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Schwefelversorgung im Ökolandbau beachten

Sinkende Schwefeldioxidemissionen aus der Luft haben zu einer niedrigeren Schwefel-Verfügbarkeit und folglich zu geringeren S-Gehalten in den Pflanzen geführt. Schwefel gehört zur Gruppe der Hauptnährstoffe. Mehrjährige bundesweite Versuchsvorhaben belegen: Auch im Ökolandbau muss der Schwefelbedarf bei zahlreichen Kulturen beachtet werden!

Schwefel ist ein für das Wachstum der Pflanzen essentieller Pflanzenhauptnährstoff. Neben Kreuzblütler wie Raps haben auch Leguminosen einen hohen Schwefelbedarf. Schwefel ist für die Synthese schwefelhaltiger Aminosäuren und für den Aufbau der Spross- und Wurzelmasse der Pflanze erforderlich. Vor allem aber ist die symbiotische Stickstofffixierung essentiell an ein ausreichendes Angebot von pflanzenverfügbarem Schwefel gebunden. Fehlt dieser, ist die Fixierleistung der Knöllchenbakterien unzureichend und die Eiweißsynthese ist vermindert. Dies kann weitreichende Folgen für die gesamte Fruchtfolge haben.

 

Aus mehrjährigen bundesweiten Versuchen können folgende Empfehlungen zur Schwefelversogung im Ökolandbau abgeleitet werden:

Feinleguminosen/Kleegras
Feinleguminosen z. B. Klee- und Luzernegras haben einen hohen Schwefelbedarf. Eine S-Düngung kann den Aufwuchsertrag und die N2-Fixierleistung erheblich verbessern. Auch die Folgefrucht profitiert in der Regel von der höheren N2-Fixierleistung der Knöllchenbakterien.

Kleegras-Neuansaaten im Frühjahr
Zur Stärkung einer Neuansaat sollten nur schnell wirkende Sulfatdünger (Kieserit, Kaliumsulfat, Calciumsulfat) eingesetzt werden.  Gedüngt werden muss frühzeitig bereits zur Ansaat, um den Etablierungsprozess der Leguminosen wirkungsvoll zu unterstützen. 
Düngermenge: 30-40 kg Schwefel je Hektar und Jahr. Düngefenster verbessern dabei die Erfolgskontrolle. 
Erstes und zweites Nutzungsjahr von Kleegras
Verschiedene Untersuchungen belegen eine schnelle Ertragssteigerung im Kleegras nach Sulfatdüngung. 
Bevorzugt sind sulfathaltige Schwefeldünger zu verwenden, da diese im Vergleich zum elementaren Schwefel schneller wirken und den Leguminosenanteil im Kleegras erhöhen. 
Elementarer Schwefel (Schwefellinsen) wirkt unabhängig vom Düngungszeitpunkt erst ab Sommer oder Herbst im ersten Hauptnutzungsjahr.
Die Schwefeldüngung sollte bei Frühjahrsansaat direkt zur Saat und im ersten und zweiten Hauptnutzungsjahr zu Vegetationsbeginn erfolgen.
Eine Düngung mit Schwefeldüngern in einer Höhe zwischen 30 - 50 kg/ha im Hauptnutzungsjahr und bei Frühjahrsansaat ist ausreichend und wirtschaftlich sinnvoll.
Sofern zusätzlich auch ein Magnesium- und/oder Kaliumbedarf besteht, sind Magnesiumsulfat- oder Kaliumsulfatdünger zu verwenden.

Alternativ kann Calciumsulfat (Naturgips) verwendet werden. Calciumsulfat ist für die Versorgung von Kleegras mit Schwefel interessant, da es schnell wirkt und bezogen auf den Schwefelgehalt der kostengünstigste Dünger ist.
Die Nachfrucht z. B. Winterweizen kann über höhere Erträge von einer Schwefeldüngung im Kleegras profitieren. 

Sommerkörnerleguminosen
Eigene Schwefeldüngungsversuche bei Ackerbohnen, Erbsen und Lupinen zeigten nur vereinzelt absicherbare Ertragssteigerungen. Besonders leichtere Standorte mit geringer org. Düngung lassen auch bei den Sommerkörnerleguminosen einen Schwefelbedarf erwarten. Eine Schwefelgabe in Höhe von 25 - 30 kg S/ha nach der Saat ist ausreichend.
Winterkörnerleguminosen
Eigene Schwefeldüngungsversuche zu Wintererbsen und aktuell auch bei Winterackerbohnen deuten auf einen höheren Schwefelbedarf als bei den Sommerformen hin. Aus diesem Grund empfehlen wir zu Winterkörnerleguminosen ab Vegetationsbeginn eine Schwefelgabe von 30 - 40 kg S/ha. Ergebnisse dazu liegen aus gemeinsamen Versuchen mit der Getreidezüchtungsfoschung Darzau vor.
Winterraps
Winterraps ist als Kruzifere eine schwefelbedürftige Kultur. Zu Vegetationsbeginn sollte eine Schwefelmenge von etwa 30 - 40 kg Schwefel/ha eingeplant werden. 
Getreide
Beim Wintergetreide haben Wintergerste, Winterweizen und Dinkel den höchsten Bedarf, der bei etwa 25 – 30 kg S/ha liegt. Eigene und externe Versuche haben unter ökologischen Anbaubedingungen allerdings nur selten statistisch abgesicherte Düngungseffekte auf Ertrag und Backqualitäten ergeben. Eine Schwefel-Düngung sollte zum Kleegras erfolgen, da hier aufgrund der deutlichen Mehrerträge im Kleegras und im nachfolgenden Weizen eine hohe Wirtschaftlichkeit erzielt werden kann. 

Schwefeldünger

  • Die Zufuhr von Schwefel über Wirtschaftsdünger ist geringer als erwartet. Im Anwendungsjahr stehen der angebauten Kultur normalerweise weniger als 10 % der mit dem organischen Dünger applizierten S-Menge zur Verfügung. 
  • Im Ökolandbau zugelassene Sulfat-Schwefeldünger sind z. B. Kieserit, Kalimagnesia, Kalisulfat und Mg-Kainit. Sofern über die Bodenuntersuchung auch ein Kali- und / oder Magnesiumbedarf vorliegt, ist die Verwendung dieser Dünger zu bevorzugen. 
  • Als weiterer Sulfatdünger steht auch Naturgips (Calciumsulfat) zur Verfügung, der ebenfalls schnell wirkt und mittlerweile auch in granulierter, gut streufähiger Form angeboten wird. 
  • Elementarer Schwefel steht in fester und flüssiger Form zur Verfügung.
  • Zur Düngung sind Sulfat-Schwefeldünger zu bevorzugen, da Sulfat zügig von den Pflanzen aufgenommen wird. Elementarer Schwefel (z. B. Schwefellinsen) ist dagegen weniger empfehlenswert, da von einer langsamen und unsicheren Wirkung auszugehen ist. Elementarer Schwefel muss nach der Düngung erst durch Mikroorganismen (Thiobakterien) oxidiert werden. Dieser Vorgang findet erst verstärkt bei höheren Bodentemperaturen und ausreichend Feuchtigkeit statt. Dies bedeutet aber auch, dass elementarer Schwefel im Frühjahr zu Kleegras den Schwefel möglicherweise nicht bedarfsgerecht zur Verfügung stellt. Im Herbst kann es zudem noch zu einer nicht unerheblichen Umsetzung des elementaren Schwefels zu Sulfat-Schwefel kommen, der dann nach Vegetationsende auswaschen kann.

Weitere Informationen zu schwefelhaltigen Düngern die im Ökolandbau zulässig sind, finden Sie in der Betriebsmittelliste des FIBL.

Neben Boden- Futter- und Pflanzenanalysen ist die Anlage von eigenen Schwefel-Düngefenstern im Betrieb ausgesprochen hilfreich um einen Einblick in die Situation der betrieblichen Schwefelversorgung zu bekommen.

Ausführlichere Informationen finden Sie in der Schwefelbroschüre für den Ökolandbau

In den letzten Jahren wurden bundesweit von verschiedenen Institutionen zahlreiche Versuchsanstellungen zur Schwefelversorgung in Futter sowie Körnerleguminosen und Winterweizen im Ökolandbau durchgeführt. Ein Großteil der Ergebnisse ist in eine Schwefelbroschüre eingeflossen. Der Arbeitskreis Ökologischer Landbau, der über den Verband der Landwirtschaftskammern (VLK) organisiert ist, hat diese Broschüre zur Schwefeldüngung im Ökolandbau herausgegeben. Die Broschüre wurde unter Federführung der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern und der fachlichen Unterstützung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft erstellt.

Hier gelangen Sie zur Schwefel-Broschüre. 


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Kontakt:
Markus Mücke
Berater Ökologischer Landbau, Umstellungsberatung, Versuchswesen Ökologischer Landbau
Telefon: 0511 3665-4378
Telefax: 0511 3665-994378
E-Mail:
Martin Schochow
Berater Ökologischer Landbau
Telefon: 0511 4005-2296
Telefax: 0511 4005-2468
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Stand: 06.04.2021