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Apfelernte im Alten Land hat begonnen

Ende August hat die Apfel-Haupternte im Alten Land begonnen. Die Fachleute sehen der Saison trotz eines kleinen Rückgangs optimistisch entgegen.

Jork – Die Obstbäuerinnen und Obstbauern im Alten Land rechnen mit einer guten Apfelsaison 2020/21 – obgleich sie im Herbst mit rund 290.000 Tonnen Äpfeln rund zwei Prozent weniger ernten werden als 2019. „Die Äpfel aus unserer Anbauregion punkten mit guten Zucker- und Aroma-Werten und schmecken hervorragend“, sagt Dr. Karsten Klopp, Leiter der zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen gehörenden Obstbauversuchsanstalt in Jork im Landkreis Stade.

Elstar an der Spitze

Den größten Ernteanteil machen mit 79.000 Tonnen die Äpfel der Sorte Elstar aus, gefolgt von Red Jonaprince mit 78.000 Tonnen und Braeburn mit 43.000 Tonnen. Allerdings ist das Sortiment im Wandel. Jedes Jahr werden im Schnitt 1,5 Millionen Bäume neu gepflanzt, 21 Millionen Obstbäume stehen an der Niederelbe. „Der Landkreis Stade ist mit fast 16 Millionen Bäumen der baumobstreichste Kreis Deutschlands“, sagt Dr. Karsten Klopp.

Die sehr gut schmeckende, feste und bei vielen Allergikern beliebte feinsäuerliche, mittelrote Sorte Wellant ist mit ihrer boskoopähnlichen Berostung bei vielen Verbraucher*innen im Kommen. Neue, exklusive und hochpreisige Club-Sorten kommen bei Neupflanzungen schon auf einen Anteil von einem Fünftel. Es sind: Kanzi (37,7 Prozent), SweeTango (31,4 Prozent), Natyra (7,3 Prozent), die erste produzenteneigene deutsche Markensorte Fräulein (6,9 Prozent) und der Mini-Snack-Apfel Rockit (6,2 Prozent).

Saisonarbeitskräfte

3500 bis 4000 Saisonarbeitskräfte reisen zur Ernte an. Vor der Arbeitsaufnahme werden sie auf Corona getestet. In Stade wird bei der Kassenärztlichen Vereinigung ein Testzentrum eingerichtet. Die Saisonarbeitskräfte leben und arbeiten auf den Obsthöfen in Kleingruppen. Einen Corona-Preisaufschlag soll es für die Verbraucher*innen trotz der Mehrkosten nicht geben. Übrigens: Etwa ein Viertel des Apfelpreises im Laden kommt bei den Erzeuger*innen an. 50 Prozent bekommt Schätzungen zufolge der Lebensmitteleinzelhandel. Großhandel, Erzeugerorganisation und Verpackung machen 25 Prozent aus.

Profitieren können hat das Alte Land wieder einmal von der Frostschutzberegnung und der ausreichenden Wasserverfügbarkeit. In den heißen Tagen im August hat die klimatisierende Beregnung die Äpfel außerdem vor einem Sonnenbrand schützen können. „Gutes, salzarmes Wasser ist existenziell für das Alte Land und Kehdingen“, sagt Dr. Karsten Klopp. Etwa 20 bis 25 Mal sei allein im Frühjahr beregnet worden.

Die Corona-Pandemie sowie eine voraussichtlich niedrige EU-Ernte dürften des Weiteren zu einer Stärkung der deutschen Anbauregionen beitragen. Wer Altländer Äpfel kauft, schützt auch die Umwelt. Ein Apfel, der vor dem Verzehr erst über die Weltmeere nach Deutschland transportiert werden muss, verbraucht einer Studie der Uni Bonn zufolge deutlich mehr fossile Energie als ein heimischer Apfel der gleichen Sorte.

Äpfel nicht schälen, sondern waschen

Äpfel enthalten viele gesundheitsfördernde Wirkstoffe, die direkt unter der Schale oder in der Außenhaut des Apfels liegen, so die Ernährungsexpertinnen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. In verschiedenen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass diese sogenannten sekundären Pflanzenstoffe des Apfels sehr wahrscheinlich eine Schutzwirkung gegenüber Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen ausüben. Einige Verbindungen dieser Stoffklasse wie beispielsweise das Flavonoid Quercetin befinden sich ausschließlich in der Schale. Durch Schälen würde ein Großteil der wertvollen Wirkstoffe verloren gehen. Besser ist es deshalb, den Apfel einfach mit lauwarmem Wasser zu waschen und einem Papiertuch abzureiben. Das entfernt den Schmutz und eventuell anhaftende Rückstände zum großen Teil.

Nischenprodukt Frühäpfel

Den Ernte-Anfang haben die Frühäpfel vor ein paar Wochen gemacht. Dazu zählt zum Beispiel die Sorte Delbarestivale. Sie gilt als „der Elstar unter den Frühäpfeln“ wegen ihres hoch aromatischen, süß-säuerlichen Geschmacks und ihrer besseren Lagerungsfähigkeit. Denn normalerweise sind Frühäpfel nicht so lange lagerfähig, sie werden genussreif am Baum geerntet und müssen rasch verzehrt oder verarbeitet werden. 

Die Frühäpfel sind lediglich ein Nischenprodukt. Vor allem Direktvermarkter*innen bauen Sorten wie Klarapfel, Delbarestivale, Collina sowie Gravensteiner oder Deljonca an. Während die Frühäpfel lediglich auf einer Fläche von 300 Hektar angebaut werden, sind es bei den Haupt- und Lagersorten, vom Holsteiner Cox bis zum Elstar, mehr als 8500 Hektar. In guten Jahren ernten die Obstbaubetriebe an der Niederelbe insgesamt 1,75 Milliarden Äpfel.


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Stand: 04.09.2020