Webcode: 01030830

Inklusion: Werkstätten für behinderte Menschen akkreditiert

Acht Werkstätten für behinderte Menschen erhielten gestern (19. April) ihre Akkreditierungsurkunde, die ihnen die Durchführung einer fachlichen Qualifikation nach festgelegten Standards bestätigt. Überreicht wurden die Urkunden von Gerhard Schwetje, dem Präsidenten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, die die Qualifizierungsrichtlinien in Kooperation mit den Werkstätten erarbeitet und überprüft hat.

„Wir sind als Kammer mitten drin im Bereich Inklusion“, so Schwetje in der von dem Journalisten Ludger Abeln geleiteten Begrüßungsrunde. Bereits 3.800 Fachpraktiker und Werker hätten den Ausbildungsprozess  bei der LWK in den letzten zehn Jahren durchlaufen.
„Unser Ziel ist es, Menschen mit Behinderung als Hilfskräfte in praktische Arbeitsbereiche einzubinden und ihnen einen Platz im Betriebsalltag zu geben“, sagte Schwetje. Mit ihrer Arbeit setze die Kammer ein wichtiges bildungspolitisches Signal zur Inklusion, denn die Zertifikate „Hilfskraft im Gartenbau“ und „Hilfskraft in der Hauswirtschaft“ seien bundesweit einzigartig.
Michael Bode, Vorstand vom Caritas Verein Altenoythe, formulierte den gesellschaftlichen Auftrag, „behinderte Menschen auszubilden und fachlich zu qualifizieren“. Eine dokumentierte Qualifizierung gäbe den Teilnehmern Mut und Selbstvertrauen, sich neuen Herausforderungen im Arbeitsalltag zu stellen und ihr Leben teilweise selbst in die Hand zu nehmen.
Der stellvertretende Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (LAG), Michael Korden, hob die Bedeutung von Qualifikationsnachweisen im Arbeitsalltag hervor. Nach erfolgreich durchlaufener Qualifizierung bekämen die Teilnehmer ein Zertifikat, das ihre individuellen Stärken auch für potentielle Arbeitgeber sichtbar mache.
Im Rahmen der Feierstunde berichteten qualifizierte Hilfskräfte über ihre Qualifizierungsschwerpunkte. Ludger Abeln, der auch Leiter der Stabstelle Netzwerke im Vorstand der Caritas Gemeinschaftsstiftung ist, zog danach folgendes Fazit: „Unternehmen greifen immer noch viel zu wenig auf diese guten Hilfskräfte zurück.“ Da sei noch Luft nach oben.
In seiner Festrede zitierte der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann den damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker mit den Worten: „Es ist normal, verschieden zu sein.“ Der CDU-Parlamentarier aus dem Wahlkreis Mittelems berichtete von seinen „besten Erfahrungen“ im Bereich Inklusion auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb.
Stegemann bezeichnete es als eine „wichtige gesellschaftliche Herausforderung“, die Vermittlungsquote von Behinderten auf dem ersten Arbeitsmarkt deutlich anzuheben. Derzeit betrage sie gerade einmal ein Prozent. Ein Lob richtete der Politiker an die Landwirtschaftskammer. „Mit Ihrer Arbeit übernehmen Sie hier eine Vorbildfunktion“, sagte er an Präsident Schwetje gerichtet.
In seinem Schlusswort brachte der Geschäftsführer der in Meppen ansässigen VAB (Vertrieb, Auftragsbeschaffung und Bildung zur Teilhabe am Arbeitsleben), Johannes Münzebrock, die Bedeutung der Qualifizierung behinderter Menschen so auf den Punkt: „Jeder Mensch will notwendig sein! Berufliche Qualifikation ist Dynamik fürs Leben und bedeutet Struktur für den Alltag.“
Die Akkreditierungsurkunden wurden überreicht an das Andreaswerk, Vechta, die Bersenbrücker gemeinnützigen Werkstätten, den Caritas Verein Altenoythe, die Caritas-Werkstätten nördliches Emsland, Papenburg, das Christophorus Werk, Lingen, die Gemeinnützige Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit, Wilhelmshaven, die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg, das St.-Vitus-Werk, Meppen.


Kontakt:
Walter Hollweg
Pressesprecher
Telefon: 0441 801-200
Telefax: 0441 801-509
E-Mail: