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Feldtag für Kooperationslandwirte und Wasserschutzberatung

Am 21.06.2016 konnten sich Kooperationslandwirte und Wasserversorgungsunternehmen sowie Berater aus den Trinkwassergewinnungsgebieten und Interessierte, beim Wasserschutz-Feldtag auf der Versuchsstation Hamerstorf (im Rahmen der landesweiten Aufgaben im kooperativen Trinkwasserschutz gem. § 28 NWG) über neue Versuchsergebnisse und aktuelle Entwicklungen im Bereich Gewässerschutz und Landwirtschaft informieren.

Versuchsstandort Hamerstorf (Versuchsfeldführer 2016)
Boden Sand bis anlehmiger Sand, Ackerzahl 25-49
Durchschnittlicher Jahersniederschlag 682 mm
Durchschnittliche Jahrestemperatur 8,1°C
Höhe 51 m ü. NN
Beregnungstechnik Mobile Beregnungsmaschine mit Düsenwagen zur exakten Wasserverteilung

An vier Stationen konnten sich die Teilnehmer auf der Versuchsstation Hamerstorf zu verschiedenen Themen der grundwasserschutzorientierten Landwirtschaft informieren.

1. Grundwasserschutzorientierte Gestaltung der Fruchtfolge und N-Düngung (Dr. Dagmar Matuschek; LWK Niedersachsen) und

2. Begleitende Sickerwasseruntersuchungen (Lars Konen und Dr. Walter Schäfer; LBEG)

Von 1995 bis 2013 wurde ein langjähriger Versuch zur grundwasserschutzorientierten Fruchtfolgegestaltung mit begleitenden Sickerwasseruntersuchungen (LBEG; ab 2001) in Hohenzethen durchgeführt. Aufgrund der begrenzten Versuchsfläche erfolgte die Neuanlage ab 2014 in Hamerstorf (ebenfalls Landkreis Uelzen). Auch hier werden die Sickerwasseruntersuchungen ergänzend weitergeführt.

Ziel des Versuchs ist es, die Auswirkungen einer grundwasserschutzorientierten, auf Bioenergiefrüchte umgestellten Fruchtfolge und einer angepassten N-Düngung im Vergleich zu einer konventionellen Fruchtfolge hinsichtlich der Sickerwasserqualität und N-Dynamik im Boden sowie Ertrag und Qualität zu untersuchen. Dabei ist vor allem der Einfluss eines einzelnen Feldfruchtgliedes, aber auch das Bewirtschaftungsmanagement der gesamten Fruchtfolgerotation in der Betrachtung. Hauptziel ist eine möglichst ganzjährige Boden-bedeckung in einer regionstypischen Fruchtfolge (Kartoffel – Winterroggen – Silomais – Braugerste), die über den Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten gewährleistet werden soll.

Neben der Fruchtfolge wird der Einfluss der N-Düngung auf die oben genannten Parameter untersucht. Zusätzlich zu einer statischen N-Steigerung werden der Einsatz einer stabilisierte N-Düngung, eine dauerhaft reduzierte N-Düngung (AU-Maßnahme) und die Auswirkung der Gärrest-Düngung in Kombination mit ergänzender mineralischer Düngung untersucht. Zur Validierung eines Mineraldüngeräquivalents wird eine Variante ausschließlich mit Gärrest gedüngt.

Da dieser Versuch erst im 3. Jahr läuft, können für diesen Standort noch keine gültigen Aussagen abgeleitet werden. So zeigen neue erste Ergebnisse, dass durch eine 20 %ige N-Reduzierung bei Kartoffeln (s. Foto) nicht generell eine Ertragsminderung folgen muss. Die Ergebnisse aus Hohenzethen dienen als Grundlage und können demzufolge für eine potentielle Aussage bzw. als vorläufige Ableitung für weitere Sandstandorte, wie z.Bsp. Hamerstorf  herangezogen werden.

Am Standort Hohenzethen konnte...

→ durch die grundwasserschutzorientierte Bewirtschaftung der N-Saldo durch die Bewirtschaftung um 15 kg N/ha gesenkt werden.

→ auch der kumulierte N-Saldo (über die Versuchsjahre aufgerechneter N-Saldo) ist bei grundwasserschutzorientierter Bewirtschaftung um 42 kg N/ha abgesenkt werden.

→ durch den Anbau von Zwischenfrüchten die N-Auswaschung über Winter (berechnet über die Nitratfracht im Sickerwasser) um 15 kg N/ha reduziert werden.

→ gezeigt werden, dass nicht das Einzeljahr entscheidend ist, sondern immer die Betrachtung einer Fruchtfolge notwendig ist.

Wie sich neue Wasserschutzmaßnahmen, wie z.B. eine kombinierte Winterroggen/Untersaat-Frucht mit GPS-Roggenernte und Weiternutzung der Untersaat als Grasaufwuchs oder eine mäßige Beregnung der Zwischenfrucht auf die Sickerwasserbelastung auswirken, soll mit diesem Versuch in den nächsten Jahren geprüft werden. Eine Zusammenfassung zum Wasserschutzversuch am Versuchsstandort Hamerstorf steht als pdf-Datei zum Download zur Verfügung.

Der Versuch in Hohenzethen wird im Rahmen der landesweiten Aufgaben im kooperativen Trinkwaserschutz aus der Wasserentnahmegebühr finanziert.

 3. Gewusst wie! Maisanbau mit Untersaat: Aussaattechnik, Praxiserfahrungen, Herbizidstrategien und Vermeidung von Problemwirkstoffen (Heinrich Romundt; LWK Niedersachsen)

Mit Hilfe einer Grasuntersaat wird eine Winterbegrünung der Ackerflächen ermöglicht und ist damit ein wichtiger Baustein zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit. Eine über Winter vorhandene Pflanzendecke mindert zusätzlich die Wasser- und Winderosion und konserviert gleichzeitig die in der Pflanze gespeicherten Nährstoffe. Winterharte Gräser sind vorteilhafter. Mehrjährige Versuche haben ergeben, dass ein Speicherpotential von durchschnittlich 40 kg Stickstoff je ha zu erwarten ist.

Neben den ökologischen und ökonomischen Vorteilen haben die Ertragsneutralität und die mögliche integrierte Schaderregerbekämpfung (Maiszünsler, Blattflecken) einen hohen Stellenwert. Das Gelingen einer Grasuntersaat hängt von vielen Faktoren ab: günstige Bedingungen zur Keimung, die Wüchsigkeit der Gräser, die Schattenverträglichkeit, der Erntetermin, die Regeneration nach der Ernte sowie die Winterhärte beeinflussen die Entwicklung der Gräser.

  • Die Wahl der Unkraut- und Ungraspräparate hat für die Entwicklung der Untersaat eine entscheidende Bedeutung. Neben einer sicheren Herbizidwirkung steht die Verträglichkeit gegenüber der Untersaat im Vordergrund. Gerade bei Untersaaten sollte die Herbizidbehandlung in einer Spritzfolge erfolgen.
  • Reduzierte Bodenherbizid-Aufwandmengen verkürzen die Dauerwirkung der Präparate.
  • Durch eine späte mechanische Unkrautbekämpfung kann der Herbizidanteil reduziert werden und gleichzeitig Untersaaten optimal ausgebracht werden.
  • Im Frühjahr können durch Untersaaten reduzierte Reststickstoffgehalte im Boden belegt werden.
  • In weiteren Feldversuchen der LWK mit Untersaaten im Mais konnten die auswaschungsgefährdeten Reststickstoffgehalte im Boden im Herbst -im Mittel der Jahre und Standorte- durch die Untersaat erfolgreich reduziert werden.

Bei entsprechender Auswahl der Untersaat und des Aussaatzeitpunktes kann der Silomais sein Ertragspotential auch mit Grasuntersaat voll ausschöpfen.

4. Beregnung und Wasserschutz: Ergebnisse langjähriger Versuche (Angela Riedel, Ekkehard Fricke; LWK Niedersachsen)

Die Versuchsstation Hamerstorf ist die einzige der 12 Versuchsstationen der LWK Niedersachsen, an der Beregnungsversuche durchgeführt werden. Sie hat damit eine unverzichtbare Bedeutung für die Beregnungsregion Nordostniedersachsens, die sie repräsentiert. Auch auf andere Beregnungsregionen in Niedersachsen können die erarbeiteten Ergebnisse nach sorgfältiger Standortanalyse (Boden, Klima) teilweise übertragen werden.

Versuchsfrage: Welchen Einfluss hat die Beregnung auf die N-Dynamik im Boden, Ertrag und Qualität der Ernteprodukte?

Versuchsanordnung: 6 Blöcke mit jeweils einer Kultur (Zuckerrüben, Speisekartoffeln, Wintergerste, Silomais, Sommerbraugerste, Winterweizen), 2 Versuchsfaktoren und 4 Wiederholungen

Erster Versuchsfaktor: Beregnungsmenge
1. Variante Beregnung ab 45-60% nFk (kulturabhängig)
2. Variante Beregnung ab 30-40% nFK (kulturabhängig)
3. Variante ohne Beregnung
Zweiter Versuchsfaktor (kulturabhängig)
Zuckerrübe verschiedene Sorten
Speisekartoffel Platzierung der N- und P-Düngung
Wintergerste verschiedene Sorten
Silomais verschiedene Sorten
Sommerbraugerste Höhe der N-Düngung
Winterweizen Einsatz von Wachstumsregler

 

Sowohl die Versuche in Hamerstorf, als auch frühere Beregnungsversuche der Landwirtschaftskammer haben gezeigt, dass...

  • sich bei allen Kulturen mit Hilfe der Beregnung vor allem in Trockenjahren eine Ertragsabsicherung auf höherem Niveau erreichen lässt.
  • durch die relativ stabilen Erträge ein sicherer Entzug der gedüngten Nährstoffe gewährleistet ist.
  • dadurch insbesondere Nährstoffüberschüsse nach der Ernte – wie sie auf Flächen ohne Beregnungsmöglichkeit in Trockenjahren vorkommen – minimiert werden können.

Um der Beratung sowohl langjährige und belastbare, als auch aktuelle Ergebnisse zur Verfügung zu stellen, werden die Versuche fortgesetzt.

 


Kontakt:
Andrea Knigge-Sievers
Wasserschutz, Landesweite Aufgaben im kooperativen Trinkwasserschutz § 28 NWG
Telefon: 0441 801-431
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:
Amelie Bauer
Versuche zur grundwasserschutzorientierten Landbewirtschaftung
Telefon: 0441 801-412
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:


Stand: 15.08.2016