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Getreide- und Ölsaatenmarkt: Preise für neue Ernte steigen

Am Getreide- und Ölsaatenmarkt geht es wieder turbulent zu. Während die Preise aufgrund der guten Aussichten und der nachlassenden Nachfrage in den vergangenen Wochen den Rückzug antraten, hat sich das Blatt bereits wieder gewendet. Für den Weizen, Mais und Triticale erhöhten die Erfasser ihre Gebote und einen deutlichen Sprung vollzogen die Rapspreise, die sogar auf Vorkontrakt-Basis vereinzelt 470 EUR/t und mehr erreichten.

Wettermeldungen sorgen für Aufschwung
Ausschlaggebend für den erneuten Aufschwung waren die Wettermeldungen aus den Hauptanbauländern der Welt. In den USA, Kanada, Brasilien und Europa machten frostige Temperaturen und/oder auch Trockenheit von sich reden. Wenn es um landwirtschaftliche Produkte geht, spielt das Wetter immer eine Rolle für den Markt. Doch normaler Weise starten die sogenannten „Wettermärkte“ erst in den frühen Sommermonaten. In diesem Jahr ist der Markt jedoch sehr nervös und die Turbulenzen starten früher. Die Aussichten auf Ertragseinschränkungen bei einer gleichzeitig hohen Nachfrage und geringen Beständen zündeten an der Börse ein erneutes Kurs-Feuerwerk.
Der Weizen an der Matif erreichte zuletzt wieder die 230-Euro-Marke und diesmal zog es auch den neuerntigen September-Kontrakt mit nach oben. Dieser erreichte mit 215 EUR/t ein Kontrakt-Hoch und die Differenz zwischen alter und neuer Ernte schrumpft zusammen. Der Raps stieg in den vergangenen Tagen teilweise sogar zweistellig nach oben und auch der folgende August-Termin hat die 500-Euro-Marke bereits hinter sich gelassen.


Frost in Deutschland und Frankreich
Auf den hiesigen Feldern werden kaum Probleme gesichtet. Sowohl der Weizen als auch der Raps haben die Kälte weitgehend gut überstanden. Es wird lediglich von Entwicklungsverzögerungen berichtet. So müssen Einkürzungsmaßnahmen verschoben werden und manche Raps-Schläge sind dort von Stängelschädlingen betroffen, wo keine Bekämpfung des Insektenbefalls erfolgt ist. Große Ertragseinbußen zeichnen sich bisher nicht ab. 
Anders sieht es in Frankreich aus. Viele Nächte mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt haben in einigen Regionen zu Schäden geführt. Wie hoch diese ausfallen, konnte noch nicht abschließend beziffert werden. Für die geschädigten Kulturen wie Obst, Raps und Zuckerrüben wurden bereits staatliche Hilfen zugesagt. Für den Raps erwarten französische Analysten eine Reduzierung der Anbaufläche auf 900.000 ha. Das französische Landwirtschaftsministerium war zuletzt noch von 990.000 ha ausgegangen. 
 

Kältewelle in den USA
Die USA stehen aktuell auf Platz vier der Weizenexporteure hinter Russland, der EU und Kanada. Bei den Sojabohnen-Exporten auf Platz zwei und bei den Maisexporten auf der Spitzenposition. Grund genug, den Wettermeldungen aus diesem Land Beachtung zu schenken. Derzeit bereitet wie in Europa die Kälte in einigen Regionen den Marktbeteiligten Sorgen. Die Befürchtungen, dass die Winterweizen-Bestände Frostschäden davontragen, sind groß. Darüber hinaus bereitet Trockenheit dem Sommerweizen keine guten Start-Bedingungen und das Risiko von Ertragseinschränkungen nimmt zu. Schwierige Aussaat-Bedingungen belasten auch die anderen großen Kulturen wie Mais und Soja. Dies erscheint besonders gravierend vor dem Hintergrund, dass die geplante Anbaufläche vom US-Agrarministerium zuletzt mit 91 Mio. acres für Mais und 87,6 Mio. acres für Sojabohnen angegeben worden war – die Erwartungen der Analysten wurden damit deutlich verfehlt. Die unerwartet kleinere Anbaufläche in Verbindung mit schwierigen Witterungsbedingungen und sinkenden Beständen bietet den Börsenkursen und in Folge auch den Erzeugerpreisen gute Gründe, um den Weg nach oben anzutreten.
 

Trockenheit in Brasilien
Wenn es um die globale Versorgung mit Sojabohnen und Mais geht, spielt Brasilien eine wichtige Rolle am Weltmarkt. Und auch hier hat das Wetter bereits in den vergangenen Wochen zu Problemen geführt. Niederschläge sorgten im März zu einer verzögerten Ernte der Sojabohnen und damit wurde das ideale Zeitfenster für den Safrinha-Mais, der auf den Sojaflächen angebaut wird nicht mehr erreicht. Als Folge haben die jungen Pflanzen nun mit Trockenheit zu kämpfen. Ertragseinschränkungen werden somit wahrscheinlicher. Das US-Agrarministerium erwartete zuletzt 109 Mio. t. Pessimistischen Hochrechnungen zufolge könnten sich diese aufgrund der Trockenheit um 10 Mio. t reduzieren. Das würde den Preisen neuen Zündstoff bieten.
 

Schlussfolgerung für die Erzeuger
Die schwierigen Witterungsbedingungen sorgen für Turbulenzen und Fantasien am Markt. Bisher wird um mögliche Erntemengen lediglich spekuliert und auch die Wettermeldungen lassen sich kaum langfristig vorhersagen. Dementsprechend werden derzeit nur Erwartungen bewertet und gehandelt. Für die Erzeuger bedeutet dies, von den guten Preisen zu profitieren, sofern die Vermarktung noch nicht abgeschlossen ist. Auch der Abschluss von Vorverträgen sollte weiterverfolgt werden, sofern die mengenmäßigen Grenzen noch nicht ausgeschöpft wurden. Die Gefahr von Deckungskäufen sollte dabei möglichst vermieden werden, denn niemand weiß, wie sich die Ertragssituation bis zum Sommer entwickelt. Natürlich ist die Hoffnung auf ein Eintreten der Spekulationen um eine globale Knappheit und damit auf weiter steigende Preise groß. Doch eine Entspannung der Wetterlage in den Hauptanbauländern könnte zum jetzigen Zeitpunkt die Preise auch schnell wieder unter Druck setzen. 
 


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Stand: 23.04.2021