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Chancen für Milchviehbetriebe liegen im Export

260 Agrarfachleute beim 67. Grünlandtag der Landwirtschaftskammer in Spohle – Dürresommer 2018 hinterlässt tiefe Spuren – Auszeichnung für Hof aus der Wesermarsch

Spohle – Der Appetit der Europäer und der Asiaten auf deutsche Milchprodukte bietet auch den Milchviehhaltern im Nordwesten langfristige Absatzmöglichkeiten: So lautet eine der wichtigsten Botschaften des 67. Grünlandtages der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen. Zu dem Fachforum speziell für Landwirtinnen und Landwirte, die das Futter für ihre Tiere hauptsächlich auf Grünland erzeugen, kamen am Donnerstag (7. Februar) rund 260 Agrarfachleute nach Spohle (Gemeinde Wiefelstede/ Kreis Ammerland).

„Die Anforderungen an die Landwirtschaft mehren sich beträchtlich: Es gilt, die Belange des Verbrauchers und der Gesetzgebung mit dem Globalisierungsprozess in Einklang zu bringen“, betonte Manfred Gerken, Kreislandwirt für das Ammerland. „Mit den Rahmenbedingungen des Welthandels auf der einen Seite und den Wünschen nach Nachhaltigkeit, Biodiversität, Gewässer-, Grundwasser-, Insekten- und Naturschutz auf der anderen Seite treffen ganz unterschiedliche Aspekte aufeinander.“

Steigender Milchbedarf in Asien

„Durch einen steigenden Bedarf im asiatischen Raum können sich neue Chancen ergeben“, berichtete Mathias Klahsen, bei der LWK Fachreferent für Marktberichterstattung. „China wird als Importland auch in 2019 eine herausragende Rolle am Weltmilchmarkt einnehmen und gewisses Potential für den heimischen Markt bieten.“ Positive Aussichten biete außerdem das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Japan.

Aktuell hinterlässt der Dürresommer 2018 weiter tiefe Spuren: „Durch Mindererträge und somit knappe Futtervorräte wird eine Verlangsamung der Milchproduktionssteigerung erwartet“, so Klahsen. Aktuell steige die Milchanlieferungsmenge unter Vorjahresniveau. „Dagegen wird die Nachfrage nach Milchprodukten laut EU-Kommission dieses Jahr im EU-Binnenmarkt um 0,7 Prozent und im Export um beachtliche 4,5 Prozent steigen.“

Sollten die Auswirkungen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU auf den heimischen Milchmarkt weniger gravierend ausfallen als befürchtet, dann könne der Milchpreis durch das geringere Rohstoffangebot und die wachsende Nachfrage am Weltmarkt deutlich ansteigen, schätzte der LWK-Marktfachmann. „Ein Jahresdurchschnittspreis in Höhe von 34 bis 35 Cent pro Kilo Milch wäre dann realistisch.“ Aktuell bekommen die niedersächsischen Milcherzeuger einen Grundpreis ausbezahlt, der etwa zwei bis drei Cent unterhalb des erwarteten Jahresdurchschnittspreises liegt. Einen Anstieg der Milchpreise hätten die hiesigen Milchviehhalter bitter nötig, da die Produktionskosten stark angestiegen seien, hob Klahsen hervor.

Produktivität des eigenen Betriebs verbessern

Unter solchen Bedingungen sei es besonders wichtig, die Produktivität des eigenen Betriebes zu analysieren und möglichst zu verbessern, riet LWK-Wirtschaftsberaterin Anna-Lena Niehoff den Besuchern des Grünlandtags. Die Vollkostenauswertungen milchviehhaltender Betriebe aus zurückliegenden Wirtschaftsjahren zeigten, „dass das obere Viertel der ausgewerteten Betriebe nicht nur deutlich mehr Milch je Kuh erzeugt, sondern zudem in fast allen Kostenbereichen günstiger produziert“.

Neben den betriebswirtschaftlichen Ansprüchen wüchsen die Ansprüche der Gesellschaft, bestätigte Ludwig Börger, Referatsleiter Milch beim Deutschen Bauernverband und Geschäftsführer des Vereins Qualitätsmanagement Milch: „Sollte hierbei der Gesetzgeber nicht aktiv werden: Die Marktpartner aus Industrie und Handel werden es mit Sicherheit.“ Ein deutlicher Wink sei im Jahr 2016 die „Gentechnikfreiheit“ als neuer Standard bei der Trinkmilch gewesen.

Eine Million Hektar intensiv genutzter Futterfläche von Dürre betroffen

Nicht nur auf dem internationalen Milchmarkt, sondern vor allem auch bei der Futterproduktion vor Ort sind die Folgen der monatelangen Dürre des vergangenen Jahres noch sehr präsent: „Das Wachstum von Gras- und Maisbeständen war von der ungewöhnlichen Trockenheit besonders stark beeinträchtigt“, berichtete LWK-Grünlandexpertin Dr. Christine Kalzendorf. „Damit waren in Niedersachsen rund eine Million Hektar intensiv genutzter Futterfläche betroffen.“ Auf Intensivgrünland hätten vielerorts die ersten beiden Aufwüchse zusammengerechnet nur den Ertrag eines normalen ersten Schnittes Mitte Mai erzielt. „Mais musste auf vielen Standorten frühzeitig und zum Teil ohne Kolben geerntet werden, um ein absolutes Vertrocknen zu verhindern.“

Vor diesem Hintergrund verzichtete die Landwirtschaftskammer diesmal auf eine Prämierung der besten Gras- und Maissilagen. „Die Akzeptanz des Silagewettbewerbs war trotz des Dürrejahrs groß, wir bekamen genauso viele Proben zugeschickt wie in den Vorjahren“, sagte Kalzendorf. Die Futterqualitätsdaten für die Grassilagen des ersten bis dritten Aufwuchses seien im Allgemeinen besser ausgefallen als erwartet: „Es gab einen verhältnismäßig hohen Anteil an Grassilagen mit akzeptablen Energiekonzentrationen.“ Alle Futterwertkenngrößen, so betonte die Grünlandexpertin, unterlagen jedoch einer großen Streubreite.

Die Qualität der Maissilagen war Kalzendorf zufolge im Vergleich zu den Grassilagen von noch größerer Unterschiedlichkeit geprägt: „Zu geringe Stärkegehalte, zu geringe Energiegehalte, eine mäßige Verdaulichkeit sind in 2018 charakteristisch für die Maissilagen neben einem zu hohen Trockenmassegehalt.“ Lediglich der Besatz an Hefen sei 2018 deutlich geringer im Vergleich zu den Vorjahren ausgefallen.

„Inno4Grass Award“ geht an Hof Butendiek in der Wesermarsch

Zwar gab es diesmal keine Preisträger im Silagewettbewerb – dafür aber eine bedeutende Auszeichnung für einen Milchviehbetrieb: Für ihren vorbildlichen Innovationsgeist wurde Familie Bruns vom Biolandhof Butendiek in Seefeld (Kreis Wesermarsch) geehrt. Stellvertretend nahm Niklas Bruns den „Inno4Grass Award“, der im Zuge des EU-Projekts „Inno4Grass“ verliehen wurde, von Felicitas Kaemena, Leiterin der LWK-Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung in Ovelgönne (Kreis Wesermarsch), entgegen.

Der Hof Butendiek vermarktet seit 1987 eigene Käseprodukte in Bioland-Qualität. Grundlage dafür bilden 210 Hektar Grünland und 180 Kühe. Mit Hilfe einer eigenen Trocknungsanlage wird hochwertiges Heu als Grundfutter produziert.

Am Projekt „Inno4Grass“ sind 20 Partner aus 8 europäischen Ländern beteiligt. Ziel ist es, innovative Landwirte, die Grünland bewirtschaften, zu finden und deren Ideen im Austausch mit der Wissenschaft weiterzugeben, um die Rentabilität der europäischen Grünlandbetriebe zu erhöhen und die Umweltwerte zu erhalten.

Ausführlicher Bildtext zum Gruppenfoto: Referentinnen und Referenten des 67. Grünlandtages der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen in Spohle (von links): Mathias Klahsen (LWK-Fachreferent für Marktberichterstattung), Anna-Lena Niehoff (LWK-Wirtschaftsberaterin), Niklas Bruns (Bio-Milchlandwirt, Träger des „Inno4Grass Award“), Felicitas Kaemena (Leiterin LWK-Feldversuchsstation für Grünlandwirtschaft und Rinderhaltung, Ovelgönne), Dr. Christine Kalzendorf (LWK-Beraterin Grünland, Ackerfutterbau und Futterkonservierung), Ludwig Börger (Referatsleiter Milch beim Deutschen Bauernverband, Geschäftsführer QM-Milch e.V.) und Moderatorin Meike Backes (Leiterin des LWK-Fachbereichs Grünland und Futterbau).


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Stand: 13.02.2019