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Wichtiger Baustein für eine zukunftssichere Sauenhaltung in Niedersachsen

Ferkelkastration mit Inhalationsnarkose: Ministerin Otte-Kinast informiert sich in Echem über Sachkundelehrgänge der Landwirtschaftskammer

Echem – Mit fundierter tierärztlicher Anleitung und nach intensiver Praxis- und Prüfungsphase werden Niedersachsens Ferkelerzeuger künftig selbst Ferkel in Vollnarkose kastrieren können. Das ist das Ziel der Sachkundelehrgänge zur Ferkelkastration mittels Inhalationsnarkose, die die Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen seit kurzem landesweit anbietet und durchführt.

Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast machte sich am heutigen Freitag (19. Juni) im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) der LWK in Echem (Kreis Lüneburg) ein persönliches Bild von Lehrinhalten und Ablauf der Kurse.

Barbara Otte-Kinast: „Ende diesen Jahres ist Schluss mit der betäubungslosen Ferkelkastration. Die Lehrgänge der Landwirtschaftskammer unterstützen die Landwirte dabei, die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen und die männlichen Ferkel unter Schmerzausschaltung zu kastrieren. Nun gilt es, das nächste halbe Jahr zu nutzen und den Umgang mit dem Verfahren zu lernen, um es dann eigenverantwortlich auf dem Betrieb umzusetzen. Damit sind die Lehrgänge ein Baustein für eine zukunftssichere Sauenhaltung in Niedersachsen!“

In Echem und an zahlreichen weiteren LWK-Standorten werden Ferkelerzeugerinnen und -erzeuger derzeit in Theorie und Anwendung darin geschult, männliche Ferkel schmerzfrei in Vollnarkose zu kastrieren, wie es das Tierschutzgesetz ab 1. Januar 2021 vorschreibt.

„Die Tiere werden dazu mit einem speziellen Narkosegerät verbunden“, erläuterte Dr. Friedrich Delbeck, bei der LWK Leiter des Sachgebiets Tiergesundheitsdienste, das Vorgehen. „Wenn die Ferkel sich in der Narkose befinden, ist die Kastration in wenigen Augenblicken erledigt – fünf bis zehn Minuten später sind die Tiere regelmäßig wieder fit.“

Bislang ist eine Narkose grundsätzlich Tierärztinnen und Tierärzten vorbehalten – durch die LWK-Sachkundelehrgänge erwerben die Landwirtinnen und Landwirte nun die nötigen Fähigkeiten und das Recht, eine Narkose zur Ferkelkastration ohne tierärztlichen Beistand durchzuführen. So sollen Ferkelerzeuger in Deutschland konkurrenzfähig gegenüber Wettbewerbern aus dem benachbarten Ausland bleiben.

Werden männliche Ferkel nicht kastriert, setzt im Laufe der Mast die Produktion männlicher Geschlechtshormone ein, und die jungen Eber können einen strengen Geruch entwickeln, der von Verbrauchern abgelehnt wird. „Deren Fleisch gilt in seltenen Fällen bei einem hochgradigen Ebergeruch sogar als untauglich und ist nicht mehr vermarktungsfähig“, berichtete LWK-Schweineexperte Dr. Delbeck. Gegen wirksame Alternativen zur Kastration, etwa eine zweifache Impfung der Tiere während der Mast gegen den Geschlechtsgeruch, gebe es am Markt teilweise noch Vorbehalte.

Im Zuge des Sachkundelehrgangs machen die Fachtierärztinnen und Fachtierärzte des LWK-Schweinegesundheitsdienstes die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit den Grundlagen und der Durchführung der Narkose zur Ferkelkastration, aber auch mit den notwendigen Kenntnissen in den Bereichen Anatomie und Physiologie der Ferkel sowie in der Anwendung der Tierarzneimittel vertraut. Sie erläutern Vorkehrungen des Arbeitsschutzes und das Vorgehen bei möglichen Zwischenfällen während der Betäubung.

Wer die schriftliche und mündliche Prüfung besteht, darf anschließend unter ständiger tierärztlicher Aufsicht während einer sogenannten Praxisphase im eigenen Betrieb Erfahrungen mit der Narkose von Ferkeln sammeln. Erst nach einer weiteren praktischen Prüfung bekommen Ferkelerzeugerinnen und -erzeuger auf Antrag vom Veterinäramt die nötige Sachkundebescheinigung ausgestellt. Diese erlaubt ihnen, Ferkel in Vollnarkose ohne Tierarzt zu kastrieren.

„Mit Hilfe der Lehrgänge bieten wir den Landwirtinnen und Landwirten eine konkrete Perspektive, wie sie im neuen Jahr gut geschult mit einem gesetzeskonformen und konkurrenzfähigen Verfahren weiterarbeiten können“, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje. „Mittel- und langfristig ist zu hoffen, dass nicht nur chirurgisch kastrierte, sondern auch gegen Geschlechtsgeruch geimpfte Eber vom Markt besser aufgenommen werden.“

Die wachsende Bedeutung des Arbeitsbereichs Verbraucherbildung war ein weiteres Thema beim Ministerin-Besuch im LBZ: Otte-Kinast war erste offizielle Besucherin der vor wenigen Tagen fertiggestellten Kreativwerkstatt. In dem Neubau soll künftig unter anderem die Veranstaltungsserie Echemer Dialog fortgeführt werden.

Aus der Hand von LBZ-Mitarbeiterin Bettina Labesius erhielt die Ministerin das erste Exemplar des brandneuen Leitfadens „Tier. Haltung. Verstehen.“ zur Verbraucherkommunikation. „Von Kindergarten- bis Senioren-Gruppen – wir haben in dem öffentlich verfügbaren Leitfaden Veranstaltungs-Formate für zahlreiche Zielgruppen zusammengetragen, damit Betriebe und Institutionen mit Verbraucherinnen und Verbrauchern über Landwirtschaft besser ins Gespräch kommen“, erläuterte Labesius, die im LBZ zuständig ist für Verbraucherkommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Neben Informationen zum geplanten Versuchswesen Rind, das im LBZ etabliert werden soll, gab es am heutigen Freitag zahlreiche weitere aktuelle Themen mit der Landwirtschaftsministerin zu besprechen: In einer abschließenden Gesprächsrunde wurde unter anderem über dürrebedingte Probleme bei der Futterversorgung, über den Rechtsrahmen für die Tierhaltung und über Konjunkturprogramme des Bundes und des Landes sowie weitere aktuelle Fragen der Rinderhaltung diskutiert.

Bildtext:
Demonstration mit Stofftieren: Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (rechts), Kammerpräsident Gerhard Schwetje (2.v.r) und Kammer-Vizepräsident Hermann Hermeling (l.) lassen sich von Dr. Friedrich Delbeck (2.v.l.), bei der Landwirtschaftskammer Leiter des Sachgebiets Tiergesundheitsdienste, die Funktionsweise eines Geräts für die Inhalationsnarkose bei Ferkeln erläutern. Foto: Ehrecke/Landwirtschaftskammer Niedersachsen


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Stand: 22.06.2020