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Schweinehalter diskutieren über den Stall der Zukunft

Mehr als 2000 Besucher beim 9. Fachforum der Landwirtschaftskammer in der Cloppenburger Münsterlandhalle – reges Interesse an den Themen Ferkelkastration und Afrikanische Schweinepest

Cloppenburg – Mehr als 80 ausstellende Unternehmen, die neuesten Trends aus den Bereichen Fütterung, Haltung, Tiergesundheit, Tierzucht und Beratung sowie namhafte Referenten aus der Wissenschaft und Praxis, die zu hochaktuellen Themen der Schweinehaltung Stellung nahmen: Das 9. Fachforum Schwein der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) hat am Mittwoch, 5. Februar, wieder eine Plattform zur intensiven Information und Diskussion geboten. Mit mehr als 2000 Besuchern, darunter Landwirte, Berater und andere an der Schweinehaltung Interessierte, war die Veranstaltung in der Cloppenburger Münsterlandhalle ein voller Erfolg.

Massive Herausforderungen für Schweinehalter

„Die Nutztierhaltung steht weiterhin im Fokus der gesellschaftlichen Diskussion“, sagte LWK-Vizepräsident Hermann Hermeling in seiner Eröffnungsrede. Viele Herausforderungen seien schon benannt und müssten bewältigt werden. „Dabei sind die Tierhalter grundsätzlich bereit, Weiterentwicklungen zu unterstützen und auch umzusetzen“, so Hermeling. Er merkte aber an, dass die dafür notwendigen Rahmenbedingungen auch gegeben sein müssen.

Wie soll der „Stall der Zukunft“ aussehen? Darum ging es nicht nur im ersten Block des Vortragsprogramms, sondern war – neben der Afrikanischen Schweinepest – ein viel diskutiertes Thema unter den Besuchern des Fachforums. Schließlich stellen die angedachten Gesetzesänderungen in der Tierschutznutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) und der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) viele Landwirte vor neue Herausforderungen: Der Stall soll mehr Tierwohl gewährleisten, das Auftreten von Schwanzbeißen verhindern, weniger Emissionen beziehungsweise negative Umweltwirkungen aufweisen und muss genehmigungsfähig sein. Zugleich muss er schließlich aber auch eine wirtschaftliche Schweinehaltung gewährleisten und ein attraktiver Arbeitsplatz sein.

Referent Josef Gelb, Landwirt aus dem Landkreis Aichach-Friedberg (Bayern), erläuterte seine Umsetzungen für mehr Tierwohl in seinem Außenklimastall. Unter dem Titel „Das Schweinehotel Gelb: Neue Wege in Haltung und Vermarktung“ gab er einen Einblick in die Haltungsbedingungen seiner Schweine. Prof. Dr. Eberhard Hartung von der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel erläuterte anschließend die Möglichkeiten der Emissionsminderung in der Schweinehaltung.

Ferkelkastration

Der zweite Themenblock befasste sich mit dem „Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration“: Ein Thema, das die Schweinehalter verunsichert, wie Dr. Heiko Janssen, Fachreferent für Schweinezucht und Schweinehaltung bei der LWK, in Gesprächen mit den Besuchern festgestellt hat. Wer ab 2021 weiter kastrieren muss oder will, benötigt als Nicht-Tierarzt eine spezielle Sachkundebescheinigung. Wie diese zukünftig erlangt werden kann, hat das Bundeslandwirtschaftsministerium erst vor kurzem mit der Verabschiedung der sogenannten Ferkelbetäubungssachkundeverordnung vorgegeben. Die LWK steht mit dem zuständigen Landesministerium im Austausch darüber, ab wann und wie sie die entsprechenden Schulungen anbieten kann. Referent Heinz-Dieter Lödden, Ferkelerzeuger aus der Grafschaft Bentheim, berichtete über seine mehrjährige Erfahrung mit der Kastration unter Isoflurannarkose und die Vermarktung von Ferkeln im ökologischen Bereich.

Daran anschließend machte Daniel Mörlein, Professor für Produktqualität tierischer Erzeugnisse an der Georg-August-Universität Göttingen, deutlich, dass die betäubungslose Ferkelkastration aus tierschutzfachlicher Sicht nicht länger akzeptabel ist. Er erläuterte zwei Handlungsalternativen, die ohne chirurgische Kastration auskommen: die Ebermast mit/ohne pubertärer Lebensphase und die Impfung gegen Ebergeruch. Schwerpunkt der Ausführungen waren die Vor- und Nachteile mit Blick auf die Schlachtkörper- und Fleischqualität. Darüber hinaus ging Prof. Dr. Mörlein in seinem Vortrag darauf ein, dass eine wertschöpfende Verarbeitung von geruchsabweichendem Fleisch aus ethischen und ökonomischen Gesichtspunkten unabdingbar ist. Seine Schlussfolgerung: Weder der Aspekt Geruch noch die Gesichtspunkte Schlachtkörper- und Fettqualität sprechen gegen eine Jungebermast oder die Impfung gegen den Ebergeruch.

Digitale Helfer und Sensoren

Der dritte Vortragsblock „Der digitale Schweinestall“ griff den Trend der zunehmenden Digitalisierung auf. Immer mehr digitale Helfer und Sensoren unterstützen die heutige Tierhaltung. Philipp Hölscher vom Thünen-Institut gab einen Überblick über die schon jetzt und vielleicht in naher Zukunft verfügbaren Techniken im Stall. Im Anschluss stellte Dr. Hendrik Nienhoff vom Schweinegesundheitsdienst der LWK Niedersachsen zwei konkrete Projekte vor, die die Landwirtschaftskammer begleitet: „Smarth Pig Health“ und „Smart Pig Production“. Unterschiedliche Sensoren sollen dabei den Gesundheitsstatus und das Tierwohl von Schweinen weiter verbessern.

 

Ausführliche Bildunterschrift:
Prof. Dr. Eberhard Hartung von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (von links), Dr. Hendrik Nienhoff (LWK), Landwirt Josef Gelb, LWK-Vizepräsident Hermann Hermeling, Philipp Hölscher vom Thünen-Institut, Ferkelerzeuger Heinz-Dieter Lödden, Prof. Dr. Daniel Mörlein von der Georg-August-Universität Göttingen, Dr. Heiko Janssen, Fachreferent für Schweinezucht und Schweinehaltung bei der LWK


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Stand: 27.02.2020