verstehen. „Gute Arbeit kann man auch einer kritischen Gesellschaft präsentieren“, zeigte er sich überzeugt. Ebenso eindeutig forderte er ein sofortiges Abstellen von Fehlern. „Dazu gibt es keine Alternative“, sagte der Kammerpräsident.

Wie die Landwirtschaftskammer daran arbeitet, aktuelle und künftige Herausforderungen der landwirtschaftlichen Praxis zu lösen, erläuterte Kammerdirektor Hans-Joachim Harms an Beispielen. So hat die Kammer auf dem Höhepunkt der diesjährigen Dürre kurzfristig eine Futterbörse im Internet angeboten mit der Idee, den Futternotstand auf vielen Milchviehbetrieben abzumildern. „Dieses Online-Angebot war ein großer Erfolg, wurde tausendfach aufgerufen und hat in mehreren hundert Fällen konkret geholfen“, so Harms.

In wenigen Tagen gehe es nun darum, die gut 3000 Anträge auf Dürrehilfe, die noch bis Ende November eingereicht werden können, abzuarbeiten. Das würde genauso schnell und professionell erledigt werden, wie bei den Anträgen für die EU-Betriebsprämie. „Hier arbeiten wir mit Hochdruck daran, den auf Mitte Dezember vorgezogenen Auszahlungstermin sicherzustellen“, ergänzte der Kammerdirektor.

Durch den trockenen Sommer sehe sich die Landwirtschaftskammer in ihrer Arbeit bestätig, neue Techniken und Strategien für die Beregnung zu entwickeln. Das gehe einher mit der Suche nach wassersparenden Fruchtfolgen, die im kammereigenen Versuchswesen, das über ganz Niedersachsen verteilt sei, untersucht würden. „Dabei machen wir uns auch Gedanken über Sorten und Kulturen, die bisher keine oder nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben,“ erläuterte Harms und nannte als Beispiel Sojabohnen und Süßkartoffeln.

Bei der Verwertung von Wirtschaftsdüngern arbeite man an Konzepten für ausgeglichene Kreisläufe. Unter der Überschrift „Nährstoffmanagement“ gehe es sowohl um einzelbetriebliche als auch betriebsübergreifend Lösungen. „Wir wollen dabei wegkommen von einer Reststoffdiskussion hin zu einer Wertstoffdiskussion!“, so Harms. Um Wirtschaftsdünger auch für Ackerbauregionen interessant zu machen, arbeite man mit Hochdruck an Verfahren zur Aufbereitung von Wirtschaftsdüngern sowie zum kundengerechten Nährstofftransport.

In der Tierhaltung untersuche die Kammer nicht nur weiter verbesserte Haltungsverfahren von Nutztieren. Ebenso stünden immissionsmindernde Methoden in den Ställen sowie Fragen zum Umweltschutz wie etwa der Luftreinhaltung und des Wasserschutzes auf dem Programm. „Gemeinsam mit vielen Akteuren, und zu denen zähle ich auch die Politik, arbeiten wir daran, den Veredelungsstandort Niedersachsen für die Zukunft zu sichern“, sagte Harms.

*Mitglieder des Zentralausschusses der deutschen Landwirtschaft sind der Deutsche Bauernverband, die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft, der Deutsche Raiffeisenverband, der Zentralverband Gartenbau sowie der Verband der Landwirtschaftskammern.


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Stand: 12.12.2018