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Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Wintertriticale 2020

Wintertriticale ist eine ertragsstarke Futtergetreideart mit hohen Eiweißgehalten und vergleichsweise geringen Anbauansprüchen. Neben der Verwendung im eigenen viehhaltenden Betrieb, läuft die Verwertung über Futtermischwerke, oder im Rahmen von Futter-Mist-Kooperationen. Gegenwertig ist das Vermarktungspotenzial von Öko-Triticale aufgrund des hohen Angebotes an Futtergetreide leider begrenzt. Das betrifft vor allem Triticale aus der Umstellung. Ein Anbau sollte deshalb mit der abnehmenden Hand vorher abgestimmt werden.

Auf Standorten auf denen Weizen keine zufriedenstellenden Erträge erreicht, lassen sich mit Triticale oft noch bessere Erträge erzielen. Zudem besitzt diese Getreideart eine ausgeprägte Bodendeckung und Wüchsigkeit, so dass Unkräuter gut unterdrückt werden. Hierdurch kann wiederum die Striegelintensität reduziert werden. Allerdings sind vor allem Gelb- und Braunrost besonders ertragsrelevante Krankheiten, die bei der Sortenwahl unbedingt zu berücksichtigen sind.

Gelbrost nach wie vor ernst nehmen

Zahlreiche neuere Triticalezüchtungen fallen mit guten Einstufungen bei der Blattgesundheit auf. Dennoch zeigen gerade in diesem Jahr die Öko-Landessortenversuche Wintertriticale der Anbaugebiete 2 und 3 die Unberechenbarkeit speziell beim Gelbrost deutlich auf. Die Krankheit trat in diesem Jahr über die Versuchsstandorte betrachtet, mit sehr unterschiedlichen Befallsstärken bei den einzelnen Sorten auf. Teilweise kam es bei relativ gesund eingestuften Sorten zu mittlerem bis sogar starkem Befall der häufig mit erheblichen Ertragseinbrüchen verbunden war. Daneben war der Gelbrostbefall bei den gleichen Sorten auf anderen Standorten weniger auffällig. Der Gelbrosterreger ist sehr anpassungsfähig und verbreitet sich in kürzester Zeit über weite Distanzen wodurch bestehende Resistenzen schnell unwirksam werden. Laut Julius Kühn-Institut dominiert Deutschland- und europaweit noch die Warrior-Rasse. Flankierend hat seit 2019 die Rasse „Triticale 2015“ deutlich zugenommen. Es ist nicht auszuschließen, dass die verschiedenen Rassen regional sehr unterschiedlich auftreten, was eine Erklärung für diese Schwankungen über die Versuchsstandorte sein könnte. Regionale Witterungs- und Standortbedingungen können daneben den Gelbrostbefall zusätzlich erheblich beeinflusst haben.

Diese Tatsachen erschweren eine verlässliche Sortenempfehlung erheblich. Es muss weiterhin damit gerechnet werden, dass eine bisher gesunde Sorte, schon im Folgejahr nach Auftreten neuer Rassen durch erheblichen Gelbrostbefall mit deutlichen Ertragsausfällen reagiert. Der Triticaleanbau ist somit mit einer ständigen Unsicherheit behaftet. Angeraten ist deshalb nicht nur auf eine Sorte zu setzen, sondern zur Risikostreuung mindestens zwei bis drei als gesund eingestufte Sorten im Anbau zu haben.

Die Erträge fallen in diesem Jahr in den Versuchen der beiden Anbaugebiete überwiegend sehr erfreulich aus. Nur in Futterkamp und Alsfeld erreichen sie ein schwächeres Niveau. Der Standort Osnabrück ist aufgrund suboptimaler Aussaatbedingungen im feuchten Herbst 2019 und nachfolgender Staunässe im Spätherbst und Winter leider ausgefallen.

Die Ergebnisse der Landessortenversuche Öko-Wintertriticale 2020 können am Ende dieses Beitrages heruntergeladen werden.

Ergebnisse zu weiteren Öko-Versuchen auch aus zurückliegenden Jahren finden Sie unter: ISIP

Saatgut aus ökologischer Erzeugung

Laut der EG-Verordnung Ökologischer Landbau gilt , dass grundsätzlich nur Bio-Saat- und Pflanzgut zu verwenden ist. Einen guten Überblick über das bundesdeutsche Gesamtangebot erhält man schnell und tagesaktuell im Internet. Unter http://www.organicxseeds.de/sind alle ökologisch erzeugten, vertriebsberechtigten Saatgutpartien sortenspezifisch aufgelistet. Ist dort kein Saatgut der gewünschten Sorte gelistet, darf nach Antrag bei der Kontrollstelle auch konventionell erzeugte, ungebeizte Ware zum Einsatz kommen.


Kontakt:
Markus Mücke
Berater Ökologischer Landbau, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau
Telefon: 0511 3665-4378
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Stand: 27.08.2020