Webcode: 01037448

Öko-Erntebericht Niedersachsen 2020

In Ergänzung der Ernte-Pressekonferenz der Landwirtschaftskammer Niedersachsen 2020 stellen wir Ihnen hier die aktuellen Ernteergebnisse der Ernte für den Ökolandbau im Detail für Niedersachsen vor:

Im Ökolandbau konnten in diesem Jahr insgesamt befriedigende bis gute Ernteergebnisse verzeichnet werden, wenn auch niederschlagsbedingt regional große Unterschiede bestehen.

Erträge Öko-Getreide

Die Erträge des Öko-Getreides fallen in diesem Jahr überwiegend zufriedenstellend bis erfreulich aus. Nur auf leichteren, sandigeren Standorten enttäuschten teilweise die Erträge. Grund dafür waren die lokal sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen. In trockenen Regionen mit dadurch bedingt geringerer Mineralisation waren Trockenschäden und unzureichend ernährte Pflanzenbestände sichtbar. Pilzkrankheiten wie beispielsweise Gelb- und Braunrost spielten in diesem Jahr nur vereinzelt eine Rolle. Regional trat aber Gelbrost insbesondere in Triticale- und in einem etwas geringeren Umfang in Weizenbeständen und auch nur bei bestimmten Sorten auf.

Backqualitäten Öko-Getreide

Gute Backqualitäten zu erzeugen ist im Ökolandbau immer wieder eine Herausforderung. Der wichtigste Parameter für die Preisbildung beim Öko-Backweizen ist der Feuchtklebergehalt. Flankierend spielt auch die Fallzahl eine wichtige Rolle. Dabei beeinflussen eine ganze Reihe von Parametern das Niveau der Backqualitäten. Neben Standort, Fruchtfolge, Witterung und Erntezeitpunkt ist die Stickstoffversorgung und die Sortenwahl ein zentraler Faktor. In diesem Jahr fallen die Backqualitäten beim Weizen und Dinkel überwiegend gut bis zufriedenstellend aus. Die Fallzahlen erreichen witterungsbedingt ein hohes Niveau.

Öko-Körnerleguminosen

Die Erträge der Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Körnererbsen und Lupinen fallen in diesem Jahr erfreulicher gegenüber dem Vorjahr aus. Aber auch hier gab es auf leichteren Standorten regional deutliche Ertragsausfälle durch Wassermangel in der empfindlichen Phase der Blüte und Hülsenbildung, insbesondere da, wo nicht beregnet werden konnte. Die Sojabohnenernte ist noch nicht abgeschlossen, so dass noch keine abschließenden Aussagen zu den Erträgen getroffen werden können.

Die Aussaatbedingungen im Frühjahr waren nahezu optimal und damit auch die Bedingungen für die mechanische Unkrautregulierung. Die Bestände entwickelten sich überwiegend sehr erfreulich. In Ackerbohnen waren in der Jugendentwicklung allerdings häufig Fraßschäden durch den Blattrandkäfer zu beobachten. Im weiteren Wachstumsverlauf regenerierten sich die Pflanzen aber wieder von dem Blattfraß. Blattlausbefall trat insbesondere in den Kulturen Ackerbohne und Erbse auf. Flankierend war in diesem Jahr eine sehr hohe Populationsdichte von Nützlingen zu verzeichnen, die den Befall durch Blattläuse meist sehr gut regulierten und größere Schäden verhinderten. Eine Übertragung der sogenannten Nanoviren durch virusbeladene Blattläuse war in diesem Jahr erfreulicherweise kaum zu beobachten.

Vermarktung Öko-Druschfrüchte

Gespannt sehen die Marktteilnehmer dem Abverkauf neuen Ernte entgegen. Handel und Verarbeiter haben sich aus der alten Ernte gut versorgt. Nacherntig wird deshalb in diesem Jahr sehr abwartend abgeschlossen. Nachfragen bei Verarbeitern ergeben, dass auch zukünftig sicheren Wachstum gerechnet wird. EU-Bio Ware wird zunehmend durch deutsche Verbandsware ersetzt. Verbraucher erwarten zunehmend regional erzeugte Ökoprodukte. Der Handel greift dies auf und bezieht bevorzugt regionale Ware. Da zuletzt vermehrt Marktfruchtbetriebe umstellten, können möglicherweise bei großem Angebot von Umstellungsgetreide Aufnahmeprobleme auftreten, die nur durch einen Marktabfluss in den konventionellen Bereich, mit entsprechenden Preisabschlägen, andeuten. Verbandsware notiert kaum geschwächt und findet, außer bei Roggen, sicher seine Abnehmer. Körnerleguminosen und Ölfrüchte sind weiter zu festen Preisen gesucht. Einige Handelsorganisationen werben mit Poolverkaufslösungen. Hier wird die komplette Ernte angedient und durch den Partner verkauft. Abschlagszahlungen sichern die Liquidität der Betriebe. Kurz vor der neuen Ernte, wenn alles verkauft ist, wird die vorangegangene Ernte endabgerechnet. Das ist ein System für Betriebsleiter, die kein Risiko bei der Vermarktung eingehen wollen.

Öko-Mais

Durch die guten Bedingungen bei der Aussaat und der mechanischen Unkrautregulierung im Frühjahr und nachfolgend guten Wachstumsbedingungen haben sich die Öko-Maisbestände anfänglich sehr gut entwickelt. Die Silomaisernte ist noch nicht in Gänze abgeschlossen, sodass hier noch keine belastbaren Ertragszahlen vorliegen. Es deuten sich aber gute Erträge an. Auf leichteren Standorten ohne Beregnung ist aufgrund der Trockenheit und Hitze im August mit Ertragseinbußen zu rechnen. Die Ernte des Öko-Körnermaises steht noch an. Hier können noch keine belastbaren Aussagen zu den Erträgen abgegeben werden.

Öko-Zuckerrübe

Bei den Bio-Zuckerrüben ist wie in den Vorjahren schon eine extreme Heterogenität der Erträge zu verzeichnen. Der Ertragsdurchschnitt auf den niedersächsischen Öko-Rübenanbau bezogen bewegt sich um 52 t/ha, allerdings mit einer großen Spannweite. Der Zuckergehalt liegt mit durchschnittlich 16,5 % etwas unter dem Vorjahresniveau. Gute Aussaatbedingungen und meist gute Bedingungen für die mechanische Unkrautregulierung ermöglichten ansprechende Bestände, die sich zur Ernte im Schnitt sauberer präsentierten als im Vorjahr. Die Erntebedingungen sind regional unterschiedlich, insgesamt aber als gut einzustufen.

Öko-Speisekartoffel

Im Frühjahr lagen überwiegend gute Bedingungen für die Pflanzung der Kartoffeln vor. Regional wurde Kartoffelkäferbefall beobachtet. Auch die Krautfäule trat in Abhängigkeit der regional sehr unterschiedlichen Niederschlagsmengen auf. In der Regel konnte der Befall durch Kupferbehandlungen aber gestoppt werden. Zu starkem ertragsrelevanten Befall kam es in der Regel nicht.
Die Ernte der Bio-Kartoffeln ist noch nicht abgeschlossen. Es deuten sich gute aber nicht übermäßige Erträge an, die aber häufig in der Praxis durch Beregnung abgesichert werden mussten. Nach gegenwärtigem Stand fallen die Qualitäten vergleichsweise heterogen aus. Abzuwarten ist zudem, wie sich diese im Lager entwickeln.
Probleme ergaben sich vor allem durch Fraßschäden vom Drahtwurm oder durch Mäuse.
Gegenwärtig stehen die Erlöse für Bio-Speisekartoffeln unter Druck. Es wird seitens der Erzeuger versucht möglichst viel Erntegut einzulagern, um so den Druck vom Markt zu nehmen.

Öko-Feldgemüse

Die Anbaufläche von Feldgemüse wächst langsam, aber stetig, ein Anbausegment für Spezialisten. Auf den meisten Betrieben ist eine Feldberegnung vorhanden, insofern konnten die Wasserbedürfnisse der Kulturen auch in diesem dritten trockenen Jahr in Folge gedeckt werden, dies sicher jedoch auf Kosten der Wirtschaftlichkeit in den Betrieben. Möhren und auch Zwiebeln werden von Markt stetig gut nachgefragt und tendieren derzeit fest bei den Erzeugerpreisen. Bei Roter Bete wird eine durchschnittliche Ernte erwartet, der Preis steht derzeit etwas unter Druck. Diese Kulturen werden in entsprechenden Kühlhäusern bis sehr weit ins nächste Jahr gelagert. Es besteht die begründete Hoffnung, dass die Marktentwicklung die anfallenden Lagerkosten berücksichtigt und ausgleicht.

 

Wenn Sie Fragen zur Anbauplanung haben, melden Sie sich gern bei Markus Mücke (0511-36654378). Auch allgemeine Fragen zum Ökolandbau oder zur Betriebsumstellung beantworten wir Ihnen gern.


Kontakt:
Markus Mücke
Berater Ökologischer Landbau, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau
Telefon: 0511 3665-4378
Telefax: 0511 3665-994378
E-Mail:


Stand: 06.10.2020