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Begrenzung der Düngung im Sommer/Herbst

Bekanntlich ist am 02. Juni 2017 die neue Düngeverordnung in Kraft getreten. Im Vergleich zu den bisherigen Regelungen sind die Auflagen deutlich verschärft worden, so dass die Düngung nach der Ernte der Hauptfrucht nur noch eingeschränkt möglich ist.

N-Düngung nach der Getreideernte

Neu ist, dass sich die Vorgaben zur Regelung der Düngung nach der Ernte nicht mehr nur auf die organischen (Gülle, Gärreste Geflügelmiste…), sondern auf alle stickstoffhaltigen Düngemittel, also auch N-Mineraldünger, beziehen. Lediglich Kompost und Festmist von Huf- und Klauentieren (Rindermist, Pferdemist…) sind von der neuen Regelung ausgenommen. Diese Dünger weisen nur sehr geringe verfügbare N-Gehalte auf, so dass die Gefahr von Stickstoffeinträgen in tiefere Bodenschichten im Herbst und Winter gering ist.

Grundsätzlich gilt auch bei der Herbstdüngung der zentrale Grundsatz, dass die Stickstoffdüngung am Stickstoffdüngebedarf auszurichten ist. Daher muss vor der Düngung der N-Düngebedarf der Kultur durch den Landwirt ermittelt und aufgezeichnet werden. Nur wenn ein aktueller N-Düngebedarf besteht, darf bis in Höhe dieses Bedarfes gedüngt werden. Die Düngebedarfsermittlung hat sich dabei an den Vorgaben der zuständigen Behörde zu orientieren. In Niedersachsen ist das die Landwirtschaftskammer.

Nach den Vorgaben der Düngeverordnung beginnt die Sperrfrist für N-haltige Dünger auf Ackerland mit der Ernte der letzten Hauptfrucht und endet am 31. Januar. Abweichend von diesem Grundsatz dürfen auf Ackerland, ausschließlich nach Getreidevorfrucht, Stickstoffdünger bis zum 01. Oktober zu Zwischenfrüchten, Winterraps, Feldfutter und Wintergerste ausgebracht werden. Voraussetzung ist, dass eine Aussaat der Zwischenfrüchte, des Winterrapses und des Feldfutters bis zum 15. September und die Gerstenaussaat bis zum 01. Oktober vollzogen sein muss. Durch die Nennung der Aussaatzeitpunkte will der Gesetzgeber sicherstellen, dass ein ausreichender Pflanzenaufwuchs vor Winter vorhanden ist und somit der ausgebrachte Stickstoff von den Pflanzen aufgenommen wird. Es ist zu berücksichtigen, dass abweichend von der alten Düngeverordnung eine Stickstoffdüngung im Spätsommer/Herbst zu den Wintergetreidearten Roggen, Weizen und Triticale nicht mehr zulässig ist, sondern nur noch zu Wintergerste und das auch nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Eine Stickstoffdüngung nach Mais, Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben, Feldgemüse, Leguminosen, Brache, Gras und anderen Vorfrüchten oder zur Förderung der Strohrotte ist wegen fehlendem N-Düngebedarf grundsätzlich verboten.

Ob eine im Herbst angebaute Kultur einen N-Düngebedarf hat oder nicht ist dabei auch vom Humusgehalt des Bodens und der Düngungshistorie abhängig. Humusreiche Standorte, liefern in aller Regel genügend N zur Versorgung der Pflanzen im Herbst nach, so dass eine Stickstoffzufuhr hier nicht erforderlich ist. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Bodenhumusgehalt über 4 % beträgt. Im Bodenuntersuchungsergebnis ist dies daran erkennbar, dass die Humusklassifizierung mit den Symbolen „h“, „sh“, „a“ oder „H“ gekennzeichnet ist. Die Angabe (h) bedeutet weniger als 4 % Humus und damit ein geringes N-Nachlieferungspotential.

Weiterhin ist entscheidend, ob eine Fläche langjährig organisch gedüngt wurde oder nicht. Da es für diesen Begriff keine klare Definition gibt, wurde festgelegt, dass die Phosphorversorgung des Bodens als Maßstab herangezogen werden kann: Wenn die Phosphorgehalte im Boden mehr als 13 mg P/100 g Boden betragen, kann davon ausgegangen werden, dass diese Fläche langjährig organisch gedüngt wurde. Es ist klar, dass es von dieser Regel Ausnahmen geben kann. Für viele Böden und Flächen in Niedersachsen trifft dies aber zu. Böden die über viele Jahre organisch gedüngt wurden, zeigen eine erhöhte Nachlieferung an Stickstoff aus dem Bodenvorrat auf. Daher ist auf solchen Standorten zu Wintergerste und Winterraps eine zusätzliche N-Düngung nicht erforderlich, bzw. laut Verordnung wegen fehlendem N-Düngebedarf auch nicht mehr zulässig.

Sollen Sommerzwischenfrüchte ausgesät und vor Aussaat von Wintergetreide wieder umgebrochen werden, ist darauf zu achten, dass die Standzeit der Zwischenfrüchte nach der Düngung mindestens 8 Wochen beträgt. Diese Mindeststandzeit ist Voraussetzung dafür, dass die gedüngten N-Mengen auch aufgenommen werden können.

Die Zusammenhänge sind komplex, sodass in Abbildung 1 eine Entscheidungsmatrix wann und in welchen Fällen im Sommer/Herbst eine N-Düngung sinnvoll und zulässig ist, erstellt wurde.

Abbildung 1: N-Düngebedarf nach der Ernte der letzten Hauptfrucht

Aussagekräftige, in Feldversuchen geeichte Analysemethoden zur Bemessung der Herbstdüngung stehen bislang nicht zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund führt die LWK Niedersachsen zurzeit an verschiedenen Standorten Feldversuche durch, um einen entsprechenden Schätzrahmen zur Ableitung des N-Düngebedarfs im Herbst zu entwickeln. Für die Beratung werden daher zunächst die in der Tabelle 1 aufgeführten Werte als Orientierung für den N-Düngebedarf im Herbst herangezogen.

Achtung: Eine Höchstmenge von max. 30 kg Ammoniumstickstoff oder 60 kg Gesamtstickstoff je ha darf nicht überschritten werden!

Tabelle 1: N-Düngebedarf nach der Getreideernte

Folgekulturen nach Getreide

N-Düngebedarf (kg N/ha)

Weder langjährig organisch gedüngt noch humusreicher Boden*1

langjährig organisch gedüngt oder humusreicher Boden*1

Winterraps
(Aussaat bis 15.09.)

  • bis 60 bei Strohverbleib
  • bis 40 bei Strohabfuhr 
  • bis 60 bei Mulch und Direktsaat

0

Wintergerste
(Aussaat bis 01.10.)

  • bis 40 bei Strohverbleib
  • bis 20 bei Strohabfuhr

0

Feldfutter

 

 

  • Ernte noch im gleichen Jahr

N‐Düngung nach Bedarf

N‐Düngung nach Bedarf
(bei Aussaat bis 31.08.)

  • keine Beerntung im Jahr der Aussaat*2

(Aussaat bis 31.08.)

40-60

40-60

  • keine Beerntung im Jahr der Aussaat*2
    (Aussaat vom 01.09. bis 15.09.)

30-40

0

Gründüngungszwischenfrucht*2 (Aussaat bis 15.09. und mind. 8 Wochen Standzeit*3 )

40-60

20-40

Absolute Höchstmengen (mineralisch und organisch) 30 kg Ammoniumstickstoff (NH4-N) je ha oder 60 kg Gesamt-N je ha

*1 i.d.R. P‐CAL‐Gehalt >13 mg P/100g Boden, Humusgehalt im Boden >4% oder Humusklasse „h“, „sh“, „a“ oder „H“ (s.  Bodenuntersuchungsbefund)

*2 bis 30 % Leguminosen: N‐Düngebedarf s. oben; 31 – 75 % Leguminosen: 30 kg N/ha; >75 % Leguminosen: kein N‐Düngebedarf

*3 Eine N-Düngung zur Gründüngungszwischenfrucht mit nachfolgender Winterung ist nur zulässig, wenn zwischen Düngungs- und Aussaatzeitpunkt der Zwischenfrucht und Umbruch zur nachfolgenden Winterung mindestens 8 Wochen liegen

Die Einschränkungen der N-Düngung beziehen sich immer auf die Düngung nach der Ernte der letzten Hauptfrucht. Als letzte Hauptfrucht gilt dabei die Kultur, die im Anbaujahr noch geerntet wird. Wird nach Getreide noch eine Hauptfrucht zur Energie- bzw. Futternutzung angebaut (z.B. Ackergras oder Hafer), die noch im Anbaujahr geerntet wird, kann bis in Höhe des N-Düngebedarfs gedüngt werden. Die 60 kg Gesamt-N/ha und 30 kg NH4-N/ha-Grenze gelten hier nicht.

Berechnung der maximalen Stickstoffdüngung

Neben dem N-Düngebedarf der Kultur sind bei der Bemessung der Herbstdüngung die Höchstmengen an Stickstoff von 30 kg/ha NH4-N oder 60 kg/ha Gesamt-N/ha zu beachten.

Zunächst wird berechnet wie viel Dünger notwendig ist, um den N-Düngebedarf der Frucht (Rechnung 1) zu decken. Hierbei ist die Mindestanrechenbarkeit des Stickstoffs gemäß Düngeverordnung zu berücksichtigen. Danach wird ermittelt, mit welcher Menge Dünger 30 kg/ha NH4- N (Rechnung 2) bzw. 60 kg/ha Gesamt-N (Rechnung 3) erreicht werden. Es dürfen keine Ausbringungsverluste in Abzug gebracht werden, sondern es sind Analyse- oder Richtwerte der eigenen Wirtschaftsdünger oder die aufgrund vorgeschriebener Kennzeichnung vorhandenen Werte der von Dritten aufgenommenen Dünger anzusetzen. Die maximal zulässige Menge an Düngemitteln wird dann durch die zuerst erreichte Grenze festgelegt.
Die nachfolgende Tabelle 2 stellt beispielhaft die Berechnung für verschiedene Wirtschaftsdüngergaben dar:

Tabelle 2: Beispielrechnungen zur ordnungsgemäßen Düngung im Herbst

Kultur

N-Dünge
bedarf
[kg/ha]

Düngerart
(Nährstoffgehalte
in kg/m³ o. t)

Rechnung 1
N-Düngebedarf Kultur

Rechnung 2
max. 30 NH4-N
[kg/ha]

 

Rechnung 3
max. 60 Ges.-N
[kg/ha])

max. Ausbringmenge (gerundet)
[m³ bzw. t, dt]
 

WGerste
nach Weizen

30

Gärrest
(Ges.-N=5,8 kg/m³
NH4-N=3,5 kg/m³)
50% anrechenbar

30
30/(5,8 x 50%)
=10,3 m³

30
(30/3,5)
=8,6 m³

60
(60/5,8)
=10,3 m³

9 m³
 

W-Raps
nach Weizen

40

Milchkuhgülle
(Ges.-N=3,7 kg/m³
NH4=1,7 kg/m³)
50% anrechenbar

40
40/(3,7 x 50%)
=21,6 m³

30
(30/1,7)
=17,6 m³

60
(60/3,7)
=16,2 m³

16 m³
 

Zwischenfrucht mit nachf. Sommerung

60

Mastschweinegülle
(Ges.-N=5,5 kg/m³
NH4-N=3,3 kg/m³)
60% anrechenbar

60
60/(5,5 x 60%)
=18,2 m³

30
(30/3,3)
=9,1 m³

60
(60/5,5)
=10,9 m³

9 m³

Zwischenfrucht mit nachf. Sommerung

60

Legehennen-HTK
(Ges.-N=21 kg/t
NH4-N= 4,4 kg/t.)
60 % anrechenbar

60
60/(21 x 60%)
=4,8 t

30
(30/4,4)
=6,8 t

60
(60/21)
=2,9 t

2,9 t
 

Zwischenfrucht mit nachf. Sommerung

60    

Kalkammonsalpeter
(Ges.-N=27 kg/dt
NH4-N= 13,5 kg/dt.)
100 % anrechenbar

60
60/(27 x 100%)
=2,2 dt

30
(30/13,5)
= 2,2 dt

60
(60/27)
=2,2 dt

2,2 dt
 

Die maximal zulässige Menge der Düngemittel wird durch die zuerst erreichte Grenze festgelegt.

Ausgenommen von den beschriebenen Regelungen ist lediglich der Einsatz von Festmist von Huf- und Klauentieren sowie Kompost. Diese können unabhängig von der Vorfrucht und ohne Begrenzung auf 30/60 kg N/ha ausgebracht werden, es gibt hierfür lediglich die Sperrfrist vom 15. Dezember bis 15. Januar. Die maximal auszubringende Menge orientiert sich hierbei am Gesamtbedarf der nachfolgenden Kultur. Eine zeitnahe Ausbringung ist natürlich immer zu empfehlen, um eine höhere Nährstoffeffizienz zu erreichen.

Die neue Düngeverordnung verpflichtet den Landwirt, vor der Düngung einer Kultur den Düngebedarf für jeden Schlag zu ermitteln und dieses schriftlich zu dokumentieren. Dies gilt auch für die Düngung von im Sommer/Herbst 2018 angesäten Kulturen (s. o.) Als Hilfestellung zu den Aufzeichnungen kann unser Formblatt genutzt werden, in den die Schläge und die o. g. ausschlaggebenden Parameter erfasst werden und schließlich der damit ermittelte N-Düngebedarf in kg N/ha eingetragen wird. Geschieht dies für jeden Schlag, ist die Dokumentationspflicht erfüllt. Für noch vorgesehene Düngungsmaßnahmen auf dem Grünland ist keine separate Düngebedarfsermittlung in diesem Jahr zu erstellen, da für die gesamte Vegetationsperiode bereits im Frühjahr geplant wurde.


Kontakt:
Tim Eiler
Leiter Sachgebiet Düngerecht
Telefon: 0441 801-735
Telefax: 0441 801-440
E-Mail:
Jelko Djuren
Kontrolle Düngerecht
Telefon: 0441 801-775
Telefax: 0441 801-778
E-Mail:


Stand: 30.07.2018