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Verschiebung der Düngesperrfrist auf Grünland

Bekanntlich gilt in den Wintermonaten bis zum 31. Januar ein Ausbringverbot für N-haltige Düngemittel. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen lässt auf Antragstellung die Vorverlegung der Sperrfrist um zwei Wochen zu, um eine Boden schonende Ausbringung bei gleichzeitiger Minimierung des Stickstoffverlustrisikos zu gewährleisten. Die Sperrfrist auf Grünland beginnt damit am 16.Oktober 2019 und endet am 15.Januar 2020 (einschl.).

Aus rechtlichen Gründen ist dies jedoch nur für Grünland und Flächen mit mehrjährigem Feldfutterbau möglich. Als mehrjähriger Feldfutterbau gelten Flächen auf denen bereits vor dem 15. Mai 2019 Futtergräser bzw. Gras-Leguminosengemenge angesät wurde. Gräser die erst im Sommer 2019 nach der Hauptfruchternte gesät wurden, fallen nicht darunter und können bei der Sperrfristverschiebung nicht berücksichtigt werden!

Eine Sperrfristverschiebung auf Ackerland ist grundsätzlich nicht möglich.

Wie bereits in den vergangenen Jahren bietet die Düngeverordnung den Landwirten die Möglichkeit, die Sperrfrist zu verschieben, wenn die Belange des Boden- und Gewässerschutzes dem nicht entgegenstehen.

Eine Sperrfristverschiebung auf Ackerland ist grundsätzlich nicht möglich. Grund ist, dass die Sperrfrist für Ackerland bereits mit der Ernte der letzten Hauptfrucht beginnt, die Dauer der Sperrfrist nicht verkürzt werden darf und eine Verschiebung auf einen Termin „zwei Wochen vor der Ernte der Hauptfrucht“ unmöglich ist.

Damit kann nur noch auf Grünland und Flächen mit mehrjährigem Feldfutterbau die Sperrfrist verschoben werden!

Gemäß § 3 Absatz 1 der Düngeverordnung sind Aufbringungszeit und -menge bei Düngemitteln so zu wählen, dass verfügbare oder verfügbar werdende Nährstoffe den Pflanzen zeitgerecht in einer dem Nährstoffbedarf der Pflanzen entsprechenden Menge zur Verfügung stehen und Einträge in oberirdische Gewässer und das Grundwasser vermieden werden. In diesem Sinne sollten die Ausbringungstermine für Düngemittel mit Gehalten an verfügbarem Stickstoff möglichst kurz vor Vegetationsbeginn liegen. Allerdings können die Böden, vor allem in feuchten Jahren, vielfach zu diesen Terminen mit schwerer Ausbringungstechnik nicht bzw. nicht ohne Bodendruckschäden befahrbar sein.

Um bei tagsüber auftauenden Böden Nachtfröste zu nutzen, kann eine Vorziehung des Sperrfristendes auf den 15. Januar sinnvoll sein, um die genannten Düngemittel bodenschonend ausbringen zu können. Versuchsergebnisse zeigen zudem, dass die Ausnutzung des Güllestickstoffs auf Grünland bei zeitiger Ausbringung Mitte/Ende Januar häufig besser ist als bei einer späten Ausbringung im Herbst.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, als nach Landesrecht zuständige Stelle, lässt auf Antragstellung die Vorverlegung der Sperrfrist um zwei Wochen zu, um eine bodenschonende Ausbringung bei gleichzeitiger Minimierung des Stickstoffverlustrisikos zu gewährleisten. Dies bedeutet, dass bei einer Vorverlegung der Sperrfrist auf dem Grünland die Sperrfrist auf Grünland am 16.Oktober beginnt und am 15.Januar (einschl.) endet.

Aus rechtlichen Gründen kann eine Genehmigung der Sperrfristverlegung allerdings nur für einen Einzelbetrieb erteilt werden, nicht etwa für alle Landwirte einer Region oder einen Landkreis.

Keine Ausnahmen von der Sperrfrist für N-haltige Dünger im Einzugsgebiet der oberen Hunte/Dümmer

Das Niedersächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium haben den 17 Punkte-Plan zur Dümmersanierung, der Maßnahmen sowohl zur Restaurierung des Sees als auch zur Sanierung des Einzugsgebietes vorsieht, entwickelt.

Aufgrund der Aussagen mehrerer Gutachter, die einen Zusammenhang des Anstiegs der Phosphatfrachten im zeitigen Frühjahr mit dem Beginn der Gülleausbringung vermuten, sollten die Ausnahmegenehmigungen zur Verschiebung (Vorverlegung) der Sperrfrist auf den 15. Januar im Dümmer-Einzugsgebiet kritisch überprüft werden.

Zur Vermeidung der Gefahr direkter Nährstoffeinträge in die Oberflächengewässer wird im Rahmenkonzept zum 17- Punkte-Plan empfohlen

  1. im gesamten Einzugsgebiet der Oberen Hunte/ Dümmer auf Ausnahmegenehmigungen zur Ausbringung von N-haltigen Düngern vor dem 01.Februar zu verzichten,
  2. die geltenden Abstandsregelungen zum Gewässer strikt zu beachten,
  3. die Regelungen zur Lagerung von Festmist im Außenbereich zu beachten

Auf abschwemmungs- und erosionsgefährdeten Flächen sollte die Ausbringung von Stickstoffdüngern nicht vor dem 15. März erfolgen und – wenn möglich – durch spezielle Ausbringtechniken (z. B. Gülle-Injektionsverfahren) direkt in den Boden appliziert werden.

Auf Grundlage der Zielsetzung zur Dümmersanierung wurde seitens des Landwirtschaftsministeriums verfügt, im gesamten Einzugsgebiet der Oberen Hunte/ Dümmer keine Ausnahmegenehmigungen zur Ausbringung von Düngemitteln mit wesentlichen Gehalten an Stickstoff (ausgenommen Festmist von Huf- und Klauentieren), vor dem 1. Februar zu erteilen.

Damit besteht für die Bewirtschafter von landwirtschaftlichen Nutzflächen innerhalb der Kulisse „Einzugsgebiet Region Obere Hunte / Dümmer“ keine Möglichkeit, die Sperrfrist auf Acker und/oder Grünland zu verschieben.

Die betroffene Gebietskulisse ist im Feldblockfinder Niedersachsen unter www.feldblockfinder-niedersachsen.de als „EZG_Dümmer_120514“ (in der Auswahl links unten am Bildschirm aktvieren) dargestellt.

Nähere Informationen zum Einzugsgebiet und zur gewässerschonenden Bewirtschaftung geben Raimund Esch (0541/56008-132) und Hannes Beune (0541/56008-126) von der Bezirksstelle Osnabrück

Interessierte Betriebsleiter, die von der Sperrfristverschiebung Gebrauch machen wollen, können einen Antrag bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellen. Dazu stehen ab der ersten Septemberwoche Formulare auf der Internetseite der Landwirtschaftskammer zum Download bereit.

Unter Berücksichtigung des Wasserschutzes sind bei der Verschiebung der Sperrfrist folgende Bedingungen einzuhalten:

  1. Die Bestimmungen der Düngeverordnung zur Nährstoffaufnahmefähigkeit der Böden müssen eingehalten werden. Das heißt, keine Ausbringung auf Böden, die überschwemmt, wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt sind. Das Aufbringen auf gefrorenem Boden ist nur dann zulässig, wenn der Boden durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig wird, ein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder benachbarte Flächen nicht zu befürchten ist, der Boden eine Pflanzendecke in Form von Futterpflanzen trägt und andernfalls die Gefahr einer Bodenverdichtung und von Strukturschäden durch das Befahren bestehen würde. Alle vier genannten Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein. Die Aufbringungsmenge über stickstoffhaltige Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel ist auf gefrorenem Boden, der durch Auftauen am Tag des Aufbringens aufnahmefähig wird, auf maximal 60 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar begrenzt. Auch bei geringsten Schneedecken geht der Gesetzgeber davon aus, dass Abschwemmungen von Stickstoff und Phosphat in Gewässer mit der Schneeschmelze – insbesondere bei Regen – erfolgen kann, und deshalb eine Düngung mit N- und P-haltigen Düngemitteln auf schneebedeckten Böden nicht erlaubt ist.
  2. Um Abschwemmungen von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln in Oberflächengewässer zu vermeiden, muss die Einhaltung der neuen Mindestabstände zu Gewässern besonders beachtet werden. Nach § 5 Abs. 2 und 3 der DüV müssen bei Breitverteilung mindestens vier Meter Sicherheitsabstand zur Böschungsoberkante eingehalten werden. Abweichend dazu kann der Mindestabstand auf einen Meter verkürzt werden, soweit für das Aufbringen Geräte genutzt werden, bei denen die Streubreite der Arbeitsbreite entspricht oder die über eine Grenzstreueinrichtung verfügen. Hier sind in erster Linie Schleppschlauch-, Schleppschuh- und Injektionsverteiler zu nennen. Beträgt die Hangneigung mindestens 10 % innerhalb eines Abstandes von 20 Metern zur Böschungsoberkante eines Gewässers, so dürfen nach § 5 Abs. 3 DüV innerhalb eines 5 Meter Abstands zur Gewässerböschungsoberkante generell keine N- und P-haltigen Düngemittel ausgebracht werden. Dieses Ausbringungsverbot gilt bei stark geneigten Flächen unabhängig von der eingesetzten Technik und muss immer eingehalten werden, also auch wenn z.B. Schleppschuhtechnik oder Mineraldüngerstreuer mit Grenzstreueinrichtung eingesetzt werden. Grünlandflächen in den Moor- und Marschregionen verfügen häufig über Grüppen zur Entwässerung. Hier besteht bei ungünstigen Bedingungen ebenfalls eine hohe Abschwemmungsgefahr. Ein direkter Nährstoffeintrag oder ein Abschwemmen in Grüppen ist unbedingt zu vermeiden.
  3. Die Regelungen in Wasserschutzgebieten werden mit der möglichen Verschiebung für die Sperrfristen nicht außer Kraft gesetzt. Somit gelten die in Wasserschutzgebieten vereinbarten Regelungen weiterhin und müssen entsprechend beachtet werden.

Aufgrund der Erfahrungen aus vorangegangenen Wintern (Gülleausbringung trotz Schneedecke und gefrorenem Boden, Nichteinhalten von Sicherheitsabständen zu Gewässern) wird auf die oben genannten Bedingungen und Hinweise nochmals eindringlich verwiesen. Verstöße sind Cross- Compliance relevant und können mit Bußgeldern geahndet werden.

Zur Klarstellung wird darauf hingewiesen, dass die Sperrfrist nicht für die Düngung mit Festmist von Huf- oder Klauentieren sowie Komposte gilt. Für diese Düngemittel gilt ein gesonderter Verbotszeitraum in der Zeit vom 15. Dezember bis zum 15. Januar. Diese Sperrfrist kann nicht verschoben werden.

Antragsformulare zur Verschiebung der Ausbringungssperrfrist auf Grünland für den Winter 2019/2020 stehen im Download am Ende dieses Artikels Seite bereit. Diese können direkt am PC ausgefüllt und online an die Adresse sperrfrist@lwk-niedersachsen.de der LWK übermittelt werden. Bei technischen Schwierigkeiten ist in Ausnahmefällen ein Senden des am PC ausgefüllten Formulars als Scan an die Fax-Nummer 0441-801-450 möglich. Bitte keine Anträge per Post zusenden!

Wichtig ist die rechtzeitige Antragstellung: Damit gewährleistet ist, dass die Sperrfrist nicht verkürzt wird, muss der Antrag vor Beginn der neuen, vorverlegten Sperrfrist, d. h. bis zum 16. Oktober 2019 genehmigt sein. Um dies sicherzustellen, muss die Antragstellung spätestens bis zum 11. Oktober 2019 erfolgen. Wer die Antragsvoraussetzungen erfüllt, erhält von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eine schriftliche Genehmigung. Diese Genehmigung kann grundsätzlich nur für ein Jahr erteilt werden.

Für die Bearbeitung der Anträge wird von der Düngebehörde eine Gebühr in Höhe von 50,00 Euro erhoben. Nähere Einzelheiten erhalten Sie bei den Dienststellen der Landwirtschaftskammer.


Kontakt:
Jennifer Trebels
Technische Hilfe
Telefon: 0441 801-235
Telefax: 0441 801-450
E-Mail:
Jelko Djuren
Fachfragen Sperrfrist
Telefon: 0441 801-775
Telefax: 0441 801-450
E-Mail:


Stand: 02.09.2019



PDF: 32478 - 666.552734375 KB   Sperrfristantrag Formular 2019   - 667 KB