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Raps im Höhenflug – die Fakten

Die Rapspreise sind in den letzten Monaten auf historische Höhen geklettert. An der Warenterminbörse in Paris ging es zum Monatswechsel besonders turbulent zu. Der auslaufende Mai-Kontrakt legte an einem Tag über 80 EUR/t zu, um am nächsten Tag ebenso viel wieder abzugeben.  Im Hochpunkt wurden somit über 680 EUR/t erreicht. Diese heftige Bewegung wurde jedoch vor allem dem letzten Handelstag geschuldet, denn um nicht in die Lieferung zu kommen, mussten die Marktteilnehmer ihre Kontrakte durch ein Gegengeschäft glattstellen. Das heißt, diese heftige Bewegung an der Börse war zum Großteil „technisch bedingt“.

Höhenflug noch nicht vorbei: August-Kontrakt erobert 500-Euro-Marke

Dass die Aufwärtstendenz jedoch nicht nur mit dem letzten Handelstag des Mai-Kontraktes begründet werden kann, lässt sich an der aktuellen Kursbewegung ablesen. Selbst der folgende August-Kontrakt klettert bereits wieder in neue Höhen. Am 21. April überwand er die 500-Euro-Marke und schon längst hat er sich über diesem Niveau etabliert. Aktuell scheint auch hier die 540 EUR/t das nächste Ziel zu sein. Ebenso freundlich gestaltet sich die Preisfindung am Kassamarkt. Erzeugerpreise für die alte Ernte belaufen sich mittlerweile auf bis zu 580 EUR/t. An manchen Großhandelsplätzen wurde bereits die 600-Euro-Marke für prompte Ware überschritten, doch auch die Ware, die bis Ende 2021 terminiert ist, wird noch mit über 540 EUR/t bewertet. 

Mit einem derartigen Anstieg haben die wenigsten Marktteilnehmer und Analysten gerechnet. Vor einigen Monaten haben dementsprechend auch viele Landwirte zu einem unter normalen Umständen „guten Preis“ in Höhe von 380 EUR/t Vorkontrakte geschlossen. Aktuell werden zum Teil bis zu 120 EUR/t mehr geboten und sogar die Gebote für die Ernte 22 erreichen schon die 400-Euro-Marke.

Was sind die Gründe für diesen Aufschwung?

Ein geringes Angebot bei gleichzeitig hoher Nachfrage treibt den Preis in die Höhe. Und aktuell sind die Rapsvorräte so gut wie aufgebraucht. Die globalen Endbestände werden für das laufende Wirtschaftsjahr auf nur 5,8 Mio. t geschätzt. Damit hätten sie sich im Vergleich zu 18/19 fast halbiert. Insbesondere in Kanada und der EU ist in diesem Zeitraum ein deutlicher Bestandsabbau zu verzeichnen. Doch wie steht es mit dem zu erwartenden Angebot der Hauptanbauländer?

Europa

Für die EU-27 belaufen sich die Prognosen laut des. US-Agrarministeriums derzeit auf 17,20 Mio. t nach 16,99 Mio. t im Vorjahr. Die Endbestände schrumpfen jedoch nach Einschätzung des US-Agrarministeriums von 1,12 Mio. t auf knapp unter 1 Mio. t. Bei einem geschätzten Verbrauch von 23,7 Mio. t wird ein Importbedarf von 6,4 Mio. t benötigt. Als Hauptlieferanten kommen die Ukraine, Australien und auch Kanada in Fragen. Auf Seiten der Importeure steht die EU mit China und Japan in Konkurrenz. Diese Prognosen gehen jedoch noch von einer normalen Wetterentwicklung aus. Spätfröste in Frankreich sowie eventuelle Trockenheit im Frühsommer, die eine geringere Erntemenge und damit einen noch höheren Bedarf zur Folge haben könnten, sind hier noch nicht miteingerechnet.

Ukraine

Die vergangene Ernte ist in der Ukraine aufgrund von Trockenheit unterdurchschnittlich ausgefallen. Die Produktionsmenge belief sich gerade mal auf 2,6 Mio. t nach 3,5 Mio. t im Vorjahr. Auch wenn in diesem Jahr zunächst mit guten Entwicklungsbedingungen gerechnet wird, wird die Erntemenge 21/22 aufgrund der um 10% kleineren Anbaufläche auf lediglich ca. 2,7 Mio. t prognostiziert. Also nur etwas höher als im Vorjahr. Die Exporte werden aufgrund einer leicht erhöhten Verarbeitungsmenge auf 2,3 Mio. t geschätzt nach 2,4 Mio. t in 20/21 und knapp 3 Mio. t in 19/20.

Kanada

Hier rechnet das USDA mit einer Rapsproduktion 20/21 in Höhe von 19 Mio. t nach 19,6 Mio. t im Vorjahr: Besonders deutlich sinken die Endbestände. Diese werden auf 1,2 Mio. t geschätzt, nach 3,13 Mio. t in 19/20. Ursache sind die hohen Exportmengen von knapp 11 Mio. t, vor allem nach China. Bei einem Verbrauch von 10,3 Mio. t wurden als Folge der hohen Exporte bereits Lieferungen zur Bestandsergänzung aus der Ukraine in Erwägung gezogen. Die aktuelle Anbaufläche fällt in diesem Jahr etwas größer aus und erstreckt sich für das Wirtschaftsjahr 21/22 auf 8,7 Mio. ha (Vorjahr 8,4 Mio. ha). Doch Trockenheit und Kälte erschwert die Aussaat und treibt die Fantasien mit Blick auf Ertragseinschränkungen und Verknappung der Versorgungslage weiter an.

Australien

Bereits im vergangenen Jahr konnte sich die Getreide- und Ölsaatenproduktion nach den Dürrejahren erholen. Auch für das kommende Wirtschaftsjahr wird vom US-Agrarministerium mit einer guten Canola-Ernte gerechnet. Demnach wird sich diese nach aktuellen Prognosen im Dezember 21 auf 3,9 Mio. t belaufen, das wäre ein nur leichtes Minus von 100.000 t zum sehr guten Vorjahr. Sowohl der preisliche Anreiz als auch die guten Aussichten hinsichtlich der Wasserversorgung könnten in diesem Jahr die Ausweitung der Anbaufläche begünstigen. Laut USDA wird sich diese in 21/22 auf 2,7 Mio. ha ausweiten nach 2,4 Mio. t in 20/21.

Nun kommt es vor allem auf das Wetter an

Es ist nicht zu bestreiten, dass die EU auch im kommenden Jahr weiterhin einen hohen Bedarf an Raps haben wird. Hierbei steht sie zudem in Konkurrenz zu Japan und China. Problematisch sind derzeit die sehr geringen Bestände in einem der Hauptexportländer, Kanada. Hier haben sich die Bestände deutlich reduziert. Zudem steht auch die neue Aussaat unter keinem guten Stern, denn die Trockenheit bietet den jungen Pflanzen keinen guten Entwicklungsstart. Sollten sich hier die Erntemengen noch weiter reduzieren, könnte Kanada sogar ebenfalls Importbedarf z. B. in der Ukraine anmelden. Das hätte spürbare Folgen für die EU. Insbesondere, wenn dann doch noch Trockenheit die australische Produktion bedrohen würde.

Bisher nur ein Gedankenspiel

Allerdings ist das o. g. Szenario bisher nur ein Gedankenspiel. Noch stehen die Chancen für eine auskömmliche Ernte in der Ukraine und Australien gut. Und darüber, wie stark sich die Trockenheit auf die kanadischen Bestände auswirken wird, lässt sich derzeit auch nur spekulieren. Die Lage ist zwar angespannt, aber noch nicht entschieden. Zudem ist der Einfluss des Sojabohnen- und Pflanzenölmarktes zu beachten. Die US-Bestände an Sojabohnen sind gering, doch Brasiliens Erntemenge erreicht mit 136 Mio. t Rekordhöhen. Damit kann sich die Marktlage noch einmal verschieben. Fakt ist jedoch, dass ein Raps-Überfluss kaum denkbar ist, denn auch durch die Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln in Europa ist mit höheren Ertragsrisiken zu rechnen. Das stellt die Anbauer zwar vor Herausforderungen, könnte aber zusätzlich für ein weiterhin hohes Preisniveau sorgen.

Datenquelle: USDA


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Stand: 10.05.2021