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Festakt: Oldenburgische Landwirtschaftsgesellschaft als Wegbereiter gewürdigt

Vorläufer der Landwirtschaftskammer Niedersachsen wurde vor 200 Jahren gegründet

Oldenburg – Damit sich die Landwirtschaft zu einem modernen und produktiven Wirtschaftszweig entwickeln konnte, bedurfte es in der Vergangenheit kluger und weitsichtiger Menschen. „Zu diesen Visionären zählen auch die geistigen Väter der Oldenburgischen Landwirtschaftsgesellschaft“, sagte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, heute (6. Dezember) in Oldenburg. Anlass war der Festakt zur Gründung der Gesellschaft vor 200 Jahren, zu dem 80 hochkarätige Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden begrüßt werden konnten.

Als Vorläufer der heutigen Landwirtschaftskammer hätte die Oldenburgische Landwirtschaftsgesellschaft maßgeblichen Anteil an der rasanten Entwicklung der Landwirtschaft im ehemaligen Herzogtum Oldenburg. Dank des Aufschwungs dort und in ganz Niedersachsen hätten sich die Erträge auf dem Acker und im Stall bis heute vervielfacht. Diese enorme Steigerung bezeichnete Schwetje als „einen Segen für die Menschen“.

In der Arbeit der damaligen Landwirtschaftsgesellschaft und der heutigen Kammer erkennt der Kammerpräsident Parallelen: Heute wie damals wurde regional gearbeitet. „Während das damals auf fehlende technische Möglichkeiten zurückzuführen war, ist es heute unser Selbstverständnis, für die regionalen landwirtschaftlichen Unternehmen aktiv zu sein“, erklärte Schwetje den Unterschied. Obwohl der Fokus auf der Region liege, arbeite man auch intensiv mit zahlreichen nationalen und immer mehr internationalen Partnern zusammen.

Die landwirtschaftliche Selbstverwaltung, die sich nach der Gründung der Landwirtschaftskammer zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt hat, nannte Schwetje „einen Glücksfall nicht nur für die Landwirtschaft“. Auch Gesellschaft und Politik wüssten die Vorteile zu schätzen.

Das bestätigte auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast: „Die Bedeutung der landwirtschaftlichen Selbstverwaltung für das Land Niedersachsen ist historisch gewachsen. Sie transportiert eine hohe Kompetenz dezentral zu den Landwirten vor Ort und ist ein wichtiger Baustein für die Akzeptanz politischer Entscheidungen.“ Die Landwirtschaftskammer sei ein „Paradebeispiel“, wie ein solches System in der Praxis funktionieren könne.


Nach Auffassung von Björn Thümler, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, stellte die Oldenburgische Landwirtschaftsgesellschaft vor 200 Jahren die Weichen für eine moderne und innovative Landwirtschaft im Oldenburger Land. „Die Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen in die praktische Nutzung waren und sind hierfür eine zentrale Voraussetzung“, so der Minister. Damit dieser Transfer auch weiterhin gelinge, müssten die vielen forschungsstarken Hochschulen und Einrichtungen und die mittelständische Wirtschaft in Niedersachsen eng miteinander vernetzt werden. „Mein Ministerium unterstützt diesen Prozess“, sagte Thümler und nannte als Beispiel die Förderung zukunftsträchtiger Forschungsprojekte zu ökologischen Herausforderungen, digitalem Wandel und der Nutzung künstlicher Intelligenz in der Landwirtschaft.

Zuvor hatte bereits Kammerpräsident Schwetje auf die Bedeutung der Wissenschaft in einer Zeit hingewiesen, in der die Diskussion um Landwirtschaft hoch emotional geführt werde. „Wo kämen wir hin, wenn diese oft von wenig Fachkenntnis gekennzeichnete Diskussion Maßstab für politische Entscheidungen wäre?“, fragte Schwetje die Gäste des Festaktes. Hier müsse die Wissenschaft als allseits akzeptiertes Regulativ wirken, zeigte er sich überzeugt. Die Landwirtschaftskammer habe dieses Prinzip verinnerlicht und pflege deshalb einen intensiven Austausch mit zahlreichen nationalen und internationalen wissenschaftlichen Organisationen.

Die Bedeutung der Oldenburgischen Landwirtschaftsgesellschaft im Modernisierungsprozess der Landwirtschaft schilderte Professor Dr. Hans-Werner Niemann in seinem Festvortrag. Der Experte für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Niedersachsen bezeichnete die Gründer der Gesellschaft als „patriotisch gesinnte landwirtschaftliche Laien“. Ihnen ging es vor 200 Jahren darum, die damals noch in traditionellen Bahnen verharrenden landwirtschaftlichen Verhältnisse zu verbessern. Ihre Aufgabe sahen sie in einer aufklärerischen, letztlich pädagogischen Initiativ- und Multiplikatorenfunktion. „Oberstes Ziel war auch damals schon die Verbindung von Wissenschaft und landwirtschaftlicher Praxis“, so der Festredner.

Die Landwirtschaftsgesellschaft habe sich große Verdienste um die Modernisierung der oldenburgischen Landwirtschaft erworben. „Besonders deutlich wird das an der Umstellung auf eine marktorientierte intensive Veredelungswirtschaft“, sagte Professor Niemann. Den sich daraus ergebenden Aufschwung der südoldenburgischen Landwirtschaft bezeichnete er als „bemerkenswert“.

Am Ende hätten wachsende Aufgaben der Landwirtschaftsgesellschaft, aber auch deren chronische Finanzschwäche den Übergang zur Landwirtschaftskammer unausweichlich gemacht. Im Kern käme diese Entscheidung aus dem Jahre 1900 einem Systemwechsel gleich: „Es war der Übergang von dem auf Freiwilligkeit beruhenden, dem Gemeinwohl verpflichteten Standesverein zur auf Pflichtmitgliedschaft basierenden, umlageberechtigten öffentlich rechtlichen Institution“, erklärte Professor Niemann.

Die Kontinuitätslinien von der heutigen Landwirtschaftskammer zur damaligen Landwirtschaftsgesellschaft seien „erheblich“. Auch bei der Bewältigung gegenwärtiger und zukünftiger Aufgaben könne sich die Kammer auf das enge Zusammenwirken von Staat und Selbstverwaltung sowie ein bewährtes Instrumentarium stützen. Letzteres gehe in wesentlichen Teilen auf die Landwirtschaftsgesellschaft von 1818 zurück.

Für Interessierte an dem Jubiläum wurden weitere Informationen in einer Ausstellung zusammengefasst. Gezeigt werden zahlreiche Exponate, die die Gründung der Oldenburgische Landwirtschaftsgesellschaft vor 200 Jahren, aber auch die damalige Landwirtschaft thematisieren. Die Ausstellung entstand mit Unterstützung des Landesarchivs und der Oldenburgischen Landschaft und kann nach telefonischer Anmeldung unter der Rufnummer 0441 801 101 noch bis zum 20. Dezember wochentags (Montag – Freitag) von 9.00 bis 15.00 Uhr in der Mars-la-Tour-Straße 2, 26121 Oldenburg, besichtigt werden. Danach wird sie noch im Landesarchiv, Damm 43, 26135 Oldenburg, – voraussichtlich ab Mitte Januar – für eine kurze Zeit zu sehen sein.

Ausführliche Bildunterschrift: Zu dem Festakt aus Anlass des 200. Gründungsjahres der Oldenburgischen Landwirtschaftsgesellschaft begrüßten Gerhard Schwetje (rechts), Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, und Hans-Joachim Harms (Mitte), Direktor der Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Ehrengäste Björn Thümler (links), Minister für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen, und Barbara Otte-Kinast (Zweite von links), Niedersachsens Landwirtschaftsministerin. Den Festvortrag hielt Professor Dr. Hans-Werner Niemann (Zweiter von rechts), Experte für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Niedersachsen.


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Stand: 11.12.2018