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Körnermais

Stetige Nachfrage, Importerleichterungen, Tücken bei der Abrechnung

Während Brotweizen in diesem Wirtschaftsjahr wegen des bislang sehr schwachen Exportgeschäfts nur recht schleppend zu vermarkten ist, sieht es für Futterweizen, Gerste und Roggen zumindest etwas besser aus. Für Futtergetreide generell und insbesondere für Körnermais gibt es eine vergleichsweise stetige Nachfrage. In Niedersachsen ist der Bedarf an Futtergetreide wegen der starken tierischen Veredlungsproduktion besonders groß, aber auch auf Bundesebene und weltweit gesehen entfällt der mit Abstand größte Anteil am gesamten Getreideverbrauch auf den Futtersektor, der zudem seit Jahren auch noch wesentlich stärker wächst als alle anderen Verwendungsbereiche. Ohne den hohen Futterbedarf wäre die zu vermarktenden Getreidemenge wesentlich geringer und die an vielen Standorten schon nicht vollkostendeckenden Getreidepreise noch niedriger.

 

Zollfreie Importe

Die Marktsituation der vergangenen Monate führte dazu, dass sich die Preise für Futter- und Brotgetreide immer mehr angenähert haben. Das könnte sich demnächst ändern, wenn der Weizenexport doch noch Schwung aufnimmt und auf der anderen Seite wieder mehr Importe von Körnermais und anderem Futtergetreide zu niedrigeren Preisen auf die hiesigen Märkte gelangen. Seit dem 1. Januar sind nämlich wieder zollfreie Importe aus bestimmten Ländern möglich, denen die Europäische Union Sonderkonditionen eingeräumt hat. Von besonderer Bedeutung ist dabei das Assoziierungs- und Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Ukraine. Vor kurzem wurde beschlossen, die im ursprünglichen Abkommen vereinbarten jährlichen Mengen für zunächst drei Jahre erheblich aufzustocken (s. Tabelle). Am kräftigsten erhöht wurde die Menge für zollfreie Maisimporte auf über 1,1 Mio. t pro Jahr.

Ob und in welcher Höhe die EU für Körnermaiseinfuhren außerhalb von Sonderkontingenten einen Importzoll erhebt, hängt von der Maisnotierung an der US-Terminbörse in Chicago und von den Frachtkosten nach Rotterdam ab. Dabei gilt folgende Formel:

EU-Importzoll =        Schwellenpreis (157,03 Euro/t)

                                    minus Notierung Frontmonat Chicago

                                    minus Fob-Prämie US-Golf

                                    minus Frachtrate vom US-Golf nach Rotterdam

Erhoben wird ein Importzoll aber nur dann, wenn zwischen dem Schwellenpreis und der um die Frachtkosten erhöhten US-Maisnotierung immer noch eine Differenz von mehr als 5 Euro/t bleibt. Weil sich die Maisnotierungen der EU und der USA in den vergangenen Monaten weiter auseinanderentwickelt hatten, fällt seit einigen Wochen wieder ein Zoll für EU-Maiseinfuhren an und zwar generell, nicht nur für Einfuhren aus den USA. Im Dezember 2017 betrug der für Körnermaisimporte außerhalb von Sonderkontingenten erhobene Zoll 5,61 €/t. Damit wurde für Importeure der Zugriff auf zollfrei einzuführenden Mais aus der Ukraine nicht nur wieder möglich, sondern auch interessant.

Zollfreie oder zollbegünstigte Einfuhren machen es leichter möglich, dass der Körnermaispreis in der EU unter den Schwellenpreis sinken und damit der eigentlich vorgesehene Außenschutz unterlaufen werden kann. Ob, wie lange und in welchem Umfang es dann tatsächlich dazu kommt hängt natürlich davon ab, wie sich der Marktpreis im Herkunftsland entwickelt. Allerdings ist seit vielen Jahren eine Tendenz zur immer weitergehenden Aushöhlung des Außenschutzes zu beobachten. Jüngstes Beispiel ist das mit Kanada abgeschlossene und im September 2017 in Kraft getretene CETA-Abkommen (Comprehensive Economic and Trade Agreement). Auch hieraus können sich Auswirkungen beispielsweise für den Weizenmarkt ergeben, die allerdings voraussichtlich weniger ins Gewicht fallen werden, weil kanadischer Weizen im Normalfall kaum noch wettbewerbsfähig auf dem EU-Getreidemarkt ist. Bei Körnermais beschränken sich kanadischen Ausfuhren auf nicht viel mehr als 1 Mio. t jährlich und diese landen in der Regel auch nicht in Europa.

Ganz anders würde es wohl aussehen, wenn die abgebrochenen TTIP-Verhandlungen über eine Freihandelszone mit den USA wiederaufgenommen würden. Diese haben als immer noch mit Abstand weltgrößter Maisexporteur natürlich ein erhebliches Interesse an einem freien Zugang zum EU-Markt. Bei Körnermais sind sie im Gegensatz zu anderen Agrarprodukten nach wie vor auch sehr konkurrenzfähig. Doch selbst wenn die TTIP- oder entsprechende Verhandlungen in absehbarer Zeit nicht wiederaufgenommen werden, wird die Handelsliberalisierung voraussichtlich weiter fortschreiten. Seit dem TTIP-Abbruch werden die Gespräche mit den südamerikanischen Staaten forciert, ebenfalls mit dem Ziel einer Freihandelszone mit der EU (Mercosur). In Brasilien und Argentinien kann auch sehr kostengünstig Körnermais erzeugt werden und beide Staaten erreichen zusammen inzwischen etwa das gleiche Exportvolumen wie die USA.

Die Importregelungen sind bei Körnermais von besonderer Bedeutung für die Marktentwicklung in der EU, weil hier der Preisunterschied zwischen Binnenmarkt und Weltmarkt größer ist als bei den meisten anderen Produkten. Körnermais hat einen hohen Futterwert, kann aber unter westeuropäischen Bedingungen bei weitem nicht so günstig erzeugt werden wie in wärmeren Klimazonen. Speziell in den Veredlungsgebieten im Westen Niedersachsens ist Körnermais sehr gefragt und Erzeuger erzielen hier vergleichsweise hohe Preise. Allerdings sollten Landwirte, die Körnermais nicht nur für den Eigenbedarf erzeugen, sondern verkaufen, nicht nur auf den erzielbaren Preis achten. Wichtig sind auch die Nebenbedingungen wie Besatzabzug, Trocknungsschwund, Trocknungskosten etc..

 

Augen auf bei der Abrechnung

Offenbar auch wegen der Fokussierung auf den Preis scheint sich der Wettbewerb in den vergangenen Jahren zunehmend auf das Feld der Nebenbedingungen verlagert zu haben. Dafür spricht bei genauerer Betrachtung jedenfalls, dass die Preisunterschiede innerhalb Niedersachsens eher abgenommen, die Unterschiede bei den diversen Abzügen aber deutlich zugenommen haben.

Während Getreide bei gutem Erntewetter meist gar nicht nachgetrocknet werden muss und auch bei weniger günstigen Bedingungen oft nur wenige Prozentpunkte bis zur Lagerfähigkeit (14 – 15 % Feuchte) fehlen, muss der im Herbst geerntete Körnermais immer künstlich getrocknet werden. Die Differenz zwischen Anfangs- und Trocknungsendfeuchte ist dabei mit etwa 15 – 25 Prozentpunkten ungefähr sechs- bis zehnmal so groß wie im Durchschnitt bei Getreide. Entsprechend größer sind auch die Gewichtsverluste (Trocknungsschwund).

Der Trocknungsschwund entspricht bekanntlich nicht genau der Feuchtedifferenz, sondern ist immer um einen bestimmten Faktor höher. Bei einer Anfangsfeuchte von 35 % und einer Trocknungsendfeuchte von 15 % beläuft sich der Trocknungsschwund eben nicht nur auf 20 %, sondern auf etwa das 1,2 -fache davon, also auf ca. 24 %. Der Faktor hängt nur von der Trocknungsendfeuchte ab und beträgt genau genommen bei 15 % Endfeuchte exakt 1,176. Da bei der Trocknung neben dem reinen Wasserentzug auch noch in geringem Umfang zusätzliche Substanzverluste auftreten, ist eine Aufrundung des Schwundfaktors auf 1,2 durchaus gerechtfertigt. Erfassungsunternehmen arbeiten bei der Schwundberechnung allerdings oft mit höheren Faktoren. Das kann vertretbar sein, wenn bei der Abrechnung auf zusätzliche Gewichtsabzüge ganz oder weitgehend verzichtet wird. Wird aber neben dem Trocknungsschwund auch noch beispielsweise 1 % oder mehr Aspiration oder Besatz abgezogen, dann sollte der Schwundfaktor nicht höher als 1,2 oder 1,25 sein, insbesondere dann nicht, wenn mit 14,0 statt 15,0 % als Trocknungsendfeuchte gerechnet wird. Höher als 1,35 sollte der Schwundfaktor ohnehin nicht liegen.

Wegen des hohen Wassergehalts von erntefrischem Körnermais fällt der Trocknungsschwund bei Körnermais generell viel höher aus als bei Getreide (s. Tabelle). Wird bei einer Getreidetrocknung (Feuchtedifferenz 3 %) mit 1,4 als Schwundfaktor statt 1,2 gerechnet, beträgt der Gewichtsabzug (Schwund) 4,2 statt 3,6 %. Bei der Körnermaistrocknung (Feuchtedifferenz 20 %) ist auch der Unterschied ungleich größer, nämlich 28 statt 24 %. Volle 4 % mehr Schwund kann bedeuten, dass bereits ein großer Teil des Gewinns (Vollkostenrechnung) weg ist, nur wegen eines höheren Schwundfaktors. Es lohnt sich also, eine Körnermaisabrechnung etwas genauer anzusehen. Gerade der Schwundfaktor erscheint aber in der Regel nicht auf den Abrechnungen der Erfasser. Er lässt sich ermitteln, indem man den auf der Abrechnung ausgewiesenen Trocknungsschwund in % des Liefergewichts (vor Trocknung, aber nach eventueller Aspiration/Besatzabzug) dividiert durch die Feuchtedifferenz (Anfangs- minus Trocknungsendfeuchte).

 

 

Dr. Herbert Funk
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
18. 01. 2018


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Stand: 15.02.2018



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