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Getreidemarkt: Ausblick auf die neue Ernte

Die Vorräte in den landwirtschaftlichen Betrieben schwinden und die Handelsaktivitäten beruhigen sich. In den vergangenen Tagen ruderten die Erzeugerpreise für Getreide ein wenig zurück. Der Raps konnte sich nach einer kurzen Schwächephase bereits wieder auf sein altes Niveau hangeln. Zunehmend rückt der Fokus der Marktteilnehmer auf die kommende Ernte und die Aussichten für die Erntemengen erscheinen aus aktueller Sicht durchaus positiv zu sein. Für die Preise könnte sich das jedoch eher negativ auswirken. Der Abschluss von Vorkontrakten kann helfen, das derzeit gute Preisniveau für einen Teil der neuen Ernte zu nutzen.

 

Welt: Mehr Weizen und Soja, höhere Endbestände

Der Internationale Getreiderat gab am 25.3.2021 seine neuesten Prognosen bekannt. Neben den Schätzungen für die laufende Saison 20/21 wagte er diesmal auch einen Blick auf das kommende Wirtschaftsjahr 21/22. Demnach wird sich die globale Getreideproduktion auf 2,287 Mrd. t erhöhen. Das entspricht einem Plus von 63 Mio. t zur laufenden Saison. Gleichzeitig wird jedoch auch mit einem höheren Verbrauch gerechnet. Dementsprechend werden die Endbestände unverändert zur Schätzung 20/21 auf 609 Mio. t vermutet. Nach 617 Mio. t im Jahr 19/20.
Insbesondere für den Weizen werden Produktionssteigerungen prognostiziert, denn die Aussichten für die Entwicklung der Weizenbestände in den Hauptanbauländern sind gut. Auswinterungsschäden sind weitgehend ausgeblieben und Niederschläge in Europa und den USA konnten die Wasservorräte in den Böden rechtzeitig auffüllen. Für 21/22 erwarten die Experten aus London eine Erhöhung der Weltweizenproduktion auf 790 Mio. t nach 774 Mio. t in 20/21. Daraus ergeben sich höhere Endbestände in einer Größenordnung von 304 Mio. t. Doch hier lohnt wieder ein Blick auf die Zahlen der Hauptexporteure: Argentinien, Australien, Kanada, EU, Kasachstan, Russland, Ukraine und die USA. Für diese Länder bleibt die Höhe der Endbestände trotz einer höheren Ernteerwartung mit 64 Mio. t lediglich auf dem Niveau des Vorjahres.
Ein deutliches Produktions-Plus wird ebenso bei den Sojabohnen für das kommende Wirtschaftsjahr vermutet. Diese wird nach den Schätzungen des Internationalen Getreiderates auf 383 Mio. t ansteigen und die Vorjahresmenge um 22 Mio. t überschreiten. Das ermöglicht eine leichte Anhebung der weltweiten Endbestände auf 50 Mio. t. Für die Hauptexportländer (Argentinien, Brasilien, USA) bleiben diese mit 11 Mio. t jedoch knapp bemessen.


Europa: Höhere Weizen-, Mais- und Rapsernte
Im Hinblick auf die Ernte in den europäischen Ländern wurden zuletzt Prognosen von Coceral veröffentlicht. Hier wurde ein deutlicher Anstieg der Getreideproduktion in der EU-27 + UK auf 306,8 Mio. t vermutet nach 297,2 Mio. t im Jahr 2020. Insbesondere für den Winterweizen wird es eine deutliche Erhöhung geben. Die kommende Ernte wird auf 141,5 Mio. t geschätzt nach 128,2 Mio. t im Vorjahr. Dagegen ist die Gerstenproduktion leicht rückläufig und wird auf 61,5 Mio. t prognostiziert. Höhere Gerstenmengen werden für Deutschland und Frankreich erwartet, sinkende in Spanien und UK.
Die Maisproduktion für die EU-27 + UK wird sich nach Einschätzung der Experten leicht auf 63,5 Mio. t erhöhen. Größere Mengen werden insbesondere in den Balkan-Staaten erwartet. Ebenso wird im Vergleich zum Vorjahr mit einer steigenden Rapsernte gerechnet. Diese soll sich auf 17,7 Mio. t belaufen nach 17,1 Mio. t im Vorjahr. Ausschlaggebend sind hierbei höhere Erntemengen in Deutschland, Frankreich, UK, Rumänien, Bulgarien und Ungarn.


Deutschland: Mehr Weizen und Wintergerste; Rapsproduktion in Niedersachsen deutlich erhöht
Auch in Deutschland wurden bereits erste Schätzungen für die kommenden Erntemengen bekannt gegeben. Diese basieren zum Teil auf Hochrechnungen des Deutschen Raiffeisenverbandes. Im Durchschnitt bleiben die Erwartungen für die Getreideproduktion dabei auf Vorjahresniveau. Eine Ausweitung der Winterweizenfläche um 2,7% sorgt für eine Erhöhung der Erntemenge um 1,2% auf 21,99 Mio. t. Die Mengen von Roggen und Wintergerste werden ebenfalls um 2,1% bzw. 2,7% höher prognostiziert. Deutliche Rückgänge erwartet der Deutsche Raiffeisenverband bei Sommerweizen, Sommergerste und Hafer. 
Die Rapsproduktion könnte bei einer größeren Anbaufläche von 978.400 ha und einer geringeren Ertragserwartung leicht auf 3,49 Mio. t zurückfallen nach 3,51 Mio. t im Vorjahr. Für Niedersachsen wird jedoch mit mehr Raps gerechnet. Die Anbaufläche wurde um deutliche 10,2% auf 83.300 ha erhöht. Bei einer Ertragserwartung von 36 dt/ha wäre eine Rapsproduktion von 299.880 t denkbar. Das entspräche einem Plus von 13% zum Vorjahr. 


Fazit
Bis zur Ernte vergehen noch einige Monate und die Witterung ist nicht langfristig vorhersagbar. Daher können die derzeitigen Prognosen nur erste Anhaltspunkte sein. Während zunächst noch mit Spätfrösten gerechnet werden kann, ist es später eine mögliche Trockenheit in den Sommermonaten, die die Entwicklung der Bestände beeinträchtigen könnte. Wie zuletzt deutlich zu erkennen war, ist zwar das Wetter ein wichtiger Faktor, der die Märkte beeinflusst. Doch die letzten Wochen und Monate haben wieder einmal gezeigt, dass auch politische Ereignisse, Exportrestriktionen und Seuchenausbrüche die Kursentwicklung an den Börsen und damit auch die Preise vor Ort in Bewegung bringen können. Eine Vorhersage der Geschehnisse und der damit verbundenen Auswirkungen auf den Getreidemarkt ist kaum möglich. Daher ist es wichtig seine betrieblichen Kennzahlen im Blick zu behalten und ein gutes Preisniveau zu erkennen und abzusichern. Dabei ist anzuraten, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern das Prinzip der Risikostreuung zu befolgen.


Quellen: IGC, Coceral, DRV
 


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Stand: 26.03.2021