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Eigene Impulse säen – Digitalisierung nach Maß ernten

Arbeitnehmertag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen diskutiert Chancen und Risiken neuer Technologien

Hannover – Digitalisierung in der Landwirtschaft bedeutet weit mehr als den Einsatz von Sensoren im Stall und automatisierter Maschinen auf dem Feld. Die Digitalisierung gewinnt auch großen Einfluss auf die Arbeitsorganisation im Betrieb und auf das Miteinander von Betriebsleitung und Arbeitnehmerinnen sowie Arbeitnehmern: Darüber waren sich am Donnerstag (14. November) die Referentinnen und Referenten des 13. Arbeitnehmertags der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Hannover einig.

„Die Arbeitswelt verändert sich rasant – dabei sollten wir nicht vergessen, dass die moderne digitale Technik dem Menschen nutzen soll und nicht zum Selbstzweck werden darf“, betonte Kammerpräsident Gerhard Schwetje vor mehr als 650 Besucherinnen und Besuchern. „Vielmehr sollten wir die Technik nutzen, um Arbeitsplätze attraktiv zu machen.“

„Gerade für die Landwirtschaft schlummern in der digitalen Revolution enorme Potenziale – durch die Digitalisierung werden Wertschöpfungsketten neu sortiert“, hob Markus Sauerhammer in seinem zentralen Impulsvortrag hervor. Sauerhammer ist ausgebildeter Landwirt und inzwischen Vorsitzender des Vereins Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND), der soziale und gesellschaftliche Innovationen fördert.

„Will man dieses Potenzial heben, reicht es nicht aus, nur Nutzer zu sein, sondern Landwirte und deren Mitarbeiter müssen selbst zu digitalen Gestaltern werden“, forderte der SEND-Vorsitzende.

Die Antworten auf die aktuellen Herausforderungen trage die Landwirtschaft bereits in sich, so Sauerhammer weiter: Mit Organisationsformen wie etwa Maschinenringen und Genossenschaften existierten in der Branche bereits Netzwerke zum gegenseitigen Nutzen. Diese Netzwerke müssten nun umfassend auf eine digitale Basis gehoben werden.

„Die Veränderungen weg von der Mistgabel hin zu computergesteuerten Prozessen erfordert in immer kürzeren Abständen eine Fort- und Weiterbildung“, berichtete Martin Roberg, der einen Betrieb mit Schweinehaltung im Kreis Cloppenburg leitet, während der Podiumsdiskussion des Arbeitnehmertags. „Die Digitalisierung macht den Beruf interessanter, besonders auch für maschinen- und technikbegeisterte Menschen“, sagte Roberg weiter.

„Die Arbeit wird körperlich einfacher, aber auch gedanklich komplexer – dadurch verändern sich Berufsfelder und Tätigkeiten“, ergänzte Agrarbetriebswirt Dirk Oberheide, der im Kreis Rotenburg als Angestellter auf einem Hof mit Bullenmast und Ackerbau arbeitet.

Insbesondere die Datenerfassung und die Verwendung der Daten, aber auch die zunehmende Belastung durch ständige Erreichbarkeit müssen aus Oberheides Sicht kritisch hinterfragt werden.

Die größten Risiken der Veränderung lägen für Beschäftigte und Betriebe sicherlich im Datenschutz und der Kontrolle über die eigenen Daten, schätzte Sarah Kuschel, Fachreferentin Forst und Agrar der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt.

Die mögliche Effizienzsteigerung durch digitale Prozesse bringe aber auch Chancen mit sich: „Wenn die Effizienzgewinne auf den Betrieben bleiben, sollten diese auch den Beschäftigten zugutekommen – so könnten etwa entstehende Freiräume für kürzere Arbeitszeiten genutzt werden“, schlug Kuschel vor. Viele junge Menschen forderten berechtigterweise eine bessere Vereinbarkeit von Freizeit und Beruf.

„Der Freizeit-Anspruch der Mitarbeiter steigt, wie in anderen Branchen auch – besonders junge Betriebsleiter-Familien wollen und dürfen dem nicht nachstehen“, forderte Schweinemäster Roberg. „Ein gutes Miteinander zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist gerade deshalb besonders wichtig, um beiden Seiten gerecht zu werden.“

„Arbeitnehmer tragen als wesentlicher Bestandteil zum Erfolg eines landwirtschaftlichen Betriebes bei“, sagte Franziska Korves, Bereichsleiterin für Wertermittlung beim Beratungsunternehmen VR AgrarBeratung AG aus Lingen. Neben Defiziten in der Personalführung sieht Korves in der Verfügbarkeit von zuverlässigen, motivierten und qualifizierten Mitarbeitern eine große Herausforderung für die Zukunft.

„Unser Weg, auf die Veränderungen der Arbeitswelt zu reagieren, ist der Arbeiternehmerzusammenschluss – das ist eine besondere Form der Beschäftigungsgesellschaft, bei der die Einsatzbetriebe Gesellschafter werden“, berichtete Sabine Hagemann, Geschäftsführerin des Maschinenrings Harz-Weser, in der Diskussionsrunde. Diese Organisationsstruktur biete einerseits die Möglichkeit, Arbeitsverträge individuell abzustimmen, um den Wünschen der Arbeitnehmer möglichst weit entgegenzukommen. Einsatzbetriebe könnten andererseits ihr Personal nach Bedarf einsetzen, ohne das volle Risiko eines einzelnen Arbeitsgebers zu tragen.

„Mit Blick auf den wachsenden Fachkräftemangel muss weiterhin der Mensch im Mittelpunkt bleiben – unabhängig davon, in welchem Umfang digitale Technik und Prozesse bereits zum Einsatz kommen“, bekräftigte Kammerpräsident Schwetje. „Mit den Mitarbeitern im Gespräch zu bleiben, ist deswegen sehr wichtig – so finden Betriebsleiter und Angestellte zu individuellen Lösungen, die beide Seiten zufriedenstellen und damit die Arbeitsprozesse verbessern.“

Der Arbeitnehmertag findet jedes Jahr während der abwechselnd veranstalteten Messen EuroTier und Agritechnica auf dem Messegelände in Hannover statt. Die Veranstaltung richtet sich an Berufseinsteiger, Fachschüler, Studierende, Nachwuchskräfte, Jobsuchende, Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus dem Agrarbereich und an Berater der Arbeitsverwaltungen.

Ausführlicher Bildtext zum Gruppenfoto:

Diskutierten auf dem Arbeitnehmertag der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen am Donnerstag (14. November) in Hannover über die Auswirkungen der Digitalisierung (von links): Kammerpräsident Gerhard Schwetje, Sabine Hagemann (Maschinenring Harz-Weser), Martin Roberg (Arbeitgeber), Moderatorin Janina Tiedemann, Dirk Oberheide (Arbeitnehmer), Franziska Korves (VR AgrarBeratung AG), Lars Ruschmeyer (Niedersächsische Landjugend), Kammer-Vizepräsident Heinrich Grupe und Sarah Kuschel (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt).


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Stand: 27.11.2019